Nach der Feier

Von Kindergeburtstagen habe ich jetzt aber doch erst mal genug. Was nicht heißt, daß ich sie grundsätzlich nicht mag. Nur eben, daß man sich vorher immer viel viel Mühe gibt mit Geschenkeaussuchen, Gastkindergewinne besorgen, Spiele planen, Kuchen backen, Girladen aufhängen… – dann kommt der Geburtstag, die Aufregung erreicht ihren Höhepunkt, alles fängt wunderbar an, das Kind freut sich über alle Backen, die Gastkinder kommen am Nachmittag und sind schon gleich schwer im Zaum zu halten, weil eigentlich schon zu durchgedreht durch den Kindergarten. Die eine zu müde, die andere kann nicht stillsitzen, muß überall immer im Vordergrund stehen. Und als Eltern rennt man nur hin und her, richtet an und her und versucht es nett zu machen und nett zu finden und kommt genau dazu dann doch nicht wirklich.
Und abends ärgert man sich, ohne das zu sagen, daß die Eltern der Gastkinder zu spät kommen, um diese endlich wieder abzuholen, damit man endlich das Geburtstagskind ins Bett bringen, Küche und Wohnzimmer aufräumen und dann noch mit den großen Kindern eine Runde Carcassonne spielen kann, weil die sehr lieb waren und auch eine ordentliche Portion Aufmerksamkeit und Zuwendung brauchen.
Die Zuwendung der Eltern füreinander fällt dann eher spartanisch aus. Sowohl Zeit (vor dem Fall ins Koma) als auch Energie (sokurz vor dem Fall ins Koma) fehlen irgendwie.
Wenn dann der nächste Morgen, in den man mit Vorfreude auf’s Wochenende, auf ein ruhiges Wochenende, startet, damit beginnt, daß die liebe Dame zum unplanmäßigen Sonntagsdienst verpflichtet wird (von sieben bis sieben), dann vergeht mir irgendwie die Laune. Ich hasse das. Es ist genau das, was ich nicht abkann, wenn da so von außen jemand oder etwas sich in die inneren Angelegenheiten einmischt und Pläne zunichte macht.

*Mecker mecker mecker mecker mecker mecker mecker* Ich hör ja schon auf. Der Sonntag wurde trotzdem schön. Man fügt sich eben. Plant um und macht was anderes.

Johanniskirchturm Renovierungspläne

Stadtbaurat Thomas Dienberg hat allen Ernstes vorgeschlagen, den abgebrannten Nordturm nicht wie gehabt historisch wieder zu errichten, sondern anstelle der Holz-Ballustrade eine Rundum-Verglasung anzubringen, um auf diese Weise zu zeigen, daß „hier etwas passiert ist“, außerdem um auf dem Turm mehr Ausstellungsfläche zu schaffen.
Die Folge: nicht allein das Antlitz des Turms wäre ernsthaft entstellt, sondern mit ihm die ganze Skyline der Stadt. Mal davon abgesehen, daß man oben nicht mehr im Freuen stünde, sondern hinter Glas, eingemacht quasi.
Tolle Wurst. Da klappt einem doch nur noch der Unterkiefer runter.

[Edit 11.03.05] Inzwischen haben sich nicht nur der Pastor der Gemeinde sondern auch der Kirchenvorstand unisono ablehnend zu den Dienbergschen Plänen geäußert.

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Es wird hell

Um viertel vor sechs schon der halbe Himmel hell. Dazu noch ein strahlender Jupiter im Südwesten. In der angenehmen Kälte ist den Amseln zwar leider die Stimme eingefroren, aber die Rotkehlchen geben sich alle Mühe das auszugleichen. Witzigerweise scheinen einige von ihnen dabei zu versuchen, wie Kohlmeisen zu klingen. Vielleicht bilde ich mir das ja auch nur ein, aber nachdem ich mal in der taz gelesen hatte, wie selbstverständlich Amseln schon Handyklingeltöne nachmachen, und nachdem ich selbst immer fasziniert davon bin, wie die Stare versuchen, wie Kraniche zu klingen – warum also nicht Rotmeisen? Oder Kohlkehlchen?

Der Himmel ist jetzt blau und strahlt. Es ist unglaublich hell. Und die Helligkeit vertreibt die düsteren Gedanken der letzten Tage und läßt so richtig aufatmen.

Aufbruchstimmung.

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Land im Kälte-Griff

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Göttingen (Wetterfroschdienst). Obwohl neuerliche Schneeschauer in den letzten Tagen in der Stadt auf keinen fruchtbaren Boden mehr fielen und trotz eisiger Minustemperaturen ohne viel Federlesens wieder wegkondensiert wurden, bleibt die Kälte hartnäckig und meistenteils unerbittlich.
Auf dem Land, hier am Hohen Hagen zwischen Dransfeld und Jühnde, liegen noch immer 20 bis 30 cm Schnee (übereinander!) und machen keine Anstalten sich freiwillig zurückzuziehen.
Besorgte Bürger argwöhnen bereits, daß es sich um eine erneute Sparmaßnahme der Landesregierung handeln könne, die nach Bekanntwerden der neuesten Haushaltslöcher nun die Frühlingswärme 4 Wochen später als tariflich vereinbart zum Einzug bringen solle, um auf diese Weise die Heizkosten von den Landes- auf die Bürgerkassen zu verlagern. Protest wurde bereits laut, vornehmlich aus den verfrorenen linken Lagern, weil wieder einmal vorrangig sozial schwächer gestellte benachteiligt würden. Eine Stellungnahme der unverfrorenen rechten Regierung steht noch aus.

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Die Vögel

Letzte Nacht: die ersten Kraniche überfliegen Göttingen.
Heute Morgen: die ersten Amseln machen Sound-Check. Außerdem: Rotkehlchen, Kohlmeisen, Stare, Buchfinken.
E n d l i c h !!!

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Salon-Linke und Pazifisten

Neulich im Fernsehen waren ein paar Menschen bei Maischberger, die mich ausnahmsweise doch mal interessierten. Es war nicht mehr amüsant, wie der grüne Alt-68er Daniel Cohn-Bendit den ehemaligen CDU-Generalsekretär Heiner Geißler für dessen in den 80ern getane Äußerung zum Pazifismus der 30er-Jahre, der Auschwitz erst möglich gemacht habe, in Schutz nahm.
Der Eine, so sollte man vielleicht denken, ehemals wilde radikale Sponti hat sich endlich etabliert. Der Andere, als ehemals von allen Linken gefürchteter Familienminister, hat sich vom Saulus zum Paulus geriert. Wie schön wäre das, wenn man es denn wirklich glauben könnte.
Diesen beiden sich gegenseitig die Bälle zuwerfenden Salon-Linken gegenüber saßen zwei Berufsbetroffene, einmal der Dietrich Grönemeyer, der ganz sicher nach Dietrich Bonhöffer so heißt, und der in durchaus sympathischer Art (nicht nur) medizinische Wahrheiten ausspricht, die, wenn sie denn von irgendeinem seiner Kollegen tatsächlich beherzigt würden, den Gesundheitszustand (und nicht nur den!) dieses unseren Landes gewissiglich radikal verbessern würden.
Und dann war da auch noch Eugen Drewermann, von der katholischen Kirche geschasster Geistlicher, dem man erst einmal gar nicht ansieht, daß er wirklich durchblickt und sich durchsetzen kann, selbst gegen den sich immer noch gern als jugendlichen Heißsporn ausgebenden rothaarigen Danny. Herr Drewermann spricht endlich einmal wieder überzeugend aus, was ich seit dem UNO-Einsatz in Bosnien und im Kosovo verschiedentlich zu sagen versuchte, ohne daß es je jemand hören wollte:
Es geht auch ohne Krieg. Pazifismus heißt nicht den Kopf in den Sand stecken oder sich selbst in den Keller zurückziehen, bis alles vorbei ist. Sondern Pazifismus heißt sich wehren, aber mit zivilen Mitteln. Und rechtzeitig! Nicht erst, wenn man im Bombenhagel steht. Daß ziviler und damit im landläufigen Sinn gewaltfreier Widerstand in der Regel viel effektiver und nachhaltiger erfolgreich ist als jede noch so gelungene chirurgische Kriegshandlung, ist einfach Fakt. Gab jedoch wenig Gelegenheiten in der Historie, dies zu beweisen, da Regierungen fast immer und überall Krieg als ein Gott gegebenes oder natürliches Recht auffassen.
Außerdem erfordert zivile Verteidigung Zivilcourage, Arsch in der Hose und gehörig Mut. So viel Mut und so fundierten Mut wie all die Jüngelchen, die hinter schweres Gerät gesetzt auf die Armen dieser Welt gehetzt werden und deren Generäle zusammen einfach nicht haben. Von ihren Regierungschefs und Verteidigungsministern gar nicht zu reden. Die können alle nur noch mit ihren Joysticks intelligente Bomben ins Ziel lenken.
Herr Drewermann bekam, solange ich diese Sendung mit dieser nicht wirklich viel peilenden aber sehr charmanten Gastgeberin ertrug, leider viel zuwenig Gelegenheit seine Ideen auszubreiten. Was natürlich ins Bild paßt.
Niemand will wirklich wissen, wie diese Welt zu verbessern wäre. Denn dann müßte man ja danach handeln.

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