Nach Italien?

Da ich seit langem gern einmal richtig Bahn-Urlaub machen möchte, habe ich mich mal umgeguckt, was so geht.
Und siehe da, es gibt Ziele in Südeuropa, die man auch ohne Flugzeug in akzeptabler Zeit erreichen kann und wo sogar der Weg auch schon ein Ziel sein kann:

Bahnreiseberichte – Sizilien

Und wenn man schon mal in der Gegend ist, kann man auch gleich hier noch mal vorbeigucken:

Vulkan-Tourismus auf Stromboli

Anradeln zum Wendebach

mit Fahrrädern durch blühende Landschaften: Kirschen, Weißdorn, Forsythien.
Und die relative Gewißheit, daß die Sonnenstrahlung selbst durchs Ozonloch lange nicht so gefährlich ist wie die radioaktive, die den Japanern diesen Frühling – und wer weiß, wie viele noch! – verhagelt.
Stellen Sie sich nur vor: es ist Frühling – und Sie dürfen nicht hingehen!

Im Schnee unterwegs


Mit dem Rad fahren ist in diesen schneereichen Tagen nicht nur kein Vergnügen, sondern einfach auch gefährlich. Die Radwege werden nicht mehr geräumt, da fühlt sich die Stadt entweder nicht mehr zuständig oder es mangelt an Geld oder Material oder gar Personal oder beidem –
Also Bus fahren. Kann man machen. Aber Spaß macht das bestimmt nicht. Die meisten Bus-Linien fahren in Göttingen nur alle halbe Stunde. Wenn man das also nicht einigermaßen genau abpaßt, steht man unter Umständen lange dumm rum und wartet. Und fängt an zu frieren.
Also gehe ich zu Fuß. Und entdecke gar nicht unbedingt die Freuden der Langsamkeit oder dieser neumodischen “Entschleunigung” (blödes Wort ja übrigens), sondern Freude an anderer Bewegung als sonst und an Einblicken, die ich beim schnellen Vorbeiradeln nie wahrnehme. Das macht richtig Spaß.

Schnell unterwegs

Ist doch schon sehr genial, in einem bequemen schnellen Zug zu sitzen, Oceansize zu hören und Berlin entgegen zu brausen. Derweil die Landschaft draußen blau vorbei schneit. Der ICE fährt über Hannover, aber ohne da zu halten. Nächster Halt erst Spandau. Warum Hannover?!

Sehr ruhige Stimmung im Wagen. Wir sind pünktlich, während alle andern Züge weit und breit fett Verspätungen haben. Wie ausgenommen aus dem normalen Ablauf des Universums.

16:38 und fast ganz dunkel.
Draußen etwa -8 Grad und sehr eisiger Wind.

Ich hoffe, es wird so romantisch in Berlin wie die Musik, die ich höre. Dunkel mit Lichtern. Kalt mit vielen Wärmepunkten und berührenden Blicken. Und ein paar fetzende Photos möchte ich machen.

20 Minuten vor Spandau bleibt der Zug stehen. Die engagiert klingende Lautsprecherstimme sagt, es gebe einen noch unbestätigten Personenschaden im Streckenabschnitt vor uns. Sobald sie über weitere Informationen verfüge, werde sie.
Ein Raunen geht durch den Wagen, fast alle Reisenden haben auf einmal ihr Handy am Ohr und geben die unbestätigte Nachricht weiter – als unkonkrete Verspätungsankündigung.

Die Heizung bleibt laufen, die Stimmung aber ist umgeschlagen. Obgleich es für niemanden etwas zu tun gibt, wirken alle plötzlich hektisch. Obwohl die Fahrt ja länger als vorgesehen dauern wird, scheint sich jeder jetzt beeilen zu müssen. Womit? Wofür?
Ich habe keine Geduld mehr Musik zu hören.

Den Hauptbahnhof erreicht der Zug mit einer dreiviertel Stunde Verspätung. Ich habe trotzdem unmittelbaren Anschluß an das S-Bahn-Chaos der Hauptstadt, das mich nicht davon abbringen wird, den Schnee und den Glanz des Vorwhynachtlichen in vollen Zügen zu genießen.

Berlin im August 2010

Die körperlichen Malaissen, insbesondere mein noch immer verknackstes ISG (Kreuz!) sind von Anfang an eine Hypothek. Auch verdauungsmäßig ist es nicht so einfach.
Aber das größere Problem ist, daß mir gefühlsmäßig der innige Draht zu Berlin irgendwie abhanden gekommen ist.
Diesmal bin ich in Friedrichshain im Gold Hotel am Wismarplatz, habe dort ein nettes kleines Zimmer im 5.OG mit schönem Blick auf ein riesiges ruhiges Hinterhof-Areal. Ich kann da mühelos ohne Stöpsel schlafen. Das Bett tut meinem Rücken gut.
Ich laufe auch einige Zeit am Ostkreuz rum, wo es sich seit März nicht groß verändert hat. Die Südbrücken-Relikte stehen noch genauso wie die alte Brücke überm Eingang Sonntagstraße. So gibt es tatsächlich immer noch alte Bildperspektiven und somit quasi Bezugspunkte. Auch auf Bahnsteig D gibt es noch einzelne Blickwinkel, die einen beinahe ignorieren lassen, was schon alles fehlt.
Aber es fehlt halt doch. Das unbeschwerte Rumflanieren auf dem alten Ringbahnsteig, auf A oder auch auf D und E, wo man aus jeder Perspektive immer so schön Leute photographieren konnte, das geht einfach nicht mehr.
Das Leute Photographieren ging aber auch sonst nicht. An der Warschauer Brücke habe ich quasi kein einziges Bild gemacht. Und in den Straßen von F’Hain oder Neukölln ist es mir auch nicht gelungen, meine Bilder mit Personal auszustatten. Mir fehlte der Mut und die entsprechende Verfassung.
Am Freitag Abend bin ich nach dem Hotel-Einchecken erst mal in der Sonntagstraße Pizza essen gegangen, dann im einsetzenden Nieselregen Spaziergang auf die Neue Kynaststraße neben das Ostkreuz, dann in den Kaskel-Kiez, wo es cool aussieht, über den guten alten Nöldner-Platz weiter noch in den Weitling-Kiez. Da scheint es im Dunkeln immer noch so auszusehen wie vor 12 Jahren. Was ich irgendwie sehr positiv finde. Das Wetter macht es aber leider so ungemütlich, daß ich von einem längeren Rundgang absehe. Während ich gerade eine sehr lauschig altmodisch spießige Eckkneipe photographiere, telefoniere ich ganz reizend mit Elisa, die von Klassenfahrt zurück ist. Das ist schön!
Mitten auf den schönen Bahnsteig des Nöldnerplatzes hat die DB einen protzigen und häßlichen Verkaufscontainer gestellt, der die Atmosphäre des Bahnhofs mehr oder weniger zerstört. Für sowas haben sie ja ein unüberbietbares Talent.
Dann zieht es mich irgendwie noch zur U1, um zur Kurfürstenstraße zu fahren. An der Warschauer Brücke kaufe ich mir ein Staropramen, zische es weg und versuche ein paar wartende Damen abzulichten, bin aber zu schisserig dabei. Das wird einfach gar nix.
In der U1 ist es nett, gibt wie immer wirklich viel zu sehen. Aber leider fährt sie nur bis Möckernbrücke, danach ist Ersatzverkehr. Und darauf hab ich keinen Bock. Also fahr ich einfach wieder zurück und latsche von der Warschauer durch die Partymeilen von F’Hain zum Hotel zurück. Bin sehr erstaunt, wie sich F’Hain verändert hat. Nicht nur, daß überall Partymeile ist, auch die Geschäfte! War die Warschauer Straße früher ein Sammelsurium von Ramschläden, die sicher oft von Russen betrieben wurden, so ist jetzt jeder dritte Laden ein Kiosk bzw Spätkauf, dazwischen schicke Läden und natürlich Internetcafés – wer immer sowas noch braucht…
In den Kneipen sitzen die Leute alle draußen. Entsprechend laut ist es in den Straßen, ganz besonders natürlich in der Simon-Dach-Straße, die ich seit 10 Jahren kenne, die damals die einzige Straße war, in der man ausgehen konnte. Heute ist sie dafür immer noch Hauptstraße und Mittelpunkt und offenbar Paradigma, da ähnliche Kiezwandlungen in anderen Stadtteilen mittlerweile danach benannt werden: Simondachisierung

Samstag
Der Frühstücksraum im Gold Hotel ist etwas zu klein. Von den Gästen bin ich der zweitjüngste. Es könnte etwas mehr Obst geben, ansonsten ist am Frühstück nichts auszusetzen. Für 5 Euro schon mal gar nicht!
Vormittags streife ich durch Friedrichshain und entdecke viele photographierenswerte Kleinigkeiten, fahre dann von Warschauer Straße über Ostkreuz nach Karlshorst, BBhf Rummelsburg und zurück und nochmal los nach Baumschulenweg, wo ich auch ein bißchen rumlaufe. Den Bahnhof renovieren sie tatsächlich sehr liebevoll, bauen viele Details der alten historisierenden Architektur wieder mit ein. Wird sicher mal richtig schön in ein paar Jahren…
Von dort dann mit der S-Bahn nach Hermannstraße und mit der U8 bis Boddinstraße. Ich suche die Flughafenstraße, um ein altes Photo von 1980 wiederholen zu können. An der U-Bahnstation scheine ich unmittelbar schon richtig zu sein. Die Kreuzung Flughafenstr/Hermannstr hat sich in ein paar Details in den 30 Jahren dann doch so verändert, daß ich sie eigentlich nicht wiedererkenne. Aber natürlich ist auch die Jahreszeit eine andere – und alles Zubehör, die Autos zum Beispiel und die Reklame an den Häusern… All diese Riesenwerbeflächen, man hat sich inzwischen so dran gewöhnt. 1980 gab es sowas einfach nicht.
Ich laufe dann noch paar Meter weiter runter bis in die Reuterstraße. Gefällt mir gut dort der Kiez. Etwas sehr rein türkisch geprägt zur Zeit, aber dadurch natürlich auch sehr lebendig.
Mit der U8 weiter zur Hermannstraße, dann S bis Südkreuz und von dort weiter nach Norden bis Wollankstraße, wo ich in die S1 bis Wittenau umsteige.
Mittagessen bei Hildi und seiner Familie. Sehr nett und lieb alle, entzückende Kinder.
Dann los mit Hildi in den Prenzlauer Berg. Von Bornholmer Straße laufen wir übern Schwedter Steg und druch die Kopenhagener Straße zum Lichtmal, wo wir einen leckeren Cappucino trinken. Weiter über Schönhauser und Eberswalder bis Mauerpark, isses aber nich so da, deshalb mit Tram und U2 zum Gleisdreieck, wo ich eigentlich gern auf “das Gelände” würde. Es ist aber eigentlich schon zu dunkel dafür und ich finde den Einstieg auch nicht mehr. Deshalb weiter mit der U1 zum Görlitzer Bahnhof und die Oranienstraße rauf und runter. Lichter photographieren. Und blaue Stunde.
Dann wirklich gut essen im Shanti. Dabei wird mir allmählich sehr kalt. Und irgendwie ist es dann auch ganz schnell Mitternacht und wir gehen zurück zur U-Bahn. Ich bringe Hildi noch zum Kotti, fahre dann zur Warschauer und mit der S-Bahn zum Ostkreuz und streife noch durch die dunklen Straßen von F’Hain. Ist schließlich schon wieder mein letzter Abend in Berlin. Ich mag noch nicht ins Hotel. Aber so allein inmitten der Partygeräusche ist es dann doch nicht so richtig nett.

Sonntag
Das Frühstück ist definitiv unangenehm. Der Frühstücksraum ist proppenvoll und die Rentner heute irrsinnig laut. Man kann seine eigenen Gedanken nicht mehr verstehen. Vor allem so eine mit holländischem Akzent ratschende graue Tante hinter mir macht mich völlig kirre.
Ich beeile mich da wegzukommen, mache dann ein paar schön depressive Regenfotos an der Boxhagener Straße und fahre zum Ostbahnhof, mich von Teilen meines Gepäcks zu entledigen. Im Ostbahnhof haben sie angefangen den “Ost-Tunnel” zu sanieren, wo die Gepäckaufbewahrung ist. So kann man dort schöne Umwege latschen.
Dann mit Bus zum Bethaniendamm, wo ich den Anschluß-Bus verpasse. Im Regen latsche also zu Fuß die endlose Köpenicker Straße entlang, weiter die Schlesische, dann am Heckmann-Ufer, über die Görlitzer-Eisenbahn-Brücke rüber nach Alt-Treptow, die Lohmühlenstraße bis zur Brücke nach Neukölln, das Maybach-Ufer weiter, in die Pannierstraße, über die Sonnenallee rüber bis zur Reuterstraße und diese bis zur Flughafenstraße, darauf weiter zum Columbiadamm und dann hinein in die Fontane Straße, Schillerpromenade, Selchower Straße und Mahlower Straße. Was für ein Kiez dort. Beeindruckt mich immer wieder!
Aber nach dieser endlosen Latschnummer (ca. 6 km) hab ich auch erstmal genug. Ich fahre mit U8 direkt zum Rosenthaler Platz, wo das neue Hotel zwischen Brunnenstraße und Weinbergsweg zumindest als Gebäude fertig ist. Damit hat dieser Platz natürlich sein Gesicht sehr deutlich verändert. Er ist nun verdammt modern. Oder sollte man sagen: beliebig? Er wird halt nur noch geprägt von Kommerz und Verkehr – nicht mehr vom Flair einer im Wandel befindlichen Mitte. Das zeichnet sich schon seit Jahren ab, klar. Aber schade ist es immer noch. Was wird wohl aus all den Hotelbetten werden, wenn Berlin mal nicht mehr Europäische Partyhauptstadt ist? Und die wird es ja vermutlich nicht mehr lange bleiben, wenn das Flair weiter so vernichtet wird wie in den letzten 10 Jahren.
Ich laufe den Weinbergsweg hinauf, kehre in der Kastanienallee bei einem Libanesen ein, esse dort wirklich äußerst lecker bei zu lauter Musik und werfe im Anschluß einen Blick in die Oderberger, die nun saniert werden soll. Der Straßenbelag soll denkmalgerecht aufgearbeitet werden. Die kriegens schon richtig gut da, die Oderberger. Man riecht förmlich, wieviel Geld da inzwischen sitzt.
Auf dem Flohmarkt am Mauerpark erwische ich eine regenfreie halbe Stunde, muß mir schon viel Mühe geben, nicht in eine der vielen Riesenpfützen zu treten, bleibe bei 3 Ständen stehen, wo es künstlerische Berlinfotos zu gucken gibt. Die gefallen mir aber alle nicht wirklich. Ob ich mich da mit ein paar meiner Bilder mal hinstellen sollte? Ich würde es wahrscheinlich nicht lange aushalten zuzugucken, wie die Leute ohne wirkliches Interesse meine Ständer durchblättern und wortlos weiterziehen. Wie das eben so läuft auf den Märkten. Und wenn jemand doch Interesse hat, dann muß allein schon aus sportlichen Ambitionen jeder noch so niedrige Preis weiter gedrückt werden.
Nee, das wär’s nicht. Zugleich sähe ich als Besucher gern viel mehr solcher Stände dort.
Mit der Tram fahre ich zur Warschauer Straße und von dort noch einmal zum Ostkreuz, schlendere ein paar Minuten auf dem Ringbahnsteig rum im Versuch, Leute unter den gewaltigen Wolkengebilden zu photographieren. Das wird aber nix. Hab nicht mehr die Geduld. Und die Kontraste sind zu heftig. Und mein Zug fährt bald.

Schweden-Nachlese

Besondere Highlights waren schon mal die Hinfahrt bei 37,5° auf der Autobahn, das WM-Spiel um den 3. Platz abends in Lübeck und die unaufgeregte, um nicht zu sagen sehr entspannte Fährenüberfahrt von Travemünde nach Trelleborg. Alles sehr unstressig, etwas mehr Aufregung hätte auch nicht geschadet.
Die südschwedische Landschaft fand ich schnell eher langweilig, ähnelt großteils der Lüneburger Heide.
Die Straßen führen durch sehr wenige Städtchen, die man nur schwer auseinanderhalten kann, weil sie alle von den typischen meist roten schwedischen Holzhäusern geprägt sind und kaum herausragende andere Gebäude haben.
Die Ostsee präsentiert sich wie in Meck-Pomm auch: größtenteils harmlos, zum Baden eher arg kühl und nicht so richtig einladend sauber. Der Sand, wo es welchen gibt, ziemlich grob.
Die Campingplätze sind sehr von Wohnwagen und Wohnmobilen überlaufen, Zeltanteil deutlich unter 10%. Meistens gibt es nur 1 oder höchstens 2 Sanitärblocks, so daß man gerade von den Zeltwiesen aus oft sehr lange Wege hat. Das ist ganz schön lästig. Ganz besonders, wenn man gefühlte 10 Minuten zu einem Kloshaus gelatscht ist, dieses dann wegen Reinigung (morgens um 9!) geschlossen vorfindet, so daß man dann gefühlte 25 Minuten zum anderen Klohaus latschen muß…
Schweden sind freundliche und ruhige Zeitgenossen, kennen auf dem Camping aber keine Ruhephasen, laut redend über den Platz stöckeln geht auch um 2 Uhr nachts offenbar ganz schmerzfrei. Was vielleicht auch daran liegt, daß es nie richtig dunkel wird im Sommer. Das übt eine gewisse Faszination aus, aber man kann halt auch nie Sterne gucken – und der Biorhythmus hat ordentlich daran zu knapsen.
Insofern war dieser Urlaub schlafmäßig alles andere als eine Erholung.
Wirklich schön ist es in Stockholm. Mal vom Preisniveau abgesehen, das dort schon ziemlich unglaublich ist, nur noch getoppt von Kopenhagen – aber dazu später mehr. Einmal U-Bahn fahren in Stockholm kostet mehr als 3 Euro. Das sogenannte Stockholm-Ticket, das auch Eintrittsgelder für diverse Museen beinhaltet, kostet für 3 Tage gut 60 Euro. Nur mal zum Vergleich: ein entsprechendes 3-Tage-Ticket in Berlin kostet gut 20 Euro.
Mit Restaurant-Preisen und allgemein Lebensmittelpreisen ist es ähnlich.
Aber man kann in Stockholm campen, vom sehr empfehlenswerten Campingplatz Bredäng mit der U-Bahn in die Stadt fahren und hat auf dem Campingplatz eine in 5 Minuten zu Fuß erreichbare richtig tolle Bade-Möglichkeit im Mälarensee. Wo gibt es sowas sonst?
Die Stadt ansonsten ist einfach schön, hat viele imposante und glanzvolle alte Häuser, ein paar coole Plätze (zB Slussen!), wo sich das Leben abspielt, viele sauteure Geschäfte, eine für Touris optimal aufgemotzte Altstadt (gamla stan) – und überall ist Wasser. Stockholm quasi ist eine Ansammlung bebauter Schären, die durch Brücken und Fähren miteinander verbunden sind. Es ist nicht ganz einfach sich zu orientieren, was auch durch die so lange sehr schräg stehende Sonne nicht einfacher wird.
Also ich hätte mühelos auch wesentlich länger als 4 Tage dort bleiben können, nach einem Lottogewinn etwa gar keine Frage…
Die Fahrt mitten durch, an den großen Seen vorbei und so – größtenteils langweilig. Abends Mücken.
An der Westküste sind die Schären deutlich spannender als im Osten, weil überwiegend kahl. Wir sind dort einen Tag gepaddelt und fanden das alle richtig schön. Leider war es dort nicht mehr so warm wie zuvor im Osten, wir hatten außerdem einen fiesen langen Regentag, der eigentlich nur dank per WLAN ins Zelt gefunkte Internet erträglich wurde.
Ein letzter Höhepunkt war Kopenhagen, wo mich vor allem der Fahrradverkehr echt beeindruckt hat. Wer immer davon redet, unsere Städte, Göttingen etwa oder Münster, seinen fahrradfreundlich, dem kann man nach einem Besuch Kopenhagens nur noch ein Hohngelächter entgegnen. Dort gibgt es durchgängig breite Fahrradsupren auf beiden Straßenseiten, fast überall bestens ausgebaute wirklich fahrradfreundliche Verkehrsführung – und wirklich richtig viel Fahrradverkehr, sehr viel auch in Christiania-Rädern: 3-Räder mit großem Ladebottich vor dem Lenker. Ich sah mehrmals Männer, die darin ihre Frau und Kinder transportierten, wobei in einem Fall die Frau ihre beiden gegenüber sitzenden Kinder aus einem Glas fütterte. Leider war ich zu geplättet von diesem Anblick, um schnell genug meine Kamera in Anschlag bringen zu können.
Ich hatte nur einen Abend und einen Tag in Kopenhagen, derweil die liebe Familie sich im Freizeitpark Backen amüsierte. Und ich kam aus dem Stadtteil Nørrebro nicht heraus. Der ist so, wie ich Stadtteile mag: fast ausschließlich Altbaubestand, viel buntes, alternatives Leben, in das man überall nur direkt eintauchen möchte.
Der Campinplatz dort entspricht leider nicht mitteleuropäischen Erwartungen an Hygiene oder gar Komfort. Die Sanitärs spotten jeder Beschreibung, die Preise ebenfalls: für zwei Nächte (2 Erwachsene, 3 Kinder) zahlten wir 85 Euro. Für 2 Nächte kann man das mal in Kauf nehmen, für länger sicher nicht.
Auch sonst: so einen Schweden-Urlaub stecke ich weg, noch einen so schnell aber sicher nicht.

Rainy day

Dank öffentlichem wlan geht das Bloggen sogar vom Zelt aus, auf einem Campingplatz nördlich von Göteborg mitten in den schwedischen Schären. Mit 2 beachtlichen Nebensonnen und einem hübschen Circumzenitalbogen – oder wie so ein Ding ornithographisch korrekt heißt – kündigte es sich gestern an: arg frische Luft, eine unangenehm steife Brise und – Regen. Was man so liebt als Camper.

Die ersten beiden Wochen war das Wetter schön: viel Sonne, viel warm, lediglich mal 1 Tag mit Regen und Gewitter. Aber jetzt scheint die hochsommerliche Phase beendet.

Und sonst? Gibt ja viel Gegend hier. Viel gleichförmige. Viele Fichten und Birken, viele Blitzer an den endlos langweiligen Straßen, auf denen ich mich immer wieder frage, warum wir so weit auf ihnen fahren, bringen sie uns doch an nicht wirklich andere Orte.
Außer Stockholm. Das ragt heraus und beeindruckt – überwiegend positiv. Nur das Preisniveau schreckt ab, das sogar gründlich. Aber Schönheit von Architektur, Lage am Wasser und der Sommermode 2010 reißen es mehr als raus.

Heute aber Scheren im Rägen. Graue kalte Tristesse.

Baumsuche, reloaded

Am Mittag des Sylvestertages ging der Regen in Göttingen allmählich in Schnee über und blieb liegen. Abends war bereits alles weiß. Seit dem 2. Januar liegen Stadt und Land unter etwa 13 – 15 cm Schnee.
Schon Anfang letzten Jahres kam ich auf einer Fahrt durch’s Leinetal nicht nur auf die Idee sondern vor allem auf den Geschmack Bäume im Schnee zu photographieren. Einzelne, herausragende oder besonders Bäume.
Was mir im Feburar 2009 schon ansatzweise gelungen war, wollte ich heute noch einmal versuchen. Mit Herrn T ging es dafür auf Tour durch die südniedersächsische Toskana.
Es war sehr stimmungsvoll und so tief und schön verschneit, daß man stellenweise nicht mehr sehen konnte, wo die Straße entlang führt. Wären da nicht die Straßenrandanzeigestiele gewesen…

Aber Bäume, wie ich sie eigentlich suchte, fanden wir nicht. Nicht so ganz jedenfalls.
So geht es mir meistens, wenn ich etwas im Kopf habe, ein Motiv, schon geradezu plastisch vor Augen, auch Ideen, wo ich es finden könnte – die Umsetzung konkret vor Ort gestaltet sich fast immer ungeahnt schwierig.
Aber ich bleibe dran. Ich finde das Thema sehr inspirierend und werde es sicher immer wieder aufgreifen.