Gesang und Dialog auf dem Weg in den Kindergarten

Schneeheeflöckchen Weißröckchen
wahann kommst du geschneit
Duhu kommst aus den Wolken
Deihein Weg ist soweit

Duu Papa, es gibt doch auch Fische, die tot sind, oder?
– Ja, die gibt es.
Und Häuser, die verbrannt sind?
– Ja, die auch.
Und eine Mama, die weint.
– Warum?
Weil ihr Baby noch in dem Haus drin ist und sie es nicht rausholen kann.

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Zu verträumt

oder zu dämlich?
Plötzlich materialisierte sich da eine Bordsteinkante vor meinem rechten Fuß. Mitten aus der pechschwarzen Straße heraus. Einer Straße, die ich schon oft entlang gelaufen bin.
Ich stolperte, fiel ganz langsam, viel langsamer noch als in Zeitlupe auf Hände, das linke Knie, die linke Hüfte, machte eine halb seitliche Rolle vorwärts, dachte sehr deutlich Sch***, stand eigentlich noch im Lauf wieder auf und lief weiter.
Ohne anzuhalten kurzer Blick auf die Handgelenke. Die brannten. War aber nichts zu sehen.
Erst zuhause, im Licht, bekam ich einen Schreck. Mein Bein, knieabwärts alles voller Blut. Meine Hand auch. Klebrig, schimmernd, seltsam schön.
Schön auch, alles abzuwaschen unter der Dusche und dann als Ursache ein kleines Wündlein auszumachen, bißchen Haut abgeschürft eben am Knie. Lohnte nicht mal für ein Pflaster, das mir Kind3 sofort unbedingt drauf kleben wollte. Und streicheln wollte sie das Knie. Ganz lieb. Das wollte ich aber auch nicht so gerne.
Trotzdem, es tat irgendwie gut, so richtig Eindruck zu schinden mit meinem Auftritt in der Küche, wo sie alle saßen: B und die 3 Kinder. Wie ich ihnen erstmal allen einen Gutenmorgenkuß gab und dann so ganz beiläufig einfließen ließ, ich sei hingefallen, kurz das Bein gehoben. Diese lieben Ausrufe: och der arme Papa…! Auch später, wie sie eine nach dem andern ins Bad kamen, um noch mal nach mir zu gucken, die Verletzung zu bestaunen und Erinnerungen hervorzukramen von den letzten eigenen Verletzungen, Erfahrungsaustausch in Sachen Asphalt und wie die Haut reagiert, wenn man drauf entlang schrabbt.
Ja, man kennt das. Und irgendwie gehört es dazu.

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Nun ist es vorbei

schon wieder. Und zwar: leider.
Der Whynachzabend wurde ein schöner Endpunkt der Vorwhynachzzeit. Ein stets haarscharf an den Christbaumkerzen entlang schrappendes Kind3, das auf der einen Seite um ein neues Geschenk bat, dieses aus der Verpackung riß, es jubelnd emporhob, damit es auch ja jeder zur Kenntnis nahm, dann wieder um den Whynachzbaum rum, es auf der anderen Seite auf den Stapel legen und wieder zurück und von vorn.
Und ein Kind2, das schnellstmöglich mit dem Zusammenbau und der der Inbetriebnahme des reichhaltigen Technikspielzeugs begann, gern unterstützt und begleitet von den beiden Onkels.
Kind1, die große Tochter, betont mehrmals aufrichtig und herzlich, wie sehr sie sich freue, umarmt mich so oft, daß mir ganz schwummerig wird und bedankt sich so lieb, daß ich den ganzen Nerv von vorher schon fast vergessen habe.
Staunend in der Menge und gleichzeitig am Rand: Eltern, Tante und Großeltern, außer dem Moderator und Geschenke-Verteiler: dem Herrn Grapf, dem mit den glänzenden Augen, so gänzlich einverstanden mit dieser Rolle.
Das völlig unerwartet schöne Wetter und daß man viel rausgehen konnte deswegen, das trug natürlich wesentlich dazu bei, daß sich die Laune hielt, bis Sonntag Mittag, nur durch ein paar kleinere Scharmützel mit dem trotzenden Sohn unterbrochen, dem das alles vielleicht etwas zuviel Nähe war – eine Rolle, die sonst mir zusteht, die ich aber diesmal so richtig gern abgab.

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Whynachz-Einkauf

Das Whynachzwetter war für die Jahreszeit zu früh. Dieses schönste aller Schneetreiben bei leichten Minustemperaturen hätten wir uns doch für den Heiligen Abend gewünscht. Um uns dann so nett vorstellen zu können, wie der Whynachzmann auf seinem Rentierschlitten durch die Landschaft kuvt, Knecht Ruprecht noch mit einsackt und uns alle wiedermal bei unsrer unverbesserlichen romantischen Ader packt und uns Hartz4 und all die andern Greuel vergessen läßt, für ein paar Stunden wenigstens. Aber ach, es sollte wiedermal nicht sein.
Stattdessen heute wiedermal einen Laden für Kindergeschenke betreten. Die höchst unwahrscheinliche Menge Whynachzmannmützen tragender VerkäuferInnen hätte mich ja schon mißtrauisch machen können. Aber so richtig klar wurde es mir erst, als ich an der Kasse stand, dem Whynachzseppl meine zwo kleinen schicken überteuerten Geschenke übergab und der dann sagte “na klar… – ”
“Na klar”, so als hätte ich aus einer der untersten Schubladen irgendwo hinten in der Adult-Abteilung so einen richtig fiesen Bizarre-Porno mit extrem ekligem Titelbild herausgefischt, den ich ihm jetzt zwischen einer Computerbild und einer Bunte versteckt zum dezenten Kassieren geben würde.
So eine Art Verständnis, das er in diese zweite Worte (na klar) packte, das ihn zum Komplizen und mich zum Ferkel machte.
Aber er ging noch weiter. Er griff meine beiden Geschenke, so richtig voll mit den Händen, betatschte sie, knautschte dran rum, um den plöten Strichcode zu finden für seine plöte Scannerkasse und sagte dazu “Sodele”. Mehrmals. “Sodele”. Nicht wie das die Schwaben tun, so nett irgendwie. Nein, so wie aus einem sich plötzlich auftuenden Abgrund herauf. Beim ersten Mal. Die Wiederholungen wirkten jedoch sofort routiniert, abgewichst gar. Entwürdigend.
Von diesem Moment an begann ich ihn zu hassen. Plötzlich und mit einer Wucht, die mich selbst erschreckte. Die Tatsache, daß in den wenigen Augenblicken, die ich da auf die Abfertigung wartete, wenigstens drei Whynachzmannmützen tragende KollegInnen von diesem Kerl an mir vorbeidrängelten, mich anstießen und dazu nur “kann ich mal eben?!” hervorpreßten (so schien mir das jedenfalls) – also das machte es nicht besser.
Ich starrte ihn an, die Luft entwich in beinahe keuchenden Stößen meinen Lungen und ich wühlte in meinem Portemonnaie, in der Hoffnung, einen möglichst ekligen Geldschein zu erwischen, den ich ihm zwischen die schmierigen Hände würde reiben können. Um ihn mit meiner angeblichen Perversion zu infizieren.
Natürlich fand ich keinen. Wo sollte der auch herkommen. Ich kaufte da gerade lediglich ein kleines buntes Kaleidoskop und ein schickes Jojo. Eindeutig jugendfreie Artikel. In einem Kinderspielzeugladen. Mein rechtes Auge tränte.
Was war nur mit mir los.

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Enten im Park


und dabei immer wieder die sich anschleichende Frage Holden Caulfields: was machen die Enten eigentlich, wenn der Teich zugefroren ist?

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Morgensternhimmel vor Whynachten

Das Thermometer zeigt -9° und das Herz sackt unwillkürlich in die Hose. Bei der Temperatur nach draußen? Um viertel vor sechs? Morgens? Freiwillig? Wie irre muß man denn sein?
Ach, gar nicht so. Einfach etwas mehr anziehen als sonst und ganz ruhig und locker los laufen wie sonst auch. Die Handschuhe ziehe ich nach fünf Minuten schon aus, nach einer Viertelstunde schwitze ich beinahe wie immer.
Bei jedem Schrit knirscht und knackt der hartgefrorene Boden.

Und oben am Westhimmel leuchtet Saturn (?) in den Zwillingen, rechts daneben Capella mit dem Fuhrmann, sehr auffällig und charakteristisch. Links neben den Zwillingen fast im Zenith steht der Löwe, aufgrund der hellen Nachbarn beinahe unscheinbar. Weiter im Südosten strahlt Jupiter, zur Zeit fast so hell wie Venus, die erst gegen sieben Uhr etwa im Osten sichtbar wird. Von Jupiter ausgehend nicht weit Richtung Nordosten befindet sich Arcturus, der Hauptstern des Bootes, dem sich Jupiter gewiß nie weiter nähern wird als jetzt gerade. Beide so hoch am Himmel und so dicht beieinander wirken so auch sehr ungewohnt.
An diesen kalten klaren Morgenden ist es eine Lust hinaufzublicken und sie zu identifizieren, die Sterne und Planeten.

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Morgen, Aufstehen!


Gefühlte Zeit: 3 Uhr 27 – gemessene Zeit: 6 Uhr 47 – Alltag im Dezember

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Rosdorf – Süd-Ost-Umgehung




In Sachen Straßen bauen und Gewerbegebiete ausweisen sind die Rosdorfer bekanntermaßen nicht zimperlich. So scheuen sie sich auch so gar nicht, mitten hinein in das Naherholungsgebiet Kiessee ihre Südost-Umgehung hineinzubauen. Es kann einem nur schlecht werden, was hier für Landschaft vernichtet wird und Fläche versiegelt und damit Lebensqualität den Bach runter geht.

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Lünemann – danach

Nach dem vollständigen Abriß des ehemaligen Lünemann-Geländes an der Kurzen Geismar Straße bietet sich den Weihnachtseinkäufern nun ein beruhigend leerer Anblick. Der Schutt ist weitgehend abgeräumt, die Brache ödet still vor sich hin.