2 gute Nachrichten

1. Die Provinz-Posse um die unsinnige Südumgehung scheint endlich wieder einmal ausgestanden zu sein, für die nächsten drei Jahre jedenfalls.
Der Grund: kein Geld. Ebenso lapidar wie eigentlich auch vorher abzusehen. War das ganze Theater um Bürgerbeteiligung, Trassenplanung etc eigentlich nur ein politisches Kabarett der CDU, um Wählerstimmen zu binden? Wissen die SPD-Ratsleute eigentlich morgens schon, wie sie mittags entscheiden werden?
Man kann sich nur an den Kopf fassen.
Aber nun einmal guter Laune, denn jedes weitere Jahr ohne diese blödsinnige Straße ist ein gewonnenes Jahr.
Und vielleicht, ganz ganz vielleicht, setzt ja in den Betonköpfen doch irgendwann mal so etwas wie ein Umdenkprozeß ein. Vielleicht merken die ja doch einmal, daß jenseits des Betons das Leben blüht, nicht auf ihm.

2. Das Güterverkehrszentrum soll gebaut werden.
Auf dem Gelände des ehemaligen Göttinger Güterbahnhofs soll eine Umladestation für Güter von LKWs auf die Eisenbahn entstehen. Fördermittel vom Land sind zugesagt.
Tatsächlich einmal ein konkreter Schritt in Richtung auf ein ökologisch verträglicheres und auch wirtschaftlich sinnvolleres Verkehrskonzept, die Rückverbindung von Schiene und Straße.
Ganz doll die Daumen gedrückt, daß es funktioniert!!!

Süd-Umgehung

Seit rund einer Generation ist eine sog. kommunale Entlastungsstraße südlich von Göttingen im Schwange. Wird immer mal wieder geplant, verworfen, vergessen, neu geplant.
Vor etwa 2 Jahren wurde das alte leidige Thema mal wieder aus der Mottenkiste hervorgekramt und wirbelt seitdem so viel Staub auf, daß man als potentiell betroffener Anwohner schon so manchen Hustenanfall hinter sich hat.
Bürgerinitiativen haben sich gebildet. Auf der einen Seite Straßenbau-Befürworter, die nichts besseres zu tun hatten als den gesamten Süden der Stadt mit gelben Schildern vollzupappen, auf denen ein “Ja zur Südumgehung” angekreuzt ist. Als gebe es da eine Wahlmöglichkeit. Auf der anderen Seite Straßenbau-Gegner, die versuchen, mit sachlichen Argumenten Überzeugungsarbeit zu leisten, die umfangreiche Alternativen (nicht zum vorgesehenen Trassenverlauf, sondern zur Straße überhaupt) entwickelt haben – und die natürlich einfach recht haben.
Weil diese bescheuerte Südumgehung keins der Probleme lösen wird, dessentwegen sie gebaut werden soll.
Recht haben aber auch die Ja-Sager, weil die Verkehrssituation in den südlichen Einfallstraßen Göttingens nur als nacktes Grauen bezeichnet werden kann. Und das schon seit Jahrzehnten. Der Haken an der Sache der Ja-Sager ist nur, daß durch eine neue Straße keine wirkliche Entlastung stattfindet, sondern lediglich eine partielle Umverteilung. Der Leidensdruck indes ist offenbar so groß, daß jedes Mittel recht erscheint: Hauptsache, es passiert überhaupt mal was! Denn die Göttinger Politiker haben in der Vergangenheit vor allem eins prima verstanden: die Leute hinzuhalten, sie mit vagen Versprechungen zu vertrösten – um dann letztlich nichts zu tun.
Es ist jedoch niemandem gedient, in dieser arg bescheidenen Lage irgendwelchen blinden und letztlich sinnlosen Aktionismus zu entfalten. Die Gemüter sind erhitzt, die Politiker verwechseln Argumente mit Wunschdenken und glauben immer noch an das Wachstum.
Wachstum? In der Innenstadt macht ein Geschäft nach dem andern Pleite. Ein Filetgrundstück liegt seit Jahren brach, weil es niemand haben will. Draußen an der Autobahn, auf der grünen Wiese wird für ein neues Gewerbegebiet, den Kaufpark 2, die dort ohnehin nur noch sehr spärliche Landschaft planiert. Mitten in der Stadt wird ein ganzes Viertel für einen neuen Supermarkt plattgemacht (wer soll da eigentlich einkaufen?!).
Wie lange wird es wohl dauern, bis das auch alles Investitionsruinen sein werden?
Bis dahin werden wir aber allein schon durch all die Baumaßnahmen reichlich Verkehr erzeugt haben, der dann wieder den Bau neuer Straßen rechtfertigt, die wieder neuen Verkehr anziehen – und so weiter und so fort.
Ein Teufelskreis, der dazu führen wird, daß Göttingen irgendwann jegliche Attraktivität verlieren wird, weil es eigentlich nur noch ein einziger großer Parkplatz sein wird. Zugeparkt mit schrottigen Autos, deren Besitzer wegen Arbeitslosigkeit kein Geld für’s Benzin haben werden und sowieso nirgends hinfahren wollen, weil es überall gleich aussieht.
Die Luft wird schlechter denn je sein, weil es keine Bäume mehr gibt, die sie reinigen und für Sauerstoffzufuhr sorgen könnten. Da sei schon mal der Fachbereich Stadtgrün vor.

Alles Themen, die in diesem Blog schon weidlich durchgekaut worden sind. Immer wieder neu, immer wieder schlecht. Und trotzdem muß es einfach mal wieder gesagt werden: so ist das doch einfach alles Mist!

Nötig, ja dringend angesagt wäre mal ein Konzept für die ganze Stadt, das den Handel in der Innenstadt tatsächlich fördert, statt ihm durch Kaufparks am Stadtrand tödliche Konkurrenz zu bereiten. Nötig wäre ein Verkehrskonzept, das für eine nachhaltige Verkehrsberuhigung, vorzugsweise durch Vermeidung sinnloser Wege, sorgt. Nötig wäre ein öffentliches Nahverkehrssystem, das schon durch seine Attraktivität geeignet ist, Verkehrsteilnehmer aus dem Auto in den Bus oder die Bahn zu locken.
Und besonders nötig wäre es mal, etwas für die nachwachsende Generation zu tun: Kindergärten und Schulen zu fördern, stressfreie Beförderung von Kindern in Bussen zu ermöglichen, Radwege so auszubauen, daß man sie auch gemeinsam mit Kindern befahren kann – um nur mal ein paar wenige der allernötigsten Dinge zu nennen. Aber da ist kein Geld für da. Alle Kassen leer. Schreckliche Ebbe.

Welch ein besonderer Zynismus, in solcher Situation die Zerstörung des letzten größeren zusammenhängenden Stücks freier Landschaft am Göttinger Stadtrand zu betreiben – ohne Sinn und Verstand!

Lünemann – der Abriß (4)





Auf dem Gelände des ehemaligen Sanitär- und Installationsbedarfseinzelhandelsgeschäfts Lünemann, in dem man von der Kaffeemaschine über den Sonnenschirm bis zum einzelnen Nagel fast alles bekam, fachkundig beraten wurde, wenn auch mitunter aufgrund der verschlungenen Architektur mitunter leicht die Orientierung verlor – auf diesem Gelände also soll nun ein Kaufland entstehen. Mit Tiefgarage und allem Pipapo, was man heutzutage so braucht. In der Innenstadt. Während draußen vor der Stadt gerade Kaufpark II gebaut wird.
Und nachdem während die Riesenkreuzung unmittelbar vor dieser Baustelle gerade umfänglichst umgebaut worden ist wird.
Denn trotz riesiger Tiefgarage mit hunderten von Parkplätzen und obwohl so ein Riesensupermarkt möglicherweise allmorgendlich von zig großen LKWs beliefert werden wird, ist eine Mehrbelastung des lokalen Verkehrsaufkommens laut Stadtverwaltung nicht zu erwarten.
Da lehnt man sich doch beruhigt zurück und läßt die Dinge auf sich zukommen.

Übrigens ist man da zwar sehr munter am Abreißen. Aber ein Generalunternehmer für den Wiederaufbau ist noch nicht gefunden. Die Ausschreibung läuft.

Lünemann – der Abriß (2)



Rückschau vom 25.10.2004: der Turm wird zerlegt.
Die Ähnlichkeit mit der Entstehung von ground zero, auch während des Aktes der Zerstörung, läßt einem immer mal wieder den Atem stocken. Auch ohne Flugzeuge und ohne Personenschäden.

Lünemann – der Abriß


In der Rückschau: Ereignisse am 08. Oktober 2004




Was ein Bagger in wenigen Minuten abbrechen kann und wieviel Staub sich dabei entwickelt, obwohl alles permanent gründlich naß gespritzt wird.
Aber: hier wird nur mit Löffel und Zange gearbeitet, um die Anwohner, umliegenden Geschäfte und den Straßenverkehr so wenig wie möglich zu belästigen.

Demnächst mehr!

Die letzte Gallierin

Unvermutet kommt der Lünemann-Abriß ins Stocken. Die Bewohnerin des letzten nicht verkauften Hauses hat per einstweiliger Verfügung eine Unterbrechung der Arbeiten bewirkt.
Nicht nur wegen ohrenbetäubendem Lärm mit schwersten Erschütterungen ihrer Hauswand ohne jede Sicherheitsvorkehrungen, sondern auch, weil die Südwand ihres Hauses schwer beschädigt und an zwei Stellen durchbrochen wurde.
Das muß man sich mal vorstellen. Um einen herum wird ein ganzes Karree an Häusern abgerissen und das eigene, das man bis dahin vermutlich schon nur unter Aufbieten letzter Energien hat verteidigen können, wird nebenbei aus Versehen so beschädigt, daß man da eigentlich nur von fachgerechter Entwohnung sprechen kann.
Immerhin: jetzt ist Ruhe eingekehrt. Die letzte Göttinger Gallierin leistet tapfer Widerstand.

Motorsägen vorm Rathaus

Endlich darf die Stadt mal wieder Bäume fällen. Nach so langer (erzwungener) Enthaltsamkeit. Und weil’s so schön ist, gleich erstmal direkt vorm Rathaus: 5 Platanen platt machen.
Denn die Baustelle Geismartor ist ja nun schon bald ein Jahr fertig, höchste Zeit also etwas neues anzufangen, die Einmündung der Geismarlandstraße ins Geismartor nämlich endlich verkehrsgerecht ausbauen. Vor Monaten schon begann man mittels gelber Striche auf der Fahrbahn, eine neue Vorfahrtregelung zu testen und befand die Tests dann auch rasch für erfolgreich.
Wenn die Platanen erst mal weg sind, wird man auch endlich wieder richtig den Anblick des Rathauses genießen können, dieses Paradebeispiels für 70er-Jahre-Architektur und Beton-Denken.