Salon-Linke und Pazifisten

Neulich im Fernsehen waren ein paar Menschen bei Maischberger, die mich ausnahmsweise doch mal interessierten. Es war nicht mehr amüsant, wie der grüne Alt-68er Daniel Cohn-Bendit den ehemaligen CDU-Generalsekretär Heiner Geißler für dessen in den 80ern getane Äußerung zum Pazifismus der 30er-Jahre, der Auschwitz erst möglich gemacht habe, in Schutz nahm.
Der Eine, so sollte man vielleicht denken, ehemals wilde radikale Sponti hat sich endlich etabliert. Der Andere, als ehemals von allen Linken gefürchteter Familienminister, hat sich vom Saulus zum Paulus geriert. Wie schön wäre das, wenn man es denn wirklich glauben könnte.
Diesen beiden sich gegenseitig die Bälle zuwerfenden Salon-Linken gegenüber saßen zwei Berufsbetroffene, einmal der Dietrich Grönemeyer, der ganz sicher nach Dietrich Bonhöffer so heißt, und der in durchaus sympathischer Art (nicht nur) medizinische Wahrheiten ausspricht, die, wenn sie denn von irgendeinem seiner Kollegen tatsächlich beherzigt würden, den Gesundheitszustand (und nicht nur den!) dieses unseren Landes gewissiglich radikal verbessern würden.
Und dann war da auch noch Eugen Drewermann, von der katholischen Kirche geschasster Geistlicher, dem man erst einmal gar nicht ansieht, daß er wirklich durchblickt und sich durchsetzen kann, selbst gegen den sich immer noch gern als jugendlichen Heißsporn ausgebenden rothaarigen Danny. Herr Drewermann spricht endlich einmal wieder überzeugend aus, was ich seit dem UNO-Einsatz in Bosnien und im Kosovo verschiedentlich zu sagen versuchte, ohne daß es je jemand hören wollte:
Es geht auch ohne Krieg. Pazifismus heißt nicht den Kopf in den Sand stecken oder sich selbst in den Keller zurückziehen, bis alles vorbei ist. Sondern Pazifismus heißt sich wehren, aber mit zivilen Mitteln. Und rechtzeitig! Nicht erst, wenn man im Bombenhagel steht. Daß ziviler und damit im landläufigen Sinn gewaltfreier Widerstand in der Regel viel effektiver und nachhaltiger erfolgreich ist als jede noch so gelungene chirurgische Kriegshandlung, ist einfach Fakt. Gab jedoch wenig Gelegenheiten in der Historie, dies zu beweisen, da Regierungen fast immer und überall Krieg als ein Gott gegebenes oder natürliches Recht auffassen.
Außerdem erfordert zivile Verteidigung Zivilcourage, Arsch in der Hose und gehörig Mut. So viel Mut und so fundierten Mut wie all die Jüngelchen, die hinter schweres Gerät gesetzt auf die Armen dieser Welt gehetzt werden und deren Generäle zusammen einfach nicht haben. Von ihren Regierungschefs und Verteidigungsministern gar nicht zu reden. Die können alle nur noch mit ihren Joysticks intelligente Bomben ins Ziel lenken.
Herr Drewermann bekam, solange ich diese Sendung mit dieser nicht wirklich viel peilenden aber sehr charmanten Gastgeberin ertrug, leider viel zuwenig Gelegenheit seine Ideen auszubreiten. Was natürlich ins Bild paßt.
Niemand will wirklich wissen, wie diese Welt zu verbessern wäre. Denn dann müßte man ja danach handeln.

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