Die erste Amsel

Heute Morgen um kurz nach sechs am Kasinoweg, da wo’s zum Fußgängertunnel hinunter geht, saß eine Amsel auf einem Zweig und flötete schüchtern die ersten Töne gegen den Autolärm an.
Sie schien noch nicht so genau zu wissen, welche Bewegungen in welcher Reihenfolge nötig sind, um den typischen Amselgesang hervorzuzaubern.
Ich hielt an und guckte hinauf zu ihr. Sie blieb da sitzen auf ihrem Zweig, blickte hinab zu mir und flötete noch zwei, drei vorsichtige Töne, bevor ich weiter lief. Wir verstanden uns.

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Kurze Geismarstraße


Wieso dürfen die das eigentlich?
So was beton-beinhart-häßliches in die Göttinger Altstadt klotzen?
In dieser trostlosen Wuchtigkeit, die der kleinen schmalen Straße den letzten Rest Licht nimmt?!

Am Morgen


geht der Grapf in den Garten.

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Schnee in der Stadt

Es schneit in dichten Flocken. Ein wunderschöner Anblick. Ein faszinierendes Gefühl, mit dem Fahrrad hindurchzufahren. Das Kind hinten im Anhänger ruft ständig: Nicht so schnell, Papa! Und: Papa, nicht so dicht am Rand! Als ich an der Ampel beim plötzlichen bremsen etwas ins Schlingern komme, weil der Anhänger überholen will und weil meine Vorderradbremse etwas zu abgenudelt ist um noch schön gleichmäßig zu bremsen, wieder besorgte Rufe von hinten: Papa, beinahe wären wir ausgerutscht!
Sie ist schon so groß. Und sie paßt so gut auf.
An der Auffahrt zum Leineberg, wo es ein paar Meter steil bergan geht, hilft sie fleißig mit: Hau ruck, hau ruck, hau ruck… :-)
Wenn nur der Autoverkehr nicht wäre! Dieser Klutsch auf den Straßen, der Dieselgestank und der durch die Nässe verstärkte Lärm. Wie idyllisch könnte das Stadtleben sein, wenn es nur Straßenbahnen und Fahrräder gäbe!

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Schmidteinandern

Ich kann mich eigentlich zu jedem gewünschten Thema äußern, übrigens auch mit jeder gewünschten Überzeugung. Vielleicht ist es das, was unsere Gesellschaft braucht.

Ist es das? Als ich heute Morgen in der taz das Interview mit Harald Schmidt las, schwankte ich zwischen Amüsiertsein, ungläubigem Staunen und so etwas wie schierem Entsetzen.
Ich bin nicht der Schmidt-Experte, nicht einmal einer, der ihn regelmäßig sieht. Deshalb bin ich, gelinde gesagt, verunsichert. Früher dachte ich immer, Politiker müßten so sein, ihr Mäntelchen eben in den vorherrschenden Wind hängen, wenn sie wiedergewählt werden wollen. Aber der Narr der Nation? Sollte der nicht seine Narrenfreiheit auch mit einer klaren Meinung ausleben dürfen?
Oder ist das der Witz und ich versteh ihn einfach nur nicht?

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Puderzucker-Morgen


Unglaublich, wie schön die Welt sein kann!
Man nehme: ein bißchen Nebel, ordentlich Frost dazu, umrühren und eine Weile gehen lassen, abschmecken mit einer guten Prise frischer Sonne.

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Gö on the ice


Lange lange Zeit konnten sich die Bedenkenträger nicht durchringen, die rote Fahne einzuholen und das Eis des Kiessees freizugeben. Man weiß ja, wohin so etwas führt. Es gibt immer Leute, die es nicht so genau mit den Verboten nehmen. Aber wo sind die geblieben?

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Ein Tag Ostkreuz


Seit November will ich nach Berlin fahren, gestern hat es endlich geklappt, wenn auch nur für einen einzigen Tag. Aber der war sagenhaft.
Bei -14° fahre ich morgens um 7 in Göttingen los, der ICE kommt klaglos pünktlich, Berlin empfängt mich sozusagen grundlegend vereist, nicht nur die Spree komplett zugefroren sondern auch viele Wege, Parks, Flächen –
aber die Sonne scheint, leichter Dunst, absolut optimales Photowetter. Ich drücke etwa 450 mal auf den Auslöser, persönliche Bestleistung ;-)
Ein Tag am Ostkreuz, von kurzen Unterbrechungen abgesehen. Wer weiß, ob ich es so je wieder sehe: so wie immer, mit allen Treppen, allen Brücken, allen Bäumen, allen Büschen, allen Relikten, allen Flicken – so wie immer.
Ein Tag voller Sonne, mit diesem wunderbaren Dunst in der Luft, in den die Sonne so wunderbare Streifen schneidet, ein Tag voller Eis, an dem ich trotzdem nicht friere.

Ein Tag wie eine Liebeserklärung – an meinen Lieblingsbahnhof.