Dich hinter mir fühlen

während wir da auf der Brücke stehen
hinab blicken in die Ferne
rote Signale leuchten und orangene
Zweige hängen im Dunst
Waggon an Waggon unter uns
rumpelnd der Güterzug
Wo fährt der denn hin?
Nach Süden.
Ich will auch nach Süden!
Ja, das wär schön, nicht?
Ja, Papi.

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Der Traum ist aus


Das Erwachen feucht und kühl und dennoch angenehm. Neuer Tag, neue Chance.

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Whynachz-Einkauf classic

Kind2 wünscht sich ein fernsteuerbares Auto zum Fest. So ein großes, schnelles, wendiges. Und Kind1 möchte endlich ein Einrad haben, das wünscht sie sich schon soo lange.
Also fahre ich mal mit dem Auto durch die Stadt, nachmittags, was ich sonst nie tue.
Ja ja ja, es ist nur Göttingen und es dauert in eine Richtung auch nur knapp zwei Stunden. In die andere (heimwärts) geringfügig länger. (Beides nur leicht übertrieben.)
Im T*o*ys-Center, so eine Art Pl*u*s für Kindersachen, gibt es sogar Bedienung, wenn auch keine mit Ahnung. So nützt mir die Aussage, die eine Marke sei eine Marke, die andere nur no-name, nicht wirklich etwas, weil ich eigentlich wissen möchte, welches von diesen Jungsspielzeugen was kann. Das genau weiß die Verkäuferin aber auch nicht.
Also steh ich wie blöd vor den Dingern, hole alle einzeln raus aus dem Regal, lese die überall gleichen Kartonaufschriften (in 256 Sprachen), stelle alle wieder zurück und entscheide mich schließlich für das nicht zu kleine, aber auch nicht so furchtbar große, schon schnell aber auch nicht zu grell aussehende und auch preislich mittlere Teil für immerhin 42,95 Euro. Dazu noch (das ist einfach, zum Glück!) einen Waggon für die Leg*o*-Eisenbahn.
Danach raus aus dem Laden, rein ins Auto und durchs Gewerbegebiet gedüst, ein offenbar zumindest streckenweise rechtsfreier Raum. Alle rasen da durch, als bedeuteten gerade auf diesen unübersichtlichen kleinen Zufahrten zwischen den großen Ramschläden Verkehrsregeln das Gegenteil von sonst: bloß nich zu langsam, bloß nich gucken, bloß keine Rücksicht nehmen – zum Fürchten!
Bei B*O*C, einem Riesenramschladen für Fahrräder, gibt es Einräder für 59,95 Euro. Aus Metall, verstellbar, nicht gerade hübsch, aber alles dran. Zum Glück keine Auswahl. Ich nehme eins davon und düse wieder los. Noch mal zurück. Mir ist eingefallen, daß es im Spielzeugramschladen auch noch Geschenkpapier von der Rolle für lau gab. Wär doch bescheuert, davon nix mitzunehmen.
Beim Einparken vor dem Spielzeugramschladen fährt ein Familienpappi mit seinem Kombi so geschickt aus der Parklücke, daß er mich rückwärts andrückt. “Rammt” wär zuviel gesagt. Passiert auch nichts weiter. Aber reagieren im Sinne von reagieren tut dieser Mensch so gar nicht. Bleibt stattdessen bräsig sitzen in seinem Turnier-Modell und wartet, bis ich aussteige, nachgucke, feststelle, daß er an meinem Kotflügel seinen Lack (oder Dreck?) abgeschabt hat. Als ich zu ihm trete und ihm sage, etwas Lack sei leider ab, pault er mich nur an, ich habe ihm doch die Verzierung verpaßt. Und fährt mit gerecktem Kinn von hinnen.
Es fällt mir sehr schwer ruhig zu bleiben. Fragen Sie mich doch mal, was ich am liebsten getan hätte!
Ach – fragen Sie lieber nicht.
Ich hole mir also von der großen Rolle Geschenkpapier und fahre nach Hause. Und stelle fest (ungeheuer neue Erkenntnis!): diese Art von Einkaufen ist nicht die, die mir auch nur ein Fünkchen Spaß machen würde.
Oder allgemeiner: solche Aktionen sind genau das, was mir Whynachten dann doch immer wieder verleidet.

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Abendbeschäftigung

Vorhin 80 Nägel kurz geschnitten. 40 Finger und 40 Zehen, davon je 10 von mir. Dazu muß ich die Brille absetzen, weil ich sonst auf kurze Distanz womöglich was verkehrtes abknipse. Kind1 liest dabei, Nummer 2 erzählt Romane und dat dritte is nur am Zappeln.
Später setz ich die Brille wieder auf und klicke mich durch Berlin-Fotos. Dabei Telefonieren, Chatten und nach den großen Kindern gucken, die vor der Glotze sitzen.
Seltsamer Tag heute. Angespannt, angestrengt, weil mal wieder alleinverantwortlich im und für das übliche Chaos. Manchmal geht das besser, heute ganz klar nicht.

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Weltstadtbummel

Kaum zurück aus Berlin, zurück von einem außerordentlich schönen Wochenende, hatte ich zwei Tage später das Glück, schon wieder in die Stadt zu kommen: Hamburg diesmal. Eine Fortbildung, nicht wirklich erheiternd, eher ziemlich anstrengend. Was mich ein bißchen beunruhigt, denn die Inhalte sind mir grundsätzlich geläufig. Aber dieses Rumsitzen, auf den Monitor starren, dann wieder auf das vom Beamer an die Wand geworfene starren, versuchen, dem Dozenten zuzuhören und (fast) gleichzeitig in die Tasten zu hacken, was der gerade erzählt, mit einschläfernder Stimme natürlich, während ich noch gleichzeitiger viel lieber daran denke, was ich danach machen werde.
Was mich beunruhigt, ist, daß es mir schwer fällt, mich zu konzentrieren. Die Gedanken schweifen gar zu gern ab, das Beamerbild erkenne ich nicht gut genug, um die Schrift lesen zu können und inhaltlich häufen sich logische Stolperer.

Ein wenig fürchte ich, daß es mir abends nur noch so geht: alles irgendwie unscharf.
Aber der feucht-kalte Nieselregen und die steiffrische Elbebriese mischen den müden grapf doch recht munter wieder auf. Und so freut der sich denn wie so’n kleiner Junge über all die riesigen Kräne und Kähne und das alles mit Licht. Und so’n schönes Licht bei dem diesigen Wetter. Wie der das mag…!

Abends also nix wie hin an die Landungsbrücken, staunen, schlottern und mit der Fähre fahren, einmal Elbe runter bis Övelgönne und dann wieder Elbe rauf.
Nach dem zweiten Tag, an dem das Lernen doch auch bißchen leichter fiel, und nachdem ich noch mal an die Elbe und auf die Elbe mußte, war es denn aber doch auch schön, in den Zug zurück nach Hause zu steigen, das Glück zu haben, einen Ersterklasse-Wagen zu erwischen, der für die 2. Klasse genutzt werden durfte und so richtig bequem reisen zu können. Bahnfahren kann einfach enorm schön sein, mit der richtigen Musik in den Ohren und den richtigen Erinnerungen im Herzen.

Und jetzt kann die nächste Weltstadt mal ein paar Tage warten.

Berliner Morgen

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Durch das Piepsen des Weckers hindurch nehme ich ein Gluckern und Plätschern wahr. Es ist dunkel, kühl und aus den Fallrohren der Regenrinnen läuft Wasser in den Innenhof. Die Fenster sind sämtlich dunkel, strahlen etwas Abweisendes aus.
Ich ringe das übliche Weilchen mit mir, schlüpfe dann in meine Plastikklamotten, verlasse leise das Zimmer und hopple die drei Etagen hinunter, nach draußen. Im fahlen Schein der orangenen Straßenlampen glitzern Teile des Asphalts, ich biege ab in einen Weg am Kanal entlang, wo es so dunkel ist, daß ich langsamer laufen muß. Angst zu stolpern. Ich kenne die Gegend und doch ist sie etwas unheimlich.
Nach ein paar hundert Metern erreiche ich eine Brücke über den Kanal, ein Relikt aus Vorkriegszeiten. Da lief früher eine Bahnlinie entlang, die Görlitzer Bahn, von der heute noch ein Stück Damm inklusive ein paar schmaler stählerner Brücken übrig ist. Der Untergrund ist weich, der Blick aus leicht erhabener Höhe auf die verschlafenen dunkelgrauen Häuserreihen ebenso deprimierend wie heimelig. Es nieselt mir ins Gesicht. Kapuze auf, Kapuze ab, schwer mich zu entscheiden. Mir ist warm inzwischen, der Rhythmus stimmt. Links lasse ich den Treptower neben mir liegen und überquere an der S-Bahn entlang die Spree über die Elsen-Brücke. Die Ruhe erscheint mir für Berlin völlig unnatürlich.
Auch über die Kynaststraße, auf der ich mich quasi von hinten dem Ostkreuz nähere, fährt nur alle paar Minuten ein Auto, durch die Pfützen reichlich Gischt aufwirbelnd.
Auf der anderen Seite, in den sich endlos aneinander reihenden Häuserschluchten von Friedrichshain, wird das Straßenlicht abgeschaltet, noch sehr früh, für so einen trüben Morgen. Die meisten Ecken kenne ich, habe ich schon durchschritten, habe in den Kneipen gesessen, indisch gegessen und die vielen bunten Lichter photographiert. Nichts von alldem ist jetzt davon zu erkennen. Fremd und abweisend wirken die Bürgersteige, nur Köterzerrer unterwegs. Und doch: seltsam geborgen im Unwirtlichen.
Am Anfang der Warschauer Brücke, gerade da, wo sich der Blick endlich wieder weitet, schickt mir eine Böe eine frische Ladung Nieselgischt ins Gesicht, während mir ein großer, dunkler Mann halb in den Weg tritt und “Hey, cool Mann! Geiles Tempo!” zuruft. Ich mache einen möglichst großen Bogen um ihn, atme so ruhig es geht gegen das plötzliche Herzklopfen an und sage mir: du mußt jetzt den Blick auf die Bahnanlagen genießen. Die gibt’s nicht mehr lange.
Unten am Bahnsteig tuckert eine S-Bahn im Leerlauf, daneben müht sich eine schwere Diesellok mit Schlafwaggons. Ein Anblick, dem nur mit Melancholie zu begegnen ist. Diesem angenehmen Gefühl, das vielleicht einfach nur aus guten Erinnerungen besteht. Dieses gern Hineintauchen in’s Vergangene, dieses gern Traurigsein darüber, daß es vergangen ist.
Unter den Gewölbebögen der Oberbaumbrücke hallen meinen Schritte, im Stroboskopblick nach Süden erhasche ich knappe Eindrücke vom Osthafen, nehme im Augenwinkel den Lastkran wahr, der – abgeknickt seit vielen Monaten – wirkt, als gebe er auf, buchstäblich.
Und dann bin ich seltsam froh, wieder im Wrangelkiez angekommen, die Gaslaternen noch brennend vorzufinden, mich zuhause zu fühlen, es warm, freundlich und anheimelnd zu finden.
Als sei das meine Welt.

2 gute Nachrichten

1. Die Provinz-Posse um die unsinnige Südumgehung scheint endlich wieder einmal ausgestanden zu sein, für die nächsten drei Jahre jedenfalls.
Der Grund: kein Geld. Ebenso lapidar wie eigentlich auch vorher abzusehen. War das ganze Theater um Bürgerbeteiligung, Trassenplanung etc eigentlich nur ein politisches Kabarett der CDU, um Wählerstimmen zu binden? Wissen die SPD-Ratsleute eigentlich morgens schon, wie sie mittags entscheiden werden?
Man kann sich nur an den Kopf fassen.
Aber nun einmal guter Laune, denn jedes weitere Jahr ohne diese blödsinnige Straße ist ein gewonnenes Jahr.
Und vielleicht, ganz ganz vielleicht, setzt ja in den Betonköpfen doch irgendwann mal so etwas wie ein Umdenkprozeß ein. Vielleicht merken die ja doch einmal, daß jenseits des Betons das Leben blüht, nicht auf ihm.

2. Das Güterverkehrszentrum soll gebaut werden.
Auf dem Gelände des ehemaligen Göttinger Güterbahnhofs soll eine Umladestation für Güter von LKWs auf die Eisenbahn entstehen. Fördermittel vom Land sind zugesagt.
Tatsächlich einmal ein konkreter Schritt in Richtung auf ein ökologisch verträglicheres und auch wirtschaftlich sinnvolleres Verkehrskonzept, die Rückverbindung von Schiene und Straße.
Ganz doll die Daumen gedrückt, daß es funktioniert!!!

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Der Untergang

Der Film Der Untergang hat mir buchstäblich die Tränen in die Augen getrieben. Er hat mich schwer beeindruckt. Und bewegt.
Die letzten 2 Wochen des Dritten Reiches aus der Perspektive des Führerbunkers und all derer, die dort mit Hitler gemeinsam verharrten. Und dieser Hitler selber. Als Person. Nicht einfach nur, wie sonst üblich als Projektionsfläche politischer Ängste und als letztlich unerklärbares Phänomen.
Eindringlich gespielt, allerbeste Schauspieler, jede noch so kleine Nebenrolle ausgefeilt und wohl inszeniert, auch das Draußen mit enormem Aufwand dargestellt, das Dauerfeuer, das Berlin in den letzten Monaten des Krieges erlitt, die Lebensumstände der Zivilbevölkerung, die man kaum mehr als solche bezeichnen kann.
Intensiv werden nicht allein die geschichtlichen Ereignisse, sondern auch der diese Ereignisse bestimmende Geist vermittelt – und das nicht aus der sonst so gern eingenommenen historisierenden, abstrahierenden, von außen betrachtenden Perspektive, sondern von innen. Aus dem Erlebnishorizont mehrerer ganz unterschiedlicher Menschen. So hautnah, daß zumindest ich mich da kaum von distanzieren konnte. Und dies nicht nur bei den „Guten“.
Der Film kommt ohne moralischen Zeigefinger aus und ist doch nie gleichgültig, weder seinen Figuren gegenüber, noch „der Geschichte“ gegenüber. Gerade indem er nicht versucht alles zu erklären, sondern einfach nur einen kleinen Ausschnitt spielt, beweist er Respekt vor dem, was man vielleicht Wahrheit nennen könnte. Etwas, das immer nur subjektiv sein kann. Auch, wenn zig Millionen Subjekte davon betroffen sind.

Danach, auf dem Heimweg, sagte ich zu B., ich würde mich so deutsch fühlen. Und das meinte ich auch so. Mit all seinen schaurigen Implikationen.

Ich habe mich seit meiner frühen Kindheit für diese Geschichte (meiner Eltern) interessiert, immer mit starker emotionaler Beteiligung, weil eben durch Eltern und Großeltern sehr erlebnisnah vermittelt. Erzählungen zwar nur, aber viele und intensive.
Später, vor allem im Studium, habe ich mich den diversen Aspekten des Nationalsozialismus auch wissenschaftlich zu nähern versucht. Man näherte sich dem Jahr 1984, kannte seinen Orwell und konnte gar nicht anders als Analogien zu bilden.
Da gab es ein Seminar, das hieß Auschwitz als Gegenwart. Es hinterließ uns alle mit einer ausgeprägten Paranoia, weil man nun überall Auschwitz wähnte. Was sich dann irgendwann wieder relativierte.
Nach einigen Jahren Pause und dem Gefühl, es nun auch mal über zu haben, las ich ein Buch von Sebastian Haffner, seine persönlichen Erinnerungen an die Weimarer Republik. Und war sofort wieder tief im Thema. Es folgten die Autobiographien von Günter Lamprecht und Michael Degen, die beide als Kinder den Krieg in Berlin erlebten.
Eine erneute, wieder völlig persönliche Annäherung an das Thema. Es ist irgendwie mein Thema.

Nach Heiligenstadt


Seit nunmehr 15 Jahren zieht es mich immer mal wieder in dieses Städtchen im Eichsfeld. Eine gute Nase Ostluft schnuppern. Da ist zum Glück noch genug von übrig.
Die Fußgängerzone, im Wesentlichen aus einer Straße bestehend, war 1989 beeindruckend, weil so unerwartet belebt, geradezu großstädtisch wirkend in ihrem grauen DDR-Charme, seitdem auch immer mal wieder, meistens wegen beachtlicher Renovierungsleistungen.
Heute wirkte sie vor allem deprimierend, weil etwa ein Drittel der Ladenfläche leer steht. Reichlich frisch sanierte Fassaden, innen hohl. Nur riesige Plakatwände, die Verkaufsflächen anpreisen.
In der Parallelstraße zur Einkaufsmeile sieht es ohnehin schon gleich viel authentischer aus.

Worauf also hoffen?

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Wenn Schulen um Schüler buhlen

Die großen Kinder sind in der vierten Klasse und kommen nächstes Jahr auf eine höhere Schule. Gestern Abend gab es in ihrer Grundschule eine Infoveranstaltung, auf der LehrerInnen von 1 Hauptschule, 1 Realschule, 2 Gymnasien und 2 Gesamtschulen vorstellten, was die Kinder und uns erwartet.
Überrascht und sehr eigenartig berührt hat mich der Vortrag der Hauptschullehrerin, die solcher Art Reklame für ihre Anstalt machte, als könne es Eltern geben, die ihre Kinder da gern hinschicken wollten. Grundlagen für’s Leben vermittle die Hauptschule, vor allem Sinn für Ordnung…
Für vertiefte Grundlagen sei die Realschule zuständig. Und sie würden nicht jeden nehmen, betonte ihr Abgesandter.
Na toll, dachte ich.
Völlig souverän und großväterlich die beiden Gymnasial-Direktoren, vom Podium oben mit brummenden Bässen betonend, wie erfreulich für sie der ganz neue Umgang mit Fünftklässlern sei, dessen sie sich seit diesem Schuljahr erfreuen dürften. Es klang ein wenig, als würden sie die Kleinen in ihren großen Pausen einen nach dem Andern zum Nachtisch verspeisen, gemeinsam…
Nein, sie klangen aber nett, vertrauenswürdig, sonor, bildungsbürgerlich tugendhaft, mit natürlicher Autorität reichhaltig ausgestattet und besorgt um das Wohl unserer Kinder, die nun in 12 Jahren schaffen müssen, wofür sie, die Herren Direktoren, und viele von uns, dem geneigten Publikum, sich noch 13 Jahre Zeit lassen durften.
Konkret: gleich 29 Wochenstunden für die Fünftklässler, was dann bis zur 8. Klasse auf 34 Stunden ausgeweitet wird. Plus reichlich Hausaufgaben. Und das bei Soll-Klassenstärken von 32 Kindern.
Klingt doch toll, oder? Da ist doch nun offenkundig Schluß mit lustig. Eine noch geeignetere Maßnahme, unsern Bildungsstandard pisamäßig aufzubessern, hätten die KultusministerInnen kaum erfinden können…!
Fast schon zu nett hingegen klang, was die Gesamtschulvertreter vorstellten: 13 Jahre Zeit bis zum Abi weiterhin, Konzept Schule in der Schule, also Klassenverband von der 5. bis zum Abitur, kleiner LehrerInnenkreis, der ebenso durchgezogen wird – und integrierender Unterricht für alle “Leistungsstufen” wenigstens bis zur 8., in der IGS sogar bis zur 10 Klasse.
Von sowas hätte ich geträumt als Schüler, wenn man es mir erlaubt hätte.
Die Gesamtschulen verteilen ihre Plätze per Losverfahren, die andern Schulen “nehmen jeden auf, der sich anmeldet.” Mehr muß man doch gar nicht dazu sagen, oder?

Aber vielleicht ist die Idee einer integrativen Gesellschaft auch einfach vorgestrig inzwischen, weil viel zu progressiv. Sie birgt doch einfach die Gefahr, daß mündigere BürgerInnen aus ihr hervorgehen als aus der rein leistungsorientierten, elitär selektiven Gesellschaft preußischer Prägung. Was sollen wir mit mündigen BürgerInnen in einer Welt, die außer Wirtschaftswachstum und steigenden Aktienkursen durch globale Ressourcenvernichtung keine Visionen zuläßt?

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