kleine Wintergemeinheiten

Mir ist lausig kalt, vor allem am frisch geschorenen Kopf. Eine längerer Spaziergang kommt für die Mittagspause daher gar nicht in Frage. So klappere ich nur ein paar Läden ab, fühle mich unangenehm berührt, dem Oberbürgermeister und seinem Stadtbaurat zu begegnen und den einen zum andern sagen zu hören, da bringe er ihn aber in eine unangenehme Lage, und flüchte letztendlich ins Kaufland. Kekse kaufen.
An der Kasse nur eine ganz kurze Schlange. Beide Kunden vor mir fragen auf die Frage der Kassiererin, ob sie den Beleg mitnehmen wollten, zurück, was diese gesagt habe, worauf sie ihren ganzen langen Spruch noch einmal genauso daher nuschelt wie zuvor. Als ich an der Reihe bin, mache ich mir den Spaß und tue das gleiche noch ein drittel Mal. Und auch die Verkäuferin leiert ihren Spruch ein drittes Mal runter. Natürlich brauche ich den Bon nicht und lehne mithin freundlich dankend ab.
Aber wirklich wärmer ist mir danach nicht.

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Frühling!

Wetterdienste und Lokalzeitung haben es sattsam breitgetreten, daß das Wintergefühl nicht trog: so trübe und grau war es eigentlich überhaupt noch nie – solange wir uns erinnern können.
Heute Morgen ist das Thermometer immerhin deutlich über 0, bei locker +2°. Der völlig bedeckte Himmel und der allerfeinste Nieselregen (rel. Feuchte ca 97%), die gemeinsam das Gefühl verstärken, man liefe eigentlich unter Wasser und fischte nicht nur, sondern atmete vor allem völlig im Trüben, lassen den Übergang zum meteorologischen Frühling jedenfalls nicht gar zu krass erscheinen. Immerhin: die Amseln mögen das und singen fleißig. Was der mentalen Verfassung sehr zuträgt. Insofern wird nach dem tief verschneiten letzten Wochenende jetzt auch gern ein trübes genommen. Wenn’s denn wenigstens klingt!

Ein bißchen Schnee

Letzter Arbeitstag im Jahr: way to work:
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Stellwanne

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Reinhäuser Landstraße

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Große Dinge werfen ihre Schatten voraus.

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Bryant Park und 42nd street

Im Film “Harold and Maud” zeigt Maud ihrem jugendlichen Verehrer ihre Geruchsgalerie. Harold schnuppert daran, weiß erst gar nichts damit anzufangen, läßt sich dann aber doch zunehmend darauf ein und – riecht.
Er identifiert Schnee. Und genauer: Schnee in der 42. Straße.
Was ist besonders an der 42. Straße?

Die 42. Straße durchquert Midtown und hält dabei ein paar echte Highlights bereit wie das Chrysler Building, die Grand Central Station, den Bank of America Tower, den Times Square und Port Authority.
Die Straße ist sehr belebt. Allein das Eintauchen ins streetlife beschäftigt für Stunden.
Ganz besonders fasziniert hat mich der Bryant Park, der auf dem Stadtplan kaum auffällt, dessen Name allein ihn aber schon interessant für mich machte.
Gestern Abend guckte ich mir aus einer Laune heraus mal wieder den Film Bladerunner an. Darin spielt Captain Bryant eine tragende Nebenrolle. Zwar ist Bladerunner in Los Angeles angesiedelt, das hat sich science-fiction-mäßig für den Film jedoch sehr in Richtung Manhattan verändert, vielleicht eher: in Richtung Gotham City. Ein Hochhaus-Dschungel, dessen Sound-Kulisse maßgeblich von Polizeisirenen, Werbetexten und Verkehrsgeräuschen geprägt wird. Ich mußte in Manhattan oft an den Film denken und hätte die Musik von Vangelis als allgemeinen Background-Sound mehr als passend gefunden.
Der Bryant Park ist eine grüne Oase inmitten eindrucksvoller riesiger Skyscraper. Man kann dort auf Gartenmöbeln sitzen, einen Kaffee trinken, sich etwas zu Essen holen oder auch einfach nur so vor sich hinträumen und die den Park umgebenden Hochhäuser anschwärmen und sich dabei ein bißchen vom Pflastertreten erholen.

Ich mag den Namen Bryant. Ich mag die Vorstellung von einem hundert Jahre alten Hochhaus, in dem ich auf einem Balkon, vielleicht in der 42. Etage, über die Brüstung lehne, in einen schmuddligen, verregneten und sehr dunstigen Megacity-Kosmos blicke – und irgendwo unter mir fliegt ein Polizei-Flugfahrzeug mit Blaurotlicht und Sirene entlang. Dazu eine schwer romantische Klangwand aus einem Vangelis’schen Syntesizer.

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New York und seine subway

Wenn man in Queens die Treppen zur subway hinaufsteigt, die dort größtenteils als Hochbahn fährt, ist man vor allem erstaunt über den Zustand der Technik. Die Stahlträger der Trasse lassen das alte Ostkreuz als recht moderne und vor allem gut gepflegte Anlage erscheinen – in der Erinnerung. Die Fahrkartenautomaten wirken wie aus Gußeisen und eindeutig eher für Grobmotoriker entwickelt. Das Einlaßsystem ist ähnlich wie in Paris mit Drehkreuzen gestaltet, nur deutlich weniger elegant.
Die Bahn selbst – also ich bin kein Baureihen-Kenner. Das Berliner U- und S-Bahnsystem kenne ich zwar inzwischen etwas bessser als die meisten Berliner, aber Baureihen? Mich hat das nur insoweit interessiert, als ich die alten S-Bahnen immer viel lieber mochte als die neuen, weil die sehr spezifische und liebgewonnene Erinnerungen für mich bedeuteten. Nach ihrer Ausmusterung fehlt mir etwas.
In New York habe ich erst nach einer Woche intensiver Nutzung realisiert, daß es zumindest zwei verschiedene Bestuhlungsarten gibt. Die Bahnen sind silber-metallisch gestaltet, glänzen in der Sonne und sehen bei grauem Wetter ganz besonders schmuddelig aus. Auch innen hat man anfangs das Gefühl, sich nach jedem Griff an eine Haltestange die Hände waschen zu sollen. Das ist allerdings noch gar nichts gegen den Eindruck der unterirdischen Stationen. Ich brauchte da ein paar Tage, um ihren Charme würdigen zu können. Dann allerdings war ich von Tag zu Tag begeisterter!

Auffällig ist die große Menge an Schildern, bei denen es sich um Ziel- und/oder Richtungsangaben handelt, mit denen man aber als Ney-York-Neuling nicht viel anfangen kann. Wenn Sie in Manhattan in den Tunnel abtauchen und sich entscheiden müssen, ob sie Express Richtung Downtown oder lieber local Richtung Uptown fahrn wollen, stehen Sie erstmal ziemlich verunsichert da. Bis ein freundlicher New Yorker Sie anspricht und fragt, ob er helfen können, wie Sie denn hinwollen – und Ihnen dann gern erklärt womit Sie am besten fahren.
Die Begriffe Downtown, Uptown, Midtown, Lower West und Upper East Side bringen einen erstmal ganz schön durcheinander. Es ist auch nicht ganz einfach zu verstehen, welche Züge als Express trains nicht an jeder Station halten und wie das eigentlich funktioniert. Die Schilder an den Bahnsteigen geben meist die Zielbahnhöfe an, gleich daneben sind aber Schilder, die auf Alternativlinien hinweisen, die von anderen Bahnsteigen abfahren. Es braucht eine gewisse Eingewöhnung, die einen von den anderen zu unterscheiden.
An den U-Bahnen selbst steht nur der Name der Linie, entweder ein Buchstabe oder eine Ziffer.
Es gibt auf den Bahnsteigen nur schwer auffindbar Fahrpläne, wenn überhaupt. Es gibt keine analogen und auch keine digitalen Anzeigen, wann der nächste Zug kommt oder wohin er fährt. Man stellt sich einfach hin und wartet. Manchmal auch ganz schön lange.
Wenn dann ein Zug kommt, nimmt man im Innern eine automatische Ansage wahr, die, wenn man sehr genau hinhört, zum Beispiel sagt: This is the Coney Island Stillwell Avenue bound F local train. The next stop is Jaystreet Metrotech. Wenig später ergänzt der durchaus britisch wirkende Singsang einer männlichen Stimme: Stand clear the closing doors, please!. Dann schließen die Türen und die Bahn fährt mit einem sehr charakteristischen Sirren los. Wenn man die Ansage verstanden hat, ist das schon viel wert.

Das Netz der subway ist laut wikipedia das viertlängste des bekannten Universums. Jeden Tag werden etwa 5 Millionen Fahrgäste befördert. Das sind nun so Behauptungen, deren Wahrheitsgehalt man in der Realität nicht fühlt. Sicher ist es auf manchen Streckenabschnitten zu gewissen Zeiten ganz schön voll und man läßt von den mitunter recht unregelmäßig fahrenden Zügen lieber mal einen aus, weil der nächste ziemlich sicher viel leerer sein wird. Aber dann kriegt man dort auch fast sicher einen Sitzplatz. Den man dann möglicherweise auch gleich wieder an älter oder müder aussehende Menschen abgibt, wenn man sieht, daß die Einheimischen das füreinander auch tun, freundlich und selbstverständlich. Ich habe das sehr gern gesehen und mich entsprechend verhalten.

Als barrierefrei oder auch nur in Ansätzen behindertentauglich würde ich das Subway-System eindeutig nicht bezeichnen. Man bemerkt zwar deutliche Anstrengungen in diese Richtung, aber in den meisten Bahnhöfen gibt es nicht einmal Rolltreppen, stattdessen oft lange und steile Gehtreppen – und enge Bahnsteige mit jeder Menge Hindernissen. Mit einem Rollstuhl wäre man da, zumal allein, ziemlich schnell böse verloren, denke ich.

Aber die subway ist eigentlich und vor allem eins: äußerst faszinierend – und nebenbei enorm effektiv. Stellen Sie sich nur vor, die 5 Millionen Passagiere würden statt U-Bahn Auto fahren!
Die teilweise sehr ausgedehnten Zugangstunnel und Gewölbe sind über weite Längen sichtbar alt, renovierungsbedürftig – und sehr charakterstark. Man wünscht sich unmittelbar, daß es noch möglichst lange dauern möge, bis die MTA das System durchsaniert habt. Was vermutlich ohnehin nie passieren wird. Offensichtlich fehlt es überall an Geld – und im laufenden Betrieb ein Bahnsystem zu sanieren ist eine gigantische Sisyphos-Aufgabe, wie man in Berlin z.B. allein am Ostkreuz mit verfolgen kann. Dort wird seit sechs Jahren saniert und ein Ende ist frühestens in weiteren vier Jahren absehbar. Und das ist nur ein, wenn auch zugegeben sehr wesentlicher, Bahnhof.
In New York werden vermutlich in absehbarer Zeit ganze Strecken erneuert werden müssen – rein vom Augenschein beurteilt.

Am meisten beeindruckt haben mich die Überquerungen des East River über die Manhattan bridge und die Williamsburg bridge. Die Hochbahnlinien in Brooklyn und Queens ermöglichen Blicke über die Stadt, in Hinterhöfe und Straßenzüge hinein, die man nicht beschreiben kann. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus.
Der Höhepunkt war die Station Queensboro Plaza in Long Island City. Hier kreuzen sich mehrere Hochbahnlinien auf, in und unter einer einfach unglaublichen Stahlträger-Konstruktion, in die der Bahnhof integriert ist – und ein Straßendreieck. Ich bin stundenlang auf, in und unter dieser Anlage herumgelaufen, um ihre Ausmaße nachvollziehen zu können. Um wenigstens ansatzweise zu verstehen, welche Bahn da von wo nach wo fährt. Photographisch lassen sich da nur Andeutungen machen.
Man sieht sich einer Planungs- und Ingenieursleistung gegenüber, die ebenso buchstäblich faßbar wie im übertragenen Sinn völlig unfaßbar erscheint. (Unbedingte Besuchsempfehlung!)

Sicherheit ist ja auch immer ein Thema. In den Achtzigern mußte man wohl wenigstens Charles Bronson sein, um einigermaßen heile aus der subway wieder herauszukommen.
Wir waren da als Familie mit heranwachsenden Töchtern und Sohn unterwegs, ich oft auch allein, auch nachts. Nicht nur, daß es keine einzige Situation gab, die auch nur ansatzweise unangenehm, unheimlich oder gar bedrohlich gewirkt hätte. Es ist auch nichts passiert, keine Suizide, nicht einmal Graffiti an Bahnen oder in den Stationen.
Es gibt viel Personal. Jede Bahn hat einen Fahrer und noch eine Aufsichtsperson, die mitten im Zug sitzt. Auf fast jedem Bahnhof ist Aufsichtspersonal, das auch Fahrkarten verkauft oder Auskünfte erteilt. Und an vielen Stationen zeigt das NYPD deutliche Präsenz, auch das vor allem freundlich und hilfsbereit.
Zuguterletzt ist die Benutzung der subway überaus preiswert. Eine Einzelfahrt kostet $ 2,25, eine Wochenkarte $ 29. Für den Gegenwert in Euro kann man in Berlin gerade mal 3 Tage fahren.

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New York so als Stadt

Brooklyn, wo wir Quartier hatten, speziell Windsor Terrace, ist ausgesprochen kleinstädtisch. Dort gibt es überwiegend ein- bis zweistöckige Reihenhäuser, die zum großen Teil aus braunen Ziegeln (“brownstones”) gebaut sind, alle Mikro-Vorgärten haben, in denen Mülltonnen stehen, aber auch Kleinstbeete angelegt sind.

Durch die kleinen Straßen fährt morgens ein Heer von Schulbussen, wie man sie aus alten Filmen kennt. Ich hätte nie gedacht, daß die dort noch im Einsatz sind. Wir sahen sie nicht nur überall unterwegs, sondern auch zu zig bis hunderten in Bushöfen geparkt. Als bestünde das Bedürfnis, einen großen Vorrat davon anzulegen.

Am frühen Morgen kann man den Brooklynern auch zuhauf beim Joggen zusehen, sowohl im Prospect Park, wo es auf den asphaltierten Wegen getrennte Spuren für langsame Läufer, schnelle Läufer und Radfahrer und sogar Ampeln an Kreuzungen gibt! Gelaufen wird aber auch einfach durch die Straßen. Und Rad gefahren, übrigens auch einfach zur Fortbewegung.
Natürlich gibt es viel Autoverkehr in New York, aber es gibt gefühlt noch mehr Fußgänger und viele Radler. Ein Großteil des Autoverkehrs besteht aus Taxis.

Sobald man über die Brooklyn Bridge geht, die Brooklyn mit Manhattan verbindet, weitet sich der Horizont, man atmet tiefer und dann plötzlich stoßweise und hat ein Brückengefühl, das bei mir bislang weder die Warschauer Brücke in Berlin noch die Galata-Brücke in Istanbul und erst recht nicht die pont neuf in Paris hervorrufen konnte. Der Blick durch die Stahlseile auf die Wolkenkratzer, zur Seite auf die architektonisch nicht weniger faszinierende Manhattan Bridge und weiter hinten die Williamsburg Bridge läßt einem das Zwerchfell flattern. Man fühlt sich nicht klein, sondern erhaben.

Am frühen Morgen nach unserer Ankunft überquerten wir die Brooklyn Bridge zum ersten Mal. Das Licht war kühl und klar und verdrängte Hunger und Müdigkeit. Erst auf der anderen Seite, unter der City Hall, fingen wir an nach einer Frühstücksgelegenheit zu suchen. Was wir in lower Manhattan nicht wirklich einfach fanden. Wir landeten schließlich bei McDonalds an der Canalstreet in Chinatown. Selten habe ich scheußlicher gefrühstückt. Zugleich wirkte es aber auch sehr authentisch. Daß es in allen Fastfood-Läden Schilder gibt, die zum schneller essen auffordern bzw das Trödeln verbieten, wußte ich da noch nicht und fand es ziemlich herbe.

Die Jungs in Jogginghosen und Käppis und gut verstöpselt, die am Tresen mit den Steckdosen saßen, in denen ihre Kommunikations- und Spielgeräte steckten, schien das wenig zu kümmern.
Ich war froh wieder raus zu kommen, begeistert erste Wassertürme zu photographieren und chinesische Menschen, die gerade anfingen ihre Stände aufzubauen. Sonntags Morgens ist noch nicht viel los in Chinatown.

Das war im Central Park schon anders, den wir von Süden aus erkunden wollten. Dort waren Massen von rosa gekleideten Menschen unterwegs, die einen unglaublichen Lärm machten. Sie protestierten gegen Brustkrebs.
Mein erster Eindruck von diesem für mich sagenumwobenen Park war insoweit arg ernüchternd.
Die seventh avenue gefiel mir unmittelbar besser. Wie auch die erste Pizza, von da an unser liebstes Mittagsessen in Manhattan. Ein slice für $ 2,50 und richtig lecker. Ausprobiert haben wir bei anderer Gelegenheit auch verschiedenste Sandwiches sowie indisches und chinesisches Essen. Alles äußerst lecker und reichlich und nicht teurer als in Deutschland. Die Kinder hatten auch viel Appetit auf Burger und Pommes, nur Donuts oder Hot dogs wollte seltsamerweise niemand.

In Manhattan geht man tatsächlich überwiegend zu Fuß. Die Entfernungen sind zwar beträchtlich, aber man guckt sich auch nicht an einem Tag ganz Manhattan an. Man fährt stattdessen mit der subway in eine Ecke, die man erkunden will, und wandert dann los, läßt sich treiben, macht Entdeckungen und übt sich im Staunen. Über die Schönheit der Wolkenkratzer. Über die Selbstverständlichkeit, mit der alle New Yorker Fußgänger bei Rot über die Ampel gehen. Ohne überfahren, ja selbst ohne angehupt zu werden. Dabei wird in den Straßen sehr viel gehupt, meist nur zwischen Autofahrern, das aber bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

Ein interessantes Thema sind noch die restrooms. Man trinkt zwar zweckmäßigerweise so wenig wie möglich, aber irgendwann muß man dann ja doch mal. Da es quasi nirgends öffentliche Toiletten gibt, bleiben als Ausweg nur Starbucks oder Burgerking oder McDonalds. Starbucks gibt es buchstäblich alle 500 Meter. Jeder hat nur 1 Restroom unisex, davor steht grundsätzlich eine lange Schlange. So daß man sich am sinnvollsten mit seinem Kaffee direkt in die Schlange stellt. Da es bei Starbucks auch immer free WiFi gibt, nutzt man die Zeit, mal eben Mails zu checken, facebook zu erzählen, was man gerade tut oder in der subway-App nachzugucken, wo man wie als nächstes hinfährt. Wenn man endlich dran kommt, ist der Kaffee meistens auch schon durchgelaufen. In den Burger-Abfütterungsstätten gibt es zwar oft mehrere Toiletten, allerdings wacht dort ebenso oft Personal darüber, daß man auch etwas konsumiert und nicht nur die restrooms benutzt.


Über den Times Square hatte ich viel gehört, daß er so sein würde, hatten wir dann aber doch nicht erwartet. Er sog uns ein und entließ uns erst nach mehreren Stunden. Und alle sagten, daß sie da unbedingt wieder hin wollten.
Mit 5 Leuten geht man nicht für jede Mahlzeit essen, sondern kauft dann auch ein, um zuhause zu essen. Allerdings gibt es keine Rewes, Aldis oder Lidls, sondern es gibt Walgreen, was eigentlich eine Apotheke oder Drogerie ist, in der man aber auch gewisse Lebensmittel kriegt. Und es gibt, vor allem in Brooklyn, kleine Läden, die sich “Deli” nennen. Für Delikatessen. Dort gibt es ganz ähnliche Dinge wie bei Rewe, aber in viel kleinerer Auswahl, zu einem großen Teil “organic” oder “kosher” – und teilweise unglaublich teuer. Ein halbes Pfund Butter für 4 Dollar, 2l Milch für 5 Dollar, eine Dose Bier ab 3 Dollar. Man bekommt kaum Brot, dafür aber köstliche Bagels, die gut sättigen. Das beste an den Delis ist, daß sie sozusagen immer geöffnet haben. Selbst mitten im Hurrikane. Aber dazu bei anderer Gelegenheit mehr.

Wenn man abends nach einem ausgiebigen Wandertag noch seine Kommunikationsbedürfnisse befriedigt hat (ein bißchen erzählen, vor allem aber mailen, bei facebook posten oder über what’s app chatten), fällt man irgendwann wie ein Stein ins Bett. Während die 5 Steckdosen-Adapter, die wir mitgebracht haben, allesamt belegt sind von Ladegeräten für Smartphones, Kamera-Akkus und Netbook. Alles Geräte, ohne die so eine Reise undenkbar wäre.

Fortsetzung folgt.
Noch ein paar Bilder mehr hin und wieder hier: déjà rue

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Als Göttinger in New York (Teil 1)

Berlin besuche ich schon einige Jahre regelmäßig, in Istanbul war ich ein paar Mal, auch in Paris. Ja, auch Hamburg, Kopenhagen und Stockholm habe ich schon photographiert.
New York war immer nur ein Traum. In früheren Jahren war meine Vorstellung von der Stadt sehr konkret geprägt von der Serie “Lieber Onkel Bill”, gefolgt von Theo Kojak und Woody Allen. In den 80ern war ich schon einmal kurz davor hinzufliegen. Ich hatte bereits ein Visum. Heute weiß ich gar nicht mehr genau, warum ich dann stattdessen nach Gomera geflogen bin.
Und nun waren wir zu fünft da. Meine Familie mußte mich sehr gründlich dazu überreden. Eigentlich wollte ich nicht.
Den Flug buchten wir etwa ein halbes Jahr im Voraus bei Opodo, als Unterkunft fanden wir eine Wohnung in Brooklyn: gute U-Bahn-Anbindung an Manhattan, aber Wohnen abseits des Trubels, eigentlich direkt am Grünen, am Prospect Park. Hotelpreise in Manhattan sind abenteuerlich. Für die Wohnung bezahlten wir etwa ein Viertel und hatten dazu noch richtig Platz und ein spannendes, echt amerikanisches, gar nicht touristisches Wohnumfeld.

Der Hinflug war angenehm und zerstreute all meine Bedenken gegen Langstreckenflüge sanft und gründlich. So wie die reizenden Stewardessen von Singapore Airlines uns bedienten.

Bei der Ankunft in JFK erwartete uns entgegen den meisten Beschreibungen in Reiseführern keine zweistündige Prozedur mit peinlicher Befragung oder gar Leibesvisitation, sondern lediglich ein eindrucksvoller Beamter, der die Pässe durchsah, Fingerabdrücke von allen Fingern beider Hände nahm, je ein Digitalphoto machte und nach dem Grund für unseren Besuch fragte. Das alles so wortkarg, wie es irgend ging. Nachdem er unsere Pässe gestempelt hatte, schaufelte er sie ein paar mal in seinen großen Händen hin und her, als würde er Karten mischen, gewährte uns einen letzten bedeutungsvollen Blick, bevor er uns kurz und schmerzlos verabschiedete. Hinein nach Amerika, zunächst ins Innere des Flughafens, wo ich als erstes lernte, daß Toilette nicht toilette sondern restroom heißt.

JFK ist ziemlich groß, erscheint aber eigentlich viel kleiner als Frankfurt am Main. Wir nahmen den Airtrain, der eine Runde um alle Terminals fliegt, äh fährt und dann abbiegt Richtung U-Bahn, entweder nach “Jamaica” oder nach “Howard Beach”. Letztere Station hatten wir im Visier und genau dorthin fuhr der Airtrain an jenem Samstag nicht. Stattdessen wurden wir gehalten, den Shuttle-Bus zu nehmen. Soweit kein Problem, abgesehen davon, daß das Koffer über Treppen schleppen bedeutete. Wie auch im weiteren Verlauf. Die Alternative, mit dem Taxi nach Brooklyn zu fahren, hatten wir von vornherein verworfen. Wir wollten es billiger und vor allem authentisch.
Und so bekamen wir es auch. Der Shuttle-Bus, bzw die 3 Shuttle-Busse, die wir nacheinander befuhren, bis wir nach eindrucksvoller Fahrt durch Queens in Roackaway Boulevard ankamen, wo der A-Train der New Yorker subway einen Bahnhof hat, waren “free”. Der Airtrain hätte 25 Dollar gekostet.

Allerdings dauerte die Reise von JFK bis zum Prospect Park etwa dreieinhalb Stunden. Umsteigen von Bus in U-Bahn und von einer U-Bahn in eine andere. Koffer die einen Treppen rauf, die andern wieder runter. Und natürlich Fahrkarten kaufen mit Kreditkarte. Da bekam ich meinen ersten Schweißausbruch, weil der Automat nicht wirklich intuitiv bedienbar war. Glücklicherweise sind die Menschen in New York außerordentlich hilfsbereit und geduldig. Zwei Eigenschaften, die sich auch im späteren Verlauf als sehr positiv und nützlich erwiesen.
Dies gleich wieder, als unser Zug an der Station Euclid Avenue einfach stehen blieb und wir nach etwa 10 Minuten per Lautsprecher harsch angewiesen wurden auszusteigen. Unser Zug verschwandt dann leer im Tunnel. Mit dem näachsten einfahrenden wiederholte sich das, so daß wir schon erwogen stattdessen lieber Bus zu fahren. Aber die Aufsicht des Bahnhofs, die wir fragten, riet uns davon ab: da würden wir verloren gehen…

Als wir unsere Wohnung in Brooklyn erreichten, waren wir zwar ziemlich geschafft, aber die Vorstellung am ersten Abend einfach nur früh schlafen zu gehen kam für mich einfach nicht in Frage. Stattdessen schnappte ich mir die Kamera und zog los. Magisch angezogen von Manhattan fuhr ich bis Yorkstreet, was laut Stadtplan nahe an der Brooklyn Bridge sein sollte und ging von dort zu Fuß weiter. Es war viel näher als gedacht – und irgendwie auch viel aufregender.

Da stand ich also: unter der Manhatten bridge, blickte auf die Brooklyn bridge und lower Manhattan. Der letzte orange Lichtstreifen am Westhimmel, die Wolkenkratzer glitzerten, der East River funkelte und die Hochbahn donnerte und ratterte über die Brücke.

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Der Schreck am Sonntagmorgen

Nicht genug damit, daß ich zum zweiten Mal in diesem Jahr Laufschnupfen habe –
heute Morgen wachte ich auf und wollte mit meinem eifon ein Hipstamatic-Bild von den Sonnenstrahlen machen, die das Zimmer fluteten: da ging plötzlich die Kamera von meinem eifon nicht.
Die App startet, aber es erscheint kein Bild. Auch bei allen anderen etwa fünfzehn Kamera-Apps nicht, die ich immer hektischer eine nach der anderen teste.
Eifon kaputt? Nach genau 1 Jahr? Garantieende? Sollbruchstelle?
Panik!

Ich frage google nach dem Problem und werde als erstes zu einem youtube Video geschickt, wo genau mein Problem gelöst wird, indem freundliche junge Männer das eifon so lange mit der Kamera-Ecke auf die Tischkante hauen, bis die Kamera vor Schreck wieder geht. Jedenfalls zeigt sie kurz ein Bild. Das allerdings hängt. So wie bei meinem eifon in letzter Zeit auch immer öfter was hängt. Wird wohl alt oder was? Vielleicht sind aber auch die ios-Updates so gestrickt, daß Kauflust für das eifon 5 eingebaut wird.
Das Video mündet in immer schrilleres Gelächter seiner Macher. Weil ihre Aktion nicht wirklich Erfolg bringt?
Ich werde immer unsicherer und mache mich in der Küche auf die Suche nach einer schlagmildernden Unterlage, auf die ich mein eifon dann gleich hauen kann.

Bevor ich das im Ernst anfange, gucke ich mir aber vorsichtshalber noch googles zweiten Vorschlag an. Der steht in einem von den 3 Millionen Apfeljüngerforen und schlägt – irgendwie seriöser – vor, sich einen Philips-5-Kant-Schraubendreher zu besorgen, das eifon damit aufzuschrauben (was wesentlich billiger sei als es einzuschicken. Was mir sofort einleuchtet) und dann das Flachbandkabel, mit dem die Kamera im eifon angeschlossen ist, “durchzupusten” und wieder festzustecken. Die chinesischen Arbeitererinnen, wird in dem Artikel bemängelt, gäben sich gerade hier nicht die nötige Mühe mit dem Feststecken der Verbindung.

Nur woher an einem Sonntag einen Philips-5-Kant-Schraubendreher herkriegen? Und selbst Montag – wie lange soll das denn dauern?! Bin ich da nicht doch schneller, wenn ich morgen den Apfelladen in der Stadt aufsuche?

Ich beschließe stattdessen, auch noch googles weitere Reparaturvorschläge zu begucken und stoße nach einer ganzen Weile auf die Möglichkeit, daß es sich ja auch um ein Software-Problem handeln könnte. Genau, denke ich. Das, denke ich, dachte ich doch gleich. Eigentlich. Denn zur Kontrolle dieser Hypothese stelle ich fest, daß die Frontkamera genauso wenig funktioniert. Das eifon hat ja zwei, eine vorne, eine hinten. Und wenn beide nicht gehen, dann ist die Wahrscheinlichkeit, daß beide Steckverbindungen gleichzeitig abgegangen sein sollen, doch echt arg gering. Überzeuge ich mich.
Hoffnung keimt wieder auf.

Aber erst weitere 3 Artikel später finde ich etwas, was mich in dieser Hinsicht nicht nur diagnostisch, sondern auch therapeutisch weiterbringt.
Ich solle den Homebutton und den Einausschalter gleichzeitig so lange drücken, bis das Display schwarz wird und es dann einfach wieder einschalten. Das sei ein echter Hardware-Reset, bei dem das eifon richtig neu gebootet wird. Und ich dachte schon, das geschehe bereits, wenn ich es normal aus und wieder einschalte. Und habe mich beim letzten Mal schon gewundert, wieso nach dem Wiedereinschalten noch meine ganzen Apps aktiv waren…

Ich drücke also die Knöpfe (endlich eine Lösung, die nichts kaputt macht, denke ich. Denn das Spielchen kenne ich bereits von meinen Jailbreak-Versuchen)
Das Display wird schwarz und ich beschließe, erstmal in der Küche den Kaffee aufzusetzen, ehe ich nachgucke, ob’s geholfen hat.

Schließlich erscheint wieder das Apfellogo, beruhigend und geradezu meditativ in seiner schlichten Ästhetik.
Was mich sehr erstaunt, ist, daß ich nach diesem “Hardware-Reset” nicht die PIN der Sim-Karte neu eingeben muß. Hat es vielleicht doch nicht geklappt?

Bange starte ich die Kamera-App.
Und da – HURRA!!! – kommt wieder ein Bild.
Schnell probiere ich die Hipstamatic. Und sie funktioniert auch wieder.

Ach, das Leben kann so schön sein!
Danke, liebes eifon, daß du so zuverlässig bist. Danke liebe Apfelgemeinde, daß ihr mir sooo geholfen habt. Danke liebes google, daß ich bei dir die richtige Anleitung gefunden habe – und selbst noch entscheiden durfte, welche ich richtig finde.
Und daß ich schlau genug bin, äh –

schönen Sonntag noch, allerseits. :-)