Im ICE nach B

Ich fahre nach Berlin. Im ICE sitzen um mich rum zwei ältere Lehrerinnen, die Arbeiten ihrer Schüler korrigieren. Themen: Islam und Buddhismus. Die eine, mir gegenüber, durchforstet die Zettel nach erwarteten Stichwörtern und vergibt erst Häkchen, die sie dann zählt und Punktzahlen an den Rand schreibt. Ein paar Schülerinnen (nur Mädchennamen!) haben brav alle erwarteten Worte gebraht, bekommen eine 1 oder eine 2. Die mit 1 bekommen eine Anrede mit Namen drunter und ein “prima”, die mit einer 2 nur ein “gut”. Für mein Gefühl deutlich mehr Schüler (vor allem Jungs) bekommen Vieren und Fünfen.
Am gegenüberliegenden Tisch sitzen 3 Männer mit Notebooks davon 2 mit MacBook und einer mit einem Gericom. Er wirkt die ganze Zeit sehr verschämt. Die beiden andern grinsen sich an und fraternisieren fachmännisch.
Nachdem wir eine Weile durch pechschwarze Regenwolken gefahren sind (waagerechte Tropfen an der Scheibe) reißt die Wolkendecke auf und wir rasen durch wild gewordene Schauerwolken, die ein imposantes Schauspiel abgeben.
Ich versuche, all das in mein Handy als Notiz einzutickern, zugleich ein paar Beweisfotos zu machen. Dabei keimt mal wieder der Wunsch auf, ein besseres Allroundgerät zu haben, mit dem man richtig schreiben kann, am besten gleich per EMail bloggen und mit dem man etwas ernster zu nehmende Photos machen kann. (Gibt es sowas?) Für etwas bessere Wolkenbilder hole ich später die G6 raus, stelle mich an die Zugtür draußen zwischen den Waggons und drücke an die zwanzig Mal ab. Aus reiner Lust an der Freude.
Tage später, wieder zuhause, werde ich die Wolkenbilder alle wieder löschen, weil sie mir trotz technischer Qualität so nichtssagend erscheinen. Während die Handybeweisphotos vom Leben im ICE mir erstaunlich gut gefallen, obwohl sie technisch indiskutabel sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.