Baustelle Fahrradstraße


Die Fahrradverbindung von Geismar durch die Südstadt in die Innenstadt ist vor knapp 10 Jahren zur „Fahrradstraße“ aufgewertet worden. Dazu wurden ein paar – bei gutem Willen erkennbare – Schildlein aufgestellt (im Foto rechts am Rande).
Ein klein bisschen hat es auch geholfen.
Doch nun wird es richtig gut: Der Radverkehr soll durch Umgestaltung der Einmündungen und eine neue Fahrbahndecke beschleunigt werden.
Wichtig erscheint mir in diesem Zusammenhang, dass die Autofahrer über die angezeigten Verhaltensweisen in einer Fahrradstraße, insbesondere dieser hier, nachhaltig aufgeklärt werden. Unter anderem sollte geklärt werden, dass Bürgersteige keine Ausweich-Rennbahn darstellen, wenn an engen Stellen Radfahrer den hier eigentlich nur geduldeten Autoverkehr behindern.

Schnell unterwegs

Ist doch schon sehr genial, in einem bequemen schnellen Zug zu sitzen, Oceansize zu hören und Berlin entgegen zu brausen. Derweil die Landschaft draußen blau vorbei schneit. Der ICE fährt über Hannover, aber ohne da zu halten. Nächster Halt erst Spandau. Warum Hannover?!

Sehr ruhige Stimmung im Wagen. Wir sind pünktlich, während alle andern Züge weit und breit fett Verspätungen haben. Wie ausgenommen aus dem normalen Ablauf des Universums.

16:38 und fast ganz dunkel.
Draußen etwa -8 Grad und sehr eisiger Wind.

Ich hoffe, es wird so romantisch in Berlin wie die Musik, die ich höre. Dunkel mit Lichtern. Kalt mit vielen Wärmepunkten und berührenden Blicken. Und ein paar fetzende Photos möchte ich machen.

20 Minuten vor Spandau bleibt der Zug stehen. Die engagiert klingende Lautsprecherstimme sagt, es gebe einen noch unbestätigten Personenschaden im Streckenabschnitt vor uns. Sobald sie über weitere Informationen verfüge, werde sie.
Ein Raunen geht durch den Wagen, fast alle Reisenden haben auf einmal ihr Handy am Ohr und geben die unbestätigte Nachricht weiter – als unkonkrete Verspätungsankündigung.

Die Heizung bleibt laufen, die Stimmung aber ist umgeschlagen. Obgleich es für niemanden etwas zu tun gibt, wirken alle plötzlich hektisch. Obwohl die Fahrt ja länger als vorgesehen dauern wird, scheint sich jeder jetzt beeilen zu müssen. Womit? Wofür?
Ich habe keine Geduld mehr Musik zu hören.

Den Hauptbahnhof erreicht der Zug mit einer dreiviertel Stunde Verspätung. Ich habe trotzdem unmittelbaren Anschluß an das S-Bahn-Chaos der Hauptstadt, das mich nicht davon abbringen wird, den Schnee und den Glanz des Vorwhynachtlichen in vollen Zügen zu genießen.

Die Südspange ist tot

Sie starb einen langen, tragischen, aber doch eindeutig gerechten Tod. Die Mehrheit der mündigen Göttinger Bürger (immerhin gut 60% bei einer Wahlbeteiligung von gut 40%!!!) haben sich gegen den Bau einer Umgehungsstraße ausgesprochen, die buchstäblich seit Generationen Befürworter und Widersacher gegeneinander aufbringt und die Gemüter erhitzt.
In Zeiten, wo einfach gar kein Geld mehr da ist, kann man natürlich trefflich darüber streiten, wie sinnvoll eine Volksbefragung zu so einem Thema ist, dessen Realisierungschancen ohnehin kaum der Rede wert sind. Aber auf diese Weise werden Planungskosten gespart und da wollen wir mal nicht kleinlich sein. Auch wenn die Ja-Sager nun erwartungsgemäß schlechte Verlierer abgeben und mit ihren alten schlechten Argumenten und schlechter Laune zusätzlich versuchen die Stimmung zu vergiften.

Göttingen sollte aber dieses Abstimmungsergebnis, vor allem die hohe Wahlbeteiligung und auch durchaus die große Menge der Ja-Stimmen als Appell verstehen, endlich in eine Verkehrsplanung einzusteigen, die diesen Namen verdient.
Die Verkehrssteuerung darf sich nicht darin erschöpfen, zweieinhalb Jahre lang die Umwidmung einer Anwohnerstraße in der Südstadt in eine Fahrradstraße vor sich her zu schieben, um nun, nach all der Zeit, eine Allee von Schildern aufzustellen, die dann aber allesamt durchgestrichen werden. Wieviel Intelligenz ist da sinnlos verschleudert worden, um sich dieses Prozedere auszudenken?!

Göttingen baut und plant munter weiter. Immer neue Einkaufsgebiete werden in die ohnehin gebeutelte Landschaft (Kaufpark I und II) oder auch mitten in die Stadt (Kaufland) geklotzt, nur um hinterher festzustellen, daß dadurch neuer Verkehr (oder im Stadtplanerdeutsch: “neue Verkehre”) entsteht, der irgendwie abgeleitet werden muß. Also Kreuzungsumgestaltungen und Straßenverbreiterung in unmittelbarer Umgebung der neuen Shopping-Malls. Bessert das was? Der geneigte Leser wird schon ahnen, daß das die Probleme in der Regel einfach nur verlagert.
Nicht anders verhält es sich mit großzügig erschlossenen und geradezu aggressiv beworbenen neuen Wohngebieten, egal ob im Kiesseekarree, in Elliehausen oder auf den Zietenterrassen. Solange die Infrastruktur insbesondere des ÖPNV da nicht mitzieht, nimmt natürlich zwischen diesen Gebieten und der Innenstadt erstmal nur der Autoverkehr zu.

Andere Städte bauen Straßenbahnlinien oder erweitern ihr Busnetz und versuchen ihre Infrastruktur in Richtung Arbeiten und Wohnen mehr zusammenzuführen. In Göttingen schafft man lieber Distanzen und zwingt die Bewohner, weite Wege zurückzulegen, um zum Einkaufen, zum Schwimmen oder zur Schule zu kommen. Und wenn die Stadt dann im Stau und Feinstaub erstickt, ersinnt man Umgehungsstraßen.

Göttinger Stadtplaner, ihr seid jetzt angesprochen, ja herausgefordert: zeigt mal, daß ihr mehr könnt als nur Flächen zu versiegeln und weiße Striche auf verbreiterte Straßen zu malen! Probiert mal, wie es mit einer Umkehrung der Reihenfolge ist: erst planen, dann bauen!

Göttinger, verwahrt euch gegen die Südspange!

In diesen Tagen bekommen alle Göttinger BürgerInnen Abstimmungsbögen zur Südspange in ihre Briefkästen. Dies ist eine einmalige Gelegenheit, der Göttinger Südspange eine klare Absage zu erteilen und damit ein klares Zeichen für eine umweltfreundliche und zukunftsfähige Stadtpolitik zu setzen.

Seit Jahrzehnten wird über diese Umgehungsstraße nahe des südlichen Ufers des Kiessees gestritten. Einmal gebaut, wird das von der Leineaue geprägte Natur- und Erholungsgebiet unwiederbringlich zerstört. Erneut würde damit eine Entscheidung für mehr Verkehr und gegen zukunftsfähigere Konzepte gefällt.

suedspange

Natürlich ist es verständlich, wenn die AnwohnerInnen der stark belasteten Einfallstraßen sich wünschen, weniger Verkehr vor Ihrer Tür zu haben. Doch die Südspange wird ihnen dafür keine Lösung bringen. Der überwiegende Anteil des Verkehrs wird nur zwischen den Straßen anders verteilt. So wird z.B. die Kiesseestraße – welche viele Schülerinnen und Schüler auf jeden Tag auf Ihren Weg zur Schule überqueren müssen – deutlich stärker befahren werden.

Alle GöttingerInnen werden außerdem den Preis zu zahlen haben. Nicht nur weil die Straße den Göttinger Süden zerschneidet und ein beliebtes Naherholungsgebiet zerstört, sondern auch weil die Stadt mit mehreren Millionen Euro an den Baukosten beteiligt sein wird und anschließend für den Unterhalt aufkommen muß. Geld, welches bereits jetzt für den Unterhalt von bestehender Infrastruktur wie Schulen, Kitas und Sportstätten fehlt; von den anstehenden Einsparvorgaben ganz zu schweigen.

Darum, GöttingerInnen: sagt Nein!

das Netz am Himmel

Viel Rauch um nichts: war das schön!

Nun fliegen sie also wieder.
Ach wie schön das war mal einen blauen Himmel über sich zu haben.
Wie fies die fetten Kondensstreifen jetzt gleich wieder wirken.
Wie ein völlig überdimensioniertes Spinnennetz, das über uns gestülpt wird.
Und genau das ist es doch auch: es hält uns gefangen im Mobilitätswahn und gaukelt uns eine abwegige Illusion von Freiheit vor. Eine Illusion, an der wenige jetzt wieder viel verdienen und durch die viele noch mehr verlieren.

Danke, Eyjafjallajoekull


Seit vielen vielen vielen Jahren zum ersten Mal wieder blauer Himmel.


Nur so.


Nur blau.


Welche Konsequenzen werden wir daraus ziehen?
Unsere Mobilitätszwänge hinterfragen?
Nachhaltige Alternativen zum Flugverkehr entwickeln?
Island auf Schadenersatz verklagen?
Vulkanausbrüche verbieten?
Oder einfach weltweit Stopp-Schilder an Vulkanen aufstellen?

An der Frostbar

Schnee, so ganz in weiß, wird ja einfach gern genommen. Je dichter die Flocken, desto froher das Locken. Winteridylle ist wie noch mal an den Weihnachtsmann glauben dürfen.
Allein, es bleibt ja nicht so.
Nur wenige Tage, auf den großen Straßen sogar nur Stunden, dann überlebt nur das Braun, der Schmutz, der Matsch, der Ekel.
Erstaunlich, wie die Leute an den Haltestellen stehen, Dieseldunst atmen und sich dem Frieren hingeben. Anstatt einfach selbst die Füße zu bewegen, die paar Schritte – wenigstens bis zur nächsten Haltestelle – zu gehen und dabei warm zu werden und die Umgebung zu wechseln.
Erstaunlich auch, wie rücksichtslos und nur am Recht des Stärkeren orientiert alle miteinander verkehren. Autofahrer preschen auf Einmündungen zu Vorfahrtsstraßen zu, als seien Radfahrer minderwertige Leben. Radfahrer klingeln Gehbehinderte oder Kinderwagen Schiebende von den schneebefreiten Teilen der Gehwege, weil sie nur dort selbst halbwegs sicher fahren können. Und Fußgänger bleiben gern in Gruppen über das Wetter kakelnd gerade dort stehen, wo sie die meisten anderen behindern. Und alle warten scheinbar nur darauf angefratzt zu werden, damit sie volles Rohr zurück keifen können.
Schlechte Laune und Griesgrämigkeit brauchen gar keinen besonderen Grund, aber sie finden immer einen.

Geplantes Chaos

Arme Berliner! Zum zweiten Mal in einem viertel Jahr fällt eins ihrer zentralen Nahverkehrssysteme aus. Diesmal im vollen Berufsverkehr geht es nicht so glimpflich ab wie im Juli, als die Sommerferien den Engpass abmilderten.
Das S-Bahn-Chaos, man kann nur sagen, war geplant. Die in den letzten fünf Jahren betriebene verschärfte Mehdornisierung der Verkehrspolitik lief und läuft zielstrebig darauf zu. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann es auch den DB-Fernverkehr in größerem Umfang trifft. Eine Ahnung bekam man ja bereits, als Teile der ICE-Flotte ausfielen: aus den gleichen Gründen wie jetzt die S-Bahn-Züge in Berlin.
Man kann einem so wichtigen, komplexen und zugleich hochsensiblen System wie der Bahn offenbar nicht in dem Maße Ressourcen entziehen, wie sich das die Börsengeier erträumen. Oder haben sie einfach nur falsch kalkuliert? Ist das System einfach nur früher als geplant zusammengebrochen?
Man wird es vermutlich nie herausfinden. Die verantwortlichen Herrschaften haben nicht nur ihre privaten Millionen in trockenen Tüchern, sondern sind in ihren Seilschaften auch sonst bestens abgesichert, so dass ihnen niemand mehr wirksam vor den Karren fahren kann. Und Bahn würden die sowieso nicht fahren, weil sie gar nicht verstehen, wie die funktioniert.