Alle loben Köhler

Dafür, dass er Tacheles redet, so explosive Einsichten wie diese endlich öffentlich macht:

Unsere Zukunft und die unserer Kinder steht auf dem Spiel.

und

Die bestehende föderale Ordnung ist überholt.

Das ist ja schließlich auch höchste Zeit.
Wenn Föderalismus in Deutschland nur noch heißt, dass der Streit um die Rechtschreibreform im Pingpongsystem zwischen den Ländern auf dem Rücken der pisagebeutelten Schulkinder ausgetragen wird, vor allem aber dass die in den Ländern vereinte Rechte durch gezielte Blockade Reformversuche auf Bundesebene vereitelt – dann ist wohl tatsächlich zu hinterfragen, ob diese selbstherrlichen Landesfürsten da nicht übers Ziel hinausschießen und am Ast sägen, auf dem sie sitzen.
Nun aber als Bundespräsident einfach so in den Raum zu werfen, die bestehende Ordnung sei überholt, kann man ja beinahe schon verfassungsfeindlich nennen. Das kann er doch so nicht gemeint haben.

Mich wurmt aber viel mehr, dass diese ganze leidige Affaire immer mehr Ähnlichkeit mit der sogenannten Wende von 1982/83 bekommt. Zwar war es damals die rechte Opposition, die aktiv dem Kanzler das Misstrauen erklärt hat, der Vorgang als solcher war aber weitgehend ähnlich: einer jahrelang andauernden Blockierung der Bundesregierung folgte schließlich ihre parlamentarische Entmachtung, die man sich im Anschluss durch Neuwahlen legitimieren ließ .
Pikant und gleichzeitig ekelhaft fade heute, dass der Kanzler (im vorauseilenden Gehorsam?) dies gleich selbst besorgt hat. Arm, sehr arm diese Form der politischen Selbstentsorgung.
Und mehr als gruselig die Vorstellung, es könnte schon wieder eine 16 Jahre währende Nacht anstehen.

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rain over all


Heute wieder: düster, so düster draußen. Ganz eigenartige Atmosphäre in der Stadt. Dazu dieser starke Wind, der die Schauer vor sich hertreibt. Doch Julember?

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Fehlstart

Heute Morgen.
Dreimal aufgestanden nachts. Zweimal wg Kind3, das Angst hatte. Weltangst? Und einmal wg plötes Telefon, das im Zimmer anfing zu piepen weil Akku alle.
Heute Morgen frisches Hemd angezogen, damit gefrühstückt, danach überlegt, doch noch mal das von gestern anzuziehen, weil ich die Kleine in den Kindergarten bringen mußte, dabei bei diesem Klima denn doch nicht völlig trocken bleibe und dann doch lieber ein ohnehin schon nicht mehr lupenreines Hemd noch mehr verknittere.
Fahrt überraschend gut. Kind3 hat seit einigen Tagen eine intensive Klammerphase, die es mir unmöglich macht, sie zB ins Bett zu bringen oder morgens aus dem Bett zu holen. Das muss immer Mama machen, sonst veranstaltet sie so ein Geschrei, dass man unwillkürlich selbst die Polizei rufen möchte, um sich verhaften zu lassen, weil man seinem Kind so etwas antut.
Daher eigentlich schlimmste Befürchtungen. Aber sie hat ausgesprochen gute Laune. Es gelingt ihr sogar ganz allein eine Eisenbahn herbeizurufen! Ich bin beeindruckt.
Sehr ruhige und entspannte Atmosphäre im Kindergarten: ein Kind über einem Sessel hängend, zwei Erzieherinnen plaudernd – da setzt sich Kind3 mit an den Tisch, als sei gar nix.
Ich bin so platt, dass ich ihr nur vorsichtig tschüss sage und sofort wieder los – weiterfahren will zur Arbeit.
Aber.
Da entdecke ich doch eine fette Reihe Matschspritzer auf meinem Hemd. Fein säuberlich von oben nach unten verteilt. Igitt. Kleine zwar aber so dunkel, dass – ich also wieder nach Hause fahre statt direkt ins Bureau.
Geile Feile. Kleines Radrennen mit mir selbst. 12 km incl. Kind abliefern in 39 Minuten. Pas mal, hein?
Zuhause also Schweiß abtupfen, fliegender Hemdwechsel und wieder los, directement au bureau.
Vielleicht nicht wirklich ein Fehlstart, aber doch ein seltsamer Tagesbeginn.

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Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Photoblogger-Kreisen bekannt wurde, haben nun sowohl photo.grapf als auch Berlin.Blog den 10.000-Besucher-Meilenstein übersprungen. An Page-Views weist photo.grapf mittlerweile ca 43.000 auf, das Berlin.Blog sogar deutlich über 50.000 – jeweils seit Ende Dezember 04.
Wenn das kein Grund für Begeistertsein ist!
Jubeln Sie mit!

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Wenn einem soviel Gutes wird beschert, das ist doch echt gezz einen Asbach wert!
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Setzen. Ausatmen. Weitermachen.

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Zeit für Unschärfe

Seit über einem Jahr knipse ich nur noch digital, aktuell mit einer Powershot G6 von Canon. Die Kamera hat gegenüber einer DSLR ein paar unschlagbare Vorteile: sie ist klein und leicht, so dass man sie eigentlich immer dabei haben kann, das eingebaute Zoom (umgerechnet 35 bis 140mm) reicht für fast alle Anwendungsbereiche aus, die Lichtstärke (Anfangsblende 2,0 bis 3,0) ist super und die Bildqualität ist zumindest bei Tageslichtbildern rundum gut. Mit den technischen Schwächen (zB. Autofokus langsam und bei schwachem Licht praktisch unbrauchbar) kann man sich arrangieren.

Aber ich knipse nicht nur zu reinen Doku-Zwecken (Aufzucht von Kindern und Kaninchen, Veränderungen in der Stadt, diese Dinge), sondern möchte hin und wieder auch mal Bilder mit etwas mehr feeling machen. Deswegen plane ich seit etwa anderthalb Jahren eigentlich die Anschaffung einer digitalen Spiegelreflexkamera (DLSR). Letztes Jahr hatte ich Nikons D70 schon mal bestellt. Dann war sie nicht lieferbar. Während der Wartezeit las ich dummerweise ein paar zu viele Testberichte. Da bestellte ich sie wieder ab. Dann wollte ich mir Canons 10D gönnen, die war mir dann aber einfach zu teuer, zumal man ja nicht nur die Kamera braucht, sondern auch wenigstens ein, zwei Objektive.
Von einer DSLR verspreche ich mir in erster Linie eine wesentlich schnellere Reaktionszeit zB bei Kinderbildern (wg schnellem Autofokus und schnellen Serienbildern), viieel bessere Nachtbilder (weniger Rauschen, bessere Abbildungsqualität allgemein) und vor allem: mehr Gestaltungsmöglichkeiten durch Unschärfe aufgrund längerer Brennweiten.
Denn, wie ich bei meinen eigenen älteren Bildern (mit analoger SLR gemacht) und bei aktuellen Bildern zahlreicher „KollegInnen“ immer wieder sehe: die unscharfen Bestandteile von Bildern sind es, die Atmosphäre, Stimmung und Gefühl rüberbringen.
Die bis in die letzte Ecke scharfe Abbildung des Vorfindlichen hat soviel Charme wie eine Photokopie, letztlich.

Aber eine DSLR ist trotz Preisverfall noch immer richtig teuer. Außerdem stellte ich vor ein paar Tagen erstaunt fest, dass ich im Keller eine komplette SLR-Ausrüstung habe mit allem, was man so braucht: 2 Bodies, lichtstarke Festbrennweiten von 24 bis 200mm, sogar ein funktionstüchtiger Blitz ist vorhanden! Nur eben alles analog. Das heißt, zwischen dem Betätigen des Auslösers und dem Betrachten und weiteren Bearbeiten des Bildes liegt so richtig viel Zeit. Zeit, die man bei regelmäßigem Gebrauch der Digiknipse nicht mehr ertragen zu können meint.
Zeit, die man so als Weblogger und vor allem Photoblogger nicht erübrigen zu dürfen meint, weil man doch alle Bilderzeugnisse immer am besten sofort online stellen muss.

An diesem Rad werde ich jetzt mal versuchen zu drehen.
Mir Zeit nehmen für unscharfe Bilder und – wie früher auch schon jahrelang – hybrid arbeiten: mit der Digiknipse jederzeit schnell was festhalten, mit der analogen SLR in Ruhe schöne Bilder gestalten.

Drücken Sie mir gern die Daumen, dass ich die nötige Geduld wieder lerne!

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Göttinger Graugänse

Da ich es endlich wieder schaffe, bei meinen gelegentlichen Morgenläufen die 10km durchzuhalten, führt mich mein Weg mitunter auch bis hinter den Kiessee. Dort, auf einem Acker kurz vor der im Bau befindlichen Südost-Umgehung Rosdorfs, wurde ich einer Herde Graugänse gewahr, die dort friedlich vor sich hin ästen. Während ich an ihnen vorbei schnaufte, guckten sie mich an, unisono beinahe, und verfolgten mich mit ihren Blicken. Was mich ebenso faszinierte und begeisterte (so große frei, ja wild lebende Vögel interessieren sich für mich genauso wie ich mich für sie!) wie auch irgendwie verunsicherte, weil filmgeprägt wie ich bin, mir sofort diese Zwergsaurier aus Jurassic Park vor Augen standen, die zuerst so possierlich wirkten, sich dann aber zu einer arg gruseligen Todesgefahr gerierten.
Die Graugänse blieben aber nur possierlich. Später, als ich an den Gestaden des Kiessees entlang hoppelte, beglückten sie mich mit einem Formationsflug über den See, dazu lautes Gekreische. Einfach wunderbar.

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Flüssiges Feuer für Schurken

Um es mir mal so richtig zu geben, habe ich in der monde diplomatique über die Kriegsführung der Amis gegen die Koreaner gelesen. Da kommt man so richtig gut bei drauf.
Und heute wollen die uns was von Schurkenstaaten erzählen. Und wie sie mit gewohnt chirurgischer Präzision siegreich gegen die Achse des Bösen kämpfen und damit den Terrorismus besiegen werden. Noch zynischer geht es nicht.

Im Vorwort zu seinem Roman Der Schockwellenreiter schreibt John Brunner:

Wenn es ein Phänomen wie das absolute Böse gibt, dann besteht es darin, einen Menschen wie ein Ding zu behandeln.

Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Nichts von Bedeutung jedenfalls.

Sehr empfehlenswert übrigens auch Brunners Romane Morgenwelt und Schafe blicken auf.

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Trinity

Ausgerechnet Trinity (Dreieinigkeit) haben die USA ihre erste Atombombe genannt. Das Jubiläum ist schon ein paar Tage her. Am 16. Juli 1945 fand das denkwürdige Ereignis statt.
Hält man sich die unmittelbare Wirkung dieser Qualität von Waffen vor Augen, ist die Arroganz des Umgangs damit, den Politiker und Militärs seither an den Tag legen, eigentlich nur als das Ende jeglicher Ethik zu verstehen.
Die Dreieinigkeit, die da vor 60 Jahren das Licht der Welt so grundlegend zu verändern begann, als Vereinigung von Mensch, Technik und Vernichtung, war als solche nicht neu, setzte in ihrer Präzision und Konsequenz aber einen Scheidepunkt der Geschichte, wie es ihn vorher nicht gab.

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Mauersegler


gestern Abend über der Stadt

* * * * * * * * * * * * * * * * * * * *

Einatmen
Lindenblütenduft
im Ohr die Rufe der Mauersegler
und das Klavier von Amelie
Ausatmen
Und sofort wieder
Einatmen

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heute Abend über der Feldmark

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Licht der Erinnerung

Manchmal, wenn ich im harten Gegenlicht fahre, egal ob am Lenker oder am Steuer, kommt so ein Erinnerungs-Flash aus Kindheitstagen. Eine Autofahrsituation mit meinem Vater und irgendwelchen Verwandten, wir auf dem Weg vom Deister nach Hannover oder umgekehrt, Situation eher knisternd, weil ich vermutlich quengelig – gar nicht unbedingt eine angenehme Erinnerung, aber eine intensive. Sie scheint das Tor zu tiefer liegenden Schichten zu bilden.
In Wahrnehmung dessen bin ich versucht, sie konkreter einzufangen, in meinem aktuellen Bewusstsein zu bebildern, in Worte zu fassen und zu werten. Allein das gelingt überhaupt nicht. Nie bekomme ich mehr zu fassen als den Eindruck eines besonderen Lichts, eher kühl als heimelig, eher fremdartig als vertraut, eher unangenehm als freundlich – und so anziehend.

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