Schlechte Nachrichten

Ziemlich finster alles zur Zeit: der niedersächsische Landtag hat das Turbo-Abi an Gesamtschulen sowie die Abschaffung der vollen Halbtagsschule durchgewunken. Der “Rat” der Stadt Göttingen hat sein OK zur Verschwendung eines größeren Betrags an Steuergeldern für die Planung der Südspange gegeben.
Einziger Lichtblick in der Woche: die große, bunte und angemessen laute Demo von Studenten und Schülern am Mittwoch (17.6.) im Rahmen des Bildungsstreiks. Allein in Göttingen waren an die 10.000 Menschen auf den Straßen, um ihren friedlichen, aber durchaus energischen Protest vorzutragen.

SPD beschließt Südspange

Mit 33 gegen 28 Stimmen setzen sich auch in der SPD die Landschaftsplanierer durch. Sie beschließen den Bau der Südspange und die Schließung des Sandwegs (die eigenen Köpfe in den Sand mit inbegriffen!).

Der weitere Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs würde nicht funktionieren, behauptet Genosse Köhler, einfach mal so aus dem Bauch heraus. Denn woher will er das wissen, hat es in Göttingen schließlich noch niemand probiert. Viele namhafte andere Städte machen seit Jahrzehnten gute Erfahrungen mit dem ÖPNV.
Aber in Göttingen weiß man, daß nur gut ist, was immer schon so war. Denn deshalb muß es ja gut sein. Und darum soll es auch so bleiben.

Daß die Genossen nun endgültig gemeinsam umkippen und einmal mehr Verrat an ihren Wählern üben, das kann allerdings nur einmal mehr blankes Entsetzen auslösen. Selbst wenn, wie OB Meyer meint (oder hofft?), in den nächsten Jahren kein Geld für den Bau der sinnlosen Umgehungsstraße da sein wird, will er doch unbedingt das Planfeststellungsverfahren durchprügeln. Damit in ein paar Jahren, wenn mal wieder Kohle in der Kasse sein sollte, aber ohne Verzögerung sofort die letzten Landschaftsreste zubetoniert werden können.
Was für eine Denke mag dahinter stecken? Reicht sie weiter als von der Tapete bis zum Kleister?

Aktionstag gegen die Südspange

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Die Bürgerinitiative Göttinger Süden hat enorm was auf die Beine gestellt. Naturgemäß kommen zu so einer Aktion natürlich hauptsächlich die Leute, die sowieso der Meinung der Initiative sind. Trotzdem hinterläßt es ein gutes Gefühl, daß vielen Menschen am Erhalt des letzten Stücks zusammenhängender Landschaft hier liegt. Und ist sicher ein deutlich positives Signal nach innen und außen.

Laufen im Frühnebel

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Traumhaft schön ist es, hier morgens zu joggen. Oder mit dem Rad entlang zu fahren. Oder spazieren zu gehen. In diesen Tagen gibt es sogar noch ein Froschkonzert gratis als Beigabe.
(Und genau hier wollen diese Knallchargen (CDU-FDP-SPD) ihre idiotische Südspange hinbauen. Sie werden nicht eher Ruhe geben, bis das letzte Stück Südniedersächsischer Toskana zubetoniert ist.)

Göttingens Süden: vom Auto-Verkehr bedroht

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Eine bald 30 Jahre alte hirnrissige Idee wird in regelmäßigen Abständen wieder aus dem Giftschrank gekramt und soll jeweils als jetzt aber ganz dringend und sofort notwendig verkauft werden: das Gespenst der Südumgehung, einer Umgehungsstraße, die immer wieder mit denselben Argumenten legitimiert werden soll: dem besonders hohen Verkehrsaufkommen auf den südlichen Einfallstraßen Göttingens und deren Querverbindungen.
Ich werde mich hüten, die Gegenargumente erneut wiederzukäuen. Alle Beteiligten und vor allem alle, die meinen etwas zu entscheiden zu haben, wissen, daß es für dieses Straßenprojekt keine rationale Begründung gibt.

Es wäre nur einfach – damals wie heute und wie in Zukunft – schlimm, daß ein großes Stück jetzt noch zusammenhängende – selbstredend kultivierte – Natur zerschnitten und großflächig zerstört würde. Schlimm wäre, daß für diesen Zerstörungsakt eine Menge Geld unwiderbringlich und sinnlos verpulvert würde, das dringend an anderen Stellen benötigt wird. Schlimm wäre auch das Signal für die Bewohner, daß wir noch immer an das Wachstum, auch des motorisierten Individualverkehrs glauben. Die heilige Dreifaltigkeit Motor – Wachstum – und die vollständige Planierung unserer Umwelt – diese drei, aber der Benzinmotor ist der größte unter ihnen. Sein Wille geschehe.

Morgen am Deich

Wie schön wäre es, stattdessen Projekte zur kommunalen und regionalen Verkehrsvermeidung ins Leben zu rufen. Statt den Neukauf von Autos mit Abwrackprämien zu belohnen, könnte man auch den öffentlichen Nahverkehr stärker subventionieren und seinen Ausbau und eine spürbare Verbesserung seiner Attraktivität voran treiben.
Die innerstädtischen Fahrradverbindungen, die schon seit Jahren angekündigt sind, wie zum Beispiel die Strecke Sternstraße – Elbinger Straße, könnten ohne großen Aufwand einfach mal realisiert werden.
Und was spricht gegen eine Innenstadt-Maut bei gleichzeitig deutlicher Senkung der Kosten für Bus-Fahrkarten? Andere Städte machen seit Jahren gute Erfahrungen damit.

Ich möchte, daß das Fleckchen Erde, das man auf dem Photo oben sieht, so idyllisch bleibt, wie es jetzt ist: ein Ort der Ruhe und Erholung für Mensch und Tier.

Golfplatz-Träume

Aus der Serie: unveröffentlichte Leserbriefe an das GT:

Zuerst ungläubiges Staunen beim Blick auf das Datum der Zeitung. Ein verfrühter Aprilscherz? Dann der Ärger und fassungsloses Kopfschütteln. Aus welchem Grund weckt die südliche Feldmark immer wieder massive Zerstörungsgelüste der Stadtplaner?

Die ehemalige Bauschutt-Deponie hat für alle einen hohen Erholungswert und dient dem Landschaftsschutz. Der Ackerboden wird als wertvoll eingestuft, in der Nähe befindet sich ein Wasserschutzgebiet.

Golfplätze benötigen für ihren Unterhalt eine enorme Menge Wasser und Unkraut-Vernichtungsmittel.

Man kann und darf diese Flächen nicht einer Gesellschaft überlassen, die nichts anderes im Sinn hat als eine Umwidmung zum Zwecke einer Freizeitindustrie, von der die Mehrzahl der Bevölkerung keinen Nutzen haben wird.

Wer braucht noch einen Golfplatz in Zeiten der Wirtschaftskrise?!

Wer möchte, kann die Schönheiten einer Golfplatzanlage auf dem Gelände des IfL direkt hinterm Klinikum in Augenschein nehmen. Dort war früher eine vielfältig und gern genutzte große Rasenfläche, die dann für den Golfplatz vereinnahmt wurde und seitdem nicht mehr betreten werden kann.

Die Planung einer solch massiven Landschaftsveränderung richtet sich offenkundig gegen sämtliche Interessen der Bürger. Cui bono? Anscheinend soll hier von der Stadt das finanziell unattraktive weil unverkäufliche Gelände des alten Stadtbades der GoeSF übernommen werden, während die Stadt ihrerseits wertvolle und gut genutzte Flächen abgibt. Ein weiterer Fall der Sozialisierung von Verlusten und der Privatisierung von Gewinnen?

Verkehrspolitik in der Krise oder – Südumgehungspange again

gö* schrieb schon oft darüber.
Das hat nicht viel geholfen. Natürlich nicht. Wer liest das hier schon und wer ist schon darüber hinaus in der Lage den Verlockungen der Krise zu widerstehen! Ausgerechnet der Krise, der großen und grauenhaften, die die öffentlichen Kassen nun seltsamerweise mit Milliarden aufschwemmen soll, damit neue Gebäude für Erziehung und Bildung und neue Verkehrswege gebaut werden können.
Schließlich ist das Benzin ja wieder billich zu haben, die Bahn hingegen gerade teurer geworden – also laßt uns Auto fahren auf Teufel komm raus. Solange es noch geht und – wenn’s geht – auch gern noch länger!
Und dann laßt uns ein paar neue Kindergärten und Schulen bauen. Ist doch wumpe, ob es dafür überhaupt noch genügend Kinder und Schüler geben wird. Erst recht schert es niemanden, daß das Bildungssystem viel zu tief und ernst krankt, als daß es mit ein paar goodwill-Aktionen grundlegend erneuert werden könnte.

Nein.

Wir glauben: viel hilft viel.
Wir wollen: den Kopf aber in den Sand stecken.
Wir machen: jetzt Nägel mit Köpfen.

Und ab.
(Sehr allmählich verhallendes Hohngelächter aus dem Off)

Stadt-Orthopädie

Jahrelang meinten die Göttinger Beton-Fraktionen, sie bräuchten nichts dringlicher als eine Südumgehung. Nach den letzten vergeblichen Versuchen, gegen die Widerstände erheblicher Teile der Bevölkerung, vor allem aber natürlich gegen die schwarzen Löcher in den Kassen anzukommen, schien das Projekt einige Zeit endgültig gestorben.
Nun haben die Stadt- und Verkehrsverplaner nach wiederum jahrelangem Statistikstudium doch noch bemerkt, daß die Zahlen der nach Göttingen einfahrenden Autos rückläufig sind. Dennoch erscheint ihnen eine verkehrs-orthopädische Maßnahme im Göttinger Süden unumgänglich: nun soll es eine Spange werden, die die Reinhäuser Landstraße mit der Rosdorfer Südumfahrung verbinden soll. Ziel dieses Straßenbaus sei eine bessere Erreichbarkeit einer erst noch zu schaffenden neuen Abfahrt von der A7 – und eine Entlastung von Göttingens wichtigstem Naherholungsgebiet Kiessee, weil nämlich die gedachte Südspange die Autofahrer vom Sandweg (der den Kiessee direkt tangiert) fernhalten soll. Dafür steht zu befürchten, daß die neu zu bauende Straße das Naherholungsgebiet nun einfach von der anderen, der südlichen Seite her tangieren und damit erheblich stören wird.
Allein für die Planung dieses Ansinnens sind 150.000 Euro vorgesehen.
Noch im gerade vergangenen Sommer hatte Stadtbaurat Dienberg auf einer Veranstaltung zum Thema “Wie wollen wir wohnen?” zu denken gegeben, daß man sich angesichts steigender Energiepreise, sich verknappender Rohstoffe und zunehmender Vergreisung der Bevölkerung über ganz neue Wohn- und Verkehrsstrukturen – respektive: kleinräumigere! – Gedanken machen müsse.
Zu denken gibt auch eine Meldung des Göttinger Tageblatts von vor ein paar Tagen, daß es in Göttingen viel zu viele Wohnplätze für alte Leute gebe und darum in der Folge die Kosten dafür stiegen und sich zugleich die Wohnbedingungen aufgrund Geldmangels verschlechterten. Vor dem Hintergrund der gerade mit einem beachtlichen Flächenverbrauch fertiggestellten riesigen Alten-Wohnanlage der Firma Carpe Diem am Brauweg, für die zuvor das traditionsreiche Göttinger Brauhaus abgerissen werden mußte, – auch vor diesem Hintergrund fragt sich der geneigte Göttinger, wer hier eigentlich den Plan hat. Und was da wohl drauf steht.