Radtour in den Kindergarten

Eine Bilderserie zur Erinnerung an ungezählte fröhliche, stressige, sonnige, verschneite, regnerische, stürmische oder neblige Touren am frühen Morgen von Geismar zum Leineberg.

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Zur Nacht der Kultur


spielt die Bläserklasse des 5. Jahrgangs der Georg-Lichtenberg-Gesamtschule im Hof der Sankt Michaels Kirche auf.

Die Kindergarten-Radtour

Noch zwei Wochen. Dann ist die Zeit der gelegentlichen Radtouren morgens vorbei. Dann wird sie in einen anderen, viel näheren Kindergarten wechseln. Im Moment habe ich das Gefühl, daß mir der Abschied schwerer fallen wird als ihr. Es war immer etwas besonderes, in den ersten Jahren mit ihr hinter mir im Kindersitz, seit nun schon weit mehr als einem Jahr auf dem Nachläufer.
Wie das war, als sie noch dodadodadoda machte! Als sie die ersten Lieder sang. Als sie das Traumhaus kennenlernte und später das abgebrannte Haus, das im Lauf der Zeit zum kaputten Haus wurde. Oder wenn wir die Häschenstrecke fuhren, deren letzter Teil parallel zur Eisenbahn verlief, die wir dann riefen. Und die kam, fast immer, auf Zuruf. Wie wir die quakenden Frösche entdeckten oder den Reiher, der am Rand des Leineufers stand und auf Fische wartete. Wie stolz und glücklich sie stets war, wenn sie Vögel oder andere Tiere vor mir entdeckte.
Immer diese eigenartige Mischung aus Momenten besonderen Glücks und der Hektik, sie im Kindergarten abliefern und anschließend zur Arbeit fahren zu müssen. Manches Mal im Regen, bei Sturm, auf vereisten Wegen, im Schnee, bei säuischer Kälte oder – wie in diesen Tagen – in schweißtreibender Hitze. Und tropsdem. Das Gute ist stärker und fast immer war diese Tour ein wunderbarer Start in den Tag.
In unserer Erinnerung wird es einen wichtigen Platz haben. So wie die Erinnerung an die Zeit mit den beiden Großen: die gleiche Tour, nur mit zwei Kindern im Anhänger. Wie gute Laune die immer hatten. Wie sie zusammen sangen oder sich Witze erzählten.

Leben ist Bewegung.
Nichts bleibt, wie es war.

Schnee in der Stadt

Es schneit in dichten Flocken. Ein wunderschöner Anblick. Ein faszinierendes Gefühl, mit dem Fahrrad hindurchzufahren. Das Kind hinten im Anhänger ruft ständig: Nicht so schnell, Papa! Und: Papa, nicht so dicht am Rand! Als ich an der Ampel beim plötzlichen bremsen etwas ins Schlingern komme, weil der Anhänger überholen will und weil meine Vorderradbremse etwas zu abgenudelt ist um noch schön gleichmäßig zu bremsen, wieder besorgte Rufe von hinten: Papa, beinahe wären wir ausgerutscht!
Sie ist schon so groß. Und sie paßt so gut auf.
An der Auffahrt zum Leineberg, wo es ein paar Meter steil bergan geht, hilft sie fleißig mit: Hau ruck, hau ruck, hau ruck… :-)
Wenn nur der Autoverkehr nicht wäre! Dieser Klutsch auf den Straßen, der Dieselgestank und der durch die Nässe verstärkte Lärm. Wie idyllisch könnte das Stadtleben sein, wenn es nur Straßenbahnen und Fahrräder gäbe!

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Kindergarten für lau

Als Signal erscheint mir das nicht nur einfach richtig, sondern höchst überfällig. Wir zahlen für 1 Kind 303 Euro pro Monat für die Betreuung von maximal 7:30 bis 15:00. Als wir noch 2 Kinder im Kindergarten hatten, kostete es nur den anderthalbfachen Betrag. Was war das für eine Erleichterung, als die Großen endlich in die Schule kamen.
Natürlich glaube ich nicht wirklich daran, daß dieser Familienschmusekurs der neuen Regierung wirklich ernst gemeint ist. Und selbst wenn er es wäre, wird ihn niemand bezahlen können und die entscheidenden Geldsäcke nicht wollen.
Aber was mich eigentlich ärgert: wenn das Gesetz werden sollte, wird auch das Jüngste längst zur Schule gehen.

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Beim Ballett


Zur Whynachzfeier der Ballettschule hat sich die Lehrerin dieses Jahr eine besondere Finesse ausgedacht: die Eltern Mütter dürfen nicht einfach der Vorführung ihrer Töchter zugucken, diese auf Video filmen und ständig blitzend knipsen, sondern müssen selber ran. Mitmachen.
So kommt es, daß ich mich erstmals in meinem Leben an einer Ballettstange wiederfinde und etwa 10 zehnjährigen Mädchen und fünf oder sechs Müttern und mir im großen Spiegel dabei zugucke, wie wir zum straffen Kommando der Lehrerin von der ersten Position über Pliée und Relevée bis zur fünften Position alles durchgehen, uns strecken, uns beugen, auf Zehenspitzen stellen und dazu anmutig lächeln.
Man möge mir nachsehen, daß ich davon keine Bilder zeigen kann. Sie sehen hier nur die Zeugnisse von Kaffee und Keksen danach. Mais quand même…


Sangmartin


Ist schon wieder ein paar Tage her, daß die Kinder zu Sankt Martin singend durch die Straßen zogen. Die einen baten dabei um Süßigkeiten, die anderen um Spenden für Nicaragua.
Und dann war Laternenfest im Kindergarten, womöglich zum letzten Mal. Sofern LiSi nächstes Jahr in die Schule kommt. Mit seltsamen Gefühlen singt man die Lieder mit, die man nicht eigentlich gern singt, aber –

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Schule für Menschen

Vom ersten Tag an haßte ich meine Schule, das humanistische Gymnasium in der Stadt. Als meine Klasse den Weg von der Aula, wo die Begrüßungsfeier stattgefunden hatte, in den Gebäudetrakt der Unterrichtsräume antrat, verlor ich den Anschluß und irrte nach kurzer Zeit (heulend? ich weiß es nicht mehr) in den labyrinthischen Gängen umher.
Auch in den neun Jahren, die folgten, ließ diese Lehranstalt nur wenige Gelegenheiten, mich einzuschüchtern, aus. Durch ihren elitären Habitus (Griechisch lernen ist Luxus), durch den großteils überalterten autoritären Lehrkörper, durch die pure zu bewältigende Stoffmenge, durch die von vielen gepflegte niemals durchbrochene ironische Distanz und natürlich durch die fleißig geübte Willkür, die schon frühzeitig klarmachte, daß Gerechtigkeit keineswegs jedem zuteil wird.
Man mußte schon kämpfen, Wege finden, das auszuhalten und für sich etwas davon mitzunehmen.
Ab der Oberstufe bestrafte ich alle mit konsequentem aber perfekt portioniertem Entzug. Ich fehlte etwa 40% des Unterrichts in der 13. Klasse, bekam aber trotzdem mein Abi. Und nahm als einziger, mal abgesehen von einem Menschen namens Großkord, mit dem mich sonst nichts aber auch gar nichts verband, mein Abi-Zeugnis in Jeans entgegen.

Ich haßte das Elitäre und haßte die Eliten und diese großbürgerlichen Söhnchen, die nichts sehnlicher erstrebten als in die Fußstapfen ihrer Pfäter zu steigen und deren Status und Lebensstandard wenigstens selbst zu erreichen, besser aber: noch zu übertrumpfen.
Dazu war jeder Ellbogen, jedes Arschgekrieche und jeder gut gezielte Tritt nach unten gerade recht.

So wie dieses Verhalten bei unserem (einzigen) kritischen Deutschlehrer oft thematisiert wurde, so von allen andern fleißig eingeübt und dumpf gefördert. Im Unterricht selbst wurde gesiebt statt gefördert, soziales Lernen hieß: die Schwächsten vor die Klasse treten zu lassen und dort fertig zu machen.

Das waren schon reife Leistungen.
Ich brauchte viele Jahre, um mich davon einigermaßen zu erholen und um wenigstens ansatzweise zu begreifen, was dort wirklich geschehen war.

Diese Herkunft ist einer der Gründe, warum ich sicher nicht auf die Idee kommen würde, meine Kinder auf ein altsprachliches Gymnasium zu schicken.
Es gibt aber auch einige sehr positive Gründe, sie überhaupt nicht auf ein Gymnasium sondern auf die IGS zu schicken, wo die beiden großen sich seit August gut aufgehoben fühlen, wo selbst in Zeiten neuen Lehrermangels und überall deutlich gekürzter Mittel Bildung und Leistung nicht als Ausgrenzungsmittel und Machtmedium vermittelt werden, sondern wo Integration stattfindet.
Das Abi wird dort erst nach 13 Schuljahren gemacht, an Gymnasien seit neuestem in 12.
Die Förderung der SchülerInnen findet im Unterricht statt, Lernschwächere werden nicht einfach ausgesiebt.
Schule und Privatleben wachsen dort in einer Weise zusammen, die man den Gesichtern der LehrerInnen ansieht: die fühlen sich wohl da und leben gern in ihrer Schule. Und als Eltern möchte man gern richtig viel davon mitkriegen, teilnehmen, ja am liebsten selbst wieder mit lernen –
Eine Oase, für die ich ungeheuer dankbar bin.

Es war ein Glück


“Womit haben wir uns eigentlich diesen September verdient?”, fragte Herr T. “Mit dem beschissenen Juli!”, antwortete Frau J. Womit sie einerseits ganz richtig lag. Andererseits denke ich hier, wie auch sonst gern, daß man sich sowas nicht verdient. Wenn denn überhaupt, dann gibt’s Glück geschenkt.
Diese Tage mit Frühnebel und diesem blauen blauen Himmel, der sich wie das Mittelmeer so weit und warm über das Leben und das Gemüt ergoß, die Radtouren mit Kind3 morgens übern Deich zum Kindergarten. Endlich konnten wir das Tabu brechen, das bei unserm Sturz im Frühjahr entstanden war. Keine Angst mehr vor dem Hubbelweg. Stattdessen Freude über den Graureiher, der mit majestätischen Flügelschwüngen hoch über uns hinweg fliegt.
Ein Geschenk. Es fällt schwer es jetzt loszulassen.

Herbstmorgen, arg früh

Gritzegrau ist’s heute. Wird nicht hell, regnet aber. Dazu sowas wie der erste Herbststurm.
Kind3 ist heute Morgen um 5 oder so endlich mal wieder an mein Bett gekommen. Sie hatte so dolle Bauchschmerzen. Dann lag sie ein Weilchen unter meiner Decke. Das war so schön, daß ich sie eigentlich gar nicht wieder wegschicken wollte. Nur die plöte Vernumpft ehmt. Daß ich noch Schlaf brauchte. Obwohl ich mich gar nicht soo müde gefühlt hab. Also hab ich ihr gesagt, sie solle mal aufs Klo gehen und sich dann noch bißchen zum Schlafen in ihr eigenes Bett legen.
Damit war sie einverstanden, kündigte aber ihr Wiederkommen an, wenn es draußen heller sei… – was sie denn, pünktlich wie ein Helligkeitsmesser, auch tat. Kurz bevor der Wecker klingelte.
Sie störte mich nicht einmal wirklich. Und gestern Abend habe ich mir insgeheim eigentlich genau das gewünscht. Als ich noch mal an ihrem Bett saß, ihre Hand ergriff und ihr beim Schlafen zuguckte.
Beim jüngsten Kind ist es so, daß man gar nicht richtig möchte, daß es größer wird.

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