Nach Italien?

Da ich seit langem gern einmal richtig Bahn-Urlaub machen möchte, habe ich mich mal umgeguckt, was so geht.
Und siehe da, es gibt Ziele in Südeuropa, die man auch ohne Flugzeug in akzeptabler Zeit erreichen kann und wo sogar der Weg auch schon ein Ziel sein kann:

Bahnreiseberichte – Sizilien

Und wenn man schon mal in der Gegend ist, kann man auch gleich hier noch mal vorbeigucken:

Vulkan-Tourismus auf Stromboli

Anradeln zum Wendebach

mit Fahrrädern durch blühende Landschaften: Kirschen, Weißdorn, Forsythien.
Und die relative Gewißheit, daß die Sonnenstrahlung selbst durchs Ozonloch lange nicht so gefährlich ist wie die radioaktive, die den Japanern diesen Frühling – und wer weiß, wie viele noch! – verhagelt.
Stellen Sie sich nur vor: es ist Frühling – und Sie dürfen nicht hingehen!

Jahresanfang

Es kam anders als geplant: wir durften freundlicherweise an Helens Sylvester teilnehmen.
Malte, Yael und Lea kamen zu Besuch. Es gab Pizza und wir sangen mit Singstar ins Neue Jahr, so quasi. Aber es hat Spaß gemacht, die Stimmung war gut, Gregor und Elisa wurden erstaunlich gut integriert und die Party hatte ein angenehm frühes Ende, weil die Großen nach dem Bleigießen wie auf Kommando bei Helen verschwanden und ich dann Elisa gut ins Bett bringen konnte. Ich las ihr noch was vor und damit war sie dann – eigentlich sowieso müde genug – zufrieden.


Weil sie dann an Neujahr nicht nur alle verdammt lang schliefen, sondern auch danach nur im dunklen gemütlichen Zimmer bleiben wollten, machte ich den Neujahrsspaziergang eben allein. Und das war gar nicht so traurig, wie es sich vielleicht anhört. Beim Bäumeknipsen traf ich noch Herrn Kleindienst, der mich in ein Gespräch über Kameras (seine analogen, die er noch zuhause liegen hat), Photographie überhaupt und dann das IWF, wo seine Frau arbeitete, verwickelte. Ich war dann mal gern aufgeschlossen und ging sogar mit ihm zusammen zurück nach Hause. Und fühlte mich gut danach. Therapieerfolg?

Gestern war ich mit Elisa im Auto unterwegs auf Baumsuche. Sie war eifrig mit dabei und hatte offensichtlich ihren Spaß daran. Wir fuhren bis nach Heiligenstadt und es war einfach richtig schön. Nur schade, daß die Zeit sehr begrenzt war, weil Bine das Auto brauchte. Die war nämlich nur am Arbeiten. 3 Nächte und Nachsorgen, da blieb keine Zeit für irgendwas anderes.
Ich habe mir eigentlich vorgenommen, dieses Jahr ein Phototagebuch zu führen, mit 1 Upload jeden Tag. Aber das scheint schon im Ansatz nicht zu klappen, weil ich mich schon gar nicht auf 1 Bild jeweils beschränken kann. Und außerdem kann ich mich nicht entscheiden, ob ich das bei ipernity oder hier in meinem Blog machen soll.

Im Schnee unterwegs


Mit dem Rad fahren ist in diesen schneereichen Tagen nicht nur kein Vergnügen, sondern einfach auch gefährlich. Die Radwege werden nicht mehr geräumt, da fühlt sich die Stadt entweder nicht mehr zuständig oder es mangelt an Geld oder Material oder gar Personal oder beidem –
Also Bus fahren. Kann man machen. Aber Spaß macht das bestimmt nicht. Die meisten Bus-Linien fahren in Göttingen nur alle halbe Stunde. Wenn man das also nicht einigermaßen genau abpaßt, steht man unter Umständen lange dumm rum und wartet. Und fängt an zu frieren.
Also gehe ich zu Fuß. Und entdecke gar nicht unbedingt die Freuden der Langsamkeit oder dieser neumodischen “Entschleunigung” (blödes Wort ja übrigens), sondern Freude an anderer Bewegung als sonst und an Einblicken, die ich beim schnellen Vorbeiradeln nie wahrnehme. Das macht richtig Spaß.

Schnell unterwegs

Ist doch schon sehr genial, in einem bequemen schnellen Zug zu sitzen, Oceansize zu hören und Berlin entgegen zu brausen. Derweil die Landschaft draußen blau vorbei schneit. Der ICE fährt über Hannover, aber ohne da zu halten. Nächster Halt erst Spandau. Warum Hannover?!

Sehr ruhige Stimmung im Wagen. Wir sind pünktlich, während alle andern Züge weit und breit fett Verspätungen haben. Wie ausgenommen aus dem normalen Ablauf des Universums.

16:38 und fast ganz dunkel.
Draußen etwa -8 Grad und sehr eisiger Wind.

Ich hoffe, es wird so romantisch in Berlin wie die Musik, die ich höre. Dunkel mit Lichtern. Kalt mit vielen Wärmepunkten und berührenden Blicken. Und ein paar fetzende Photos möchte ich machen.

20 Minuten vor Spandau bleibt der Zug stehen. Die engagiert klingende Lautsprecherstimme sagt, es gebe einen noch unbestätigten Personenschaden im Streckenabschnitt vor uns. Sobald sie über weitere Informationen verfüge, werde sie.
Ein Raunen geht durch den Wagen, fast alle Reisenden haben auf einmal ihr Handy am Ohr und geben die unbestätigte Nachricht weiter – als unkonkrete Verspätungsankündigung.

Die Heizung bleibt laufen, die Stimmung aber ist umgeschlagen. Obgleich es für niemanden etwas zu tun gibt, wirken alle plötzlich hektisch. Obwohl die Fahrt ja länger als vorgesehen dauern wird, scheint sich jeder jetzt beeilen zu müssen. Womit? Wofür?
Ich habe keine Geduld mehr Musik zu hören.

Den Hauptbahnhof erreicht der Zug mit einer dreiviertel Stunde Verspätung. Ich habe trotzdem unmittelbaren Anschluß an das S-Bahn-Chaos der Hauptstadt, das mich nicht davon abbringen wird, den Schnee und den Glanz des Vorwhynachtlichen in vollen Zügen zu genießen.

Schweden-Nachlese

Besondere Highlights waren schon mal die Hinfahrt bei 37,5° auf der Autobahn, das WM-Spiel um den 3. Platz abends in Lübeck und die unaufgeregte, um nicht zu sagen sehr entspannte Fährenüberfahrt von Travemünde nach Trelleborg. Alles sehr unstressig, etwas mehr Aufregung hätte auch nicht geschadet.
Die südschwedische Landschaft fand ich schnell eher langweilig, ähnelt großteils der Lüneburger Heide.
Die Straßen führen durch sehr wenige Städtchen, die man nur schwer auseinanderhalten kann, weil sie alle von den typischen meist roten schwedischen Holzhäusern geprägt sind und kaum herausragende andere Gebäude haben.
Die Ostsee präsentiert sich wie in Meck-Pomm auch: größtenteils harmlos, zum Baden eher arg kühl und nicht so richtig einladend sauber. Der Sand, wo es welchen gibt, ziemlich grob.
Die Campingplätze sind sehr von Wohnwagen und Wohnmobilen überlaufen, Zeltanteil deutlich unter 10%. Meistens gibt es nur 1 oder höchstens 2 Sanitärblocks, so daß man gerade von den Zeltwiesen aus oft sehr lange Wege hat. Das ist ganz schön lästig. Ganz besonders, wenn man gefühlte 10 Minuten zu einem Kloshaus gelatscht ist, dieses dann wegen Reinigung (morgens um 9!) geschlossen vorfindet, so daß man dann gefühlte 25 Minuten zum anderen Klohaus latschen muß…
Schweden sind freundliche und ruhige Zeitgenossen, kennen auf dem Camping aber keine Ruhephasen, laut redend über den Platz stöckeln geht auch um 2 Uhr nachts offenbar ganz schmerzfrei. Was vielleicht auch daran liegt, daß es nie richtig dunkel wird im Sommer. Das übt eine gewisse Faszination aus, aber man kann halt auch nie Sterne gucken – und der Biorhythmus hat ordentlich daran zu knapsen.
Insofern war dieser Urlaub schlafmäßig alles andere als eine Erholung.
Wirklich schön ist es in Stockholm. Mal vom Preisniveau abgesehen, das dort schon ziemlich unglaublich ist, nur noch getoppt von Kopenhagen – aber dazu später mehr. Einmal U-Bahn fahren in Stockholm kostet mehr als 3 Euro. Das sogenannte Stockholm-Ticket, das auch Eintrittsgelder für diverse Museen beinhaltet, kostet für 3 Tage gut 60 Euro. Nur mal zum Vergleich: ein entsprechendes 3-Tage-Ticket in Berlin kostet gut 20 Euro.
Mit Restaurant-Preisen und allgemein Lebensmittelpreisen ist es ähnlich.
Aber man kann in Stockholm campen, vom sehr empfehlenswerten Campingplatz Bredäng mit der U-Bahn in die Stadt fahren und hat auf dem Campingplatz eine in 5 Minuten zu Fuß erreichbare richtig tolle Bade-Möglichkeit im Mälarensee. Wo gibt es sowas sonst?
Die Stadt ansonsten ist einfach schön, hat viele imposante und glanzvolle alte Häuser, ein paar coole Plätze (zB Slussen!), wo sich das Leben abspielt, viele sauteure Geschäfte, eine für Touris optimal aufgemotzte Altstadt (gamla stan) – und überall ist Wasser. Stockholm quasi ist eine Ansammlung bebauter Schären, die durch Brücken und Fähren miteinander verbunden sind. Es ist nicht ganz einfach sich zu orientieren, was auch durch die so lange sehr schräg stehende Sonne nicht einfacher wird.
Also ich hätte mühelos auch wesentlich länger als 4 Tage dort bleiben können, nach einem Lottogewinn etwa gar keine Frage…
Die Fahrt mitten durch, an den großen Seen vorbei und so – größtenteils langweilig. Abends Mücken.
An der Westküste sind die Schären deutlich spannender als im Osten, weil überwiegend kahl. Wir sind dort einen Tag gepaddelt und fanden das alle richtig schön. Leider war es dort nicht mehr so warm wie zuvor im Osten, wir hatten außerdem einen fiesen langen Regentag, der eigentlich nur dank per WLAN ins Zelt gefunkte Internet erträglich wurde.
Ein letzter Höhepunkt war Kopenhagen, wo mich vor allem der Fahrradverkehr echt beeindruckt hat. Wer immer davon redet, unsere Städte, Göttingen etwa oder Münster, seinen fahrradfreundlich, dem kann man nach einem Besuch Kopenhagens nur noch ein Hohngelächter entgegnen. Dort gibgt es durchgängig breite Fahrradsupren auf beiden Straßenseiten, fast überall bestens ausgebaute wirklich fahrradfreundliche Verkehrsführung – und wirklich richtig viel Fahrradverkehr, sehr viel auch in Christiania-Rädern: 3-Räder mit großem Ladebottich vor dem Lenker. Ich sah mehrmals Männer, die darin ihre Frau und Kinder transportierten, wobei in einem Fall die Frau ihre beiden gegenüber sitzenden Kinder aus einem Glas fütterte. Leider war ich zu geplättet von diesem Anblick, um schnell genug meine Kamera in Anschlag bringen zu können.
Ich hatte nur einen Abend und einen Tag in Kopenhagen, derweil die liebe Familie sich im Freizeitpark Backen amüsierte. Und ich kam aus dem Stadtteil Nørrebro nicht heraus. Der ist so, wie ich Stadtteile mag: fast ausschließlich Altbaubestand, viel buntes, alternatives Leben, in das man überall nur direkt eintauchen möchte.
Der Campinplatz dort entspricht leider nicht mitteleuropäischen Erwartungen an Hygiene oder gar Komfort. Die Sanitärs spotten jeder Beschreibung, die Preise ebenfalls: für zwei Nächte (2 Erwachsene, 3 Kinder) zahlten wir 85 Euro. Für 2 Nächte kann man das mal in Kauf nehmen, für länger sicher nicht.
Auch sonst: so einen Schweden-Urlaub stecke ich weg, noch einen so schnell aber sicher nicht.

Rainy day

Dank öffentlichem wlan geht das Bloggen sogar vom Zelt aus, auf einem Campingplatz nördlich von Göteborg mitten in den schwedischen Schären. Mit 2 beachtlichen Nebensonnen und einem hübschen Circumzenitalbogen – oder wie so ein Ding ornithographisch korrekt heißt – kündigte es sich gestern an: arg frische Luft, eine unangenehm steife Brise und – Regen. Was man so liebt als Camper.

Die ersten beiden Wochen war das Wetter schön: viel Sonne, viel warm, lediglich mal 1 Tag mit Regen und Gewitter. Aber jetzt scheint die hochsommerliche Phase beendet.

Und sonst? Gibt ja viel Gegend hier. Viel gleichförmige. Viele Fichten und Birken, viele Blitzer an den endlos langweiligen Straßen, auf denen ich mich immer wieder frage, warum wir so weit auf ihnen fahren, bringen sie uns doch an nicht wirklich andere Orte.
Außer Stockholm. Das ragt heraus und beeindruckt – überwiegend positiv. Nur das Preisniveau schreckt ab, das sogar gründlich. Aber Schönheit von Architektur, Lage am Wasser und der Sommermode 2010 reißen es mehr als raus.

Heute aber Scheren im Rägen. Graue kalte Tristesse.

Baumsuche, reloaded

Am Mittag des Sylvestertages ging der Regen in Göttingen allmählich in Schnee über und blieb liegen. Abends war bereits alles weiß. Seit dem 2. Januar liegen Stadt und Land unter etwa 13 – 15 cm Schnee.
Schon Anfang letzten Jahres kam ich auf einer Fahrt durch’s Leinetal nicht nur auf die Idee sondern vor allem auf den Geschmack Bäume im Schnee zu photographieren. Einzelne, herausragende oder besonders Bäume.
Was mir im Feburar 2009 schon ansatzweise gelungen war, wollte ich heute noch einmal versuchen. Mit Herrn T ging es dafür auf Tour durch die südniedersächsische Toskana.
Es war sehr stimmungsvoll und so tief und schön verschneit, daß man stellenweise nicht mehr sehen konnte, wo die Straße entlang führt. Wären da nicht die Straßenrandanzeigestiele gewesen…

Aber Bäume, wie ich sie eigentlich suchte, fanden wir nicht. Nicht so ganz jedenfalls.
So geht es mir meistens, wenn ich etwas im Kopf habe, ein Motiv, schon geradezu plastisch vor Augen, auch Ideen, wo ich es finden könnte – die Umsetzung konkret vor Ort gestaltet sich fast immer ungeahnt schwierig.
Aber ich bleibe dran. Ich finde das Thema sehr inspirierend und werde es sicher immer wieder aufgreifen.