An der Schneeweiß-Mauer


An dieser Mauer entlang führt ein Weg, der mich seit vielen Jahren fasziniert. Früher war es nur ein schmaler Trampelpfad, von vielen Schlaglöchern und Pfützen so sehr unterbrochen, daß man mit dem Fahrrad nur heftig klappernd und immer mal wieder zum Absteigen gezwungen dort entlang fahren konnte.
Der Weg führt von der Leinebrücke, die die Verlängerung vom Schiefer Weg zum Leinetal bildet, an der Leine entlang bis zur Brücke des Rosdorfer Weges über die Leine. Hat man die Schneeweiß-Mauer hinter sich gelassen, tut sich der Blick auf eine Koppel auf, dahinter die Wohnhäuser der Eisenbahnstraße. Auf dieser Koppel weiden immer schon Pferde. Eine eigentlich unglaubliche Idylle, so mitten in der Stadt. Mit dem Abriß der Wäschereigebäude rückt allerdings auch das Ende der Koppel in greifbare Nähe. Denn auf dem gesamten Gelände sollen Wohnhäuser gebaut werden. Einzig erhalten bleiben soll der Turm.
Ich werde das alles sehr vermissen. Ein weiterer Teil des idyllischen, in gewisser Weise verträumten Göttingens, dessentwegen ich vor zich Jahren hier hängen geblieben bin, verschwindet.
Mit jedem idyllischen Plätzchen, das wir vernichten, verschwindet Raum für Ruhe und Träume und – Lebensfreude.

Wäscherei Schneeweiß 1997


Es gab 1997 noch einen Schornstein. Daß der gesprengt (?) wurde, ist mir dereinst leider völlig entgangen.
Und auch ein paar hundert Meter weiter südlich gab es einen Schornstein, direkt am Rosdorfer Weg. Auch davon fehlt heute jegliche Spur. Damals wurde die zweite (Not-)brücke neben der eigentlichen Leinebrücke des Rosdorfer Weges gerade in Betrieb genommen, zunächst für den Autoverkehr.

So verschwindet die Göttinger Industriekultur.