Die Bürgerstraße überqueren

Morgens im Berufsverkehr ist es besonders lustig an diesem Überweg: die beiden Teil-Ampeln, die die sichere Überquerung der Bürgerstraße in Höhe der Gartenstraße ermöglichen sollen, zwingen einen dazu, auf der sehr engen Verkehrsinsel wenigstens eine halbe Minute auszuharren. Manchmal sind es aber auch anderthalb Minuten. Eine sehr bemerkenswerte Zeitdauer, wenn der Auto- und Lastwagenverkehr mit 60 km/h auf nasser oder sogar matschiger Fahrbahn an einen vorbeispritzt.
So wundert es sicher niemanden, wenn bestimmt deutlich mehr als die Hälfte aller Fußgänger und Radfahrer diese sehr gefährliche Straße wenigstens zur Hälfte bei Rot überqueren. Ich würde vorschlagen, die Herren Verkehrsplaner dort mal eine Woche hospitieren zu lassen, als Fußgänger verkleidet, wohlgemerkt.

  • Beitrags-Kategorie:Allgemein / Verkehr

Schneeverkehr

Ich liebe die weiße Landschaft, das weiße Treiben über weißem Grund, die Stille über dem verschneiten Land, die gelbe Farbe des Himmels, wenn er Schnee bringt, das charakteristische Kindergekreische, wenn sie rodeln können, das Knirschen der Schuhe im neuen Schnee, oft auch das harte Kratzen der Schaufeln der Nachbarn, die morgens um halb sieben schon meinen räumen zu müssen.
Aber da ich immer mit Fahrrad unterwegs bin, geht es mir auch voll auf den Keks, ständig nur in Angst unterwegs sein müssen, daß irgendso ein plöter Autofahrer es nicht gelattet kriegt, rechtzeitig zu bremsen und –
Und ich bin es leid, meinerseits als Radfahrer von Autofahrern angepault zu werden, ich würde eine Gefahr im Straßenverkehr darstellen. Wieso meinen Autofahrer eigentlich, sie hätten auch nur ein einziges Vorrecht?! Ich gebe es ihnen nicht. Bestimmt nicht.
Ich fahre als Autofahrer vorsichtig und Radlern gegenüber ganz besonders. Als Radler habe ich die Erfahrung gemacht, daß es ohne eine immer mal wieder offensive Fahrweise nicht geht. Man muß die BMW-Fahrer in Angst und Schrecken um ihren Lack versetzen und den gestressten Muttis auf dem Kindergartenhighway klarmachen, daß es nicht nur drauf ankommt, schnell anzukommen, sondern vor allem: heile anzukommen. Und zwar nicht nur ihre Kiddies, sondern auch die Pappis, die mit zwei Rädern auf der Piste sind. Nämlich! :-(

Aber ich merke auch, daß ich diesen Kampf von Jahr zu Jahr anstrengender und beängstigender finde und dachte heute Morgen einmal mehr an Busfahren.

Rosdorf Süd-Ost-Umgehung 2

Ein weiteres Stück Landschaftsverschönerung, hier südöstlich von Rosdorf zwischen Bahndamm und Baggersee. Wie man sieht, wird der neue Verkehrsweg gut angenommen. Schon lange vor seiner Eröffnung. Wie schön wird es erst werden, wenn hier Autos, Busse und vor allem Lastwagen mit wenigstens 70 km/h lang brettern dürfen.
Sicher für alle ein beachtlicher Gewinn.

Hier der Baustellenabschnitt am Rosdorfer Sportplatz. In einem recht frühen Stadium: außer dem Bagger auf dem von ihm gebaggerten Haufen ist hier noch nicht allzu viel zu sehen. Man fragt sich, wo die Trasse wohl entlang geführt werden soll. Mitten durch den Sportplatz ja sicher nicht. Aber vielleicht baut man eine Hochstraße quer drüber? Das hätte doch Charme!

Schließlich die Kurve kurz vorm Kiessee Richtung Göttinger Straße. Sehr elegante Linienführung, wie man schon ahnen kann. Auch gut, daß dieses ganze Gestrüpp, in dem bloß Nachtigallen und andere Singvögel nervten, endlich mal gesäubert und entfernt wird.
Der Kiessee bekommt eine zeitgemäße Verkehrsanbindung (schon fast rundum per PKW anfahrbar), eventuell könnte man den Fußgänger-Rundweg in einer späteren Ausbaustufe auch noch asphaltieren und für den Erholungsverkehr freigeben, selbstverständlich aber nur für Tempo 30.

So schön und vielfältig wie vielversprechend kann Zukunft sein.

Rosdorf – Süd-Ost-Umgehung




In Sachen Straßen bauen und Gewerbegebiete ausweisen sind die Rosdorfer bekanntermaßen nicht zimperlich. So scheuen sie sich auch so gar nicht, mitten hinein in das Naherholungsgebiet Kiessee ihre Südost-Umgehung hineinzubauen. Es kann einem nur schlecht werden, was hier für Landschaft vernichtet wird und Fläche versiegelt und damit Lebensqualität den Bach runter geht.

  • Beitrags-Kategorie:Allgemein / Verkehr

Süd-Umgehung

Seit rund einer Generation ist eine sog. kommunale Entlastungsstraße südlich von Göttingen im Schwange. Wird immer mal wieder geplant, verworfen, vergessen, neu geplant.
Vor etwa 2 Jahren wurde das alte leidige Thema mal wieder aus der Mottenkiste hervorgekramt und wirbelt seitdem so viel Staub auf, daß man als potentiell betroffener Anwohner schon so manchen Hustenanfall hinter sich hat.
Bürgerinitiativen haben sich gebildet. Auf der einen Seite Straßenbau-Befürworter, die nichts besseres zu tun hatten als den gesamten Süden der Stadt mit gelben Schildern vollzupappen, auf denen ein “Ja zur Südumgehung” angekreuzt ist. Als gebe es da eine Wahlmöglichkeit. Auf der anderen Seite Straßenbau-Gegner, die versuchen, mit sachlichen Argumenten Überzeugungsarbeit zu leisten, die umfangreiche Alternativen (nicht zum vorgesehenen Trassenverlauf, sondern zur Straße überhaupt) entwickelt haben – und die natürlich einfach recht haben.
Weil diese bescheuerte Südumgehung keins der Probleme lösen wird, dessentwegen sie gebaut werden soll.
Recht haben aber auch die Ja-Sager, weil die Verkehrssituation in den südlichen Einfallstraßen Göttingens nur als nacktes Grauen bezeichnet werden kann. Und das schon seit Jahrzehnten. Der Haken an der Sache der Ja-Sager ist nur, daß durch eine neue Straße keine wirkliche Entlastung stattfindet, sondern lediglich eine partielle Umverteilung. Der Leidensdruck indes ist offenbar so groß, daß jedes Mittel recht erscheint: Hauptsache, es passiert überhaupt mal was! Denn die Göttinger Politiker haben in der Vergangenheit vor allem eins prima verstanden: die Leute hinzuhalten, sie mit vagen Versprechungen zu vertrösten – um dann letztlich nichts zu tun.
Es ist jedoch niemandem gedient, in dieser arg bescheidenen Lage irgendwelchen blinden und letztlich sinnlosen Aktionismus zu entfalten. Die Gemüter sind erhitzt, die Politiker verwechseln Argumente mit Wunschdenken und glauben immer noch an das Wachstum.
Wachstum? In der Innenstadt macht ein Geschäft nach dem andern Pleite. Ein Filetgrundstück liegt seit Jahren brach, weil es niemand haben will. Draußen an der Autobahn, auf der grünen Wiese wird für ein neues Gewerbegebiet, den Kaufpark 2, die dort ohnehin nur noch sehr spärliche Landschaft planiert. Mitten in der Stadt wird ein ganzes Viertel für einen neuen Supermarkt plattgemacht (wer soll da eigentlich einkaufen?!).
Wie lange wird es wohl dauern, bis das auch alles Investitionsruinen sein werden?
Bis dahin werden wir aber allein schon durch all die Baumaßnahmen reichlich Verkehr erzeugt haben, der dann wieder den Bau neuer Straßen rechtfertigt, die wieder neuen Verkehr anziehen – und so weiter und so fort.
Ein Teufelskreis, der dazu führen wird, daß Göttingen irgendwann jegliche Attraktivität verlieren wird, weil es eigentlich nur noch ein einziger großer Parkplatz sein wird. Zugeparkt mit schrottigen Autos, deren Besitzer wegen Arbeitslosigkeit kein Geld für’s Benzin haben werden und sowieso nirgends hinfahren wollen, weil es überall gleich aussieht.
Die Luft wird schlechter denn je sein, weil es keine Bäume mehr gibt, die sie reinigen und für Sauerstoffzufuhr sorgen könnten. Da sei schon mal der Fachbereich Stadtgrün vor.

Alles Themen, die in diesem Blog schon weidlich durchgekaut worden sind. Immer wieder neu, immer wieder schlecht. Und trotzdem muß es einfach mal wieder gesagt werden: so ist das doch einfach alles Mist!

Nötig, ja dringend angesagt wäre mal ein Konzept für die ganze Stadt, das den Handel in der Innenstadt tatsächlich fördert, statt ihm durch Kaufparks am Stadtrand tödliche Konkurrenz zu bereiten. Nötig wäre ein Verkehrskonzept, das für eine nachhaltige Verkehrsberuhigung, vorzugsweise durch Vermeidung sinnloser Wege, sorgt. Nötig wäre ein öffentliches Nahverkehrssystem, das schon durch seine Attraktivität geeignet ist, Verkehrsteilnehmer aus dem Auto in den Bus oder die Bahn zu locken.
Und besonders nötig wäre es mal, etwas für die nachwachsende Generation zu tun: Kindergärten und Schulen zu fördern, stressfreie Beförderung von Kindern in Bussen zu ermöglichen, Radwege so auszubauen, daß man sie auch gemeinsam mit Kindern befahren kann – um nur mal ein paar wenige der allernötigsten Dinge zu nennen. Aber da ist kein Geld für da. Alle Kassen leer. Schreckliche Ebbe.

Welch ein besonderer Zynismus, in solcher Situation die Zerstörung des letzten größeren zusammenhängenden Stücks freier Landschaft am Göttinger Stadtrand zu betreiben – ohne Sinn und Verstand!

Verkehrsbegrünung

Gruene Radle

Wenn das jedeR so machen würde, dann wär die Betonkopffraktion vielleicht bald weg vom Fenster.

Zone 30 abschaffen

Göttingens OB verliert endgültig den Sinn für die Realität. Ohne zwingenden Grund, das heißt mit fadenscheiniger Berufung auf die neue Straßenverkehrsordnung gibt er fast 50 Straßen, in denen bisher Tempo 30 galt, wieder zum Rasen frei. Die teilweise heftigen Proteste der Anwohner scheinen ihn dabei ebenso wenig zu interessieren, wie die Unfallstatistiken der letzten Jahre.
Eine wieder steigende Zahl von Verkehrsopfern, vermutlich in erster Linie Kinder, wird damit billigend in Kauf genommen.

Nehmen Sie hiermit meinen schärfsten Protest gegen diese sinnlose Betonpolitik entgegen, Herr Danielowski!
Die Fraktion [der Grünen wird] Oberbürgermeister Jürgen Danielowski (CDU) „persönlich für jeden Verletzten in den abgebauten Tempo-30-Zonen verantwortlich machen,“ so Ulrich Hohlefleisch.
Dem kann ich mich nur anschließen!

Aus für Südumgehung

Feldmark

Lange schon zeichnete es sich ab: die heiß umstrittene Straße, die dem Süden Göttingens Entlastung bringen sollte, ist nicht finanzierbar. Auch anderen Umgehungsstraßen in der Region (von Holtensen über Klein Lengden bis Waake) wurden kurzerhand die Landeszuschüsse gestrichen. Wo kein Geld ist, kann auch keins verteilt werden.
Ein Glück für die südliche Feldmark Göttingens! Sie wird auf lange Zeit vom Autoverkehr verschont und für die lärmgeplagten Göttinger Hauptstraßen-Anlieger Rückzugsgebiet und Ruhepol bleiben.
Für die Verkehrssituation im Süden Göttingens muss aber natürlich trotzdem, um nicht zu sagen jetzt erst recht, etwas geschehen! Eine nachhaltige Lösung, die das Anwachsen von Individualverkehrsströmen nicht als naturgegeben hinnimmt, ist dringend gefordert. Das wäre nun eine Profilierungschance für Politiker, die ihr Engagement für den Stadtteil tatsächlich ernst meinen. Man darf gespannt sein, ob von ihnen etwas kommt und ob es zu irgend etwas nützt. Die Vorschläge aus den Reihen von CDUSPDFDP waren leider wie üblich für die Tonne.
Für die miteinander im Hader liegenden Bürgerinitiativen pro bzw contra Südumgehung wäre nun die Gelegenheit, sich zusammen zu tun und fortan an einem Strang zu ziehen, geht es ihnen doch letztlich um dasselbe Ziel.

  • Beitrags-Kategorie:Allgemein / Verkehr

Rundkopf ausgemustert

BR477

Am vergangenen Wochenende hat die DBAG als Eignerin der Berliner S-Bahn die letzte der alten Baureihen, die aus den 20iger Jahren des vorigen Jahrhunderts stammende BR 477, endgültig aus dem Fahrdienst verabschiedet. Die Fahrzeuge werden jetzt größtenteils verschrottet.

Für mich bedeutete diese alte Bahn, die nicht nur durch ihr ganz eigenes Aussehen, sondern beinahe noch mehr durch ihren unverwechselbaren Sound etwas ganz besonderes war, eine stete Erinnerung an meine ersten Berlin-Touren in der zweiten Hälfte der 70iger-Jahre. Damals nicht allein geprägt von Mauer und Kaltem Krieg, der allmählich in die sogenannte Entspanungspolitik einmündete – sondern auch durch intensive persönliche Erlebnisse, die mein Verhältnis zu dieser Stadt und zu dieser Bahn prägten.
Das intensivste Bild in meiner Erinnerung: Spaziergang am Schlachtensee in der Abenddämmerung, durch die Bäume hindurch sieht man die gelb-funzelige Innenbeleuchtung einer vorbeirumpelnden S-Bahn, damals sicher noch älterer Bauart – und dazu dieser Fahrsound.
Erst 1979 unternahm ich eigene ausgedehnte Exkursionen mit der S-Bahn, weil dieses eigentlich sehr effektive Verkehrsmittel in diesen Jahren noch immer von der Westberlinern boykottiert wurde, gehörte es schließlich der Ostberliner DR… Meine Rundfahrten auf dem unterbrochenen Ring, durch die Mauer nach Ostberlin bzw drunter durch – auch wenn die Eindrücke mit den Jahren verblassen und durch aktuellere verdrängt werden – diese ganz besonderen, eigenartigen Gefühle von damals, die bleiben sicher.

Um die Rundköpfe – am 10. Oktober konnte ich eine letzte Fahrt damit machen – tut es mir echt leid.

Wer Lust hat: Photos davon gibt es hier und 2 kurze Videos mit Sound hier.

  • Beitrags-Kategorie:Allgemein / Verkehr