burning sky


Einer dieser Augenblicke, wo das Alltagsgeschehen einen Aussetzer hat, das Gewusel, die Hektik, das sinnlose Hasten eine plötzliche Unterbrechung erfährt. Ich stehe am Fenster und gucke lange Zeit einfach nur zu. Den Farben. Den Formen. Dazu vielfältiger Gesang von Amseln, Staren, Dieselmotoren und Kindern.
Es gibt diese Augenblicke, die einem hinter der Bewußtlosigkeit des Alltags ein tatsächliches, an einer anderen Wirklichkeit orientiertes Bewußtsein eröffnen.
Nur für einen kurzen Augenblick. Aber manchmal wirkt er lange nach.

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Zugang zu Bildung ist Menschenrecht

Selektion hat auch weiterhin eine überaus deutsche Tugend zu sein!
Uno-Sonderberichterstatter Muñoz hat das deutsche Schulsystem abgewatscht, wie vor ihm kein anderer. Das soll er aber nicht! Wo wir uns doch wegen Pisa sone Mühe geben! Und in Niedersachsen haben wir extra die Orientierungsstufe abgeschafft. Aber Rächtschraiprephorm hin oder her, es gibt nun mal kluge Kinder und blöde Kinder. Und es kann ja wohl nich angehn, daß die klugen, die schließlich mal unsre Elite wern solln, daß die unter den Dummen, Unbelehrbaren, Widerspenstigen oder gar Behinderten zu leiden haben. So war das mit der Schangsengleichheit nie gemeint.
Und die andern, die von da kommen, wo der Pfeffer wächst, die sollen da auch mal schön wieder hin zurück und nich hier unsere wertvollen Bildungseinrichtungen mit ihren Kopftüchern und überhaupt –

denn, und spätestens hier sehen wir, daß das doch alles jeglicher Grundlage entbehrt.

Meine Kinder haben es gut. Schon als Grundschüler haben sie die besondere Auszeichnung genossen, in einer Integrationsklasse mit lernbehinderten SchülerInnen gemeinsam unterrichtet zu werden. Und jetzt sind sie schlau und gehen auf eine integrative Gesamtschule. Dies schadet ihrer intellektuellen Kompetenz in keiner Weise. Stattdessen hat das ihre soziale Kompetenz deutlich gestärkt und tut dies auch weiterhin.
Auf der andern Seite haben wir hier Gymnasialdirektoren in Göttingen, die sich öffentlich hinstellen und kundtun, daß sie aus gewissen Stadtteilen (ebensolchen mit besonders hohem Ausländer- und Sozialschwachenanteil) grundsätzlich keine Schüler aufnähmen.

Denn Sie wissen doch: es ist so, wie’s ist. Und weil es so ist, wie’s ist, ist es gut so, wie es ist.

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Ein voller Frühlingstag

Mit Kind2 mache ich eine ausgedehnte Radtour einmal lang durch Göttingen, durchs untere Ostviertel in die Nordstadt, am Papenberg vorbei nach Weende. Fasziniert und ein wenig entsetzt begutachten wir die große Baustelle, die das ehemalige Isco-Gelände nun darstellt, und die Lärmschutzwände an der verbreiterten Lutter. Gruselig. Weiter geht’s an der Hennebergschule vorbei und durchs Weender Altdorf in den Klosterpark, wo Herr Hauschild mit der Sanierung der Klostergebäude begonnen hat. Schön ist das da überall.
Im Klosterpark hören wir einen Specht trommeln und entdecken ihn dann auch im Baum. Das finden wir beide ganz toll, wie schnell der seinen Kopf vor- und zurückbewegen kann… Ach und die Romantik in diesem Park geht offensichtlich auch an Kind2 nicht vorbei.
Wir fahren dann aus Weende raus, überqueren die Bahn und die B3 und machen den kleinen Bogen zur Adelebser Bahn und dieser schönen kleinen Eisenbahnbrücke, um von da an an der Leine lang zu fahren. Das ist zuerst ziemlich anstrengend weil matschig, im Groner Wald dann aber ok. Nur die Fahrräder werden ziemlich dreckig. Durch das Musa-Gelände und am Hagenweg vorbei gelangen wir in den Levinpark, gucken einen Moment lang den Enten zu und gondeln dann allmählich nach Hause, wo wir angenehm erledigt und sehr hungrig ankommen. Das war echt schön!
Die Mädels haben derweils mit den andern Kindern des Stichwegs auf dem Garagenhof gespielt und machen auch keine Anstalten damit aufzuhören. Als sie abends endlich heimkehren, waren sie 7 Stunden ununterbrochen draußen!
Kind2 und ich essen Mittag und putzen dann unsere Fahrräder.
Ja, Frühling. Mehr davon, bitte!

Mond über Geismar


Das Bild ist von Freitag, einen Tag vor Vollmond. In dieser Nacht ist Mondfinsternis. In Göttingen ganz besonders: wegen absolut bedecktem Himmel ist der Mond nämlich gar nicht zu sehen.

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Die Versuchung


Zum 70. Geburtstag der Schwiegermutter eingeladen. Das Gläschen Sekt, da fällt der Verzicht noch leicht. Aber dann: der Kuchen. Alle fallen darüber her. Alle gucken mich groß an: wie jetzt? Du willst keinen Kuchen essen?! Die Schwiegermutter guckt entrüstet. Die Schwägerin erzählt abgeklärt von ihren diversen Fast-Versuchen in der Vergangenheit. Natürlich hat sie immer ganz gefastet, also gar nichts gegessen. Das beeindruckt mich indes viel weniger als ihr Hinweis darauf, daß die Fastenzeit 7 Wochen dauert und nicht nur 6, wovon ich ausgegangen war.
Nicht, daß das den Wahnsinnsunterschied machen würde…

Aber. Ich halte durch.

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Die Einschulungsuntersuchung

Sie ist so aufgeregt. Vorher. Und hinterher auch. Alle andern Kinder im Kindergarten wirken im Vergleich zu ihr wie Babys, als ich sie dort morgens abliefere. Im Anhänger wegen dem ekligen stürmisch-regnerischen Wetter. Dann schnell ohne Anhänger zurück nach Hause, ein bißchen Küche aufräumen. Dann wieder Regenhose anziehen und gegen Wind und Geniesel zum KiGa und das Kind abholen. Sie ist da gerade am Tischdecken am Helfen und faszinierend emsig. Genauso gern kommt sie aber auch sofort mit mir mit, ist ganz großes Mädchen und sehr darauf bedacht, das zu zeigen.
In der Schule müssen wir vor der Bücherei warten. Darin findet die Untersuchung statt. Dauert gut 20 Minuten, bis wir dran kommen. In dieser Zeit ist sie unglaublich geduldig!
Und dann, drin, ist es eigentlich einfach nur nett. Der Arzt ist lieb, entgegenkommend und versteht sein Handwerk. Das Kind macht alles völlig klag- und widerspruchslos mit. Auf dem einen Ohr hört sie schlechter, auf dem einen Auge sieht sie schlechter. Beides nicht gravierend, wird aber registriert. Sie ist keine Überfliegerin, aber sie ist gut, sie ist selbstbewußt und sie WILL. Mit ihrem unnachahmlichen Charme.
Ich bin seeehr stolz auf sie. Und ich bin froh, das mit ihr erleben zu können. All diese Dinge sind einfach immer ganz besonders mit ihr.

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Frühlingsanfang


Angefühlt hat es sich nach allem heute, nur nicht nach Frühling. Der Wind kalt und bissig, die ständigen Regenschauer scheußlich und das reichhaltige Grau dabei äußerst novembrig. Aber eben nicht nur. Tatsächlich riß in der zweiten Tageshälfte die Bedeckung auf, die Sonne kam vielmals durch und erzeugte eine Fülle von Regenbogen, die einem heftigen Apriltag alle Ehre gemacht hätte.

Dieser merkwürdige Winter, der damit endlich zuende ist, war der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnung.

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Im Wald

Morgenlauf rauf. In den Wald zum Kerstlingeröder Feld. Es ist matschig, aber kein Schnee mehr zum Glück. Zwei große Flächen, die Kyrill abgeräumt hat. Einige Festkilometer Holz, die da auf Abtransport warten. Gruselig. Aber eine Waldamsel singt wunderbar melancholisch. Ich höre die ersten Singdrosseln der Saison (nie waren sie so früh!), auf dem Feld oben dann auch Goldammern und einen Specht hämmern und singen. Noch ganz schüchtern ein Buchfink. Laufen wie Musik. Anstrengung. Lust. Lebensatem.

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Fastenzeit

Ich faste weder für den Frieden noch im Ernst für das Klima. Obwohl, wenn das ginge und in meinen Augen Sinn hätte, würde ich es tun. So aber erstmal einfach nur für mich selbst: freiwillig sechs Wochen kein Alkohol und keine Süßigkeiten.
Heute ist Tag 3.
Die ersten beiden Tage habe ich mit einer leicht verschärften Ration Obst gut rumgekriegt. Eindeutig (noch?) keine Entzugserscheinungen. Allerdings ist es mitunter schon schwierig die Hände stillzuhalten, wenn zuhause auf einer Kommode, an der ich ungezählte Male am Tag vorbei gehe, fett und breit eine Riesenpackung Schokokrams rumliegt.
Bleiben noch 39 Tage.

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