Berliner Morgenlauf

So hart wie in diesem Bett habe ich lange nicht geschlafen. In Einrichtung oder gar Komfort investiert das Hotel nicht. Das Gute daran ist, dass es sich nicht verändert, nicht schick saniert wird – und seinen Charme behält. Vom Lärm französischer Touris, die laut palavernd den Flur entlang poltern, wache ich auf. Fahles Licht scheint in das karg möblierte Zimmer. Ich werfe einen Blick in den Hinterhof und hinauf zum Himmel. Müde aber konzentriert streife ich mir die Funktionsklamotten über, Schuhe an und die Laufuhr natürlich, das wichtigste Utensil.
Locker trabe ich ein paar Treppen hinab, durch eine schwere Eisentür und lange Flure nach draußen. Feuchte graue Luft hängt zwischen den Häusern.

Die Schlesische Straße entlang eine endlose Autoschlange, beschäftigt und zielstrebig aussehende Menschen auf dem Trottoir mir entgegen. Mein Kopf findet es kalt, aber mit Mütze ist es zu warm.

Ich kann mich noch nicht entscheiden, wo ich lang laufen möchte. Zuerst überquere ich die Oberbaumbrücke, hüpfe an der Kreuzung zur Stralauer Allee nach links und rechts, weil die Ampel rot ist. Kaum auf der anderen Straßenseite fällt mir ein, dass ich ja gern an der Spree, am ehemaligen Osthafen entlang wollte. Also zurück über die heftig befahrene Kreuzung und eine Lücke in den Zäunen suchen, die das Ufer säumen. Warum ist da alles so abgesperrt? Ich dachte, das sei öffentlicher Grund.

Als ich endlich die Spree erreiche, laufe ich auch schon gegen den nächsten Zaun, der ein Weihnachtsmarktgelände umgibt. Mir bleibt nichts übrig als zur Straße zurück abzubiegen. Was für eine abweisende Gegend! Das hatte ich mir anders vorgestellt.

Über die Vorplätze neu errichteter Betonklötze von Medienfirmen, Hotels oder CocaCola geht es weiter nach Osten, bis ich wieder ans Ufer kann, endlich freien Blick haben, sogar bis fast zur Elsenbrücke. Um da hinauf zu gelangen, muss ich wieder eine Kreuzung überqueren, die wegen Baustelle für Menschen zu Fuß nicht wirklich geeignet erscheint. Auch auf der Brücke nur brüllender Verkehr. Und hinter der Brücke. Von Kreuzung zu Kreuzung.
Neben mir die Blechlawine, die Abgaswolke, der Lärm. Ich will nur noch weg.

Selten ist mir ein Kilometer länger vorgekommen als der zum Damm der ehemaligen Görlitzer Bahn. Endlich Ruhe. Eine Oase der Entspannung. Auch am Kanal fühlt es sich gut an. Der Untergrund ist weich, ein paar Enten schnattern, Hunde werden zum Morgengassi ausgeführt. Selbst die Dealer im Görlitzer Park sind sehr gechillt. Nur einer tritt hastig in die Pedale eines viel zu kleinen Fahrrads, um seinen Kollegen etwas Leckeres vom Bäcker zu bringen. Ich mag, wie hier die Gegensätze aufeinander treffen, fühle mich angespannt geborgen, wohlig gegruselt und könnte die Wege unter den mickrigen Bäumen immer hin und her laufen. Zugleich reizen mich die Straßen im Wrangel-Kiez, die gerade morgens von seinen Bewohnern bevölkert sind und nicht von Touristen. Als einer, der seit Jahrzehnten immer wieder dorthin reist, fühle ich mich verbunden mit diesem Viertel und seinen Menschen: Eintauchen in diese bekannte und freundliche Welt, die doch nicht meine ist und wohl auch niemals wird.

Wohnungsbau in der „neuen Mitte“

Göttingen erlaubt es sich, mitten in der Stadt ein großes Stück des völlig intakten ehemaligen Gothaer Areals an der Geismar-Landstraße abzureißen, um mit weit größerem Platzverbrauch und viel mehr Flächenversiegelung neue Betonburgen errichten zu lassen.
Nachhaltigkeit, klimaschonendes Bauen, lebenswerter Wohnraum oder gar Verkehrsvermeidung sind hier weder für die Mehrheit im Stadtrat (SPD, CDU, FDP) noch erst recht für die Stadtverwaltung relevant. Investorengerechtigkeit allein zählt.

Siehe auch https://stadtentwicklunggoettingen.wordpress.com/2021/09/20/neue-wohnquartiere-gothaer-park/.

Ähnliche Pläne gibt es für das sogenannte Grotefend-Areal am Weender Tor und das ehemalige Postgebäude neben dem Bahnhof. Allen Plänen gemein ist ihr Entstehen unter strikter Nichtbeteiligung und Ausschluss der Öffentlichkeit – entgegen vorherigen anderweitigen Zusagen.

Wenn dem Volk die schicken Betonbunker nicht gefallen, sollen sie doch in eine Villa im Ostviertel ziehen!

Dies ist nicht Afrika

Sondern die Südniedersächsische Toskana. Eine Toskana, die gerade vertrocknet und langsam aber sicher zur Südniedersächsischen Savanne wird. Der ungefähr fünfte Dürre-Sommer in Folge und der offenbar trockenste bislang tut seine Arbeit. Die Böden reißen auf, die Trockheit reicht immer tiefer, das Grundwasser sinkt, die Pflanzen verdorren. Der Wind fegt die Krume fort und sorgt für staubige Luft.
Was könnte helfen?

  • überall kleine und größere grüne Oasen schaffen
  • Hecken zwischen Feldern anlegen
  • Landwirtschaft weniger intensiv betreiben
  • In der Stadt Bäume pflanzen, Fassaden und Dächer begrünen, Flüsse und Bäche aus der Versenkung holen anstatt neue Straßen zu bauen
  • mehr 9€-Ticket statt Dienstwagenprivileg oder Flugverkehrssubventionierung
  • mit nachwachsenden Rohstoffen arbeiten statt mit Beton
  • ökologisch-sozial denken und handeln statt investorengerecht und renditeorientiert

    Es ist so einfach. Wir müssen nur wollen.

Ästhetik des Verfalls?

Woran liegt es, dass seit ein paar Jahren die Erkundung und „Dokumentation“ zerstörter Orte in Mode gekommen ist? Bei Instagram und Facebook, wie auch in anderen sozialen Netzen gibt es international eine riesige Gemeinde von „Urbexern“, die einen Großteil ihrer Freizeit damit verbringen. Warum?

Was motiviert eigentlich dazu Lost Places zu besuchen und zu photographieren? Warum mag man Bilder von verfallenen Gebäuden, von schimmelnden Fassaden und rostenden Stahlträgern?
Worin liegt der Reiz – jetzt mal vom Adrenalinschub abgesehen?

Ich frage mich das seit einer ganzen Weile und bemerke, dass mich Orte wie der hier abgebildete abschrecken um nicht zu sagen anekeln. Ich suche keine Stätten der Verwüstung, die einfach nur kaputt gemacht und dann auch noch vollgemüllt werden.

Was mich reizt am Urbexen, am Streunen durch die B-Seiten der Städte, das ist vielmehr eine Ästhetik des Alterns – in Würde – wenn man das für Gebäude so nennen kann. Es reizt mich selten, wenn Häuser einfach nur einstürzen. Ähnlich wenig zieht es mich aber auch an, wenn alte Häuser schick saniert werden und danach wie geschminkt aussehen. Genauso wirken oft gealterte Menschen, die ihr wahres Aussehen durch Chemie und Plaste&Elaste zu übertünchen versuchen: weder echt noch ästhetisch.

Stattdessen so etwas wie italienische Patina…? Abblätternder Putz, mehrere Schichten von Reklameschildern, die untereinander sichtbar werden! Genauso Schichten von Baumaterial, die im Laufe von Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten übereinander kamen und irgendwann begonnen haben wieder abzubröckeln um Schichten von Vergangenheit freizugeben.

Mir geht es nicht um eine Ästhetik der Trostlosigkeit oder der Verstörung, sondern um eine Ästhetik des Alterns in Würde.

Und das Urbexen allgemein – liegt der Trend zu diesem „Hobby“ einfach darin begründet, dass hier nicht nur der digitalen Perfektion, sondern auch dem Zwang zur Jugendlichkeit der Zerrspiegel vorgehalten wird? Und gelingt das?

Trübe Aussichten

Wenn morgens um acht die Straßenbeleuchtung noch matte Schatten wirft und du von etwa 4 Grad kalten feinsten Tröpfchen benässt wirst. Wenn der automobile Verkehr noch ein Tickchen lauter und aggressiver wirkt als ohnehin schon. Wenn dir aus der Zeitung, der Tagesschau oder aus Twitter nur Warnungen entgegen schallen. Warnungen vor der neuesten Corona-Mutation, vor Rechtsextremisten, vor russischer Aggression gegen die Ukraine, in der Litauen bereits Anzeichen für den totalen Krieg sieht. Vor drastischer Zunahme noch drastischerer Wetterereignisse wie Hitzewellen, Starkregen mit Überflutungen und Zerstörung ganzer Landstriche, sonst wahlweise auch durch Tornados, die sich zu Gruppen zusammenrotten und hunderte Kilometer lange Schneisen völliger Verwüstung ziehen. Wenn sich sogar Vulkane weltweit zu organisieren scheinen, um konzertiert ihre Lavaströme auf unsere Kulturen zu erbrechen.

Und so weiter…

Dystopisch, verstörend, anschwellende Spannung. Allerdings keinerlei Altersbeschränkung. Kein Film von Roland Emmerich. Nicht einmal Fiktion. Nur Science und mediale Aufbereitung.

Da kann man schon mal schlechte Laune kriegen.

Wissenschaft macht Hoffnung

Es gibt doch noch Hoffnung für eine bislang zu wenig beachtete Minderheit: bei immer mehr Elchinnen kommt Penisneid auch bereits in juvenilem Stadium als Komplikation ihres ohnehin schon turbulenten Daseins im Fahrgeschäft vor.
Doch mit Hilfe einer speziellen Lagerungstechnik konnte nun ein therapeutischer Ansatz gefunden werden! 🦌 Die Fachwelt horcht auf. Und die geplagten Tiere dürfen hoffentlich aufatmen!

der vierten Welle entschieden begegnen

Schon als vor gefühlt einigen Monaten der Corona Freedom Day von deutlich zu vielen „liberal“ veranlagten Menschen propagiert wurde, verstand ich das nicht. Da waren die Inzidenzen noch gravierend niedriger als jetzt. Und was passiert jetzt? Das Ende der nationalen epidemischen Notlage wird eingeläutet, während die Zahlen trotz 2/3 vollständig geimpfter Menschen in diesem unserem Lande deutlich höher sind als letztes Jahr um diese Zeit. 3G- oder 2G-Veranstaltungen werden zwar propagiert, die nachhaltige Kontrolle der notwendigen Zertifikate findet aber nicht in ausreichendem Maße statt.
Dazu kommt dieser Schlangenlinienkurs des Gesundheitsministers, der erst die Impfzentren hat schließen lassen und jetzt für ihre Wiedereröffnung plädiert. Als seien das Kioske, wo man nur den Rollladen hoch- und runterziehen müsste.

In einer der renomiertesten Talkshows darf die für ihre spalterischen (doppelzüngigen?) Äußerungen sattsam bekannte Frau Wagenknecht ihre Weigerung sich selbst impfen zu lassen mit irreführenden Argumenten belegen. Ihr wird zwar heftig widersprochen – aber warum bekommt sie überhaupt so ein Forum?

So wie liberal im liberalen Sinne keineswegs immer nur liberal meint, kann hier Toleranz keineswegs bedeuten, die Intoleranz der Impfgegner und Pandemie-Leugner auf Kosten der Gesundheit aller zu tolerieren. Ich breche daher eine klare und unmissverständliche Lanze für eine gut erklärte und ausreichend kommunizierte, ansonsten umfassende Impfpflicht gegen Corona.
Alles andere erscheint mir für die aktuelle Situation zu kurz gegriffen, heuchlerisch und nicht zielführend.

Das ganze Gelaber um „mit den Leuten ins Gespräch kommen“ funktioniert nicht, wie das letzte Jahr, wie der Umgang mit Querdenkern, AfDlern und anderen immer schon und immer wieder zeigt. Wer Argumenten nicht zugänglich ist, mit dem kann man nicht sinnvoll diskutieren. Das ist zermürbende Zeitverschwendung.

Lasch bis zum Merz – Garagenland

Eine nach der andern
Schreitest du sie ab
Egal wie grau du strahlst
Oh schönste der Garagen!
Denn du weißt: hier im Garagenland
Darf’s nie ein Tempolimit geben!
Feier dich auf deinen BeEmWe ElektroSUV
Um Lasch bis zum Merz im Klima zu versödern
Denn besser hast du’s nicht verdient