Verschwommener Blick


Dank sei dem lieben Hildi, der mir seine Lochkamera-Vorsätze für die Spiegelreflex-Kamera geliehen hat! Gestern Abend habe ich das endlich mal ausprobiert. Das wildwolkige Wetter paßte ebenso wie meine irgendwie indifferente Laune, um ein paar flaue, unscharfe und sehr unentschlossene Bilder zu machen. So ganz hab ich den Kniff noch nicht raus, wie man solche Bilder auch wirken lassen kann. Aber vielleicht kommt das ja noch. Seltsam ist es auf jeden Fall, durch den Sucher der Kamera fast nichts erkennen zu können, weil das kleine Löchlein so wenig Licht durchläßt. Es reicht gerade, wenn man ums Auge rum mit der Hand alles gut abdunkelt, Schemen, Umrisse, Schatten zu erahnen. Aber darin liegt der Reiz.
Während ich damit spielte brauste draußen immer wieder die Begeisterung auf. Die fußballnärrischen Nachbarn bejubelten unsere Jungs bei ihrem erfolgreichen Spiel gegen Portugal.

Sommerabend in der Stadt

Je weiter man hinein rollt, desto intensiver flirren noch die Hitzereste des Tages um die Ecken. Überall nur leichte Kleidung. Männer in kurzen Hosen, Frauen in Tops und Röckchen und noch kürzeren Hosen. Blicke, so weit das Auge reicht. Auf den Firsten an den sommerlich lauschigen Ecken sitzen die Amseln und singen endlose Abendlieder. Oben drüber ziehen die Mauersegler riesige elegant geschwungene Kreise und singen ihr Sommerlied, das mir immer durch und durch geht.
Im Park sitzen überall Grüppchen von Studenten und anderen jungen Leuten, trinken Bier und billigen Wein, philosophieren über die Leichtigkeit des Seins oder spielen Federball. Und vor den Fußgängerzonenkneipen stehen die Großbildglotzen draußen und spielen lauthals Fußball, die zahlenden Gäste wirken ganz klein davor. Ich weiß gar nicht, wer heute spielt, frage mich nur, wie man das aushält darüber zu wohnen und dieses sinnfreie Gelaber des Fußball-Moderators über Stunden –

Ich fahre auf meinem Rad mitten hindurch, längs und wieder quer und atme all das ein. Eigentlich schon davon trunken kehre ich noch in den local Supermarket ein, hätte nicht übel Lust, meine Lieblingskassiererin zu umarmen dafür, daß der Laden noch geöffnet ist um halb zehn, und kaufe ein Sixpack Staropramen. Mit einer Flasche davon sitze ich nun im Garten, schaue dem Mond zu und schreibe.
Diese Sommerabende sind es, wofür es sich lohnt zu leben.

  • Beitrags-Kategorie:Tagebuch
  • Lesedauer:2 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Kommentare:5 Kommentare

Dampflok-Chasing

Am Pfingstsonntag war Dampflok-Treffen in Bebra. Da dache ich, könnte man ja schön mal dem von einer Dampflok gezogenen Sonderzug von Vienenburg nach Bebra auflauern und womöglich sogar eine Weile neben her fahren.
So bezogen wir zuerst mal in Eichenberg Stellung. Da gibt es eine Brücke über die Gleise, die einem herrlichen Blick über den Bahnhof und auch noch weit in die Landschaft bietet. So war es kein besonderes Problem, dort eine Stunde auszuharren und auf den Zug zu warten.
Der nicht kam.
Von dem man dann nach 1 Stunde hörte, es werde mindestens noch eine halbe Stunde dauern, bis er komme. War schon schade.
Heute lese ich in einer Randnotiz des lokalen Käseblattes, daß nämliche Dampflok auf ihrem Weg nach Göttingen an einigen Stellen die Böschung in Brand gesetzt habe und deswegen in Göttingen außer Betrieb genommen worden sei. Stattdessen habe der Sonderzug dann eine Diesellok vorgeschnallt bekommen.
Nun möchte ich mir gar nicht so genau vorstellen, wie man sich fühlt, wenn man in so einem Zug drin sitzt und dafür bezahlt hat. Hätte uns von Göttingen nach Bebra genau 97 Euro gekostet.

Wir fuhren (durchaus entgegen sonstiger Vorlieben) mit dem Auto weiter bis Bebra, wo auf dem Bahnhof wirklich reichlich Trubel, viele Leute, viel Lärm, viel Staub, reichlich Rauch und wenig Schatten und erst recht wenig Sitzgelegenheiten waren.
Dafür aber Dampfloks. Hautnah und nicht nur zum Anfassen, sondern sogar zum Führerhaus besichtigen, Dampf schnuppern und Sound hören inclusive Pfeife.

Ja, macht was her, man freut sich einen Moment lang über die Schönheit der großen Räder (jedes etwa so groß wie meine Tochter) und die nostalgischen Gefühle, die mit den Kindheitserinnerungen aufkommen. Und über die rußgeschwärzten Lokomotivführer, die alle wie Lukas aussehen und sicher unglaubliche Mengen teurer Lokomotivfühgrerseife brauchen, wenn sie mal richtig sauber werden wollen.
Oder jedenfalls möchte man sich ja irgendwie gerne freuen. Gelingt dann aber nur bedingt, weil der ganze Rummel ziemlich nervt, weil die Dampfloks mit ihren Zügen alle nur auf Durchreise sind und gar nicht schön, wie man nach den Photos meinen könnte, aufgereiht irgendwo am Rand rumstehen, auf daß man mal so in Ruhe drumrum schleichen könnte. Und nicht mal ordentliche Photos kann man machen, weil etwa 3 Grillionen anderer dampflokbegeisterter Hobbyphotographen auch nix besseres zu tun haben, als einem ständig vor dem Motiv zu stehen, Stative auszubreiten oder sich aufs Gleis zu lehnen, um freien Blick zu bekommen, den man selbst gern hätte.

Auf der Rückfahrt durchs Hessische entdeckten wir so reizende Dörfer wie Erkshausen und viel viel gelber Gegend. Ruhe und gute Luft. Das tat richtig gut.

Mein Sonntag

Morgens ein gutes Stündchen zu zweit im Wald laufen.
Mittags eine kleine Radtour allein ins Gartetal.
Nachmittags knapp 2 Stunden Waldspaziergang mit meinem Sohn.
Später faul im Garten rumliegen.
Abends dann doch mal rein: Tatort gucken.
Schlafen aber wieder mit weit geöffneten Fenstern.

  • Beitrags-Kategorie:Tagebuch
  • Lesedauer:1 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Kommentare:0 Kommentare

Geizmar’s next top model

Am Sonntag scheint die Sonne und Mutti und Vatti räumen endlich mal den Garten auf. Seit Monaten hat sich da Schrott und Müll aller Art angesammelt, von der längst ausrangierten Sandkastenmupfel bis zum Stumpf des Apfelbaums, der einem der Winterstürme zum Opfer gefallen ist.
Meanwhile on the other side of the house… – arrangieren die jungen Damen der Nachbarschaft megaspontan und phantasievoll den Geizmar-next-Topmodel-Contest. Von der Sechzehnjährigen bis zur Siebenjährigen sind sie alle dabei, holen sich witzige, abgefahrene und völlig alberne Klamotten aus Schubladen und Schränken, machen mit ipod und Boxen-Dockingstation ordentlich Lautstärke, lassen die Charts rauf und runter laufen und stelzen dazu den Stichweg rauf und runter, wie sie das von Heidi K gelernt haben.
Selbe Sozialisation alle offenbar, so wie sie die einschlägigen Bewegungen, Gangarten und Posen drauf haben.

Ich hasse diese Sendung ja. Abgrundtief. Wenn ich sehe, wie meine große und eigentlich ganz vernümpftige Tochter da schmachtend vor sitzt und meine Frau dabei, dann wird mir irgendwie anders und ich muß dann woanders hingehen.
Aber wenn die versammelte Mädchenschar das nachäfft mit dem ihr eigenen Humor, dann ist das etwas ganz anderes. Und ich darf und muß dann natürlich auch Photos machen. Das Licht ist zwar leider unter aller Kanone und mein Autofokus verdammt oft viel zu langsam – oder die Mädels zu schnell, aber das eine oder andere wirklich witzige Bild entsteht doch dabei.
Es macht vor allem Spaß und bringt sie nach laaanger Winterpause alle wieder zusammen, endlich.

Guter Tag heute

Gut geschlafen.
Gut gelaufen.
Gut gefrühstückt.
Gut telefoniert.
Gut gelaunt.

  • Beitrags-Kategorie:Tagebuch
  • Lesedauer:1 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Kommentare:Ein Kommentar

Zwischenwirklichkeit

Ich darf eine U-Bahn steuern. Gut möglich auch, daß ich es einfach tue, ohne gefragt zu haben. Ich drücke den Geschwindigkeitsregler nach vorn, die Bahn fährt los, in den Tunnel hinein. Das Gefühl ist gut, ich bin aber sehr vorsichtig. Aus dem Off ertönt eine freundliche tiefe Männerstimme, die mich ermutigt schneller zu fahren. Die moderne Sicherungstechnik lasse jetzt ganz andere Geschwindigkeiten zu. Ich denke an die Fahrgäste hinter mir, ich versuche sie mir vorzustellen, aber nur ganz kurz, dann gebe ich mehr Gas. Es lockt die Schwärze vor mir. Im Licht meiner Scheinwerfer bemerke ich dann eine Kurve, auf die wir zufahren. Ich will abbremsen, plötzlich und hart, aber die Stimme, die sich nun zu so etwas wie einem Fahrlehrer materialisiert, greift ein, bedeutet mir weiter, ich könne da ruhig schneller fahren. Kein Problem.
Dann kommen in Kopfhöhe seltsame Rohre und Gestänge auf mich zu. Die U-Bahn, die ich steuere, ist offen, wie mir auffällt. Weder Windschutzscheibe, noch Dach. Ich muß mich ducken, damit ich die Rohre nicht an den Kopf kriege.
Da fahren wir aber auch schon in den nächsten Bahnhof ein. Bremsen ist jetzt ok. Wenn nur dieses nerfige Piepsen nicht wäre. Irgendwo hinter mir. Ich versuche es abzustellen. geht aber nicht, weil ich erst die Bahn zum Stehen bringen muß. Was mir dann zum Glück ohne großes Rucken gelingt. Dann greife ich neben mich, hinter mich und stelle das Piepsen, das mein Wecker von sich gibt, ab.
Es dauert ungewöhnlich lange, bis ich weiß, wo ich bin.

  • Beitrags-Kategorie:Tagebuch
  • Lesedauer:2 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Kommentare:3 Kommentare

Um den Wall

Spazieren gehen in herbstlicher Nachmittagssonne vor dunklem Himmel an leuchtenden Laubresten und leuchtenden, schon kahlen Zweigen. Dazu ein Pickup-Bulli vom städtischen Grünflächenamt, am Fahrerfenster mit Schild Bauleitung, der mich erst überholt, mir dann kurz darauzf wieder entgegen kommt. Tiefe Spuren im Gras und davon dann Abdrücke auf dem Weg hat er hinterlassen. So schafft man Erinnerungen.
Viele romantisch versunkene gut aussehende Spaziergängerinnen und ein verzückter Spaziergänger. Gelbe Lichtstrahlen an der autoritären Fassade des Auditoriums. Auf den Höfen der Ganztagsschulen, Horts und Kindergärten laute und fröhliche Spiele. Kräne im Gegenlicht an der Baustelle des neuen Ärzte- und Bürohauses, 5000 qm frei gestaltbar an der Bürgerstraße. Gegenüber eine Aufforderung zur Solidarität mit linken Zentren, die es zu retten gelte.
Letztlich hübsche große Laubhaufen, vor ein paar Tagen erst von Laubbläsern des Grünflächenamts sorgsamst zusammen geblasen unter sorgfältiger Kaputtfahrung der Grasflächen ringsum. Wächst ja sicher wieder, nächstes Jahr. Und die modernden Laubhaufen machen sich prima. Leckerer Herbstgeruch.
Es ist nur zum Gegendiewandrennen, daß ich meine Kamera nicht dabei habe. Und das Handy, mit dem ich zu knipsen versuche, sagt nur: Akkuladung zu schwach.
Aber egal. Das war ganz schön. Danke, Herbst.

Ersatzweise mal dieses Photo.

  • Beitrags-Kategorie:Tagebuch
  • Lesedauer:1 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Kommentare:Ein Kommentar

Was tut man an so einem Wochenende?

Wenn es draußen duster, trübe und feucht und kalt ist.
Wenn es noch nicht einmal Vorwhynachzzeit ist, also keine Kerzen brennen und kein barockes Bachgeklimper ertönt.
Wenn einem die Erkältungen den Gang ins Schwimmbad verwehren.

Man räumt auf.
Der Beschluß keine neuen Baustellen anzufangen, bevor die alten nicht beendet sind, wird erfolgreich umgesetzt und schafft Erfolgserlebnisse. Hier ein paar Wandreste streichen, dort ein paar Quadratmeter Teppichboden schneiden, legen und dranschrauben und nebenbei diverse Haufen wegräumen.

Zwischendrin bleibt genug Zeit für einen gemütlichen Kaffee und ein Stück Stollen (ja, jetzt schon, extra!) und für zwei Stündchen Lightroom: Sichten, Taggen und Bewerten der Bilder dieses Jahres. Ich komme bis August!

Das einzige Mal draußen am Sonntagmorgen: zu zweit eine gute Stunde laufen, sehr geruhsam, reine Wohlttat, Sauerstoffdusche.
Das war gut.

  • Beitrags-Kategorie:Tagebuch
  • Lesedauer:1 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Kommentare:0 Kommentare