Göttinger, verwahrt euch gegen die Südspange!

In diesen Tagen bekommen alle Göttinger BürgerInnen Abstimmungsbögen zur Südspange in ihre Briefkästen. Dies ist eine einmalige Gelegenheit, der Göttinger Südspange eine klare Absage zu erteilen und damit ein klares Zeichen für eine umweltfreundliche und zukunftsfähige Stadtpolitik zu setzen.

Seit Jahrzehnten wird über diese Umgehungsstraße nahe des südlichen Ufers des Kiessees gestritten. Einmal gebaut, wird das von der Leineaue geprägte Natur- und Erholungsgebiet unwiederbringlich zerstört. Erneut würde damit eine Entscheidung für mehr Verkehr und gegen zukunftsfähigere Konzepte gefällt.

suedspange

Natürlich ist es verständlich, wenn die AnwohnerInnen der stark belasteten Einfallstraßen sich wünschen, weniger Verkehr vor Ihrer Tür zu haben. Doch die Südspange wird ihnen dafür keine Lösung bringen. Der überwiegende Anteil des Verkehrs wird nur zwischen den Straßen anders verteilt. So wird z.B. die Kiesseestraße – welche viele Schülerinnen und Schüler auf jeden Tag auf Ihren Weg zur Schule überqueren müssen – deutlich stärker befahren werden.

Alle GöttingerInnen werden außerdem den Preis zu zahlen haben. Nicht nur weil die Straße den Göttinger Süden zerschneidet und ein beliebtes Naherholungsgebiet zerstört, sondern auch weil die Stadt mit mehreren Millionen Euro an den Baukosten beteiligt sein wird und anschließend für den Unterhalt aufkommen muß. Geld, welches bereits jetzt für den Unterhalt von bestehender Infrastruktur wie Schulen, Kitas und Sportstätten fehlt; von den anstehenden Einsparvorgaben ganz zu schweigen.

Darum, GöttingerInnen: sagt Nein!

kein Stern mehr für gö

Man muß der Stadt Göttingen einen Stern (wenigstens einen!) aberkennen, sollte ihr denn je einer zugestanden haben.
Aber, nein, ich will da gar nicht allgemein drüber schreiben, so pseudonachrichtenmäßig oder mit irgendeinem Anschein von Objektivität. Eigentlich habe ich überhaupt keine Lust mehr darüber zu schreiben. Über die Stadt Göttingen nicht und auch nicht über die Verkehrsplanung oder die Kungelgeschäfte mit den Filetgrundstücken mitten in der Stadt, die offenbar so anrüchig sind, daß sie sogar unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfinden.
Es macht keinen Spaß mehr darüber zu schreiben, weil es nichts nützt, weil es mir nur die Laune verdirbt und weil ich nicht mehr zu hoffen wage, daß sich in der Denke der Entscheidungsbefugten (Politiker und so) noch etwas bewegen könnte.

Der jetzige SPD-Oberbürgermeister gibt sich alle Mühe, die Fehlentscheidungen des vorigen CDU-Bürgermeisters endlich in die Tat umzusetzen. Wo jener irgendwo steckengeblieben war, kommt dieser jetzt mit Allradantrieb (Grüne endlich mit im Boot) durch. Das Stadtbad, das ein Herr Danielowski lediglich hat abreißen lassen, und auf dessen Grundstück, das seitdem “Stadtbad-Areal” genannt wird und das als Filetgrundstück klassifiziert wurde, nur der Jügen-Danielowski-Gedächtnis-Parkplatz-I angelegt werden konnte, ist nun dank der Herren Meyer (OB) und Dienberg (Stadtbaurat) endlich unterm Hammer, verkauft, verplant, verramscht. Irgendeine Billig-Bebauung wird da hingeklatscht werden, nur damit irgendwas da steht. Einen Ort der Begegnung wird es dort ebenso wenig geben wie eine Lösung für die Alte Mühle am Leinekanal. Und das als Ergebnis der Bemühungen von 10 Jahren. Oder sogar noch länger. Man will es lieber gar nicht genau wissen.
Applaus.

Beinahe noch übler wird mir, wenn ich sehe, was sie dem Groner Tor antun wollen. Hatte vor noch nicht langer Zeit der Dienberg noch vollmundig getönt, der Bereich solle aufgewertet werden, solle zu einem richtigen Tor wieder werden, so kann man nun nur noch matt abwinken und die abwinkende Hand gleich über den Augen liegen lassen. Gegenüber dem Plattenbau Groner Land 9AB soll sich ein weiterer Betongroßbau in die Stadtlandschaft eingliedern, ein Hotel auch noch. Es gibt in der Groner Landstraße ja erst vier oder fünf davon. Wahrscheinlich geht man davon aus, daß Hotels Touristen ähnlich anziehen wie neue Straßen (Südspange) den Autoverkehr. Äh, oder bringe ich da jetzt was durcheinander?

Sollte man Herrn Holefleisch noch nennen, dessen Rolle mir im Zusammenhang mit diesen Grundstücksgeschäften noch undurchsichtig ist? Nun, zumindest in puncto Südspange ist er offenbar schon vor längerem umgefallen und hat sich der Zubetonierfraktion geöffnet, die ihm dafür großmütig eine Aufwertung des Kiessee-Gebietes zugesagt hat. Wobei Aufwertung vor allem Kommerzialisierung und weitere Denaturierung meint.

Darüber zu schreiben, über all diese Entwicklungen, diese Denke, die den Abstand von der Tagesschau bis zur Wetterkarte nicht zu überwinden imstande ist, das empfinde ich gerade als – vorsichtig ausgedrückt – entmutigend.
Lesen Sie da mal lieber das Göttinger Tageblatt, dort vorzugsweise die wohlartikulierten Kolumnen und Kommentare von Ilse Stein oder Hannedore Schumacher. Dann sind Sie bestens im Bild.

Und hier lassen wir den Stern wieder weg. Göttingen braucht meinen nicht mehr. Wenn es überhaupt irgendwo einen braucht, dann in der Sternstraße (ach ja, die Sternstraße, um auch hier noch einmal abschließend Waden zu beißen: die Sternstraße, die der Dienberg zusammen mit der Elbinger Straße seit bald 2 Jahren zur Fahrradstraße aufwerten wollte. Und was ist passiert, außer daß dort die Jagd der Auto- auf die Radfahrer immer buntere Blüten treibt?!) – in der Sternstraße also, da verdient das Sternkino seinen Stern.
Dieses Blog hier aber braucht den nicht mehr und heißt deshalb jetzt ganz bescheiden wieder grapf.log.
Punkt.

Brauweg-Bäume werden doch gefällt

Da hat die Bürgerinitiative im Brauweg im vergangenen Jahr intensiv und kreativ um den Erhalt der Allee zwischen dem Brauweg und der Leine, entlang dem ehemaligen Brauereigelände, auf dem nun ein Altenheim entsteht, gekämpft. Es wurde mit dem Investor und der Stadt ein Agreement gefunden. Die Planung für den Neubau sollte dergestalt angepaßt werden, daß die Bäume stehen bleiben können.
Dummerweise blieben die Bäume aber dann doch zu dicht am wachsenden Neubau stehen und nahmen blöderweise Schaden an den Wurzeln.
Mann, Bäume! Warum habt ihr nicht aufgepaßt?!
Nun läßt die Stadt in einem kleinen Randartikel im lokalen Käseblatt verlauten, man habe die Fällung genehmigt. Es würden aber in jedem Fall 10 Ersatzpflanzungen geleistet. (Auf dem Nikolausberg etwa? Eschenbreite Süd?) Nicht nur die Formulierung in jedem Fall erscheint äußerst merkwürdig in diesem Zusammenhang. Welche Fälle wären denn da noch denkbar, wo man an den Verzicht auf eine Ersatzpflanzung denken könnte? Und wieviel ist eigentlich das Wort eines Stadtbaurates oder Oberbürgermeisters so wert? In so einem Fall?

Die Bäume an der ehemaligen Brauerei

So richtig gut sieht es nicht aus. Sie wurden zwar nicht gefällt, aber der neue Bau rückt ihnen offenbar so dicht auf die Rinde, daß ihnen wenigstens das Wasser abgegraben wird. Wenn nicht sogar die Wurzeln direkt beschädigt werden. Die Bürgerinitiative hat wieder ein Transparent gehängt, auf dem von Betrug die Rede ist.
So läuft das: Ruhigstellen der erhitzten Gemüter durch Zugeständnisse, die man dann an anderer Stelle unterhöhlt, um letztlich zum von vornherein feststehenden Ergebnis zu kommen.
Ein Scheiß-Spiel.

Letzte Tage eines Brauhauses (6)


Scheibchenweise. Jeden Tag wird es ein Stück weniger.

Die Bäume stehen noch. Dank des unermüdlichen Einsatzes der Bürgerinitiative im Brauweg, deren Mitglieder mittlerweile tatkräftig und am lebenden Objekt geübt haben, sich an die Bäume fesseln und ketten zu lassen, für den Fall, daß die Männer mit den Sägen kommen.
Diese Menschen meinen ihr Anliegen sehr ernst und sie nehmen viel dafür in Kauf. Ich kann das nur aus tiefstem Herzen bewundern und unterstützen!