Mond über Geismar

Das Bild ist von Freitag, einen Tag vor Vollmond. In dieser Nacht ist Mondfinsternis. In Göttingen ganz besonders: wegen absolut bedecktem Himmel ist der Mond nämlich gar nicht zu sehen.

Das Bild ist von Freitag, einen Tag vor Vollmond. In dieser Nacht ist Mondfinsternis. In Göttingen ganz besonders: wegen absolut bedecktem Himmel ist der Mond nämlich gar nicht zu sehen.

Zum 70. Geburtstag der Schwiegermutter eingeladen. Das Gläschen Sekt, da fällt der Verzicht noch leicht. Aber dann: der Kuchen. Alle fallen darüber her. Alle gucken mich groß an: wie jetzt? Du willst keinen Kuchen essen?! Die Schwiegermutter guckt entrüstet. Die Schwägerin erzählt abgeklärt von ihren diversen Fast-Versuchen in der Vergangenheit. Natürlich hat sie immer ganz gefastet, also gar nichts gegessen. Das beeindruckt mich indes viel weniger als ihr Hinweis darauf, daß die Fastenzeit 7 Wochen dauert und nicht nur 6, wovon ich ausgegangen war.
Nicht, daß das den Wahnsinnsunterschied machen würde…

Aber. Ich halte durch.
Sie ist so aufgeregt. Vorher. Und hinterher auch. Alle andern Kinder im Kindergarten wirken im Vergleich zu ihr wie Babys, als ich sie dort morgens abliefere. Im Anhänger wegen dem ekligen stürmisch-regnerischen Wetter. Dann schnell ohne Anhänger zurück nach Hause, ein bißchen Küche aufräumen. Dann wieder Regenhose anziehen und gegen Wind und Geniesel zum KiGa und das Kind abholen. Sie ist da gerade am Tischdecken am Helfen und faszinierend emsig. Genauso gern kommt sie aber auch sofort mit mir mit, ist ganz großes Mädchen und sehr darauf bedacht, das zu zeigen.
In der Schule müssen wir vor der Bücherei warten. Darin findet die Untersuchung statt. Dauert gut 20 Minuten, bis wir dran kommen. In dieser Zeit ist sie unglaublich geduldig!
Und dann, drin, ist es eigentlich einfach nur nett. Der Arzt ist lieb, entgegenkommend und versteht sein Handwerk. Das Kind macht alles völlig klag- und widerspruchslos mit. Auf dem einen Ohr hört sie schlechter, auf dem einen Auge sieht sie schlechter. Beides nicht gravierend, wird aber registriert. Sie ist keine Überfliegerin, aber sie ist gut, sie ist selbstbewußt und sie WILL. Mit ihrem unnachahmlichen Charme.
Ich bin seeehr stolz auf sie. Und ich bin froh, das mit ihr erleben zu können. All diese Dinge sind einfach immer ganz besonders mit ihr.

Angefühlt hat es sich nach allem heute, nur nicht nach Frühling. Der Wind kalt und bissig, die ständigen Regenschauer scheußlich und das reichhaltige Grau dabei äußerst novembrig. Aber eben nicht nur. Tatsächlich riß in der zweiten Tageshälfte die Bedeckung auf, die Sonne kam vielmals durch und erzeugte eine Fülle von Regenbogen, die einem heftigen Apriltag alle Ehre gemacht hätte.
Dieser merkwürdige Winter, der damit endlich zuende ist, war der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnung.
Morgenlauf rauf. In den Wald zum Kerstlingeröder Feld. Es ist matschig, aber kein Schnee mehr zum Glück. Zwei große Flächen, die Kyrill abgeräumt hat. Einige Festkilometer Holz, die da auf Abtransport warten. Gruselig. Aber eine Waldamsel singt wunderbar melancholisch. Ich höre die ersten Singdrosseln der Saison (nie waren sie so früh!), auf dem Feld oben dann auch Goldammern und einen Specht hämmern und singen. Noch ganz schüchtern ein Buchfink. Laufen wie Musik. Anstrengung. Lust. Lebensatem.
Ich faste weder für den Frieden noch im Ernst für das Klima. Obwohl, wenn das ginge und in meinen Augen Sinn hätte, würde ich es tun. So aber erstmal einfach nur für mich selbst: freiwillig sechs Wochen kein Alkohol und keine Süßigkeiten.
Heute ist Tag 3.
Die ersten beiden Tage habe ich mit einer leicht verschärften Ration Obst gut rumgekriegt. Eindeutig (noch?) keine Entzugserscheinungen. Allerdings ist es mitunter schon schwierig die Hände stillzuhalten, wenn zuhause auf einer Kommode, an der ich ungezählte Male am Tag vorbei gehe, fett und breit eine Riesenpackung Schokokrams rumliegt.
Bleiben noch 39 Tage.

Der Bundesrechnungshof hat festgestellt, daß die Bahn zu wenig Sorgfalt auf die Erhaltung des Schienennetzes legt. Vor allem die kleinen Strecken verkommen zusehends. Leider paßt das nur allzu gut ins Bild. Alle Energie, vor allem das große Geld wird in Neu- und Ausbau von Prestige-Projekten gesteckt. Gigantische Bahnhöfe und ICE-Trassen verschlingen die Milliarden, die zwischen Harz und Weser dann fehlen. Ein offensichtlich im ganz großen Stil abgekartetes Spiel zwischen dem Überfliegermanagement der DBAG, den Tiefsee-Fischern in der Regierung und natürlich all den Lobbys, die hier ihre jeweiligen Pfründe zu verteidigen suchen.
Wenn bei dem bereits im Vorfeld für große Bereiche der Bahn ruinösen Börsengang das Schienennetz mit unter den Hammer kommt, spätestens dann wird es hier schnell britische Verhältnisse geben: Unfälle werden zunehmen und die Bahn wird als Nahverkehrsmittel endgültig indiskutabel werden.
Nach nur wenigen Jahren zeigt sich schon überdeutlich, wohin der Weg führt, der mit der Privatisierung der einst öffentlichen Versorgung (Verkehr, Energie, Bildung, Gesundheitswesen usw.) begonnen worden ist.

Kann man sich die Eisenbahn ohne Bahnhöfe vorstellen? Eigentlich nicht so richtig. Tatsächlich aber gibt es schon jetzt eigentlich nur noch eine Handvoll Großkonsumpaläste mit Bahnanschluß in den Großstädten und eine große Zahl kleiner Haltestellen mit bestenfalls überdachten Bahnsteigen auf dem Land. Dort sind die Bahnhofsgebäude meistens seit Jahren geschlossen, stillgelegt, einige wenige verkauft und anderen Zwecken zugeführt.
Diese Entwicklung will die DBAG fortsetzen. Bahnhöfe will sie nur behalten, sofern sie rentabel sind. Da haben Empfangsgebäude ohne Einkaufszentrum und natürlich vor allem ohne Bahnpersonal, das zum Beispiel in der Lage wäre, mal eine Fahrkarte zu verkaufen, keine Chance. Im Gegenzug ist es natürlich so, daß derart verwaiste Bahnimmobilien für manche Leute willkommene Gelegenheit sind, ihrem Mißmut mal so richtig freien Lauf zu lassen und sie zu besprayen oder einfach kaputt zu machen. Wenn es nicht sogar der elende Zustand an sich ist, der die Leute so sauer macht, daß sie dem noch einen draufsetzen.
Hinzu kommt natürlich noch, daß einsame Bahnhöfe auch für wartende Reisende zunehmend gefährlich sind, weil sie betrunkenen, rechtsradikalen oder anderen randalierenden oder pöbelnden Leuten weitgehend schutzlos ausgeliefert sind. Es gibt nicht nur keine Aufsicht, sondern meist auch kaum andere Reisende, weil kaum noch jemand von solchen Haltestellen aus abfahren möchte.
Eine unaufhaltsame Abwärtsspirale: keine Bahnhöfe -> weniger Reisende -> nicht ausgelastete Züge -> Streckenstilllegung -> noch weniger Bahnhöfe -> und immer so weiter.
Man halte sich daneben einmal die Prestigeobjekte der DBAG vor Augen, nur mal allein den neuen Berliner Hauptbahnhof, für den 1 Milliarde Euro in den märkischen Sand gesetzt wurde.
Für den Klimaschutz und wenigstens den Ansatz einer Entwicklung, die in Richtung Nachhaltigkeit geht, halte ich ein funktionierendes Bahnsystem für eine Grundvoraussetzung. Ein Bahnsystem aber braucht Bahnhöfe, die einen zum Bahnreisen passenden Service bieten: man muß Fahrkarten kaufen können und Reiseverpflegung, man braucht einen wirkungsvollen Wetterschutz und sollte sich auch sonst sicher fühlen.
Eine Sammlung zum Webträumen. Bilder aus dem Jahre 1979, Leipzig.
Als Soundtrack vielleicht ein paar Stücke von Deine Lakaien.
Ubuntu, die zwote, schildere ich hier lieber nicht. Da ist alles schief gegangen. Zumindest meine Versuche meine mp3-Sammlung zum Abspielen zu bringen.
Genau das hat aber heute geklappt, wenn auch auf arg umständliche Weise, nämlich mit Umweg über die Debian-Ressourcen-Seite. Aber jetzt spielt die Rhythmbox, was ich will, und das ist sehr schön. Nach einem langen ITensiven Tag eine sehr nette Belohnung.
Die nächste Station wird sein: Mounten der externen Festplatte am USB-Port und zwar via Truecrypt. Wie lustig das wird, davon bekomme ich schon seit einer Stunde eine vage Ahnung. Aber für heute sei’s genug.