Kalenderzeit

Nach zu langer Pause gibt es rechtzeitig zum Fest endlich neue Kalender.
“Photo.Grapfien 2012” können Sie ab sofort bestellen. Einige meiner eigenen Lieblingsstadtbilder, überwiegend in diesem Jahr entstanden, aus Paris, Berlin, Münster, Bremerhaven, Hamburg und Wien.

Klicken Sie sich einfach zu meinem Kalender-Shop und gucken mal, ob das nicht ganz bestimmt interessant für Sie ist! :-)

Wer es noch spezifischer möchte, der kriegt den Berlin-Kalender. Nur Berlin-Photos.

Und wenn ich das hier auf gÖstern schreibe, dann auch, weil ich mit dem Gedanken an einen Göttingen-Kalender liebäugele. Bilder gibt’s zuhauf. Auch Interessenten, die sich das an die Wand hängen würden? Wünsche werden gern entgegen genommen.

Isch kenne die!

Die Aigner und der de Maizière wollen uns beschützen vor bösen Gesichtserkennungsdiensten. Ist das nicht nett? Gerade haben wir erfolgreich durchgesetzt, daß google streetview uns nicht durchs Wohnzimmerfenster gucken darf und, was es da sieht, im Internet erfahrbar macht. Wir dürfen virtuelle Verpixelungsvorhänge zuziehen.
Als nächstes müssen wir verhindern, daß Leute uns mit ihrem Telefon auf der Straße photographieren, um dann direkt bei google-face-detection nachgucken zu können, wer wir sind.

Gesichtserkennungssoftware ist ja nichts neues, man macht sich nur selten wirklich klar, was damit eigentlich möglich ist. Picasa oder Photoshop Elements (u.v.a.) können längst Gesichter wiedererkennen. Und wenn diese Einsteigerprogramme das schon recht zuverlässig hinbekommen, wieviel mehr dann erst professionell eingesetzte bei Ermittlungsbehörden und Geheimdiensten. Überall stehen Videokameras, die uns pausenlos dabei filmen, wie wir auf die U-Bahn warten, wie wir die Fußgängerzone entlang latschen, wie wir irgendwelche öffentlichen oder auch “wichtigen” privaten Gebäude betreten. Wie wir am Geldautomaten Geld abheben oder irgendwo auf der Autobahn fahren. Und wer an Demos z.B. gegen Castor-Transporte teilnimmt, wird von an Drohnen befestigten fliegenden Kameras erkennungsdienstlich behandelt.

Wahrscheinlich ist es bislang eher noch ein Problem der irrsinnigen Datenmenge. All die Grillionen Gesichter, denen Namen zugeordnet und die dann benamst in Datenbanken mit Daten und Orten gespeichert werden müssen. Aber dank google’scher Suchalgorithmen ist es sicher kein ernstes Problem, dieser Datenmengen Herr zu werden.

Wenn die das aber dürfen, die Polizei und der BND, die CIA und NSA und wie sie alle heißen, warum muß dann der Bürger auf der Straße vor seiner Mitbürgerin beschützt werden? Und wenn wir sowieso alle (oder fast alle) in ipernity, auf flickr und erst recht auf facebook und twitter pausenlos vor uns hin brabbeln, wo wir gerade sind und was wir gerade tun, warum ist es dann plötzllich “gruselig”, wenn Erich Mustermann, der uns auf der Straße begegnet, in seinem Handy mal kurz nachgucken kann, wer ich bin, der ihm da gerade begegnet ist und so mürrisch geguckt hat? Vielleicht lehne ich mich eh an die nächste Hausecke, hole mein Eifon raus und vermerke in facebook, daß mir gerade Erich Mustermann begegnet ist und mich mit seinem Handy geknipst hat und daß ich deswegen jetzt schlechte Laune habe. Und er findet nach erfolgreicher Gesichtserkennung meinen facebook-Account und meinen jüngsten Eintrag. Gibt es dann eine virtuelle Rückkopplung? Oder gehen wir beide ein paar Schritte zurück, aufeinander zu, schütteln uns die Hände und versprechen uns, uns gegenseitig als Freunde zu adden?

Wer gern stalkt, dem stehen bei den bereits vorhandenen Diensten schon unendliche Welten offen, er hat nur die Qual der Wahl, wo er anfangen soll. Die Gesichtserkennung nun wieder mal als besonders gruselig herauszupicken, wird bestenfalls dazu führen, daß street-Photographie endgültig unmöglich wird, weil jeder gleich denken wird, man wolle ihn ausspionieren. So wie mich schon zahlreiche Hausbesitzer ziemlich seltsam angequatscht haben, weil ich ihre Fassaden auf meine Bilder aufgenommen habe.

Die Regierung möchte die öffentliche Gesichtserkennung offenbar doch lieber ausschließlich im staatlichen Gewaltmonopol wissen, alles andere ist zu gruselig.

Und wir – je mehr wir von uns zeigen, desto weniger wollen wir gesehen werden.

Warum veröffentliche ich meine Photos?

Mein erstes Photoblog hat heute Geburtstag. Vor sieben Jahren genau fing ich dieses Spielchen an und kann es seitdem nicht lassen. Ich nannte es photo.grapf.de und es basierte auf pMachine, einer Blogsoftware, die ein paar Jahre später in ExpressionEngine überging. Lange bevor das geschah, sattelte ich allerdings auf WordPress um. Und dabei ist es bis heute geblieben.
Nur der Name ändert sich gelegentlich. Aktuell heißt es déjà rue.
Die Themen meiner Photos unterliegen ja auch einem gewissen Wandel. Zur Zeit liegt mein Hauptaugenmerk auf der street-Photographie. Da es ja eigentlich fast nichts gibt, was nicht schon einmal photographiert wurde (aber eben nicht von jedem…), wollte ich genau das im Namen unterbringen, beides.

Hinter diesen kleinen Veränderungen stehen immer auch die grundsätzlichen Fragen: warum mache ich das eigentlich? Was ist an street-Photographie so toll? Warum bleibe ich nicht einfach dabei, Kinder und Alltag zu knipsen und die dabei entstehenden Bildchen den lieben Verwandten zu zeigen? Was bringt es mir wirklich, der weltweiten Öffentlichkeit meine Bilder zu zeigen, um dafür hier und da einen höflichen Kommentar zu bekommen – meist aber doch erst, nachdem ich gewisse Vorarbeiten durch Kommentare in andern Photoblogs, bei den KollegInnen quasi, geleistet habe. Schreibst du mir was, schreib ich dir auch was.

Steckt dahinter dann doch noch etwas anderes: das Bedürfnis, etwas Bleibendes zu produzieren, eine Erinnerung, die über den einzelnen Moment hinausgeht? Ein Mosaik aus einzelnen Augenblicken, das sich zu einem Bild von bestimmten Orten zu bestimmten Zeiten zusammenfügt?

Möglicherweise ist es nur die schlichte Eitelkeit, die mich dazu verleitet, ausgerechnet meinen beschränkten Blickwinkel für erhaltenswert zu erachten. Daß ich mit dieser Marotte nicht allein bin, wertet das Unterfangen nicht unbedingt auf.

Schon heute ist das Angebot an Photo-Streams im WWW so umfassend, daß es so etwas langweiliges und unaktuelles wie google-streetview eigentlich gar nicht bräuchte. Blogger und Flickrer sind viel schneller, umfassender und direkter – und zeigen keine Scheu, Inventar und Menschen vor Ort mit aufs Bild zu bringen.
Ein Strom aus Bildern, der uns mit nur geringer zeitlicher Verzögerung letztlich den Spiegel vorhält, den subjektiven Spiegel derer, die auf der anderen Seite auf diesem Bilderstrom ihr Leben leben.
Vor allem auf Urlaubsreisen, mittlerweile aber auch immer mehr im Alltag mehrt sich der Eindruck, wir lebten eigentlich nur noch dafür, uns für unsere Photos in Szene zu setzen. Die Kamera ist immer dabei, wir knipsen Freunde, uns mit unseren Freunden, alle möglichen Situationen – und all das landet in kürzester Zeit auf irgendeiner Internet-Plattform. Oder ist das nicht nur Eitelkeit, sondern steckt dahinter auch die Befürchtung, daß all unser Tun unbeachtet und wirkungslos bleibt, wenn wir es nicht dokumentieren und wie ein Plakat auf einer Demo für uns selbst vor uns hertragen?

Ich denke, es geht um weit mehr als die Frage nach Privatheit versus staatlicher oder privatwirtschaftlicher Kontrolle. Es geht auch darum, was wir uns einbilden, wer oder was wir eigentlich sind – und wie diese Einbildung durch ihre ununterbrochene Abbildung außer Kontrolle gerät, aus unserer eigenen.

Ihre / Eure Meinungen dazu würden mich brennend interessieren.

Mal 1 Plümelein


so zwischendurch, um auch mal wieder was zu sagen.
Das Bild entstand eigentlich so richtig im Vorbeigehen an eben dieser Plüte, bei der Besichtigung eines enorm schönen Gartens in heimatlicher Nähe. Ich war sehr angetan von den vielen und vor allem vielen verschiedenen Insektenarten, die von den Pflänzen dieses Gartens angezogen wurden. Und weil ich zu Dokumentationszwecken die Kleinknipse sowieso in der Hand baumeln hatte, kam dieses possierliche Kerlchen hier gleich mit drauf. In Lightroom und so noch etwas aufgepeppt – und schon haben wir ein hüpsches Plümschenknipserpildchen, gell?

Schon das 2. Gewitter der Saison

gewitter4
Bereits letzten Freitag ging in Göttingen beinahe die Welt unter, als nachmittags ein Gewitter über die Stadt zog und es binnen Minuten so dunkel werden ließ, daß die Straßenbeleuchtung anging.
Heute drehten wir im lauen Abendlüftchen noch eine Feierabendrunde um den Block, wippten und schaukelten in aller Ruhe auf dem Spielplatz, während sich am Südwesthimmel schon eine ansehnliche dunkelblaue Wolkenfront zusammenzog. Eine halbe Stunde später blitzte es in sehr schneller Folge und donnerte fleißig, während ich mit meiner Tochter am Fenster stand und mit ihr die Blitze um die Wette photographierte. Sogar mit der kleinen Lumix gelangen ihr ihre ersten Blitz-Photos.
Doch bald kamen die Einschläge so nahe, daß die Donnerschläge das ganze Haus erzittern ließen. Das wurde schon arg unheimlich und wir beschlossen das Fenster dann doch zu schließen.
Märzgewitter2

Objektiv betrachtet: Canon EF-S 15-85

Seit letzten Sommer suche ich nach einem Objektiv für meine Digi-Eos, das mir das Objektivwechseln erspart. Ich weiß, das ist eigentlich nicht der Sinn einer DSLR, daß man sie immer mit demselben Objektiv nutzt. Aber ich reise nicht gern mit schwerem Photogepäck und ich möchte da auch nicht minutenlang rumfummeln müssen, wenn mir ein Motiv auffällt. Da ich viel und liebend gern in Städten rumlaufe und dort meine Motive meistens eher unverhofft finde, ist Geschwindigkeit meistens das wichtigste, um ein Bild überhaupt machen zu können.
Ich gucke deshalb immer schon nach guten Kompaktkameras, habe bereits eine Lumix FX 37 als Brust- und Hostentaschenknipse, mit der ich gelegentlich so gute Bilder hinkriege, daß ich selbst staune. Was mir aber am meisten dabei fehlt, ist die Möglichkeit, mit selektiver Schärfe zu arbeiten. Und natürlich die Möglichkeit, im Dunkeln zu photographieren. Das Rauschen so einer Lumix ist und bleibt grausam und hat mit Körnigkeit, mit der man früher bei hochempfindlichen Filmen gern gelebt hat – und die man heute digital gern wieder in die Bilder reinmogelt, nichts gemein.

Für meine DigiEos habe ich seit bald 5 Jahren das Tamron 28-75 mit der schönen Blende 2,8. Leider hat dieses Objektiv an einer Crop-Kamera einfach viel zu wenig Weitwinkel. Außerdem nervt der langsame, laute und oft auch ungenaue Autokus. Manuell die Entfernung einstellen geht aber auch nicht, weil der Einstellring nicht gerade feinfühlig ist und die Kamera zu wenig Einstellhilfe bietet. Mit Sehnsucht denke ich da an den Schnittbildindikator meiner Olympus OM2 zurück…

Jetzt habe ich mir nach zähem Ringen mit mir selbst wegen dem hohen Preis das Canon 15-85 gekauft. Das ist ein Objektiv, das man nur an Kameras mit APS-C-Sensor nutzen kann, also für Crop-Faktor, nicht für Vollformat. Es ist auch nicht wirklich lichtstark (3,5 – 5,6). Aber der Brennweitenbereich ist absolut genial. Auf KB-Verhältnisse umgerechnet sind das 24 – 136 mm. Von sowas habe ich immer geträumt. Und der Autofokus ist leise, schnell und deutlich genauer als der des Tamrons. Die Trefferquote ist wirklich höher.
Das liegt möglicherweise am Image-Stabilizer. Sowas schickes hatte ich bisher nur in der Lumix und da geht es wegen der Fizzelichkeit der Knipse wohl sowieso nicht ohne. Sonst verwackelt man da alles mit. Aber an einer Spiegelreflex kam ich bisher immer ohne aus.
Und jetzt mit – bin ich echt verblüfft, was das ausmacht. Im available-light-Bereich gelingen mir Bilder aus der Hand, ohne Abstützen, die ich vorher nur mit Stativ hingekriegt habe. Und es gelingt mir deutlich besser, belebte Abend-Stimmungen damit einzufangen. Die Bewegungsunschärfe beteiligter Personen kommt plötzlich als neues Bildelement hinzu, bei scharfem Hintergrund.
Nicht zuletzt ist dieses Ojektiv auch mechanisch überraschend geschmeidig und sehr angenehm einzustellen. Auch manuelles Fokussieren geht, von den Beschränkungen durch den Sucher der Kamera mal abgesehen, prima.

Ich bin begeistert. Und für’s erste tatsächlich mal gut bedient, weil ich jetzt mit 1 Objektiv losziehen kann.