Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung?



Stecken wir den Kopf in den Sand und atmen wir tief durch. Vielleicht hilft’s. Zumindest könnte man so tun, als ob man nichts merkt.
Ach wär das schön.

Weil es aber nicht so ist. Weil sich die Dinge leider nicht immer von selbst zum Guten wenden oder durch Liegenlassen von selbst erledigen. Weil es um diese Sache schon richtig schlimm bestellt ist.
Darum also doch wenigstens paar Mausklicks machen bitte, einmal den guten Namen für eine existentiell wichtige Sache zum Einsatz bringen und unterschreiben: Stoppt die Vorratsdatenspeicherung!

Weil…
Ja z.B. gerade weil wir nichts zu verbergen haben und deswegen auch nichts notgedrungen vor ihnen verbergen wollen, den Schyli-Scheubläs, was sie nämlich nix angeht. Es gibt genug andere Gründe mehr, die brauch ich aber gar nicht alle aufzuzählen. Mir reicht das auch so. Den Rest regelt (bislang immer noch!) das Grundgesetz. Helfen wir mit, daß es auch so bleibt!

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Martin Rohrmann in Berlin


Martin Rohrmann (ich empfehle ganz besonders seine unvergleichlichen Istanbul-Bilder!) zeigt in Berlin fünf Arbeiten mit ca. 35 Bildern, darunter seine aktuelle Serie „Last Search for Beauty“.
Die Vernissage ist am 17.11.07 (ein Samstag) um 19 Uhr mit Wein- und Sektempfang in der Galerie Degenhartt, Berlin.
Ackerstraße 14/15
10115 Berlin (Mitte)
www.galerie-degenhartt.de

Kein Blues

Nur eine Sinnfrage: warum fährt man in diesem Novemberwetter bei Regen, Wind und fast Null Sicht mit 150 Sachen auf der Autobahn?
Ich habe Angst als Mitfahrer und das nicht zu knapp.

Die Anderen

Der eine Lieblingsnachbar hat nach mehreren Tagen seltsamer Untätigkeit endlich wieder etwas gefunden, womit er sich bemerkbar machen kann: er zersägt seinen letzte Woche gefällten Obstbaum genüßlich mit seiner schicken Motorsäge.
Die andern Lieblingsnachbarn, zum Glück ein paar Häuschen weiter, haben endlich zu ihrem alten Expansionsdrang zurückgefunden und setzen wieder Zeichen in den Sand der Zeit. Einmal durch das Aufstellen eines für eine Großfamilie angemessen dimensionierten Fahrrad-Ports direkt am Weg, was es uns anderen Anliegern ermöglichen wird, stets aufs neue amüsierte Blicke auf einen Haufen Schrott eine liebevoll gepflegte Antiquitätensammlung von Fahrrädern zu werfen. Raumgreifender jedoch ihr riesiges Loch im Garten (so etwa 4 * 8 Meter), das dort seit mehr als einem Jahr einfach eben so war, jetzt aber mit einer ordentlichen Portion Beton angefüllt worden ist. Sieht aus wie eine Art Fundament, was da entsteht. Der Rest des Gartens steht seit gestern voll mit Paletten von Ziegelsteinen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Und: nein, wir reden nicht mehr miteinander.

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Das Bild vom November

Wieviel November braucht eigentlich so ein Jahr? Und wieviel verträgt es?
So richtig schön grau lädt er ein, die schönste Depression des Jahres in vollen Zügen zu inhalieren. Dazu wird, jedenfalls bei mir zuhause, lieblich fauliger Geruch nach verwesendem Obst, Laub und wer weiß was noch gegeben. Die Bäume sind, entgegen meiner vor einem Monat ausgesprochenen Unkerei, noch erstaunlich dicht belaubt, in feinsten Farben, fein grau bedämmert.
Überhaupt Dämmerung: morgens verläßt man in der Dämmerung das Haus, über Tag erlebt man sie in der Fabrik und abends hechelt man ihr hinterher, um noch vor ihrem Ende zuhause zu sein, damit man noch den Karniggelstall ausmisten kann.
Es dämmern die Sehnsüchte, wenn sie nicht gerade aufflackern, Erinnerungen an einst liebgehabtes aber endgültig vergangenes wabern durch den Erlebnishorizont und schwappen stetig über die Gefühlsschwelle hin und zurück.
Was aber wäre all das ohne eine ordentliche Portion Selbstzweifel, Hadern mit dem eigenen Sosein, dem gemeinhinen Tun und noch mehr dem Lassen. Dem Photographieren habe ich mich verschrieben und eifere nun und eifere, produziere blödsinnige Bilder- und also Datenmengen, deren Sichtung und sinnvolle Bewertung und Sortierung ich nicht mehr schaffe. Alles ist schon einmal photographiert worden, aber nicht von mir… Und als ob das noch nicht reichte, wiederhole ich eigenes, selbst schon geschossenes, vielleicht um es noch einmal besser zu machen, oft aber auch einfach nur, weil ich es kann.
Beim Durchpflügen der kaum noch überschaubaren Massenbebilderung des Internets immer wieder die Frage: wozu das eigentlich? Warum machen die das? Warum mache ich das? Wer hat etwas davon und was könnte es bewirken?
Bei gar zu vielen eigentlich gänzlich inhaltslosen Bildern, gegenständlich zwar vielleicht, aber bedeutungslos, technisch jedoch perfekt und mit scheinbar genialem Postprocessing so aufgepeppt, daß es knallig wirkt: Stills von Autos, Katzen, Fensterläden, Fassaden aller Art, Maschinen und natürlich Meer, Sonnenuntergang, Baum und Blume, immer und immer wieder neu und immer und immer wieder gleich.
Eben wegen der inzwischen absoluten Beliebigkeit fast all dieser Bilder muß man tief in die Trickkiste greifen, um überhaupt noch wahrgenommen und vielleicht wenigstens ein bißchen polarisieren zu können. HDR, DRI, Wahnsinnskontraste, übersättigte Farben, grelle Weitwinkel- oder Tele-Perspektiven, selektive und willkürliche Schärfeebenen und so weiter.
Man kennt das. Ich mache das auch so.
Aber warum? Nur weil ich es kann? Oder gern können würde?

Als Student vor vielen Jahren geriet ich in so manches zu Beginn heillos überfüllte Seminar. Da saß man mit 150 Leuten auf einem Haufen, kein Gedanke auch nur an den Ansatz einer sinnvollen Diskussion – und die Dozenten waren dann regelmäßig so frei zu sagen, es möge doch bitte die Hälfte der Leute einfach mal freiwillig wieder gehen. Man werde das Seminar im nächsten Semester genau so wieder anbieten…
(Nein, natürlich funktionierte das nicht!)

Ich will nicht aufhören, ich will auch nicht einfach rumlamentieren. Vielmehr versuche ich eine tragfähige Position zu finden, von der aus es weiter gehen kann. Eine wichtige Änderung wird sein müssen, mich zu beschränken: nicht mehr gnadenlos alles knipsen nur, weil ich es kann. Mich beschränken konzentrieren auf Bilder, die eine verständliche Aussage transportieren, die erkennbar von mir kommt. An dieser Stelle weiter denken.