Schritte zur digitalen Souveränität – Teil 2

Der nächste Schritt ist, mich auf Linux einzulassen.
Nicht, dass ich es nicht schon gelegentlich versucht hätte. Meine ersten Berührungen mit unixoiden Betriebssystemen war vor etwa 35 Jahren, als ich meinen ersten PC unter DR-Dos betrieb. Ein Freund empfahl mir damals das System Coherent, meines Wissen das erste Unix-artige System, das man auf einem Desktop installieren konnte. Ich fand das sehr spannend. Mehr aber auch erstmal nicht. Denn es war mir einerseits zu komplex, andererseits fand ich keine Anwendungen dafür, mit denen ich etwas hätte anfangen können. Oder wollen.

Ein paar Jahre später lernte ich richtig in einer Fortbildung, wie man mit Suse Linux einen LAN-Server aufsetzt. Der stand dann einige Zeit neben meinem Windows-PC und tuckerte gutmütig aber arg unterschäftigt vor sich hin. Wir hatten keine sinnvolle Aufgabe für ihn. Weil ich Linux aber reizvoll fand, installierte ich es mir auch zuhause auf meinem PC in einer extra dafür eingerichteten Partition. Ehe ich richtig anfangen konnte damit zu spielen, ging irgendetwas ganz fürchterlich schief und mein ganzer PC rauchte ab. Wie man damals sagte. Er hängte sich so gründlich auf, dass ich nicht mehr an meine Daten (sprich: Photos!) kam. Wie katastrophal das war, möchte ich jetzt nicht weiter ausführen (Stichwort: kein Backup – kein Mitleid. Ich verdiente kein Mitleid).
Nur so viel: danach hatte ich für einige Jahre von Linux, dem ich die volle Schuld an diesem Fiasko gab, die Nase voll.

Irgendwann kam mal Ubuntu. Das, muss ich schon sagen, verschaffte mir eine neue Perspektive.
Und tatsächlich ließ ich mich einzig und allein deswegen nicht tiefer darauf ein, weil ich mit den Bildverwaltungs- und bearbeitungsprogrammen aus der Linuxwelt nicht warm wurde. Und ohne die ging es nicht.

Heute bin ich einen Schritt weiter. Aber aus der anderen Richtung. Ich habe die Nase von Windows so dermaßen voll, dass ich schnellstmöglich und so radikal wie möglich davon weg will. Ich fühle mich nicht nur beobachtet (Datenschutz `a la Microsoft), sondern auch bevormundet. Und das wird immer dreister. Es beginnt mit den derbe an Facebook erinnernden verschlungenen Pfaden, über die man wenigstens teilweise die Telemetrie abschalten muss, damit die Standleitung meines privaten PCs nach Redmont wenigstens nicht heißläuft. Und es geht weiter damit, dass Windows mir plötzlich verbieten will gewisse Programme zu installieren. So zB. den Installer für den Raspberry Pi, weil das angeblich Schadsoftware sei.

Nö. Sag ich da nur.

Als erstes habe ich alle meine Daten aus One Drive gelöscht bzw. auf lokale Verzeichnisse verschoben. Dann habe ich das gesamte MS-Office-Paket vom PC gelöscht. Das fühlte sich sofort äußerst gut an.

Und nun arbeite ich mich mühsam Stück für Stück in Linux Mint ein, die Debian-Edition. Ziel (noch in der Ferne, aber trotzdem): Windows und damit Microsoft von meinem persönlichen Gerät verbannen.

Seit letzter Woche bastele ich an einem neuen sehr niedlichen Spielzeug herum: dem Raspberry Pi. Damit will ich meine private Cloud und evtl. einen eigenen Webserver betreiben. Mal schauen, wie weit ich komme.

Es ist mühsam, es ist viel trial and error, es geht nur langsam voran, weil ich einfach nicht mehr so schnell lerne wie vor 35 Jahren. Aber: es macht unglaublich viel Spaß und gibt mir das mega gute Gefühl, allmählich die Hoheit über meine Daten zurück zu gewinnen.

Fortsetzung folgt…