Kurven auf La Palma

Nach ein paar Tagen faulem Strandleben zog es uns in die Berge. Auf Vulkane wandern. Was für eine Aussicht! Im gemieteten nietennagelneuen Polo, die Kinder hinten drin, ging es steile, enge Kurven hinauf. Beidseits der Straße endlose öde Bananenplantagen, fahren wie zwischen Gefängnismauern, in die Gefangene mit Fingernägeln Luftlöcher geschabt haben.
Zwischendurch – recht erholsam – Siedlungen mit Baukastenhäusern, weiß gekalkt, ein paar hochstielige Dattelpalmen, fast wie am Sunset-Boulevard. Aber natürlich ganz anders.
Spanien.
Genauer: Canarias. Und zwar La Palma.
Hinten in der Mitte saß Li Si, fest verschnallt, Schweißperlen auf der Nase und sang „Papa da, Mama da – Mama ja, Papa nei“, manchmal auch „Do da du da do da“, Heli und Greg an ihren Seiten lesend, vertieft in spannende Geschichten, während Papa und Onkel vorn staunend, begeistert, wenn auch noch etwas steif in den Gliedern ihre Nasen an die Windschutzscheibe drückten. Hie Blick zum Meer, da riesiges Lavafeld, hinten rechts Wolkenwasserfälle.
Häuser, Berge, Sensationen.
Und die Kurven, eine nach der andern, eine enger als die andere, und der Papa, dem das Kurven Spaß macht, das Kurven mit dem kleinen Flitzer, immer enger immer schneller immer flotter immer besser.
Mir ist schlecht, kam es plötzlich und ziemlich cool von Heli aus der linken Ecke.
Ja? fragte ich, vor mir schon die nächste Kurve. Will wohl schon mal ihre nächste Auszeit vorbereiten, dachte ich. Nicht daß sie nachher beim Picknick auch noch was essen muß. Oder gar wandern, bergauf womöglich.
Nein, dachte ich gar nicht so direkt. Väter denken nicht so konkret. Schon gar nicht beim Auto fahren. Es war eher so ein marginales Gefühl.
Da platschte es auch schon.
Höchstens eine tausendstel Sekunde später war mir klar, was da platschte und daß ich die Situation offenbar völlig falsch eingeschätzt.
Hatte.
Und ehe das Gehirn an die das Auto steuernden Gliedmaßen Befehle hätte absetzen können, kam auch schon der zweite Ruf, aus der rechten Ecke: mir auch. Greg auch.
Nein, noch kein Platsch. Aber lange konnte das ja wohl nicht mehr dauern.

Zweckmäßigerweise gab es gerade zu diesem Zeitpunkt rechts einen Fahrbahnrand. Also da hin gesteuert, Tür aufgerissen, rausgezwängt, Sitz nach vorn, Heli – ach herrje, ihre Hose, ihr T-Shirt, der Gurt, der Sitz, die Rückenlehne des Vordersitzes, die Fußmatte – alldas im Mietwagen – all diese Eindrücke, gedanklichen Sortierungen, Schrecken innerhalb etwa einer Hundertstel Sekunde.
Heli raus aus dem Auto, nur zusehen, daß der Papa nicht mit dem Erbrochenen in Berührung – allein der Geruch drängt mit dieser kratzenden Unentrinnbarkeit direkt in den Magen.

Auf der rechten Seite des Polo fast das gleiche Bild: der hinaus hechtende Onkel, Greg von selbst hinterher und noch ehe er den Boden des Fußwegs erreicht, platscht es auch schon dort: volle Breitseite mitten auf den Fußweg, gerade so vor den Eingang eines Hauses.
In dessen Vorgarten ein älterer Herr seinen Samstag-Morgen damit zubrachte, die Rabatten zu sprengen.
War eine noch peinlichere Situation denkbar?
Wie konnte man das jetzt entschuldigen?
Wie wieder gut machen?

Wie im Schock entzog ich mich der Situation, machte mich hektisch und extrem energisch sofort an die Reinigung des Autos. Das angenagte Tempo aus meiner Hosentasche schien erstmal genau richtig dafür. Der Onkel bei Greg, Heli auf Befragen schon wieder ganz okeh, erste Gefahr gebannt. Schaden begrenzen. Zuerst den nächstliegenden.
Als sei das logisch.

Sehr folgerichtig indessen der ältere Herr, bewegte seinen Gartenschlauch ruhig und freundlich auf uns zu, spritzte mit geringem Aufwand und ohne Aufhebens alle peinigenden Spuren vom Fußweg auf die Straße, wo sie aufgrund ausreichenden Gefälles sehr schnell den Blicken entschwanden. Ich bekam es gar nicht mit.
Freundlich zupackend auch seine Frau, die, wie aus dem Nichts aufgetaucht, plötzlich da steht, großzügig Zewa-Tücher verteilt und in langsamem Spanisch nach dem Befinden fragt. Dankbar nahm ich die Zewa-Rolle. Von meinem Tempo war doch nicht mehr wirklich viel übrig, die inzwischen schon krümeligen Spuren im Auto aber noch lange nicht beseitigt.

Mit den vom Gehsteig gespülten Pfützen des Erbrochenen war die Peinlichkeit schon verflogen. Die Dame des Hauses kam nun mit Apfelsinen, schönen, fast wie Pampelmusen großen Früchten, die mit ihrem Aroma sogleich alle Gedanken an Unangenehmes vertrieben. Die Kinder griffen zu. Fast schien es, als wollten sie direkt reinbeißen. Li Si mußten wir tatsächlich vorsichtig aber bestimmt davon abhalten. Letztlich gelang das nur, weil Senora nun auch noch Äpfel und Birnen auf einem kleinen Tablett servierte.

Nun standen wir schon etwas bedröppelt da herum, nein nicht peinlich berührt, aber irgendwie peinlich berührt.
Der Papa war endlich mit seinem albernen Gewische fertig, sagte zum zehnten Mal Gracias und muchas Gracias, unterstützt durch verbindlichstes Lächeln, fehlte nur noch die Verbeugung, dachte, jetzt müssen wir aber endlich mal weiterfahren und wie kriegen wir jetzt bloß die Kurve!
Doch da waren die beiden hilfsbereiten Menschen auch schon wieder mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt. Der Mann setzte das Sprengen seines Vorgartens fort, die Frau stieg die Treppe hinauf ins Haus zurück.

Wir saßen schnell wieder im Auto und ich fuhr nun die Kurven alle einzeln und sehr sehr langsam.
Alle dreißig Sekunden drehte der Onkel sich um, musterte die Kinder scharf und eindringlich, fragte, ob es ihnen gut gehe, nahm ihnen die Bücher weg, weil die Übelkeit durch das Lesen sicher noch verstärkt –

Ich dachte: wie schön. Da haben wir nun zwar ein Mißgeschick gehabt, aber durch das so überaus freundliche Entgegenkommen der Leute dort ist es beinahe zu einem schönen Erlebnis geworden. Einem Erlebnis jedenfalls, das erzählenswert ist. An das wir uns gern erinnern werden.
Und ich fragte mich, wie ich in vergleichbarer Situation zuhause reagieren würde.
Schnell wurde mir jedoch klar, daß es da gar keine vergleichbare Situation gab, würde geben können –
wir wohnen nicht am Berg, auch nicht direkt an der Straße, es gibt bei uns keine kurvigen Straßen, ich sprenge samstags nie den Vorgarten, und wenn, dann abends. Aber unser Vorgarten ist auch gar nicht direkt an der Straße.
Und so große Apfelsinen gibt es zuhause auch nicht.
Also wären wir wohl vor ähnlichen Situationen ausreichend gefeit.
Zum Glück.

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Im Klosterpark Weende

Seit bald 25 Jahren wohne ich in Göttingen und habe heute erst entdeckt, daß es in Weende, mitten zwischen dem Lärm der Hannoverschen Straße und der grau-geschäftigen Öde des Gewerbegebiets Lutteranger ein beinahe paradiesisches Kleinod gibt:

U-Bahn fahrn in Hamburg

Hatte neulich „Aufenthalt“ in der Hansestadt. Reichte gerade für einen kurzen Abstecher an die Landungsbrücken, wo es mich immer wieder magisch hinzieht.
Natürlich bin ich mit der U-Bahn dorthin gefahren. Auch so etwas, was mich magisch anzieht!

Der frühe Vogel


Früh morgens unterwegs sein hat einen ganz besonderen Zauber. Die Luft zwischen den verschlafenen Häusern riecht intensiver als zu jeder anderen Tageszeit, Eindrücke sind körperlicher und prägen den ganzen Tag. Lange Zeit träumte ich davon, in dieser netten Gegend mal eine Wohnung zu finden. Sehr dicht an der Stadt, trotzdem in 5 Minuten im Grünen – und dann diese schönen alten Wohnhäuser…

Mit dem Rad zum Wendebachstausee


Das ist eine Tour durch unvergleichlich grüne Landschaft!
Als ich das erste Mal diesen Radweg weitab der Straße durch dieses strotzend fruchtbare Tal fuhr, links und rechts hohe, prächtige Bäume, da dachte ich: so muß es im Auenland sein. Wo das genau ist?
Etwa 10 km südlich von Göttingen.

Wegbeschreibung: Über die Untere Dorfstraße in Geismar und „Im Bruche“ aus Göttingen hinausfahren, am Wetterhäuschen vorbei und durch’s Gartetal nach Diemarden. Alles reiner Radweg. Kein Auto zu hören oder sehen.
In Diemarden die erste Straße rechts abbiegen, gleich noch mal rechts, aus dem Ort heraus Richtung Reinhausen. Das geht erstmal ein Stückchen gut bergauf.
Aber auch wieder hinunter, wenn man erst einmal oben ist auf der Kuppe, die einen schönen Ausblick zurück nach Göttingen und vorn Richtung Südwesten bietet.
Unmittelbar vor dem Ortsschild von Reinhausen den Kreisel überqueren, rechts abbiegen aber auf dem Radweg links der Straße weiter fahren.
Dieser entfernt sich nach etwa 300 Meters nach links von der Straße und führt in das eingangs beschriebene Auental.
Dem Weg einfach folgen bis zum Stausee.
Dort kann man baden, Boot fahren, grillen, im Sommer Fritten und Würstchen kaufen und es sich gut gehen lassen.

Viel Spaß!

Photos und Phänomene

Thomas hat am 1. Mai photographiert und damit eine neue Reihe auf seiner HP eingeführt: „Bilder eines Tages“. Ob das auch erste Anläufe in Richtung auf ein Weblog sind…?
Bei der Gelegenheit ist unbedingt auch die La Palma Galerie zu empfehlen, die hoffentlich bald fortgesetzt wird!

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Juhuu!

Endlich klappt auch mal was!
Habe es geschafft, auf meinem Windows-PC nicht nur Apache, MySQL und PHP zu installieren, sondern darauf sogar auch noch sunlog zum Laufen zu bringen.
Habe nun also endlich eine richtige Testumgebung!
Das bringt so viel Motivation, daß nun tatsächlich auch endlich eine gründliche Bearbeitung des Sunlog-Layouts gelingt. Ein paar Kleinigkeiten bleiben mir zwar nach wie vor unbegreiflich – aber wenn ich erstmal fließend php spreche…!

php

Das Gefummel mit sunlog – ohne zu wissen, was ich da eigentlich tue – nervt ja ungeheuer. Habe jetzt schon 4 Leute angemailt mit Hilferufen, aber hat offenbar keiner Lust, sich meines Ärgers anzunehmen.
Da bleibt wohl nur eins: selber PHP und MySQL lernen!
Also hab ich mir erstmal ein Buch gekauft, das in diversen Foren gut besprochen wurde: „PHP und MySQL“ von Kevin Yank.
Wenn ich nun noch ein bißchen Zeit finde, darin zu lesen, kann das selba programmierte Log oder wenigstens die selbst entwickelte dynamische Website ja nicht mehr weit entfernt sein.
War jedenfalls lange nicht mehr so motiviert etwas zu lernen!

Schneeweiß ist jetzt schwarz


Am 25. April 2003 hat ein Großfeuer das Gebäude der Krankenhaus-Wäscherei Steritex schwer beschädigt. 130 Feuerwehrleute löschten über drei Stunden lang, bis sie das Feuer unter Kontrolle hatten.

Derweil zog eine dicke, schwarze Rauchwolke über den Norden Göttingens. Die Polizei forderte über Lautsprecher Anwohner der Stadtteile Leineberg und Grone auf, Fenster und Türen geschlossen zu halten, weil der Rauch giftige Bestandteile enthalten könne.
Wen wundert“s!

Der Schaden belaufe sich auf über 15 Millionen Euro, stand tags darauf im GT zu lesen. Das größte Problem sei, wie die 168 Krankenhäuser nun mit sauberer Wäsche versorgt werden sollten. Die Arbeitsplätze der 250 MitarbeiterInnen sind ebenfalls gefährdet.

Mai-Bogen

Mit einem überwältigenden Naturereignis begrüßte gestern das Wetter in Göttingen den Mai. Die Zuschauer konnten gar nicht anders als einfach stehenbleiben und staunen.


Der kurze Schauer zog von Rosdorf über das Flüthewehr in Richtung Hainberg und zeigte sich dort auch als Wolkengebilde in selten gesehener Pracht.

Zuvor noch nie gesehen habe ich die Spiegelung eines Regenbogens in Wasser!

Noch mehr Bilder gibt es hier.

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