Diese Verkehrspolitik ist mir ein echter Mehdorn im Auge


In was für einer Tiefensee Tiefschlaf-Phase befinden sich denn diese Verkehrspolitiker eigentlich?! Die ganze Welt ist aufgeschreckt, weil ganz plötzlich und unerwartet der Klimawandel vor der Tür steht und weil der natürlich sehr viel mit Auto- und LKW-Verkehr zu tun hat – und statt das mal als Anlaß zu nehmen, wenigstens 1 Schritt in die richtige Richtung zu tun, machen sie genau das Gegenteil:
der Ausbau der Bodenfelder Bahn (die West-Anbindung Göttingens Richtung Altenbeken) wird auf Eis gelegt statt beschleunigt und im Süden Südniedersachsens, der nun schon durch eine nietennagelneue Autobahn zerschnitten und verschandelt ist, da wollen sie jetzt auch noch ausgerechnet einen amerikanischen Investor einen riesigen Autohof bauen lassen.
Was ein Autohof ist? Nun, das ist so eine Art Tankstelle für LKWs, sicher gern auch gleich Giga-Liner (das sind die neuen schicken 60-Tonner, von denen schon 1 reicht, um alles platt zu machen, was sich ihm irgendwie irgendwo in den Weg stellt). Dieser Autohof, der neben den Ort Dramfeld auf zumindest einen Teil des Klosterguts Marienhagen geklotzt werden soll, ist dann für ca 1000 LKW am Tag vorgesehen, 360000 pro Jahr. 15 Tankspuren soll es geben und hunderte Parkplätze.
Riesige bislang intakte Flächen werden dafür versiegelt werden, zum Ausgleich gibt es dann Dieselrauch in rauhen Mengen. Und Lärm. Und Verkehr.
Die Bürger Dramfelds wehren sich, die Firma Flying J geht unbeeindruckt darüber hinweg und Rosdorfs Bürgermeister Grahovac, der sich gerade mit der Südostumfahrung seines Hauptortes ein (bisher kaum genutztes) beachtenswert sinnbefreites Denkmal gesetzt hat, will sich offenbar einmal mehr als großer Verkehrspolitiker profilieren, der gut 100 Arbeitsplätze (was für welche werden das wohl sein! Und wer wird sie wohl bekleiden!) in das strukturschwache Südniedersachsen holt.

Bahnkurs nebulös


Der Bundesrechnungshof hat festgestellt, daß die Bahn zu wenig Sorgfalt auf die Erhaltung des Schienennetzes legt. Vor allem die kleinen Strecken verkommen zusehends. Leider paßt das nur allzu gut ins Bild. Alle Energie, vor allem das große Geld wird in Neu- und Ausbau von Prestige-Projekten gesteckt. Gigantische Bahnhöfe und ICE-Trassen verschlingen die Milliarden, die zwischen Harz und Weser dann fehlen. Ein offensichtlich im ganz großen Stil abgekartetes Spiel zwischen dem Überfliegermanagement der DBAG, den Tiefsee-Fischern in der Regierung und natürlich all den Lobbys, die hier ihre jeweiligen Pfründe zu verteidigen suchen.
Wenn bei dem bereits im Vorfeld für große Bereiche der Bahn ruinösen Börsengang das Schienennetz mit unter den Hammer kommt, spätestens dann wird es hier schnell britische Verhältnisse geben: Unfälle werden zunehmen und die Bahn wird als Nahverkehrsmittel endgültig indiskutabel werden.
Nach nur wenigen Jahren zeigt sich schon überdeutlich, wohin der Weg führt, der mit der Privatisierung der einst öffentlichen Versorgung (Verkehr, Energie, Bildung, Gesundheitswesen usw.) begonnen worden ist.

Wer sein Fahrrad liebt

… der schiebt!

Im Schulweg, über den mein täglicher Weg zur Arbeit führt, haben die Regengüsse der letzten Tage den ganzen feinen Schotter weggespült und die zum Teil auch vorher schon vorhandenen Asphaltabbruchkanten noch weiter abgetragen.

Kaufland und der Verkehr


Überraschenderweise sind gar nicht die Autos das Problem. Die verschwinden ohne großes Tamtam in der offenbar ausreichend dimensionierten Tiefgarage und stören dann nicht mehr.
Aber an die Radfahrer scheint niemand so richtig im Ernst gedacht zu haben. Anders ist jedenfalls kaum zu erklären, warum es nur dreieinhalb Fahrradständer vor Kaufland gibt und sonst keine wirklich geeigneten Abstellmöglichkeiten.
Und so stören die vielen wild abgestellten Drahtesel nun auch offenbar schon das öffentliche ästhetische Empfinden. Böse böse böse.

Nie wieder Corse


Eigentlich dachte ich ja, sie hieße société nationale de chemins de la mer. Aber richtig ist S.N. Corse-Méditeranée. Zwei wunderbare Reisen haben wir mit dieser französischen bislang staatlichen Fährgesellschaft gemacht: nach Korsika. Die Nachtfahrten auf dem abgebildeten Schiff Corse gehören mit zu den besten Erinnerungen, die ich überhaupt habe.
Dank EU-Zwang zur Globalisierung auch des Mittelmeerfährbetriebes muß nun die SNCM an einen franko-amerikanischen Investment-Fonds verscherbelt werden, für umgerechnet 1 Appel und 1 Ei.
Aus lauter Vorfreude darüber, in Bälde für den globalen Fährschifferpersonalmarkt freigesetzt zu werden, wird im Moment gerade der Hafen von Marseilles von Seeleuten lahm gelegt.
Man kann sich unschwer vorstellen, wie das weitergehen wird: drastische Ausdünnung der Personaldecke, Verschlankung der Flotte und vor allem der Sicherheit, durch Verschärfung des Preiskampfes auch Gefährdung anderer Fährgesellschaften. Und so ein schöner Kahn wie die Corse, so ein wunderbar nostalgisches richtiges Schiff, wird, wenn es sie denn überhaupt noch gibt, wahrscheinlich stillgelegt, weil kaum noch ökonomisch zu betreiben.
Es ist diese Art von Fortschritt, die das Motto dieses Blogs begründet.

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Fahrradstadt Göttingen

Diese Bezeichnung, natürlich in Anführungszeichen, fand das Göttinger Tageblatt heute für das Unistädtchen, das in der Tat von einer beachtlichen Zahl Verkehrsteilnehmer mit dem Fahrrad erschlossen wird. Eine Tatsache, die von Politik und Medien leider meist nur in negativen Zusammenhängen Beachtung findet. Etwa, wenn die Radfahrer mal wieder alles zuparken oder nachts ohne Licht verkehrtrum durch die Einbahnstraßen fahren und dabei arme unschuldige Autofahrer zu Tode erschrecken.
Aber man merke auf: neuerdings gibt es in der südniedersächsischen Provinzmetropole eine richtige Fahrradstraße: die Goßlerstraße zwischen Nikolausberger Weg und Kreuzbergring nämlich wurde dazu umgewidmet. Und, man glaubt es kaum, weitere sind in Planung, zum Beispiel ein Teil meines täglichen Weges zur Arbeit: die Achse Elbinger Straße – Sternstraße, eine Route parallel zur Reinhäuser Landstraße, die intensiv von Radfahrern genutzt wird und für den Autoverkehr eigentlich viel zu schmal ist. Besonders in der langen Periode (etwa anderthalb Jahre), während derer dort Baustelle war, sah man sich als Radfahrer immer wieder lebensgefährlichen Situationen ausgesetzt, wenn Autofahrer dort amokmäßig ihren Jagdtrieb ausleben zu müssen meinten. Ist mir mehrmals passiert, daß nur noch ein beherzter Sprung auf den Bürgersteig das Schlimmste verhütete.
Also: Stadtverwaltung, Verkehrsplaner, faßt euch ein Herz, macht die Elbinger-Stern-Straße nach der Goßlerstraße zur zweiten Göttinger Fahrradzone! Das finde ich eine Superidee!

Frischer Dampf für Gartetalbahn

Wie wäre es doch schön, wenn wir über das romantisch nostalgische Schwärmen für die gute alte Zeit, als die Gartetalbahn noch mit auf dem Dach sitzenden Burschenschaftlern durch die Göttinger Südstadt hinaus nach Diemarden und weiter dampfte – wenn wir stattdessen in die Planung einer modernen Regionalbahn einstiegen, die vielleicht eine ähnliche Strecke bediente und mit einer gewissen Nachhaltigkeit dafür sorgen könnte, daß die Schlafstadtbewohner von Diemarden, Klein und Groß Lengden, Niedernjesa, Groß Schneen und wo immer sie so alle her kommen, ohne Nerv und Stau und Erzeugung von Feinstaub und Lärmbelästigung morgens in die Stadt hinein und abends wieder hinaus kämen.

Ein langer Satz, ein noch viel längeres und komplizierteres Thema.
Aber in mir sträubt sich etwas bei der Vorstellung, wie da die Göttinger Eisenbahn-Fans aus allen Himmelsrichtungen ins Cinemax fahren werden, um sich rührselig anzugucken, wie weiland 1928 die Welt noch dampfbetrieben in Ordnung war – und hinterher fahren sie alle wieder einzeln in ihren Autos nach Hause.
Unsere Nachbarstadt Kassel zeigt mit der Regio-Tram, wie es auch anders gehen könnte.

Das Göttinger Tageblatt lädt ein zur Matinee am Sonntag im Cinemax, gezeigt werden alte Filme zur Gartetalbahn, die auch auf DVD käuflich zu erwerben sein werden.

Leineberg-Radweg fertig

Beinahe anderthalb Jahre hat es gedauert. So lange war der Radweg auf dem Leineberg, der vom Leinetal am Bahndamm entlang bis zum Sieberweg/Bahnbrücke führt, in einem weitgehend desolaten Zustand, verursacht zunächst durch schwere Bau- und Räumfahrzeuge der Stadt, die im vorletzten Winter in einer Nacht- und Nebelaktion zur radikalen Dezimierung des Leineberger Baumbestandes angerückt waren.
Dann dauerte es etwa 25 Ewigkeits-Einheiten, den Weg in voller Länge zu restaurieren.

Aber nun ist er fertig. Und er ist – das muß man einfach mal zugeben – schöner als je zuvor (von den natürlich noch immer schmerzlich sichtbaren Baumfäll-Brachen abgesehen).