Altstadtlauf 05


Zum ersten Mal seit vier Jahren hat es nicht geklappt mitzulaufen, für mich. Umso größer die Aufregung für die Kinder, die zum ersten Mal alle drei dabei sind. Wegen völlig neuer Streckenführung durch die engen Straßen der Göttinger Altstadt ist die Orientierung schwierig und man findet keinen Platz, von dem aus man die Kinder an den Start bringen und auch noch beim Laufen sehen kann. Das ist schade. Das Gedränge ist aufreibend.
Aber nach dem Youngster- und dem Schnupperlauf entspannt sich die Situation, von da an sind wir nur noch Zuschauer, holen uns in der Johannisstraße ein Döner und gucken begeistert den 5-km-LäuferInnen zu. Die Stimmung ist großartig. Lediglich ein paar merkbefreite Mitarbeiter im blauen T-Shirt der Firma Metallbau Senge nerven mit ihren Druckluft-Tröten, halten aber zum Glück selbst als Zuschauer kaum die 5 km durch.

Höhepunkt: die Langlaufstrecke. Man steht da und ist ganz gebannt, welche Geschwindigkeit die Spitzenläufer durchziehen. Diese Konzentration, die von den vielen äußerst individuellen Laufstilen und Durchhaltestrategien rüberkommt. Ich gucke begeistert zu und würde gleichzeitig liebend gern mitlaufen. Angenehm und seltsam bewegend. Selbst Li-Si, die mit ihren 4 Jahren das erste Mal aktiv dabei ist und um die späte Stunde sonst längst schläft, ist munter und nicht weg zu bewegen.
Auf dem Heimweg liefert mir Hely auf dem letzten Stück noch ein Rennen auf dem Fahrrad. Bergauf. Ich mit Li-Si im Anhänger. Sie nur auf ihrem Rad. Aber sie versägt mich dermaßen, dass es mich völlig plättet. Ist sie doch bei früheren Gelegenheiten gar zu oft die Spaßbremse gewesen auf dem Heimweg. Diesmal scheint die Motivation keine Grenze zu kennen.

Abschied für 4 Tage

Ist für 4 Tage (vier Tage!) mit dem Kindergarten weggefahren, das Kind. Ich vermisse dich so, hat sie gesagt. Dabei ist das ja nun ganz klar mein Part. Ich habe es aber doch vorgezogen, genau das nicht zu sagen. Jedenfalls nicht ihr.
Idiotisch übrigens, was einem bei solcher Gelegenheit so alles durch den Kopf geht, welche albernen und völlig unangemessenen Symbolwerte kleinste Gesten plötzlich bekommen.
Faszinierend und völlig unlogisch, würde Mr Spock sagen.
Aber was da an einem nagt, ist noch was anderes, schwerer zu fassendes, was mit Lebenszufriedenheit zu tun hat. Oder genauer mit deren Abwesenheit bei gleichzeitigem schlechtem Gewissen ebendeswegen. Noch unlogischer, allerdings auch deutlich weniger faszinierend.

Ja, ich labere kryptisches Kauderwelsch.
Aber eigentlich versuche ich nur zu jammern.
Gar nicht so einfach.

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Sommerabend

Da sitze ich auf der Bank vorm Haus, die Beine auf einen Stuhl gewinkelt, mampfe eine Käsestulle, trinke ein Glas Apfelschorle und schrecke alle paar Minuten kurz auf, wenn eine Horde von 4 bis 6 Kindern laut kreischend ums Haus stürmt, sich mit Wasserpistolen und Gießkannen attackiert, gackert, keucht und auch schon wieder außer Sichtweite ist.
“Jaja, der Kindheit glückliche Spiele” denke ich. So heißt es vom alten Gren in Kalle Blomquist lebt gefährlich. Es gefällt mir gerade, das auch zu denken, während ich die sommerabendliche Atmosphäre, angenehm warm, ein Ideechen feucht, in mich einsauge. Oben auf dem Dachfirst sitzt ein Star und pfeift lustige Strophen, die zwischendurch wie von einer Amsel gesungen klingen. Aber nein: es ist der Star.
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Dann kommt der Onkel Toby mit seinem Fahrrad vorgefahren, wird von allen Kinders stürmisch begrüßt (wo die nur so plötzlich herkommen?) und setzt sich zu mir. Das ist so richtig nett. Mir ist so – lyrisch. Wohlig. Romantisch. Ich scheuche die Kinder viel weniger als sonst, erlaube sogar den Großen, noch mit einer Freundin zusammen lange aufzubleiben und zu spielen. Vielleicht ist es sowas wie ein Astrid-Lindgren-Gefühl: barfuß laufen ist zwar für die Jahreszeit eindeutig noch zu kalt, aber natürlich und eigentlich doch gut und muß irgendwie sein.

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Was Vierjährige wollen

Meistens will sie etwas von ihren Eltern, die Prinzessin: Süßigkeiten, fernsehen dürfen, vorgelesen kriegen, vom Klo geholt werden oder sie will so manches nicht, was ihre Eltern von ihr wollen: Gemüse essen, sich waschen und zähneputzen (lassen) oder sich mal ein bißchen beeilen.
Aber noch mehr Durchsetzungsvermögen zeigte sie am Samstag sich selbst gegenüber, als sie mit ihrem Papa zum ersten Mal auf ihrem eigenen Fahrrad in die Stadt fahren durfte, fast 4 Kilometer in eine Richtung immerhin. Erst war ich mir ja gar nicht sicher, ob ich das wagen sollte, ob sie das mit dem Überqueren der 1000 Querstraßen hinkriegt und ob sie es konditionsmäßig schafft.
Aber die Querstraßen waren schon mal überhaupt kein Problem. Selbständig und sehr sicher stieg sie jedesmal rechtzeitig ab, wartete meine Anweisungen ab, guckte dann auch selbst, ob Auto kommt oder nicht, schob über die Straße oder fuhr und machte das alles so toll, daß zahlreiche Passanten, denen sie entgegen kam, ihr Erstaunen und ihr Wohlgefallen zum Ausdruck brachten.
Ihr glückliches Lachen dazu.
Und ihr fröhlich gerufenes “Klingeling”, weil, wie sie mir erklärte, “ich hab doch keine Klingel, nä?!”

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Auf dem Rückweg wurde es ihr sehr schwer. Trotz aller Mühe, die sich gab das zu verbergen. Ich hatte den Anhänger dabei und fragte sie an einer der Steigungen, ob sie lieber darin fahren wolle. Nein, sagte sie, sie wolle erzählen können, daß sie die ganze Strecke selbst gefahren sei.
Und so wurde es. Noch eine kleine Pause, zu der sie ein Eis bekam, ein ganz besonderes, das eigentlich nur größere Kinder bekommen. Das aß sie im Anhänger sitzend, neben dem ich stand und wartete, bis sie fertig war. Dann fuhr sie wieder weiter. Sie selbst.
Ganz bis nach Hause.
Ganz glücklich.

Das Pfingstbild


von Li-Si gemalt am frühen Morgen, während die Mama noch schlief und der Papa dem Kiessee entgegen rannte. Ihre kreative Phase ist kaum fassbar zur Zeit. Vor dem Frühstück hat sie schon locker 2 bis 3 echte Hochqualitätsbilder gemalt, eins schöner als das andere. Man weiß gar nicht, wo man die alle hinhängen soll. Aber die meisten sind zu schön um einfach in Schubladen zu verschwinden.

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Tapete ab – Tapete dran

Es war so rührend mit anzusehen, wieviel Energie Kind.1 in die Vorbereitungen steckte, wie sie ganz klaglos gründlichst ihr Zimmer aufräumte und alle Möbel in die Mitte rückte, daß wir gestern trotz feinstem Ausflugswetter den Tag nutzen mußten, ganz nutzen mußten, um mit der Renovierung ihres Zimmers möglichst weit voranzukommen.
Einmal an der alten Tapete gekratzt und bißchen gerissen machte gnadenlos deutlich, daß sie runter mußte. Die Farbe bröckelte einem sozusagen in großen Plocken entgegen und die größten Teile der Tapete ließen sich großflächig grad so abziehen. Aber natürlich nicht alle. Sondern ein paar äußerst hartnäckige Tapetengallier wehrten sich stundenlang und machten einen langwierigen und echt anstrengenden Spachteleinsatz notwendig, der am frühen Nachmittag noch ernste Zweifel aufkommen ließ, ob wir denn mit der neuen Tapete überhaupt noch anfangen könnten.
Ging dann aber doch. Nach einer verhältnismäßig kurzen Spielpause an der kühlen aber sonnendurchtränkten Frühlingsluft stieg Kind1 wieder mit so viel Elan ein, daß ich am mittleren Nachmittag einfach schon mal den Tapeziertisch aufbaute, Bahnen schnitt, kleisterte und dann schließlich, während in der anderen Zimmerecke noch gekratzt wurde, die ersten Bahnen klebte.
Und gegen sechs waren dann tatsächlich gut zwei Drittel schon fertig, als mir aber die Arme auch nur noch leblos von den Schultern baumelten, die Hände so saftlos, daß ich kaum noch Türklinken drücken konnte – und das Kreuz so wehtat, daß weder Liegen noch Sitzen wirklich angenehm waren. Stehen aber natürlich erst recht nicht.
Trotzdem, Sie kennen das ja: es fühlt sich gut an, diese Art von Malaissen. Sie mischen sich mit Stolz und Erleichterung, mann darf darüber klagen, wie man Narben aus erfolgreich bestandenen Kämpfen zeigen darf…
Und den restlichen Rest erledigen wir heute (zur Not abends) mit links.

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Es wird hell

Um viertel vor sechs schon der halbe Himmel hell. Dazu noch ein strahlender Jupiter im Südwesten. In der angenehmen Kälte ist den Amseln zwar leider die Stimme eingefroren, aber die Rotkehlchen geben sich alle Mühe das auszugleichen. Witzigerweise scheinen einige von ihnen dabei zu versuchen, wie Kohlmeisen zu klingen. Vielleicht bilde ich mir das ja auch nur ein, aber nachdem ich mal in der taz gelesen hatte, wie selbstverständlich Amseln schon Handyklingeltöne nachmachen, und nachdem ich selbst immer fasziniert davon bin, wie die Stare versuchen, wie Kraniche zu klingen – warum also nicht Rotmeisen? Oder Kohlkehlchen?

Der Himmel ist jetzt blau und strahlt. Es ist unglaublich hell. Und die Helligkeit vertreibt die düsteren Gedanken der letzten Tage und läßt so richtig aufatmen.

Aufbruchstimmung.

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Balance-Akt

Ich lauf so durch die Stadt und denke: Woher nur dieser unwillkürliche, unkontrollierbare Drang nett zu sein? Warum positiv denken?

Nein, ich werde jetzt nicht Gründe dafür aufzählen, warum man sich eigentlich sofort die Kugel geben müßte. Genauso wenig ist mir jetzt danach Süßholz zu raspeln oder auch nur das Wetter schön zu reden.
Während ich so auf dem Bordstein balanciere, sorgfältig darauf achtend, immer genau auf die Ritzen zwischen den einzelnen Steinen zu treten, ab und zu aber auch mal ganz gezielt daneben, während ich mir also ganz zwanglos gestatte mich zwanghaft zu verhalten und mir dabei halb amüsiert, halb irritiert zusehe, lauert als einzige Antwort in einer dunklen Ecke direkt hinterm Horizont nur etwas, was ich gar nicht wissen möchte. Jetzt nicht. Und später erst recht nicht.

Lieber schnell in eine Drogerie einkehren, Kaugummi und Kondome kaufen.

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Sonntag früh morgens

geht’s los, zwei Wochen nach Kanarien.
Irgendwie freue ich mich. Schließlich Urlaub. Da ist Freude Pflicht.
Wenn mir jetzt jemand alternativ zwei Wochen Radtour durch deutsche Herbstlandschaft anböte, würde ich das aber sofort annehmen.

Dieses schwindende Licht, die reifen Blätter mit ihrem überreifen Duft, diese feucht-muffige Ruhe, die tiefes Inneres aufwühlt, melancholische Glücksabfälle aufwirbelt und mir Lust macht mich da einfach reinplumpsen zu lassen.

Übrigens, an meine LieblingsleserInnen: ich hinterlaß Ihnen dann was: zum Schmökern. Hoffe, es wird Ihnen gefallen…

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