Es regnet hier nicht
Noch nicht.
Und trotzdem (oder deswegen?) hat dieser Film über den kanadischen Frühling, bestehend aus Einzel-Photos, etwas absolut magisches. Man sitzt davor und gerät ins Meditieren.
Bahncard für das Kind
Im Januar wollten die großen Kinder mal spontan die Patentante besuchen. Da faßten wir uns ein Herz und dachten, das können sie ruhig mal allein mit der Bahn machen. Schließlich sind sie oft genug mit uns zusammen im Zug nach hier und dort gefahren und wissen, wie das geht.
Also bin ich zum Schalter im Bahnhof gegangen um für die Kinder Bahncards zu kaufen. Eigentlich davon ausgegangen, daß diese Kinderbahncards weitere Anhängsel zu meiner eigenen werden, wie schon die Gattinnenbahncard. Aber nein, belehrt mich die freundliche Bahnservicemitarbeiterin, das sei ja viel zu teuer für zwölfjährige Kinder. Da sollte ich lieber jedem eine von mir unabhängige Jugend-Bahncard kaufen, die koste einmalig 10 Euro pro Stück und gelte, bis die Kinder 18 seien. Als Anhängsel zu meiner Card würden sie stattdessen jedes Jahr 10 Euro kosten, 6 Jahre lang. Eine einfache Rechenaufgabe. Ich war sofort überzeugt.
Und damit nicht genug, machte sich die freundliche Dame sogleich daran, die umfangreichen Antragsformulare für beide Kinder weitgehend für mich auszufüllen. Lediglich die Namen durfte ich selbst schreiben. (Solcherart Service am Kunden ist in anderen Dienstleistungsbetrieben gar nicht mehr erlaubt, weil viel zu teuer. Und überhaupt!)
Zuguterletzt fehlten natürlich leider Fotos. Eine Jugendbahncard geht auch nur mit Foto. Das sei aber kein Problem, die könne ich nachreichen. Sprachs und drückte mir einen frankierten Briefumschlag in die Hand, adressiert an die Bahn. Da solle ich einfach irgendwelche Fotos, auf denen die Kinder erkennbar seien, rein tun, Namen auf die Rückseite und ab die Post.
Ich war geradezu gerührt.
Aber das wäre dann natürlich auch etwas zu einfach gewesen.
Waldverwüstungen
Beim Lauf ums Kerstlingeröder Feld fragt man sich, ob da ein paar durchgeknallte Typen beim Durchzechen eine langen Nacht mit schwerem Waldfahrzeug Einparken geübt haben, ob der Chef des Grünflächenamtes (oder des Forstamtes oder wer immer da zuständig sein mag) ein neues Spielzeug geschenkt bekommen und beim Waldspaziergang ausprobiert hat – oder ob das die Resultate des Streits um die Ausweisung neuer Naturschutzgebiete sind, die man dort mit Schrecken zu sehen bekommt:
Überall vom Weg aus in den Wald hinein brutal plattgewalzte Schneisen, rausgerupfte Bäume, auf dem Weg in üblicher Manier geschichtet, der Weg selbst jedoch durch Matsch und großformatige Reifenspuren beinahe unpassierbar. Grobschlächtig, unbarmherzig, gemein. Anders kann man das einfach nicht nennen. Wieso dürfen die das?!
Es wird Frühling
Mit ungeheuerer Macht zieht die Sonne wärmend und erhellend alle nach draußen. Der Atem des Lebens bekommt eine ganz neue Qualität. Und die Beziehungen zu den Menschen um mich herum leben auf.
Ja.
Aufatmen!
burning sky

Einer dieser Augenblicke, wo das Alltagsgeschehen einen Aussetzer hat, das Gewusel, die Hektik, das sinnlose Hasten eine plötzliche Unterbrechung erfährt. Ich stehe am Fenster und gucke lange Zeit einfach nur zu. Den Farben. Den Formen. Dazu vielfältiger Gesang von Amseln, Staren, Dieselmotoren und Kindern.
Es gibt diese Augenblicke, die einem hinter der Bewußtlosigkeit des Alltags ein tatsächliches, an einer anderen Wirklichkeit orientiertes Bewußtsein eröffnen.
Nur für einen kurzen Augenblick. Aber manchmal wirkt er lange nach.
Zugang zu Bildung ist Menschenrecht
Selektion hat auch weiterhin eine überaus deutsche Tugend zu sein!
Uno-Sonderberichterstatter Muñoz hat das deutsche Schulsystem abgewatscht, wie vor ihm kein anderer. Das soll er aber nicht! Wo wir uns doch wegen Pisa sone Mühe geben! Und in Niedersachsen haben wir extra die Orientierungsstufe abgeschafft. Aber Rächtschraiprephorm hin oder her, es gibt nun mal kluge Kinder und blöde Kinder. Und es kann ja wohl nich angehn, daß die klugen, die schließlich mal unsre Elite wern solln, daß die unter den Dummen, Unbelehrbaren, Widerspenstigen oder gar Behinderten zu leiden haben. So war das mit der Schangsengleichheit nie gemeint.
Und die andern, die von da kommen, wo der Pfeffer wächst, die sollen da auch mal schön wieder hin zurück und nich hier unsere wertvollen Bildungseinrichtungen mit ihren Kopftüchern und überhaupt –
denn, und spätestens hier sehen wir, daß das doch alles jeglicher Grundlage entbehrt.
Meine Kinder haben es gut. Schon als Grundschüler haben sie die besondere Auszeichnung genossen, in einer Integrationsklasse mit lernbehinderten SchülerInnen gemeinsam unterrichtet zu werden. Und jetzt sind sie schlau und gehen auf eine integrative Gesamtschule. Dies schadet ihrer intellektuellen Kompetenz in keiner Weise. Stattdessen hat das ihre soziale Kompetenz deutlich gestärkt und tut dies auch weiterhin.
Auf der andern Seite haben wir hier Gymnasialdirektoren in Göttingen, die sich öffentlich hinstellen und kundtun, daß sie aus gewissen Stadtteilen (ebensolchen mit besonders hohem Ausländer- und Sozialschwachenanteil) grundsätzlich keine Schüler aufnähmen.
Denn Sie wissen doch: es ist so, wie’s ist. Und weil es so ist, wie’s ist, ist es gut so, wie es ist.
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