Gruß an die Vergangenheit
Gestern im Zug nach hause fiel mir plötzlich ein, was sich heute zum dreißigsten Mal jährt: wie Carsten mich zu einer Radtour von Hannover ans Steinhuder Meer einlud. Gemeinsam mit ein paar Menschen, von denen mich eine ganz besonders interessierte.
Es war ein milder Tag, nicht so sonnig wie heute, aber sehr angenehm. Zuerst fand ich das eine Schnapsidee, hatte eigentlich gar keine Lust, wollte lieber ausschlafen. Der Reformationstag war damals für Schüler noch Feiertag.
Aber ich gab mir einen Ruck und fuhr mit.
Der Tag ging als einer der besondersten in meine Geschichte ein, war für mich ein Ausbruch aus dem bis dahinnigen Leben, der Beginn von etwas wirklich Neuem und Wunderbarem.
Noch heute bin ich euch, die ihr dabei wart, innerlich sehr verbunden, auch wenn wir uns im tatsächlichen Leben seit zu vielen Jahren aus den Augen verloren haben.
Carsten, Katharina, Hannes und Bine, seid einmal ganz besonders gegrüßt. Von hier aus, da ich nicht wüßte, wie sonst.
Ausstellung Gregory Crewdson

Herrn Kutter sei Dank (!!!), bin ich in diese Ausstellung im Künstlerhaus (Hannover, Sophienstraße) gegangen und habe mich vollkommen bannen lassen.
Das „betörend schöne und gleichzeitig verstörende Werk“ des amerikanischen Photographen trifft ins Mark der Zivilisation oder dessen, was wir dafür halten – und begeistert.
gone fishing
Alte Bloggerwendung, wenn man mal nach Männer- Blogger-Art ein paar Schritte machen, Zigaretten Pizza oder Rotwein holen gehen möchte oder sich einfach mal ne Runde verkrümelt.
So do I.
Diese Woche bin ich täglich auf Achse zwischen Gö und H und komme daher kaum zum Mailen und noch kaumer zum Bloggen.
Aber ganz schlimm wird es ab nächsten Sonntag: da geht es für zwei ganze Wochen in den warmen Süden. *vorfreu*
Paßt ihr hier in der Zwischenzeit auf, daß sich ganz viele interessierte und motivierte Leute melden & tummeln, die Ostcharme vermitteln möchten? Da würd ich mich gar sehr drüber freuen.
Bis die Tage :-)
Schule für Menschen
Vom ersten Tag an haßte ich meine Schule, das humanistische Gymnasium in der Stadt. Als meine Klasse den Weg von der Aula, wo die Begrüßungsfeier stattgefunden hatte, in den Gebäudetrakt der Unterrichtsräume antrat, verlor ich den Anschluß und irrte nach kurzer Zeit (heulend? ich weiß es nicht mehr) in den labyrinthischen Gängen umher.
Auch in den neun Jahren, die folgten, ließ diese Lehranstalt nur wenige Gelegenheiten, mich einzuschüchtern, aus. Durch ihren elitären Habitus (Griechisch lernen ist Luxus), durch den großteils überalterten autoritären Lehrkörper, durch die pure zu bewältigende Stoffmenge, durch die von vielen gepflegte niemals durchbrochene ironische Distanz und natürlich durch die fleißig geübte Willkür, die schon frühzeitig klarmachte, daß Gerechtigkeit keineswegs jedem zuteil wird.
Man mußte schon kämpfen, Wege finden, das auszuhalten und für sich etwas davon mitzunehmen.
Ab der Oberstufe bestrafte ich alle mit konsequentem aber perfekt portioniertem Entzug. Ich fehlte etwa 40% des Unterrichts in der 13. Klasse, bekam aber trotzdem mein Abi. Und nahm als einziger, mal abgesehen von einem Menschen namens Großkord, mit dem mich sonst nichts aber auch gar nichts verband, mein Abi-Zeugnis in Jeans entgegen.
Ich haßte das Elitäre und haßte die Eliten und diese großbürgerlichen Söhnchen, die nichts sehnlicher erstrebten als in die Fußstapfen ihrer Pfäter zu steigen und deren Status und Lebensstandard wenigstens selbst zu erreichen, besser aber: noch zu übertrumpfen.
Dazu war jeder Ellbogen, jedes Arschgekrieche und jeder gut gezielte Tritt nach unten gerade recht.
So wie dieses Verhalten bei unserem (einzigen) kritischen Deutschlehrer oft thematisiert wurde, so von allen andern fleißig eingeübt und dumpf gefördert. Im Unterricht selbst wurde gesiebt statt gefördert, soziales Lernen hieß: die Schwächsten vor die Klasse treten zu lassen und dort fertig zu machen.
Das waren schon reife Leistungen.
Ich brauchte viele Jahre, um mich davon einigermaßen zu erholen und um wenigstens ansatzweise zu begreifen, was dort wirklich geschehen war.
Diese Herkunft ist einer der Gründe, warum ich sicher nicht auf die Idee kommen würde, meine Kinder auf ein altsprachliches Gymnasium zu schicken.
Es gibt aber auch einige sehr positive Gründe, sie überhaupt nicht auf ein Gymnasium sondern auf die IGS zu schicken, wo die beiden großen sich seit August gut aufgehoben fühlen, wo selbst in Zeiten neuen Lehrermangels und überall deutlich gekürzter Mittel Bildung und Leistung nicht als Ausgrenzungsmittel und Machtmedium vermittelt werden, sondern wo Integration stattfindet.
Das Abi wird dort erst nach 13 Schuljahren gemacht, an Gymnasien seit neuestem in 12.
Die Förderung der SchülerInnen findet im Unterricht statt, Lernschwächere werden nicht einfach ausgesiebt.
Schule und Privatleben wachsen dort in einer Weise zusammen, die man den Gesichtern der LehrerInnen ansieht: die fühlen sich wohl da und leben gern in ihrer Schule. Und als Eltern möchte man gern richtig viel davon mitkriegen, teilnehmen, ja am liebsten selbst wieder mit lernen –
Eine Oase, für die ich ungeheuer dankbar bin.
Neues Photo-Projekt am Start
Gemeinsam mit Hildi und Toby starte ich in Kürze ein neues Photo-Projekt zum Thema „Wende“ oder „Wiedervereinigung“. In Form eines Blogs, überwiegend mit Photos, aber auch mit Geschichten, Anekdoten und Infos zu den Ereignissen, vor allem den persönlichen, soll ein kollektiver subjektiver Überblick entstehen. Das Konzept ist in Vorbereitung.
Gesucht werden MitautorInnen, die
– Photos aus der DDR um 1989/90 oder früher oder später zeigen möchten
– Photos aus dem Grenzgebiet der BRD oder von der Mauer zeigen möchten
– Photos zeigen möchten, die das Zusammenwachsen der beiden deutschen Staaten (oder auch genau das gerade nicht) zeigen
– Lust haben, ihre persönlichen Erlebnisse im Zusammenhang mit der Maueröffnung zu schildern
Wer Material hat und Lust mitzumachen, ist herzlich eingeladen, sich hier per Kommentar oder per Mail zu melden. Wir würden uns sehr freuen, das Projekt auf ein paar Schultern mehr verteilen zu können.
Nur Mut!
Glückwunsch ans Ostkreuz
Die Berliner Photo-Agentur Ostkreuz feiert ihr 15-jähriges Bestehen. Wesentliches Anliegen ist den namhaften Photographen „die Wahrung der individuellen Sehweise für ihre Bilder vom Menschen“, aber auch „die effektlos objektive Sicht aufs neue Deutschland.“
Das Ostkreuz ist im Übrigen der am stärksten frequentierte, sanierungsbedürftigste und ganz klar schönste S-Bahnhof Berlins.
Feindliche Übernahme des Nikolaiviertels
Laut Göttinger Tageblatt vom vergangenen Samstag ist das komplette Häuserviertel zwischen Groner Straße, Nikolaistraße und Düsterer Straße an einen Investor verkauft worden, der es komplett abreißen und dort ein Einkaufszentrum speziell für Textilien errichten lassen will.
Freunde, mit denen ich darüber sprach, waren ebenso fassungslos wie ich, hielten die Meldung für einen Aprilscherz. Nur daß eben leider 1. Oktober war.
Hat sich das GT im Datum geirrt?
Leider scheint es vielmehr, als würden weite Teile der Innenstadt nach und nach von Fremdinvestoren feindlich übernommen, platt gemacht und mit Betonmasse zugegossen. Siehe Lünemann-Areal, siehe Pläne für Stadtbad-Areal, siehe nun Nikolaiviertel. Was weiter geschieht, ist noch im Dunkeln. Die sogenannte Einweihung des Einkaufszentrums auf dem Lünemann-Areal ist erst im Sommer 2006. Wer weiß, als was es sich wirklich entpuppen wird.
Und: wer zieht da eigentlich die Fäden?
Domains im Ausverkauf
Mein lieber Provider hat seinen treuen Kunden ein Sonderangebot für de-Domains gemacht, das man kaum ablehnen kann. Ich könnte also einen langgehegten Wunsch wahrmachen und diesem Blog hier endliche eine „richtige“ eigene Domain verpassen.
Mal vorsichtig in die Runde gefragt: würde sich davon irgendjemand hier vergraulen lassen?
Und wenn nicht: Vorschläge? Wünsche?
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