Lünemann-Baustelle am Frühlingsbeginn

Nun steht mitten auf der großen Baustelle ein stattlicher Kran. Marke Liebherr. Drei oder vier große Bagger baggern von früh bis spät. Pausenlos fahren schwere Lastwagen auf das Gelände, werden mit Baggergut beladen und fahren durch die Kurze Geismarstraße wieder von hinnen. Das Pflaster dort sieht, zumal bei feuchter Witterung, zeitweise abenteuerlich aus. Anfangs wurde es noch regelmäßig von Baustellenpersonal gereinigt. Es gab sogar eine eigene Maschine dafür. In den letzten Tagen scheint dieser Service jedoch zum Erliegen gekommen zu sein.
Dafür wurde jetzt am Zaun zur Straße hin mit festen dunkelblauen Plastikplanen die Sicht verhängt.
Leider.

Baggern für Kaufland

Nachdem das Lünemann-Gelände nun monatelang still vor sich hin öden durfte, sind nun die Bagger zurückgekehrt, um es gründlich durchzupflügen. Vorbereitung für den Bau des Kauflandes, auf das alle schon so richtig warten.
Erstaunlich, wie es dort riecht, jetzt. Alt irgendwie. Und so seltsam moderig. Als würde dort der Muff von Jahrhunderten ans Tageslicht befördert. Dabei sind die Archäologen schon längst fertig.
Vielleicht ist es aber auch archäologisch uninteressanter Muff, der zum Vorschein kommt, ganz normal Göttingen halt, interessiert eh niemanden.

Auf der anderen, der nördlichen Seite der Innenstadt befindet sich das Gelände des ehemaligen Stadtbads, für das seit Jahren nach einer Lösung gesucht wird. Die Firma ece hat Interesse an diesem Göttinger Filetstück angemeldet, um dort ein riesiges Shopping-Center zu errichten. Um die Auswirkungen einer solchen Einrichtung auf das Überleben der Altstadt zu sondieren, wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben und sein Ergebnis nun veröffentlicht: das Umland würde angelockt, stellt man fest. Vor allem zum Klamottenkauf. Göttingen würde sein Oberzentrumsdasein ausbauen können. Lediglich um den Preis von ca 50 bis 70 Einzelhandelsgeschäften, die dann in der historisch gewachsenen Altstadt pleite und zu machen würden.
Von den Auswirkungen auf den Verkehr, der dann ja aus dem Umland in die Stadt und wieder hinaus geleitet werden müßte, gar nicht zu reden.
Muß man überhaupt ein Wort mehr darüber verlieren?

Mal so aus den persönlichen Erinnerungen hervorgekramt: 1978 lernte ich die französische Stadt Rouen kennen und war spontan begeistert von den vielen schönen Fachwerkhäusern und dem bunten und lebendigen Treiben in der dortigen Fußgängerzone. Ich fotografierte fleißig und wurde dann von einem Mann angesprochen, der mich fragte, warum und was ich da eigentlich fotografierte. Ich sprach von meiner Begeisterung. Er sagte nur, die Innenstädte würden doch inzwischen überall gleich aussehen. Überall dieselben Geschäfte, dieselben Leuchtreklamen, dasselbe Ambiente.
Ich wußte damals nicht, was er meinte.
Und heute? 27 Jahre später?

Lünemann – danach

Nach dem vollständigen Abriß des ehemaligen Lünemann-Geländes an der Kurzen Geismar Straße bietet sich den Weihnachtseinkäufern nun ein beruhigend leerer Anblick. Der Schutt ist weitgehend abgeräumt, die Brache ödet still vor sich hin.

Lünemann – der Abriß (4)





Auf dem Gelände des ehemaligen Sanitär- und Installationsbedarfseinzelhandelsgeschäfts Lünemann, in dem man von der Kaffeemaschine über den Sonnenschirm bis zum einzelnen Nagel fast alles bekam, fachkundig beraten wurde, wenn auch mitunter aufgrund der verschlungenen Architektur mitunter leicht die Orientierung verlor – auf diesem Gelände also soll nun ein Kaufland entstehen. Mit Tiefgarage und allem Pipapo, was man heutzutage so braucht. In der Innenstadt. Während draußen vor der Stadt gerade Kaufpark II gebaut wird.
Und nachdem während die Riesenkreuzung unmittelbar vor dieser Baustelle gerade umfänglichst umgebaut worden ist wird.
Denn trotz riesiger Tiefgarage mit hunderten von Parkplätzen und obwohl so ein Riesensupermarkt möglicherweise allmorgendlich von zig großen LKWs beliefert werden wird, ist eine Mehrbelastung des lokalen Verkehrsaufkommens laut Stadtverwaltung nicht zu erwarten.
Da lehnt man sich doch beruhigt zurück und läßt die Dinge auf sich zukommen.

Übrigens ist man da zwar sehr munter am Abreißen. Aber ein Generalunternehmer für den Wiederaufbau ist noch nicht gefunden. Die Ausschreibung läuft.

Lünemann – der Abriß (2)



Rückschau vom 25.10.2004: der Turm wird zerlegt.
Die Ähnlichkeit mit der Entstehung von ground zero, auch während des Aktes der Zerstörung, läßt einem immer mal wieder den Atem stocken. Auch ohne Flugzeuge und ohne Personenschäden.

Lünemann – der Abriß


In der Rückschau: Ereignisse am 08. Oktober 2004




Was ein Bagger in wenigen Minuten abbrechen kann und wieviel Staub sich dabei entwickelt, obwohl alles permanent gründlich naß gespritzt wird.
Aber: hier wird nur mit Löffel und Zange gearbeitet, um die Anwohner, umliegenden Geschäfte und den Straßenverkehr so wenig wie möglich zu belästigen.

Demnächst mehr!