Lange schon habe ich ja eigentlich vorgehabt, hier von meinen Harz-Ausflügen zu erzählen und ein paar Bilder dazu zu zeigen. Nun ist die Motivation hoch und letzte Woche erst waren wir da: in Lonau, einem kleinen Ort nördlich von Herzberg. Ich war zuvor noch nie dort. Jetzt waren wir sehr angenehm überrascht, weil der Ort am Ende einer Straße liegt, also keinen Durchgangsverkehr hat. Entsprechend ruhig ist es dort. Wir wanderten einmal um den Ort rum, knapp 6 km. Fast di ganze Zeit konnte man den Bach, der übrigens auch Lonau heißt, gluckern hören. Der Nebel und das Eis auf Pflanzen und am Bach sorgten für schön geheimnisvolle Stimmung. „Magische Gebirgswelten“ traf wieder mal voll zu.
Im Harz richtig schöne Wanderstrecken zu finden, schien mir lange eher schwierig. Weil schön meist auch überfüllt bedeutete. Oder abgegriffen. Oder überbreite Wander-Highways.
In den letzten Jahren nutze ich zur Ideenfindung keine Bücher mehr, die „mystische Pfade in Sagenharz“ oder letzte geheime Goethe- oder Heinrich-Heine-Wege zu offenbaren versprechen. Mit diesen Werken habe ich eher selten gute Erfahrungen gemacht. Das liegt unter anderem an der aktuell rasend schnellen Entwicklung des Waldbestandes, aber auch an der wachsenden Beliebtheit des Harzes als Wanderziel, insbesondere für jüngere Menschen. Was mich anfangs ebenso erfreute wie in Erstaunen versetzte, war doch der Harz früher für uns der Inbegriff von Spießigkeit und deutscher Muffeligkeit. Es bedeutet heute halt auch, dass man die richtig schönen Wege und Orte selten für sich allein hat.
Den Oderteich habe ich in der Wander-App Komoot zuerst wahrgenommen. Dort schwärmten so viele Wanderfreundinnen davon, dass ich auch wollte. Mein erster Eindruck war allerdings gelinde gesagt schwierig:
So sah der Oderteich im Sommer 2018 aus.
Nach diesem Anblick brauchte ich anderthalb Jahre für meinen nächsten Anlauf, den ich im März 2020 unternahm, unmittelbar vor dem ersten Lockdown. Nach einem doch zeitweise feuchten Winter sah es dort nun ganz anders aus:
Vom Parkplatz aus die Runde auf der Westseite beginnend war ich sofort von einem sprudelnden Bacheinlauf fasziniert, der rotes Wasser in den Teich zu spülen scheint. Der Teichgrund wird davon fast dunkelrot, darüber das vom Himmel reflektierte Blau auf der Wasseroberfläche, ringsum das Grün der Fichtenreste – da kann man erstmal tief durchatmen.
Das Wasser des Oderteichs macht überall einen sehr frischen und guten Eindruck, der Weg ist abwechslungsreich: von weichem Waldboden über wildes Wurzelwerk, völlig durchweichte Schlammwüste bis zu Holzplankenweg mit Geländer wird alles geboten.
Die Vegetation ist stark geprägt von toten oder im Sterben befindlichen Fichten, die eine wild-romantische bis herb morbide Atmosphäre erzeugen. Dazwischen viel Moos und sumpfige Gräser.
Mich hat echt begeistert, wieviel unterschiedliche Eindrücke sich hier auf echt begrenztem Raum bieten. Die Umrundung des Sees sind gerade mal knapp 5 Kilometer, in anderthalb Stunden sehr gemütlich zu schaffen.
Man ist aber nicht allein dort. Insbesondere als wir Ende Dezember eine Teichrunde im Schnee drehten, befanden wir uns auf einmal fast in einem Volksfest, das allerdings entgegen manchem Rumgeunke durchaus Corona-konform ablief. Mindestabstände konnten problemlos eingehalten werden.
Bei Schnee und Eis sind weite Teile des Wegs echt glatt. Wir haben uns alle mehrmals langgelegt, was mit viel Gelächter verbunden war. Menschen, die nicht ganz trittsicher sind oder sich vor Verletzungen fürchten, sei davon definitiv abgeraten. Alle anderen werden ihren Spaß daran haben.
Der nicht eben kleine Parkplatz war im Dezember heillos überfüllt. Das sollte man einkalkulieren.
Wer im Harz wandert, wird eher früher als später auf Stempelstellen für die Harzer Wandernadel stoßen. Eine solche gibt es natürlich auch am Oderteich. Sie hat die Nummer 217.
Eine gute Woche allerschönsten Winterwetters ist vorbei. Selten, möglicherweise nie zuvor habe ich Schnee und beißende Kälte so ausgiebig genossen wie in diesen Tagen. Dabei bin ich weder Schlitten noch Ski gefahren, sondern einfach nur mit offenen Augen durch‘s Dorf und über‘s Feld spaziert, jeden Tag gut 10 km.
Ich bin nicht Fontane. Insofern kann ich keine Wanderungen durch die Mark Brandenburg beschreiben. Dennoch wirkt allein dieser Titel seit jeher anziehend auf mich. Eines Tages möchte ich diesen Landstrich wenigstens einmal zu Gesicht kriegen. Auch das Gedicht Meeresstrand von Theodor Storm kommt mir immer mal in den Sinn: Ans Haff nun fliegt die Möwe, und Dämmrung bricht herein. …
Aus Göttingens Süden kann ich heute von einem Spaziergang zusammenreimen:
In die Feldmark nun feget der Hund Wilde Wolken jagen hinterher Duster rufen die Raben und Regen Nieselt statt wogendem Meer
Klick aufs Bild vergrößert es und startet eine Diaschau.
Die Wanderführer von Wolfgang Dahms bringen uns immer wieder auf gute Tour-Ideen, so heute auf die Strecke von Brehme (ca. 6km hinter Duderstadt) auf den Sonnenberg hinauf.
Aufstieg
Man startet bei Andreas Waldcafé, in das wir mit etwas mehr Zeit unbedingt mal einkehren wollen. Sogleich geht es dann durch sehr schön grünen Wald zu einem Teich, in dem sich beachtlich große Fische tummeln. Mangels Ahnung von Fischen kann ich die leider nicht genauer benennen.
Dahinter erklimmt man den Weg zur Wildunger Ruine: ein paar Mauerreste, faszinierend besonders das in die Landschaft ragende Fenster.
Der weitere Verlauf ist abwechslungsreich über weite Wiesen, an einer Weide mit jungen Kühen vorbei und schließlich über den staubigen Parkplatz des Sonnensteins einen steilen Hang hinauf zu ebendiesem.
Oben wird man mit eindrucksvollem Blick über das nordwestliche Eichsfeld belohnt. Neuerdings gibt es sogar einen kleinen Skywalk, der für ein kurzes nettes „Hach“ sorgt, wenn man ihn nach artigem Schlangestehen (wegen Corona, Mindestabstand – Sie wissen schon) betritt.
Ein guter Ort für ein Picknick, erwähnte ich das schon?
Rückweg
Wieder hinab geht es durch dichten Wald, an einem reizvollen Abhang entlang, vorbei an einer Waldhütte neben ein paar sehr kleinen Teichen. An der Tür hängt ein Zettel mit dem Spruch: „Wascht euch die Hände, für die Gehirnwäsche sorgen ARD und ZDF“. Man fragt sich unweigerlich, wessen Hirn hier von wem weichgespült wurde. Aber das erörtere ich gern bei anderer Gelegenheit.
Man geht auf dieser Tour 7,3 km und überwindet ca. 200 Höhenmeter.
Der gar nicht mal so kleine Ort Brehme überrascht mich jedes Mal aufs Neue mit seinen spannenden Gegensätzen. Bald nach Ortseingang erstrahlt die „staatliche Grundschule“ seit ein paar Jahren in neuem Glanz, der ganze Ort wirkt äußerst rausgeputzt: da liegt kein Fussel auf der Fahrbahn! Sehr viele teuer anmutende individuell gestaltete Villen oder schick sanierte Vorwendebauten. Man darf durchaus staunen und sich fragen, wo all das Geld herkommt. Umso mehr überrascht dann der Zustand des Freibades, das idyllisch am Waldrand gelegen, seit mindestens 30 Jahren vor sich hin gammelt.
Warum nur? Als Relikt mit Ost-Charme-Charakter kann ich dem viel abgewinnen. Ich bin aber auch nicht Kind in Brehme. Oder habe dort welche.
Schließlich: nicht etwa trotzdem, sondern genau deswegen fahre ich da gerne immer wieder hin. Zum Wandern und zum Gucken.
Bei strahlender Sonne zeigten sich Kästeklippen und Okertal von ihren schönsten Seiten. Obwohl die Tour nur 10 km lang ist, ist sie ganz schön anstrengend. Es geht viel bergauf und -ab und die Wege sind zum großen Teil steinig bzw stark verwurzelt. Man sollte wenigstens 5 Stunden einplanen, damit man die Blicke von den Klippen in Ruhe genießen und in der Oker ausgiebig auf den Felsen herumstromern kann.
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