Flotte Lotte im Einsatz

Nach der Ernte geht der Spaß ja noch weiter. Die Frauen der Nachbarschaft treffen sich auf dem Stichweg zwischen den Häusern zur Apfelverwurstung. Dabei leisten die flotte Lotte, die schnelle Lise und der schlaue Det hervorragende Dienste.
Für alle ein beachtlicher Genuß. Die „flotte Lotte“ wurde uns vor Jahren von einem Nachbarn empfohlen. Es handelt sich um eine Art Schüssel aus Metall, deren Boden aus einer Art Sieb besteht. Mit einer Art Rührschwengel werden die Äpfel durch das Sieb gepreßt und dadurch verwurstet, resp. zur Apfelmuserei vorbereitet. Den Rest besorgt der Schnellkochtopf.
Hilft bestens, der rauhen Mengen Fallobst Herr (bzw Frau) zu werden, wenn man die nicht versaften möchte.
3. Oktober

Licht am Ende des Tunnels der Suche nach blühenden Landschaften?
Diddl-Manie
„Endlich habe ich wieder etwas was ich sammeln kann.“ sagt sie wie eine Verdurstende, die eine Flasche voll köstlichsten Getränks auf den Tisch gestellt bekommen hat.
Vor ein paar Jahren waren es Pokemon-Karten, dann Sticker aller Art (alle feinsäuberlich in Sticker-Alben geklebt), dann irgendwelche Monsterkarten, deren Namen ich lieber gar nicht so genau wissen wollte. Jetzt also Diddl-Blätter!
Zu dritt saßen die Mädels gestern vorm Haus, jede einen dicken A4-Ordner auf den Knien, und begutachteten fachfrauisch gemeinsam ihre Sammlungen. Tauschten, kungelten, sortierten und waren so konzentriert, wie ich sie bei Hausaufgaben (nur als Beispiel) noch nie gesehen habe. Was Diddl eigentlich ist?
Irgendso eine gezeichnete alberne Figur. Quietschbunt und irgendwie niedlich. Ähnliche Wirkung wie weiland die Schlümpfe. Wird auf Briefpapier, Notizzettelblöcken und Kärtchen vermarktet. Offensichtlich ein Marktrenner.
Ich erinnere mich an Fußballerbilder, Autobilder, Flugzeugbilder, die ich als Junge gesammelt habe. Ich erinnere mich auch an das ewig Unbefriedigte, daß diese Sammelleidenschaft erzeugte. Denn man mußte sich mächtig ins Zeug legen, um die seltenen Exemplare zu ergattern. Und hatte dann doch eigentlich nichts in der Hand, keinen wirklichen Wert. Das Taschengeld war weg und das Sammelgut flog bald danach irgendwo in der Ecke rum.
Lauter Arbeitsplatz

Aber faszinierend, wie diese Maschine funktioniert. 
Von der ohnehin schon bös ramponierten Straße wird die oberste Schicht abgeschrappt, das Schrapp-Gut durch einen Zerhacker gejagt, dann auf einem langen Förderband nach vorn gefördert, wo es dann im Bogen auf den davor fahrenden Lastwagen fliegt.

Der bringt das schwarze übel riechende Schreddergut dann zur „Veredelung“, von wannen es wieder kommen wird, um mit einer anderen Maschine wieder auf unsere Straßen geschmiert und festgewalzt zu werden.
Das ist Recycling.
Warum schreien?!
Daß Eltern regelmäßig ihre Stimme heben müssen, weil die Sprößlinge sich anders nicht disziplinieren bzw. zur Erfüllung elterlicher Wünsche bewegen lassen, sei mal dahin gestellt.
Aber ein zweieinhalbjähriges Kind, das weniges lieber tut als in den Kindergarten zu gehen: warum muß so ein Kind ein infernalisches Geheul und Gebrüll anstimmen, wenn Mama und / oder Papa es morgens anziehen und für den Weg zum Kindergarten fertigmachen wollen? Warum muß es dieses Gebrüll noch steigern, wenn Papa es auf sein Fahrrad setzen möchte – obwohl es doch eigentlich gern radfährt?
Endlich im Kindergarten angekommen ist all das Weinerliche, Trotzige, Hartnäckige plötzlich wie weggeblasen. Das liebste je gesehene Kind läßt sich bereitwillig und mithelfend aus seinem Sitz heben und in die geschäftsmäßig agierenden Hände der Erzieherinnen überantworten.
Noch nicht mal ein Tschüß.
Warum sind Kinder so?
Gegen den grauen Morgen

Nahrung für die Sonne im Herzen…!
Die höhere Instanz
Früher, also damals, da sagte man, wenn’s brenzlig wurde:
Das sag ich meinem großen Bruder! Und dann kommt der und…
Ggf. ergänzt um ein paar schaurige Details der Rache, die der große Bruder nehmen würde, wenn –
Später, als das Zitieren des Großen Bruders aus bekannten Gründen politisch unkorrekt wurde, hieß es:
Das sag ich dem Chefarzt! Das sag ich dem Chefarzt!
… was die Drohung irgendwie subtil auf eine Meta-Ebene hob.
Heute sagt man (technophil und garantiert ideologiefrei):
Das schreib ich in mein Weblog. Von der Verteidigung der Familien-Ehre über die sprichwörtlich unumstößliche Krankenhaus-Hierarchie bis zum Anrufen der Weltöffentlichkeit.
Eine steile Entwicklung, deren kulturelle Hintergründe nicht ohne fortschreitende Individualisierung, institutionalisierten Narzißmus und Lust am öffentlichen Leiden erklärlich sind.
Folgende Analogie drängt sich auf:
Ich denke, also bin ich.
Ich bügle, also bin ich.
Ich blogge, also bin ich.
Aber:
Es gibt ein Leben jenseits der Ambivalenzen.
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