Whynachz-Einkauf

Das Whynachzwetter war für die Jahreszeit zu früh. Dieses schönste aller Schneetreiben bei leichten Minustemperaturen hätten wir uns doch für den Heiligen Abend gewünscht. Um uns dann so nett vorstellen zu können, wie der Whynachzmann auf seinem Rentierschlitten durch die Landschaft kuvt, Knecht Ruprecht noch mit einsackt und uns alle wiedermal bei unsrer unverbesserlichen romantischen Ader packt und uns Hartz4 und all die andern Greuel vergessen läßt, für ein paar Stunden wenigstens. Aber ach, es sollte wiedermal nicht sein.
Stattdessen heute wiedermal einen Laden für Kindergeschenke betreten. Die höchst unwahrscheinliche Menge Whynachzmannmützen tragender VerkäuferInnen hätte mich ja schon mißtrauisch machen können. Aber so richtig klar wurde es mir erst, als ich an der Kasse stand, dem Whynachzseppl meine zwo kleinen schicken überteuerten Geschenke übergab und der dann sagte “na klar… – ”
“Na klar”, so als hätte ich aus einer der untersten Schubladen irgendwo hinten in der Adult-Abteilung so einen richtig fiesen Bizarre-Porno mit extrem ekligem Titelbild herausgefischt, den ich ihm jetzt zwischen einer Computerbild und einer Bunte versteckt zum dezenten Kassieren geben würde.
So eine Art Verständnis, das er in diese zweite Worte (na klar) packte, das ihn zum Komplizen und mich zum Ferkel machte.
Aber er ging noch weiter. Er griff meine beiden Geschenke, so richtig voll mit den Händen, betatschte sie, knautschte dran rum, um den plöten Strichcode zu finden für seine plöte Scannerkasse und sagte dazu “Sodele”. Mehrmals. “Sodele”. Nicht wie das die Schwaben tun, so nett irgendwie. Nein, so wie aus einem sich plötzlich auftuenden Abgrund herauf. Beim ersten Mal. Die Wiederholungen wirkten jedoch sofort routiniert, abgewichst gar. Entwürdigend.
Von diesem Moment an begann ich ihn zu hassen. Plötzlich und mit einer Wucht, die mich selbst erschreckte. Die Tatsache, daß in den wenigen Augenblicken, die ich da auf die Abfertigung wartete, wenigstens drei Whynachzmannmützen tragende KollegInnen von diesem Kerl an mir vorbeidrängelten, mich anstießen und dazu nur “kann ich mal eben?!” hervorpreßten (so schien mir das jedenfalls) – also das machte es nicht besser.
Ich starrte ihn an, die Luft entwich in beinahe keuchenden Stößen meinen Lungen und ich wühlte in meinem Portemonnaie, in der Hoffnung, einen möglichst ekligen Geldschein zu erwischen, den ich ihm zwischen die schmierigen Hände würde reiben können. Um ihn mit meiner angeblichen Perversion zu infizieren.
Natürlich fand ich keinen. Wo sollte der auch herkommen. Ich kaufte da gerade lediglich ein kleines buntes Kaleidoskop und ein schickes Jojo. Eindeutig jugendfreie Artikel. In einem Kinderspielzeugladen. Mein rechtes Auge tränte.
Was war nur mit mir los.

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