Sonne über Berlin

Überraschungserfolg: Vier Tage Hauptstadt-Tour. Sonne pur. Strahlend blauer Himmel. Mittags so warm, daß man draußen essen konnte. Auf den Beinen von morgens zehn bis abends zehn.
Sightseeing von Alex bis Potsdamer Platz, von Rosenthaler Platz bis Ostkreuz. S-Bahn, U-Bahn, Tram und Bus: Linie 100 oben vorn erste Reihe, jedesmal. Das können nur Kinder.

Rotes_Rathaus

Eigentlich hatte ich ja schon damit gerechnet, mehrmals täglich den Satz zu hören: Und was soll daran jetzt so toll sein? Erwartet habe ich auch fertige Kinder, die kurz nach dem Mittagessen nur noch mitteilen, daß sie nun aber nicht mehr können. Wie lange dauert es denn noch?
Stattdessen fast ununterbrochen höchste Motivation, eine Bereitschaft, Anstrengungen zu ertragen, die sonst so nicht vorkommt.
Davon, vom gemeinsamen Erlebnis und einmal mehr von Berlin selbst waren wir einfach begeistert.

Rotes_Rathaus

Steht zu befürchten, daß es also Berlin-Bilder hageln wird (mal was anderes ;-) – denn ich dachte diesmal eigentlich, da wir ja in Familie fahren, daß ich ja sicher kaum zum Knipsen komme. Wurden auch nur etwa 300.
In Kürze hier und dort und an den anderen üblichen verdächtigen Orten.

Göttinger Filet kotelettiert

walljogger

Das kostbare Göttinger Innenstadtgrundstück, auf dem früher das alte Stadtbad stand (es war so schön!), das seit nunmehr weit über einem Jahr unbebaut brach liegt und seinerzeit zum Filetstück ernannt wurde, nach dem sich alle Investoren die Finger lecken sollten.
Es wird nun beratschlagt seitens der Ratsfraktionen, wie man es vom Filet zum Kotelett umwidmen könne, um dann statt irgendwelcher doch nicht einmal am Horizont sichtbaren Investoren wenigstens Autofahrer (endlich mal wieder ein paar mehr!!!) anzulocken.
Zum Kotelett? Wie das? Nun, ganz einfach, indem man den bislang lockeren Grund befestigt und Parkplätze draus macht.

walljogger

Welch genialer Streich. Wenn dann noch, wie beabsichtigt, das ehemalige Hauptgebäude der Stadtsparkasse abgerissen wird, um Platz für Büros und Einzelhandel zu schaffen (gibt’s ja nie genug von!), dann sind wir doch einen großen Schritt weiter auf dem Weg nach Schilda.
Zum Schluß wird die ganze Innenstadt ein einziger großer Parkplatz sein. Da freuen wir uns.

Hauptstadtführung

So oft war der Papa schon in Berlin. Und nie durften sie mit.
Nun endlich doch! Ab morgen lassen wir uns von unseren „großen“ Kindern vier Tage durch die Hauptstadt führen. In den letzten Wochen hatten sie Gelegenheit, einen Kinderreiseführer zu studieren und sich die Orte auszusuchen, die sie am meisten interessieren.
Vorfreude allerorten :-)
Bin sehr gespannt, ob, wie und wenn, was ihnen gefallen wird. Und ob der Papa ein wenig von seinem Berlinspleen rüberbringen kann.

Der blaue Autobus

blauer-autobus
drehte heute Abend nach längerer Pause mal wieder eine Runde durch die Stadt. Am meisten freut sich der Papa.

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Das Paarungsverhalten

des Außenministers und andere Erfolge der Achtundsechziger – ein Artikel den Jürgen Elsässer in telepolis über die Spätwirkungen geschrieben hat, läßt mich nicht los.
Thema ist auch die „Vernichtung kollektiver Geborgenheit“, wie sie u.a. Michel Houellebecq in seinen Romanen beschreibt. An seiner „Ausweitung der Kampfzone“ hatte ich einiges zu knabbern.

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Rosenstraße

Im Kino: eigentlich sollte es Raumpatrouille werden. Ein Wiedersehen mit der alten Kultserie. Aber die Anfangszeit stimmte nicht mit der erwarteten überein. Verlegenheitshalber also nach langer Zeit mal wieder Margarete von Trotta. Mittlerweile schon fast ungewohnt, im Kino mit Kultur konfrontiert zu werden. Wie lange liegt die Zeit des deutschen Autorenfilms zurück?!
Mit Fassbinder, Wenders, Kluge, von Trotta und Sanders-Brahms bin ich aufgewachsen. So bedeutungsüberladen und schwer genießbar wurde dieses Genre irgendwann, daß man so richtig aufatmete, als man mit DIVA quasi sinnfreies Ästhetik-Kino genießen konnte ohne sich rechtfertigen zu müssen.
Heute hängt mir das Hollywoodkino von Tom Hanks bis Arnold Schwarzenegger so zum Hals raus, daß ich eigentlich noch nicht mal mehr fernsehen mag. Reduziert auf Effekte, coolste Typen und perfektest gestylte Weibsbilder – nur noch abgef***t. Rosenstraße ist ein Film wie früher. Konventionell erzählt. Starke und lebendige Frauen, eigenartig gebrochen wirkende Männer, die so gar nicht dem stromlinienförmigen Ideal der Gegenwart genügen und eine geschichtliche Situation, die man zur Genüge zu kennen meint: das dritte Reich.
Das Thema: Liebe und ziviler Ungehorsam, Widerstand gegen die übermächtige Staatsgewalt.
Aufwühlend, anrührend, treffend. Schnell ziehen einen Maria Schrader und Katja Riemann in ihren Bann, möchte man nicht nur wissen, wie es weitergeht, sondern ist man mit dabei: ergriffen von einem Geschehen, das einerseits Alltag war und gar zu oft aktuell ist, das sich andererseits so selten ereignet, daß die wenigen erfolgreich Widerständigen meist zu übergroßen Heroen entrückt werden. Rosenstraße erzählt von normalen „arischen“ Frauen, die sich nicht damit abfinden, daß ihre jüdischen Männer verhaftet wurden und auf ihre Deportation warten. Allein ihre hartnäckige Anwesenheit, ihr ruhiger aber beharrlicher Protest, den sie trotz Androhung von Waffengewalt durchhalten, scheint zum Erfolg zu führen. Ihre Männer werden am Ende freigelassen.
Wie das gelingen konnte, bleibt letztlich offen. Was schade ist. Weil die ermutigende Aussage des Films so ein wenig farblos bleibt.

Andererseits wäre es sicher verfehlt, vom Kinoabend Rezepte für ein widerständiges Leben mit nach Hause nehmen zu wollen. Und vielleicht liegt im „einfachen“ Erzählen auch eine viel tiefere Kraft, die viel weiter führt, aber auch viel langsamer und behutsamer.

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Kein Gegensatz

zwischen Islam und Menschenrechten lese ich heute Morgen echt überrascht in der taz. Ich freue mich sehr für Schirin Ebadi, für den Iran und für das Nobel-Kommitee, das damit ja endlich mal wieder eine ernstzunehmende Entscheidung getroffen hat.
Vielleicht haben sie in Oslo ja doch gerafft, daß sie sich durch die Wahl des Papstes endgültig lächerlich gemacht hätten.

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