Planwirtschaft

Sonntagabend

Wichtig ist nicht allein, daß gespart wird, sondern auch wo.

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Neues aus dem Zentrum des Geschehens

Da hat sich der Herr Hilder ja in drei Jahren salopp zum Provinzfürsten emporgeschwungen. Kaum ein kulturell-wirtschaftlich-politisch relevantes oder vielversprechendes Event, dem er nicht als Moderator vorsaß, um anschließend einen seiner hochgelobten bürgerlich biederen und (mich jedenfalls) bedrückenden Kommentare in seiner Zeitung abzulassen.
Daß so einer stramm CDU ist, versteht sich von selbst. Daß so einer vehement gegen politische Verflechtungen agitiert, auch.

Aber diesen Erfolxmenschen hat sein Überflug nun zu höheren, wichtigeren Aufgaben nach Leipzig zur Volkszeitung hinwegkatapultiert und hinterläßt in der südniersächsisch-toskanischen Metropole ein Loch.
Hätte man meinen können.
Wäre da nicht Ilse Stein! Ilse Stein.
Seit Jahren schon berüchtigt und gefürchtet für ihre investigativen Berichte und Lokalkommentare – was hat sie nicht alles aufgedeckt:
– die wahren Drahtzieher, Hintermänner und Machenschaften rund um den Magnapark
– was uns die Südumgehung wirklich bringt
– wie man den Kaufpark vielleicht doch noch retten kann
– die ultimativen Chancen der Göttinger Filet-Grundstücke
– alle Stärken des Göttinger Oberbürgermeisters
und und und…

Ach wäre es doch nur so!
Allein, es ist ja alles ganz anders.
Getreu der Böll’schen Erkenntnis, daß etwas geschehen müsse, sorgt die Verlagsgruppe Madsack zuverlässig dafür, daß beim GT alles bleibt, wie es immer war, daß erhaltenswerte Werte wertkonservativ erhalten werden, daß die Leute, die in der Stadt immer ein Wörtchen mitzureden hatten, auch in Zukunft immer ein Wörtchen mitzureden haben. Ein Wörtchen, dem Ilse Stein nun erst recht immer noch ein i-Tüpfelchen hinzufügen darf, als neue Chefredakteurin.
Das grapf°log gratuliert verzückt.

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Herbstsonntagabend

Sonntagabend

Der Herbst der Herbst der Herbst ist da. Ein Lied, das ich zu Kindergartenzeiten mal gesungen habe. Später hörte ich es auf Tonband wieder. Schon als Schulkind lief mir ein seltsamer Schauer dabei über den Rücken.

Sonntagabend2

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damals (Nosthalgie-Trip)

via pappnase:

Wir haben es tatsächlich geschafft. Kaum zu glauben, aber es ist so.. Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft, speziell was der Gesetzgeber und die Bürokraten, die Medien und die Informationsgesellschaft uns täglich vorbeten und verbieten, müssten wir alle, die in den Sechzigern bis Anfang der Achtziger aufgewachsen sind, längst tot sein.
Unsere Kinderbetten waren mit bleihaltigen Farben bemalt und Formaldehyd sickerte aus jeder Pore. Ganz zu schweigen vom Tapetenleim, dem Kleber des Linoleums oder den PVC-Dämpfen des Stragula. Wasserfeste Filzstifte hatten Ausdünstungen die benebelten und wer erinnert sich noch an den leicht salzigen Geschmack des abzuleckenden Tintenkillers? Steckdosen, Medizinflaschen, Schranktüren und Schubladen waren noch nicht kindersicher. Messer, Schere, Gabel und Licht wurden uns zwar verboten, aber meistens mussten wir uns erst einmal daran verletzten um es zu glauben.
Unsere Fahrräder, Roller und Rollschuhe fuhren wir ohne Schützer und Helme. Die Risiken per Anhalter in den nächsten Ort zu fahren waren uns unbekannt! Zum Thema Auto erinnere ich mich weder an einen Sicherheitsgurt, noch an Airbags, Kopfstützen, ABS oder ähnliche Sicherheitsvorrichtungen im Wagen meines Vaters. Man saß zwar hinten, aber an einem heißen Sommertag gab es doch nichts schöneres als seinen Kopf aus dem Fenster (das man damals noch komplett runterkurbeln konnte) des fahrenden Autos zu stecken und sich den Fahrtwind ins Gesicht blasen zu lassen, daß man kaum noch Luft bekam.
Wasser haben wir direkt aus dem Gartenschlauch getrunken und nicht aus einer Flasche. Wahnsinn! Wir aßen fettige Schmalznudeln und frischgebackenes Brot mit fingerdick Butter drauf, dazu gab es überzuckerte Limonaden oder künstlich gefärbtes TriTop. Zu fett geworden sind wir deswegen nie, weil wir immer draußen waren. Wir haben zu fünft aus einer Limoflasche getrunken und es ist tatsächlich keiner daran gestorben.
Wir haben stunden- und tagelang an Seifenkisten oder ähnlichen Gefährten geschraubt, die wir aus rostigem Schrott und splitterigem Holz konstruiert hatten. Dann sind wir den Hügel damit runtergebrettert nur um festzustellen, daß wir die Bremsen vergessen hatten. Nachdem wir ein paar Mal in der Böschung gelandet waren, haben wir gelernt auch dieses Problem zu lösen.
Wir gingen in der Früh raus und haben den ganzen Tag gespielt, höchstens unterbrochen von Essenspausen und kamen erst wieder rein, als es dunkel wurde und man den Fußball nicht mehr richtig sehen konnte.
Wir waren nicht zu erreichen. Keine Handys!
Wenn es regnete spielten wir bei Freunden Monopoly oder Mensch ärgere dich nicht, Mühle oder Dame und bauten mit Matchbox Autos ganze Städte auf. Wir hatten weder Playstations oder Nintendo, X-Boxen oder Videospiele, keine PCs, keine 50 Fernsehkanäle oder Surround Anlagen.
Ins Kino zu gehen war ein Ereignis, für das man sich herausputzte und das einem vor Vorfreude den Magen kribbeln ließ. Es gab noch Vorfilme, die immer eine Überraschung waren, weil keiner wußte was zu erwarten war und wenn zufällig ein Donald Duck oder Micky Maus Film dabei war, hatte man das ganz große Los gezogen.
Wir hatten Freunde! Wir gingen raus und haben uns diese Freunde gesucht.. Wir haben Fußball gespielt mit allem was sich kicken ließ und wenn einer einen echten Lederball hatte war er der King und durfte immer mitspielen, egal wie schlecht er war. Um im Verein mitspielen zu dürfen gab es Aufnahmeprüfungen, die nicht jeder bestanden hat. Wer es nicht geschafft hat, lernte mit der Enttäuschung umzugehen.Wir spielten Völkerball bis zum Umfallen und manchmal tat es weh, wenn man abgeworfen wurde.
Wir sind von Bäumen und Mauern gestürzt, haben uns geschnitten, aufgeschürft und haben uns Knochen gebrochen und Zähne ausgeschlagen.
Wir hatten Unfälle! Es waren einfach Unfälle an denen wir Schuld waren. Es gab niemanden, den man dafür verantwortlich halten konnte und vielleicht sogar noch vor den Kadi zerrte. Wer erinnert sich noch an Unfälle? Unsere Knie und Knöchel waren von Frühjahr bis Herbst lädiert und ein Schienbein ohne blaue Flecke gab es nicht. Wenn wir
uns an Brennesseln gebrannt haben, oder uns eine Mücke gestochen hatte, haben wir entweder drauf gespuckt, oder den Nachbars Hund drüber lecken lassen oder drauf gepinkelt. Geholfen hat alles.
Wir haben gestritten und gerauft, uns gegenseitig grün und blau geprügelt und gelernt damit zu leben und darüber weg zu kommen. Wir haben Spiele erfunden mit Stöcken und Bällen, haben mit Ästen gefochten und Würmer gegessen. Und obwohl es uns immer wieder prophezeit wurde, haben wir uns kaum ein Auge ausgestochen und die Würmer haben auch nicht in uns überlebt. Wir sind zu einem Freund geradelt, haben an der Tür geläutet und sind dort geblieben nur um mit ihm zu reden. Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere, also haben sie eine Klasse wiederholt. Sie sind nicht durchgefallen, sondern wurden von den Lehrern einfach zurückgestuft. Zensuren bei Proben wurden nie manipuliert, egal aus was für Gründen.
Wir waren für unsere Aktionen selbst verantwortlich. Konsequenzen waren immer zu erwarten, wenn wir Scheisse gebaut hatten. Der Gedanke, daß ein Elternteil uns rausklopft wenn wir mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren, war undenkbar. Im Gegenteil, die Eltern stellten sich auf die Seite des Gesetzes.
Stellen Dir das einmal vor! Unsere Generation hat einige der größten Erfinder hervorgebracht. Die letzten 50 Jahre waren eine wahre Explosion an Innovationen und Ideen. Wir hatten Freiheit und Zwang, Erfolg und Misserfolg. Verantwortung und Konsequenz. Und wir haben gelernt damit umzugehen.
Erinnere Dich daran, wie Du aufgewachsen bist und Du wirst sehen, was unseren Kindern heute fehlt. Als die Eltern einmal ein Auge zudrückten, anstatt die Kinder mit übergroßer Vorsicht zu erdrücken.
Unsere Eltern trauten uns zu die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Meistens hat es geklappt. Die paar Mal, die daneben gingen zählen wir zu unseren Lebenserfahrungen.
Diese Geschichte dient zur Erinnerung an die Zeit, als Kinder noch Kinder waren und noch keine Anwälte mit Schadensersatzklagen und Regierungen mit kinderfeindlicher Politik unseren Alltag bestimmten.

Kopiert diese Zeilen und veröffentlicht sie wo immer Ihr wollt…

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Kartenpfand bei Alphatel

Da schickt mir Alphatel nach meiner Kündigung eine Bestätigung mit dem Hinweis, daß mit der Endabrechnung ein Kartenpfand in Höhe von 25 Euro einbehalten werde, das bei fristgerechter Rücksendung der Sim-Karte wieder erstattet werde.
Da ich schon vor einem halben Jahr den Vertrag gekündigt hatte, war mir der Wortlaut dieses Vertragspassus nicht mehr geläufig genug. Nach der Endabrechnung, mit der das Kartenpfand abgebucht wurde, rief ich noch einmal die Hotline an, um sicherzugehen, wohin diese Karte geschickt werden muß, schickte sie dann per Einschreiben hin, nur um quasi einen Tag später einen Brief zurück zu bekommen, in dem steht, daß ich die Karte leider nicht fristgerecht zurückgeschickt hätte und das Kartenpfand daher leider nicht erstattet werden könne. Natürlich ärgere ich mich vor allem über mich selbst. Man kann die AGBs solcher “Dienstleister” einfach nicht genau genug lesen. Man muß immer vom Unangenehmsten ausgehen und – es hat keinen Sinn, sich auf Auskünfte von Hotline-Mitarbeitern zu verlassen.
Ich ärgere mich, daß ich nicht realisiert habe, was ich gelesen habe.
Aber eigentlich finde ich vor allem diese Art von Geschäftsgebaren der Firma Alphatel unter aller Würde.
Sie bedanken sich für meine Treue als Kunde.
Sehr nett.

Um meinen Ärger wenigstens einmal (sinnlos, ich weiß) bei der Firma abzulassen, rief ich die Hotline noch einmal an, um zu klären, was denn mit der Sim-Karte eigentlich geschieht. Die werde mit dem “Vorgang” archiviert, beschied frau mir. Toll, sagte ich. Das sei ja auch wichtig und unbedingt 25 Euro wert. Beutelschneiderei sei das, sagte ich.
Dazu seien die AGBs ja da, damit so etwas eindeutig geklärt sei für den Kunden und es müsse ja nun mal eine Frist gesetzt werden, weil solche “Vorgänge” ja auch irgendwann einmal abgeschlossen sein müßten.

Danke Alphatel :-(

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Sonne über Berlin

Überraschungserfolg: Vier Tage Hauptstadt-Tour. Sonne pur. Strahlend blauer Himmel. Mittags so warm, daß man draußen essen konnte. Auf den Beinen von morgens zehn bis abends zehn.
Sightseeing von Alex bis Potsdamer Platz, von Rosenthaler Platz bis Ostkreuz. S-Bahn, U-Bahn, Tram und Bus: Linie 100 oben vorn erste Reihe, jedesmal. Das können nur Kinder.

Rotes_Rathaus

Eigentlich hatte ich ja schon damit gerechnet, mehrmals täglich den Satz zu hören: Und was soll daran jetzt so toll sein? Erwartet habe ich auch fertige Kinder, die kurz nach dem Mittagessen nur noch mitteilen, daß sie nun aber nicht mehr können. Wie lange dauert es denn noch?
Stattdessen fast ununterbrochen höchste Motivation, eine Bereitschaft, Anstrengungen zu ertragen, die sonst so nicht vorkommt.
Davon, vom gemeinsamen Erlebnis und einmal mehr von Berlin selbst waren wir einfach begeistert.

Rotes_Rathaus

Steht zu befürchten, daß es also Berlin-Bilder hageln wird (mal was anderes ;-) – denn ich dachte diesmal eigentlich, da wir ja in Familie fahren, daß ich ja sicher kaum zum Knipsen komme. Wurden auch nur etwa 300.
In Kürze hier und dort und an den anderen üblichen verdächtigen Orten.

Göttinger Filet kotelettiert

walljogger

Das kostbare Göttinger Innenstadtgrundstück, auf dem früher das alte Stadtbad stand (es war so schön!), das seit nunmehr weit über einem Jahr unbebaut brach liegt und seinerzeit zum Filetstück ernannt wurde, nach dem sich alle Investoren die Finger lecken sollten.
Es wird nun beratschlagt seitens der Ratsfraktionen, wie man es vom Filet zum Kotelett umwidmen könne, um dann statt irgendwelcher doch nicht einmal am Horizont sichtbaren Investoren wenigstens Autofahrer (endlich mal wieder ein paar mehr!!!) anzulocken.
Zum Kotelett? Wie das? Nun, ganz einfach, indem man den bislang lockeren Grund befestigt und Parkplätze draus macht.

walljogger

Welch genialer Streich. Wenn dann noch, wie beabsichtigt, das ehemalige Hauptgebäude der Stadtsparkasse abgerissen wird, um Platz für Büros und Einzelhandel zu schaffen (gibt’s ja nie genug von!), dann sind wir doch einen großen Schritt weiter auf dem Weg nach Schilda.
Zum Schluß wird die ganze Innenstadt ein einziger großer Parkplatz sein. Da freuen wir uns.

Hauptstadtführung

So oft war der Papa schon in Berlin. Und nie durften sie mit.
Nun endlich doch! Ab morgen lassen wir uns von unseren “großen” Kindern vier Tage durch die Hauptstadt führen. In den letzten Wochen hatten sie Gelegenheit, einen Kinderreiseführer zu studieren und sich die Orte auszusuchen, die sie am meisten interessieren.
Vorfreude allerorten :-)
Bin sehr gespannt, ob, wie und wenn, was ihnen gefallen wird. Und ob der Papa ein wenig von seinem Berlinspleen rüberbringen kann.

Das Paarungsverhalten

des Außenministers und andere Erfolge der Achtundsechziger – ein Artikel den Jürgen Elsässer in telepolis über die Spätwirkungen geschrieben hat, läßt mich nicht los.
Thema ist auch die “Vernichtung kollektiver Geborgenheit”, wie sie u.a. Michel Houellebecq in seinen Romanen beschreibt. An seiner “Ausweitung der Kampfzone” hatte ich einiges zu knabbern.

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