11. September

Vor 2 Jahren saß man nachmittags fassungslos vor der Glotze ob des Realtime-Action-Thrillers mit Super-Echt-Effekten, den die ARD da in Endlosschleife zeigte.
Angst vor Weltkrieg, totaler Überwachung, daß von Stund an womöglich wirklich nichts mehr so sein würde wie es vorher war. Als ob es vorher “gut” gewesen wäre.
Bosnien, Tschetschenien oder Ruanda haben sich schließlich vorher schon zugetragen. Geschichte des Grauens unserer Zeit.

Allein nur die Aufzählung von Ländernamen… Afghanistan, Irak, Israel / Palästina, Liberia, Kongo, Sudan, Nordkorea –

Die Taz erinnert heute an den 11.9.1973 in Chile, der für Chile und tausende von ChilenInnen ein wenigstens ebenso beschissener Tag war wie der 11.9.2001 für die Amis.

Tja.

Eigentlich kann man sich doch nur hinstellen und hemmungslos heulen.

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Ein guter Tag

um mal übers Wetter zu plaudern.
Soll ja Leute geben, die mögen Regen. Also ich – nich!
Klar, wenn so’n Sommer soo lang is und soo trocken, daß das dann gar nich so gut is für all die Bäume und Blümchen und die lieben Tierlein.
Aber ich hab mich schon wohl gefühlt unter all der freundlichen Sonne. Gut, ich mußte während der heißesten Tage auch nicht arbeiten. Wir haben keine Tiere, die auf der Weide Wasser finden müssen, kein Getreide auf’m Feld stehen, das gegossen hätte werden müssen –
nur ein paar Quadratmeter Rasen, der halt braun wurde.

Aber dieses Sommergefühl, wochenlang keine lange Hose, keine langärmeligen Sachen anziehen zu müssen, mitten im tiefsten Göttingen nachts lauthals Grillen zirpen zu hören –
DAS ist doch Leben.

Ganz im Gegensatz zu diesem Herbstversuch, der da draußen gerade abläuft. Letzte Nacht hat es geschüttet. Dazu Sturm.
Und dann heute Morgen im Regen laufen. Ach nö, das brauch ich wirklich nich andauernd. Im Nebel is schön, unter sternklarem Himmel auch, meinetwegen kann’s auch schneien.
Aber Regen?

Wenn ich im Bett liege und höre, wie die Tropfen auf die Bäume pladdern oder aus dem Fallrohr der Dachrinne gluckern, kann ich kaum schlafen. Vielleicht ein altes Camping-Trauma, wer weiß. Ich stell mir jedenfalls andauernd vor, was jetzt alles naß wird, daß ich am nächsten Morgen selbst naß werde, daß ich durch Pfützen patschen muß, daß die Kinder das gern tun und sich dabei fürchterlich einsauen, daß ich, auf dem Fahrrad im Regen dahinleidend, auch noch von durch die Pfützen rasenden Autos naßgespritzt werde, völlig durchweicht auf Arbeit ankomme und mich natürlich dort nicht umziehen kann – – –

Ein angemessenes Thema für so einen Tag heute. Nicht wahr?

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Ein neues Fahrrad

muß her!
Vor ein paar Wochen ist mir mein Stadtrad geklaut worden. Seitdem fahre ich auf meinem Tourenrad zur Arbeit. Nicht, daß es nicht gut führe. Nein nein, sogar sehr gut. Aber es hat eine 24-Gang-Kettenschaltung, die sich mit den Anzughosen, welche ich im Büro tragen muß, nicht so recht verträgt. Und es hat keinen Korb, so daß ich das dicke fette Schloß, daß ich jetzt benutze, immer um mich selbst wickeln muß. Beim Fahren. Das nervt.
Eigentlich würde ich es auch lieber schonen und weiterhin nur für Touren nutzen. Dann hält es vielleicht noch einmal 12 Jahre :-) Und überhaupt.
Da ich immer mit dem Rad zur Arbeit fahre und auch sonst nur seltenst unser Auto bewege, kann ich mir ruhig ein Zweitrad leisten. Oder?
Aber die Auswahl fällt mir schwer.
Es soll robust sein, damit es die immer schlechter werdenden Göttinger Straßen eine Weile überlebt. Es soll einigermaßen bequem sein. Ich muß damit aber auch unbedingt schnell fahren können. Sitzhaltung also eher nach vorn geneigt, guter Leichtlauf, das aber möglichst mit Siebengang-Nabenschaltung und Rücktritt.
Gibt’s das?
Probe gefahren bin ich heute das T100 von der Bremer Fahrradmanufaktur. Kostet 650 EUR und macht eigentlich einen ganz guten Eindruck. Gibt’s halt nur in ganz schwarz und sieht nach nichts besonderem aus. Könnte den Vorteil haben, daß es dann auch nicht gleich wieder geklaut wird.
Schöner sind die Fahrräder von Patria. Auch in den Ausstattungsvarianten vielseitiger. Aber auch teurer.
Tja.

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Besuch des alten Freundes

Seit einem Vierteljahr schon geplant, fand es gestern endlich statt. Ein Freund aus alten Tagen besuchte mich, mit seinem kleinen Sohn. Wie das so ist, brauchten die Kinder nur ein paar Minuten, bis sie mit einander zurecht kamen und zusammen spielten.
Bei uns Großen dauerte es aber auch nicht viel länger. Die Ewigkeit, die wir uns nicht gesehen haben, ließ sich zwar nicht einfach überbrücken. Erlebnisse und Erfahrungen von 25 Jahren kann man weder in einem Spruch zusammenfassen, noch dem andern im Gespräch so entlocken, daß man sich plastisch etwas darunter vorstellen kann.
Es war eher so, als ob wir da wieder ansetzten, wo wir 1978 aufhörten.
Aber da war unser Verhältnis intensiv, wir kannten uns gut und waren auf einander eingespielt. Die Sprüche-Ebene funktionierte ebenso wie tiefschürfendere Gespräche oder Erörterungen der politischen Gesamtlage ;-)
Und genau das ging auch ohne Umwege sofort (wieder)!
Es war einfach schön. Ein voller, von Freundschaft geprägter Tag, wie ich ihn mir durchaus öfter vorstellen könnte.

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Umnebelt

Eine der besten Erfindungen seit der Entdeckung des Joggens ist eindeutig der Frühnebel, genauer gesagt: Örtliche Frühnebelfelder!
Als Kind liebte ich sie schon, weil von ihnen so etwas behaglich Gruseliges ausgeht. Belebend und Phantasie anregend.
Auf Kiessee neigen örtliche Frühnebelfelder zum Wabern. In kleinen, manchmal größeren Schwaden rotten sie sich zusammen und ziehen sehr gemächlich ihren Weg, dessen Richtung im Vorbeilaufen nicht eindeutig zu bestimmen ist. Vom Westufer des Sees sieht man das östliche Ufer kaum, wohl aber die dahinter stehende Baumreihe, die wie eine schwarze Wand anmutet. Darüber gab es heute Morgen einen großen roten Farbverlaufsfleck. Wohl wegen der Sonne, irgendwo dahinter.
Aber noch sehr duster.
Und still.
Völlig lautlos plötzlich ein riesiger Vogel. Mit breiten Schwingen gleitet er majestätisch langsam quer hinüber zum anderen Ufer.
Ein paar Meter weiter dümpelt ein Paar Wasserballtore in den wabernden Schwaden.
Windstille.
Klein Pling, nur in der Ferne das Rauschen der Straße.
Und ganz in der Nähe, direkt bei mir: das Schnaufen des Joggers.

Wenn der Tag so anfängt…!

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Göttinger Pflanze 1

Kornblume
Sonntagmorgenspaziergang in der Südlichen Feldmark. So lange habe ich mir schon gewünscht, so eine Blüte zu erwischen…!
In den heißen Monaten beim morgendlichen Joggen bin ich oft genug drauf rumgetrampelt, weil sie einfach überall waren. Wenn ich dann mittags oder nachmittags noch einmal losfuhr, um sie zu photographieren, dann taten sie stets so, als seien sie vertrocknet: hängende, welke Blätter, so gar keine Farbe mehr.
Lag offensichtlich an der Trockenheit und der Hitze.

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Geträumtes Land

Getraeumtes_Land
Wie im Traum: von erhöhter Warte aus ins Land schauen. Je dunkler es wird, desto besser gewöhnen sich die Augen. Dinge werden sichtbar, die bei Tageslicht verborgen bleiben. Vom Horizont her nähern sich Empfindungen, die unheimlich, ja manchmal überwältigend sind.
Wo eigentlich ist der Horizont? Wo endet der Traum? Wo fange ich an?

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