Sauglatter Morgen


Als ich um kurz vor 6 auf die Straße trete, falle ich schon fast direkt auf die Nase, laufe ein paar Schritte, kehre um, denke, das hat doch gar keinen Sinn, fasse mir dann erneut ein Herz und starte doch auf die 10-km-Runde.
Vorsichtig laufe ich, und seltsame Begegnungen ergeben sich. Kennen Sie diese rotblinkenden Hunde? Stellen Sie sich mal so einen vor, der die gleiche Strecke dahin dackelt, wie Sie laufen. Auf glattem Boden. Das dazu passsende Herrchen auf Fahrrad daneben, davor, dahinter, pfeifend, rufend und selber rot blinkend. Und das über eine viertel Stunde. Da kriegt man ganz eigenartige Gefühle.
Später, auf halber Strecke, überquere ich arglos eine Straße, blicke nichtsahnend nach links, kommt da mein Bruder angeradelt, morgens um kurz nach 6, ruft “Moin” und fährt weiter. Wo gibt’s denn sowas, fragt man sich.
Stürmisch zerfurchter stark bewölkter Himmel, immer mal wieder Blick auf einen hell strahlenden Jupiter, der dem seltsamen Treiben hier unten zuguckt. Mehrmals ändere ich den Streckenplan, will erst weniger, dann mehr, dann wieder kürzer, schließlich doch volle 10 km laufen. Und komme nach 1 Stunde wieder zuhause an, um die Familie aus dem Bett zu klingeln, die komplett verschlafen hat.
Und das Telefon spinnt auch.

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Schneewolkenwetter

Am Nachmittag schneit es in dichten dicken Flocken und verwandelt die Stadt innerhalb einer halben Stunde in ein Wintermärchen. Im Licht der Blauen Stunde schließlich schiebt sich eine eigenartige Nebelwolke vom Leinetal her ein Stück nach Geismar hinein.

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Baggern für Kaufland

Nachdem das Lünemann-Gelände nun monatelang still vor sich hin öden durfte, sind nun die Bagger zurückgekehrt, um es gründlich durchzupflügen. Vorbereitung für den Bau des Kauflandes, auf das alle schon so richtig warten.
Erstaunlich, wie es dort riecht, jetzt. Alt irgendwie. Und so seltsam moderig. Als würde dort der Muff von Jahrhunderten ans Tageslicht befördert. Dabei sind die Archäologen schon längst fertig.
Vielleicht ist es aber auch archäologisch uninteressanter Muff, der zum Vorschein kommt, ganz normal Göttingen halt, interessiert eh niemanden.

Auf der anderen, der nördlichen Seite der Innenstadt befindet sich das Gelände des ehemaligen Stadtbads, für das seit Jahren nach einer Lösung gesucht wird. Die Firma ece hat Interesse an diesem Göttinger Filetstück angemeldet, um dort ein riesiges Shopping-Center zu errichten. Um die Auswirkungen einer solchen Einrichtung auf das Überleben der Altstadt zu sondieren, wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben und sein Ergebnis nun veröffentlicht: das Umland würde angelockt, stellt man fest. Vor allem zum Klamottenkauf. Göttingen würde sein Oberzentrumsdasein ausbauen können. Lediglich um den Preis von ca 50 bis 70 Einzelhandelsgeschäften, die dann in der historisch gewachsenen Altstadt pleite und zu machen würden.
Von den Auswirkungen auf den Verkehr, der dann ja aus dem Umland in die Stadt und wieder hinaus geleitet werden müßte, gar nicht zu reden.
Muß man überhaupt ein Wort mehr darüber verlieren?

Mal so aus den persönlichen Erinnerungen hervorgekramt: 1978 lernte ich die französische Stadt Rouen kennen und war spontan begeistert von den vielen schönen Fachwerkhäusern und dem bunten und lebendigen Treiben in der dortigen Fußgängerzone. Ich fotografierte fleißig und wurde dann von einem Mann angesprochen, der mich fragte, warum und was ich da eigentlich fotografierte. Ich sprach von meiner Begeisterung. Er sagte nur, die Innenstädte würden doch inzwischen überall gleich aussehen. Überall dieselben Geschäfte, dieselben Leuchtreklamen, dasselbe Ambiente.
Ich wußte damals nicht, was er meinte.
Und heute? 27 Jahre später?

Die Tänzerin im Regen


… war viel viel schneller als ich mit meiner dickitalen Kamera. Ehe ich die überhaupt nur ausgepackt und angeschaltet und eingestellt hatte, war sie schon von hinnen. Nur noch ein verschwimmendes Leuchten gleißte ins Objektiv.

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Die Göttinger Baumfällliste

Es gab einen Lokaltermin zum Thema. Es gab Sitzungen des Bau- und Umweltausschusses. All das, nachdem einige umweltbewußte Bürger erfolgreich die Notwendigkeit der Kahlschlagpolitik des Fachbereiches Stadtgrün und seines Chefs Herrn M. vehement in Frage gestellt haben. Herr M., der seit etlichen Jahren für die gründliche Dezimierung des Göttinger Baumbestandes verantwortlich zeichnet, scheint da keinen Zentimeter von seiner radikalen Denke abweichen zu können oder wollen. Das Göttinger Tageblatt schrieb im Bericht über den Lokaltermin, die Herren Politiker und Stadträte seien deswegen verärgert über ihn.
Es ist mittlerweile drei Jahre her, daß ich mit Herrn M. telefonierte, um ihn zu fragen, welche Motive hinter seinem offenkundigen Problem mit Pappeln stecken. Natürlich nicht ganz wörtlich. Ich war allerdings tief betroffen über die sinnlose Abholzung u.a. der drei Pappeln am Bolzplatz in der Unteren Dorfstraße in Geismar, ehemals alljährlicher Sammel- und Nistplatz für hunderte von Staren, Blick- und Mittelpunkt des unteren Dorfes Geismar. Die Ersatzpflanzung, die dort vorgenommen wurde, ist blanker Hohn.
Auf meine Frage nach dem Warum gab mir Herr M. damals unwirsch zur Auskunft, die Solllebensdauer dieser Bäume betrage eben nur 50 Jahre und die seien um. Außerdem hätten Pappeln im Stadtgebiet nichts zu suchen. Grundsätzlich. Zähneknirschend fügte er auch noch 1 sachlichen Grund an: Pappeln neigten im fortgeschrittenen Alter zu Instabilität und würfen gelegentlich Äste ab. Das könne er nicht verantworten.

Daß man zur Sicherung des Verkehrs, insbesondere von Fußgängern (die meisten Pappeln wurden an Fußwegen oder auch gänzlich abseits jeglicher Wege gefällt, so z.B. beim Massaker auf dem Leineberg im Winter 2003/2004), die Bäume auch einfach beschneiden kann, ist in der Diestordnung des Grünflächenamtes offenbar nicht vorgesehen. Man erinnere sich nur an die Platanen in der Groner Straße, um deren Zurückschneidung die Anwohner baten – worauf das Grünflächenamt gleich abholzen wollte – was zum Glück aufgrund neuerlichen Protestes u.a. der Anwohner dann doch nicht geschah. Sondern sie wurden, oh Wunder, nur beschnitten! Man sieht allerdings: es geht doch!

Offenbar hat der öffentliche Druck nun eine gewisse Bewegung in die Thematik gebracht: die eigentlich bereits zur Fällung auserkorenen Pappeln, die entlang der Leine zwischen Rosdorfer Kreisel und Kiessee stehen, dürfen zunächst bleiben. Die Fällliste soll ansonsten aber grundsätzlich abgearbeitet werden. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Was ich nicht nachvollziehen kann, ist, wieso 1 Mann so weitreichende Befugnisse erhält, daß er, offenbar über Jahre hinweg auch weitgehend unkontrolliert, einer Stadt so nachhaltig Schaden zufügen darf.
Ich begreife auch nicht, warum vorgesetzte Dienststellen und überhaupt die Stadt erst dann aufmerksam werden, wenn der Schaden horrende Ausmaße (wie z.B. auf dem Leineberg oder bei der versehentlichen Fällung einer jahrhundertealten Eiche auf den Schillerwiesen) angenommen hat.

Es ist höchste Zeit, daß die Stadt hier radikal umschwenkt in Richtung auf Erhaltung des noch vorhandenen Bestands an alten hohen Bäumen, daß nur dort gefällt wird, wo tatsächlich keine anderere Möglichkeit bleibt. Wenn Herr M. sich seiner besonderen Verantwortung nicht gewachsen sieht, sollte man ihn tatkräftig und sachkundig unterstützen, im Interesse der BürgerInnen Göttingens und ihres Stadtgrüns.

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Ode an die Ostzone

Es ist ja noch gar nicht so lange her, da fuhr man über die Grenze in die Neuen Länder,um dort vor allem jede Menge begonnene Bauvorhaben zu sehen, die in unterschiedlichsten Stadien eingefroren schienen. Häuser, die noch nicht verputzt, Straßen, die noch nicht asphaltiert waren – ganz neue Zweige der Tourismusindustrie wurden geschaffen, um all der Schaulustigen und derer, die es werden wollten, Herr zu werden.
Rechtzeitig zum Weihnachtsfeste 2004 hat die Stadt Göttingen ihren Bürgern ein nostalghisches Geschenk gemacht, das an die guten alten Ostzonenzeiten erinnern soll:

der Einmündungsbereich der Geismarlandstraße ins Geismartor wurde großzügig umgebaut, so daß die Autos nun bevorrechtigt gegenüber der Keplerstraße durchrollen können. Mit großem Tamtam und Geigenrabatz inclusive feierlicher Banddurchschneidung, für den sich selbst seine Excellenz, der Herr Oberbürgermeister, nicht zu fein war, wurde das neu gestaltete Stück Straße als fertig dem öffentlichen Verkehre übergeben.
Und der Clou an der Sache?
Na, das Besondere war (und ist!), daß weder Radweg noch Fußweg fertiggestellt wurden.
Noch heute, bald zwei Monate nach dem offiziellen Scherenschnitt, zieren hübsche rot-weiß gestreifte Baken und leider von den üblichen unverbesserlichen Rowdies lieblos behandeltes Baustellenband den Rand der neuen Straße und lenken den Blick auf das fein säuberlich unfertig gestaltete Pflaster des Radweges.
Jeden Tag aufs Neue freue ich mich über dieses Geschenk und verneige mein Haupt in Richtung des direkt neben dem Schauplatz emporragenden Rathauses, um den Stadtoberen auf diese Weise meinen ganz besonderen Dank zu entbieten.

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Johanniskirche eingerüstet

Nachdem in den letzten Tagen der abgebrannte Nordturm wieder vollständig eingerüstet worden ist, sind heute im Verlauf des Tages mit Hilfe eines beeindruckend großen Krans die restlichen verkohlten Balken des Turmdaches abgetragen worden, damit der Turm zunächst mit einem provisorischen neuen Dach versehen werden kann, um ihn vor der Witterung zu schützen.
Die Bewegungen der Arbeiter auf dem Gerüst, aus der Ferne betrachtet, sind ein atemberaubendes Schauspiel.

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diese kleinen zärtlichen Momente

wenn man nachts an das Bett des Kindes tritt. Nur gerade so viel Licht ins Zimmer lassen, daß man nicht über Schulranzen, Legoeisenbahn oder aktuell bearbeitete Kunstwerke stolpert. Dann hocke ich mich vor ihr Bett, erahne ihr still schlafendes Gesicht, vor meiner Nase ihr linker Arm, der – weit übers Kopfkissen hinaus – aus dem Bett ragt. Ich küsse ihren Finger, ganz leicht nur, damit sie nichts davon merkt, und schleiche mich wieder hinaus.
Unwillkürlich atme ich ganz tief ein.

Johanniskirche, vom Wall aus

Gut sichtbar: die verkohlten Reste der Nordturmspitze.
Die wird auch nicht mehr lange so aussehen, denn die Gerüstbauer sind bereits wieder fleißig im Gange, den Nordturm einzurüsten, um ihn gegen Witterungsschäden abdecken zu können und die Renovierung vorzubereiten.

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