Geniestreich an einem Filet

Arkaden

Gut eine Woche vom Ratsbeschluss bis zur Beparkbarkeit. Wenn doch wichtige Beschlüsse auch so schnell umgesetzt würden! Ein paar Jahre stand hier das geschlossene, abgewickelte Alte Stadtbad. Bis der Stadtrat auf die glorreiche Idee verfiel es abreißen zu lassen, weil niemand das Gründstück mit Stadtbad kaufen wollte

Arkaden

Dann lag das Grundstück weit über ein Jahr brach. Und nix geschah. So gar nix.
Peinlich.
Sehr peinlich.
Und nun, kurz vor dem Whynachts-Run auf die Geschäfte, ging alles ganz schnell. Sogar das direkt angrenzende reine Wohngebiet stellt gar kein Problem dar. Eine 10m lange und 2m hohe Lärmschutzwand erstickt jeden Zweifel im Keim. Hier erreicht ein Stück Stadt (nicht Land!) das höchste Ziel seiner Existenz: es wird Parkplatz.

Geismartor Bau-Ende

Heute um 14:30 Uhr erfolgt die feierliche Wiedereröffnung und Inverkehrgabe der Kreuzung am Geismartor durch OB Danielowski.
Nach 6 Monaten Bauzeit bekommen die Autofahrer einen hübschen neuen Schmelzpunkt der Verkehrsleidenschaft.
Man darf gespannt sein, welch wunderbare neue Hürden für Fußgänger und Radfahrer mit im Paket versteckt sind.

Übrigens: mir so ganz persönlich hat die Baustelle gut gefallen. Habe den Arbeite(r)n immer wieder gern zugeguckt und oft gestaunt wie ein Kind, wie das alles funktioniert: vom Straße aufsägen über das Ausbaggern bis zum Neu-Asphaltieren mit der Vögele-Maschine, die mir stets ein Grinsen ins Gesicht trieb.

Ich war ein Parkplatz

Arkaden
und werde jetzt ein schickes Büro- und Geschäftshaus.
Göttingen, Berliner Straße Ecke Godehardstraße

Ich war ein Filet

Parkplatz
und möchte endlich ein Parkplatz werden.
Göttingen, Gelände des ehemaligen Stadtbades

Kaufzwang

Feste müssen nicht unbedingt erbaulich sein.
Der Göttinger Stadtrat hat heldenhaft beschlossen, auf das Gelände des Alten Stadtbades (hier schon gelegentlich erwähnt) tatsächlich noch rechtzeitig zum Feste Parkplätze zu bauen.

Noch besser aber: Kaufpark 2 bekommt endlich grünes Licht.

Kaufpark2
Direkt neben Kaufpark 1

Kaufpark1

wurde eine neue (derzeit brachliegende) Fläche ausgewiesen, die ein Großinvestor nun bebauen darf. Beziehen soll die zu erstellenden Ladenflächen der Einzelhandel.
Die Göttinger Innenstadthändler seien davon nicht tangiert. Heißt es. Dürfen sie auch nicht, denn sie bekommen ja ihre bereits seit Jahren gefordeten neuen Parkplätze.

Insgesamt ein wirklich endschlau durchdachtes Konzept
a) zur Ankurbelung von Konjunktur
b) zur Vermeidung von Verkehr

Kaufpark1

Kinder und Baustellen

BKinder

beherrschen derzeit das Bild in Geismar. Seit Wochen ist die Straße aufgerissen, einer nach dem anderen kommen die Stichwege zwischen den Reihenhäusern dran. Erneuerung der Kanalisation.

Göttinger Filet kotelettiert

walljogger

Das kostbare Göttinger Innenstadtgrundstück, auf dem früher das alte Stadtbad stand (es war so schön!), das seit nunmehr weit über einem Jahr unbebaut brach liegt und seinerzeit zum Filetstück ernannt wurde, nach dem sich alle Investoren die Finger lecken sollten.
Es wird nun beratschlagt seitens der Ratsfraktionen, wie man es vom Filet zum Kotelett umwidmen könne, um dann statt irgendwelcher doch nicht einmal am Horizont sichtbaren Investoren wenigstens Autofahrer (endlich mal wieder ein paar mehr!!!) anzulocken.
Zum Kotelett? Wie das? Nun, ganz einfach, indem man den bislang lockeren Grund befestigt und Parkplätze draus macht.

walljogger

Welch genialer Streich. Wenn dann noch, wie beabsichtigt, das ehemalige Hauptgebäude der Stadtsparkasse abgerissen wird, um Platz für Büros und Einzelhandel zu schaffen (gibt’s ja nie genug von!), dann sind wir doch einen großen Schritt weiter auf dem Weg nach Schilda.
Zum Schluß wird die ganze Innenstadt ein einziger großer Parkplatz sein. Da freuen wir uns.

Sonntag am Kiessee

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Seit Monaten bauen sie da. Der Damm an der Flüthe, einem Ausweichbächlein für die Leine, das bei Hochwasser immer dazu benutzt wird, den Sandweg zu überschwemmen, wird verstärkt. Stahlplatten werden reingehauen und dann oben abgeschweißt. Und der Fußweg um den Kiessee rum bei dieser Gelegenheit für Monate unpassierbar gemacht, um mal klar zu machen, daß was passiert.
Da geschieht nämlich was. Einerseits. Andererseits beschweren sich die Göttinger seit Jahren, daß der Sandweg bei Hochwasser immer überschwemmt wird, weil sie dann mit ihren Autos da nicht lang fahren können.
Fast schon ein running gag. Wenn es nicht so ein Trauerspiel wäre.
Aber: Es muß etwas geschehen!

Was man so als Normalgeistigbemittelter aber einfach nicht versteht: warum wird der Damm an dieser Flüthe zu der Richtung hin verstärkt, wo dann dahinter nur der Kiessee kommt, der ohnehin eher naß ist. Wär nich soo schlimm, wenn da noch n bißchen mehr Wasser reinflösse.
Und wozu bauen sie nun auch noch dieses ganz seltsame da, was ich da versucht habe im Photo darzustellen und das ich nicht mal genau zu bezeichnen wüßte, ja wo ich sprachlich einfach nur regredieren kann.
Wwwwwaaahhhh ?!

An anderer Stelle schrieb mal jemand (Obacht: jetzt wird’s bissig): “Göttingen baut und plant. In dieser Reihenfolge.”

Ich sach ma *Am Kopf kratz*: Das hätte nicht geschehen dürfen! (sehr frei nach Heinrich B.)

Entschuldigung bitte an alle Nichtgöttinger: dies hier ist auch für Göttinger nicht oder fast nicht zu verstehen. Aber die können sich dann wenigstens an den Kopf fassen und irgendein unwirsches Geräusch dazu ausstoßen.
Die Andern bitte nur wundern und, äh, am besten woanders weiterlesen.

Bürgerforum zur Südumgehung

Thema Südumgehung: von einem Stadtplaner bemüht ruhig moderiert, von einem Gutachter bemüht sachlich präsentiert, inhaltlich belanglos und ohne eine einzige Neuigkeit. Die organisierten Ja-Sager machen nur Stimmung, indem sie ihre persönliche Wut und Betroffenheit vor sich her tragen. Ein Naturschützer langweilt durch sturen dogmatischen Vortrag und scheut sich nicht, mit Feldhamstern zu argumentieren. Anwohner künftig eventuell belasteter Straßen bemühen sich, die auf sie zukommenden Belastungen in schrillsten Farben auszumalen.
Keiner hört auf den anderen. Verhärtete Fronten, jeder unterstellt dem anderen nur eigennützige Motive und Rücksichtslosigkeit. Die Anwohner der Geismarer Hauptstraße, der Kiesseestraße, der Reinhäuser Landstraße oder des Akazienwegs sind begreiflicherweise verzweifelt. Zu viele Jahre schon wird ihnen von der Stadt Besserung versprochen.
Was passiert? Nichts: sinnfreie Verkehrszählungen bestätigen, was auch vorher jeder wußte: die Südumgehung könnte eventuell einige Verkehre umleiten, könnte aber auch nicht. Die eine Straße wird etwas ruhiger, die andere nicht, die dritte lauter. Eigentliches Fazit des Planers aber: es wird sich eigentlich nichts ändern. Am subjektiven Lärm-Empfinden schon mal gar nicht!
Bau der Südumgehung hieße faktisch: Hauptstraße wird etwas ruhiger, Kampstraße etwas lauter, Kiesseestraße je nach dem, Reinhäuser bliebe unverändert, am Kiessee werden Lärm und Gestank gleichmäßiger verteilt.
Aber zu wissen: wir haben endlich die Südumgehung!
Na großartig! Endlich wieder eine neue Straße!

Tragisch, daß für innovative Verkehrskonzepte kein Geld da ist.
Dramatisch, daß niemand überhaut nur die Möglichkeit in Betracht ziehen will, sich anders als im eigenen PKW fortzubewegen.
Zu Fuß gehen? – Wo kommen wir denn da hin!
Rad fahren? – viel zu gefährlich!
Bus fahren? – dauert zu lange, ist unbequem und zu teuer!
Niemand will sehen, daß Radfahren nur deshalb gefährlich ist, weil der Autoverkehr überall Vorrang genießt und Autofahrer ungestraft Jagd auf Radler machen dürfen. Niemand gibt zu, daß der Bus nur deshalb so langsam ist, weil er im Stau steckt, den die Autofahrer verursacht haben.

Zu viele Leute setzen sich zum Brötchenholen beim nicht einmal 1 km entfernten Bäcker in den 5er BMW oder den VW-Sharan oder den Geländewagen mit Kuhfänger. Benzinverbauch auf dem ersten gefahrenen Kilometer: 20 bis 30 Liter. Zeitgewinn: meistens nicht meßbar. Aber bequem und standesgemäß.

Der Geismarer Kontaktbereichsbeamte steht allmorgendlich an der Fußgängerampel Kiesseestraße Ecke Schulweg, um die Schulkinder sicher über die Straße zu geleiten. Wer gefährdet sie dort unter anderem? Mütter, die ihre Kinder mit dem Auto in die Schule bringen.
Wissenschaftliche Untersuchungen besagen, daß es für Kinder in jeder Hinsicht besser ist, ihren Schulweg zu Fuß zurückzulegen. Die meisten Kinder, die bei Verkehrsunfällen ums Leben kommen, sterben im Auto ihrer Eltern.

Vor diesem düsteren Hintergrund vermag mich nur noch eins aufzuheitern: es gibt noch eine Handvoll Idealisten, die mit viel Zeit und Kreativität ein konkretes Alternativ-Konzept erarbeitet haben. Ich wünsche ihm viele Leser und noch viel mehr Nachahmer!

Weitere Infos zum Thema: