Johanniskirchturm Renovierungspläne

Stadtbaurat Thomas Dienberg hat allen Ernstes vorgeschlagen, den abgebrannten Nordturm nicht wie gehabt historisch wieder zu errichten, sondern anstelle der Holz-Ballustrade eine Rundum-Verglasung anzubringen, um auf diese Weise zu zeigen, daß “hier etwas passiert ist”, außerdem um auf dem Turm mehr Ausstellungsfläche zu schaffen.
Die Folge: nicht allein das Antlitz des Turms wäre ernsthaft entstellt, sondern mit ihm die ganze Skyline der Stadt. Mal davon abgesehen, daß man oben nicht mehr im Freuen stünde, sondern hinter Glas, eingemacht quasi.
Tolle Wurst. Da klappt einem doch nur noch der Unterkiefer runter.

[Edit 11.03.05] Inzwischen haben sich nicht nur der Pastor der Gemeinde sondern auch der Kirchenvorstand unisono ablehnend zu den Dienbergschen Plänen geäußert.

Shopping-Center vom Tisch

Zwischendurch mal wieder eine gute Nachricht: nachdem schon OB Danielowski sich mit großer Geste gegen den Bau eines Shopping-Centers auf dem Areal des ehemaligen Stadtbades ausgesprochen hat, pflichten ihm nun auch die Ratsfraktionen vollmundig bei.
Aber was nun? Ideen zu einer sinnvolleren Nutzung denn nur als Parkplatz gibt es reichlich, nur an einem Investor, der zur Umsetzung bereit wäre, scheint es nach wie vor zu mangeln.

Vielleicht platzt die Eiswiese ja in absehbarer Zeit so aus den Nähten, daß es interessant wird, einfach wieder ein Stadtbad aufs Stadtbad-Areal zu bauen :-)
Man wird ja noch träumen dürfen…

Wall gesperrt

Seit dem 15.2. wird auf dem Wall zwischen Kurze Geismarstr und Nicolajstraße gebaggert. Zuerst wurde mit Baken der Weg abgesperrt, dann mit den schweren Fahrzeugen um die Baken herum über die Wiese gefahren.
Interessieren würde mich auch, wer hier wohl die Anlieger sind.

Baggern für Kaufland

Nachdem das Lünemann-Gelände nun monatelang still vor sich hin öden durfte, sind nun die Bagger zurückgekehrt, um es gründlich durchzupflügen. Vorbereitung für den Bau des Kauflandes, auf das alle schon so richtig warten.
Erstaunlich, wie es dort riecht, jetzt. Alt irgendwie. Und so seltsam moderig. Als würde dort der Muff von Jahrhunderten ans Tageslicht befördert. Dabei sind die Archäologen schon längst fertig.
Vielleicht ist es aber auch archäologisch uninteressanter Muff, der zum Vorschein kommt, ganz normal Göttingen halt, interessiert eh niemanden.

Auf der anderen, der nördlichen Seite der Innenstadt befindet sich das Gelände des ehemaligen Stadtbads, für das seit Jahren nach einer Lösung gesucht wird. Die Firma ece hat Interesse an diesem Göttinger Filetstück angemeldet, um dort ein riesiges Shopping-Center zu errichten. Um die Auswirkungen einer solchen Einrichtung auf das Überleben der Altstadt zu sondieren, wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben und sein Ergebnis nun veröffentlicht: das Umland würde angelockt, stellt man fest. Vor allem zum Klamottenkauf. Göttingen würde sein Oberzentrumsdasein ausbauen können. Lediglich um den Preis von ca 50 bis 70 Einzelhandelsgeschäften, die dann in der historisch gewachsenen Altstadt pleite und zu machen würden.
Von den Auswirkungen auf den Verkehr, der dann ja aus dem Umland in die Stadt und wieder hinaus geleitet werden müßte, gar nicht zu reden.
Muß man überhaupt ein Wort mehr darüber verlieren?

Mal so aus den persönlichen Erinnerungen hervorgekramt: 1978 lernte ich die französische Stadt Rouen kennen und war spontan begeistert von den vielen schönen Fachwerkhäusern und dem bunten und lebendigen Treiben in der dortigen Fußgängerzone. Ich fotografierte fleißig und wurde dann von einem Mann angesprochen, der mich fragte, warum und was ich da eigentlich fotografierte. Ich sprach von meiner Begeisterung. Er sagte nur, die Innenstädte würden doch inzwischen überall gleich aussehen. Überall dieselben Geschäfte, dieselben Leuchtreklamen, dasselbe Ambiente.
Ich wußte damals nicht, was er meinte.
Und heute? 27 Jahre später?

Ode an die Ostzone

Es ist ja noch gar nicht so lange her, da fuhr man über die Grenze in die Neuen Länder,um dort vor allem jede Menge begonnene Bauvorhaben zu sehen, die in unterschiedlichsten Stadien eingefroren schienen. Häuser, die noch nicht verputzt, Straßen, die noch nicht asphaltiert waren – ganz neue Zweige der Tourismusindustrie wurden geschaffen, um all der Schaulustigen und derer, die es werden wollten, Herr zu werden.
Rechtzeitig zum Weihnachtsfeste 2004 hat die Stadt Göttingen ihren Bürgern ein nostalghisches Geschenk gemacht, das an die guten alten Ostzonenzeiten erinnern soll:

der Einmündungsbereich der Geismarlandstraße ins Geismartor wurde großzügig umgebaut, so daß die Autos nun bevorrechtigt gegenüber der Keplerstraße durchrollen können. Mit großem Tamtam und Geigenrabatz inclusive feierlicher Banddurchschneidung, für den sich selbst seine Excellenz, der Herr Oberbürgermeister, nicht zu fein war, wurde das neu gestaltete Stück Straße als fertig dem öffentlichen Verkehre übergeben.
Und der Clou an der Sache?
Na, das Besondere war (und ist!), daß weder Radweg noch Fußweg fertiggestellt wurden.
Noch heute, bald zwei Monate nach dem offiziellen Scherenschnitt, zieren hübsche rot-weiß gestreifte Baken und leider von den üblichen unverbesserlichen Rowdies lieblos behandeltes Baustellenband den Rand der neuen Straße und lenken den Blick auf das fein säuberlich unfertig gestaltete Pflaster des Radweges.
Jeden Tag aufs Neue freue ich mich über dieses Geschenk und verneige mein Haupt in Richtung des direkt neben dem Schauplatz emporragenden Rathauses, um den Stadtoberen auf diese Weise meinen ganz besonderen Dank zu entbieten.

Rosdorf Süd-Ost-Umgehung 2

Ein weiteres Stück Landschaftsverschönerung, hier südöstlich von Rosdorf zwischen Bahndamm und Baggersee. Wie man sieht, wird der neue Verkehrsweg gut angenommen. Schon lange vor seiner Eröffnung. Wie schön wird es erst werden, wenn hier Autos, Busse und vor allem Lastwagen mit wenigstens 70 km/h lang brettern dürfen.
Sicher für alle ein beachtlicher Gewinn.

Hier der Baustellenabschnitt am Rosdorfer Sportplatz. In einem recht frühen Stadium: außer dem Bagger auf dem von ihm gebaggerten Haufen ist hier noch nicht allzu viel zu sehen. Man fragt sich, wo die Trasse wohl entlang geführt werden soll. Mitten durch den Sportplatz ja sicher nicht. Aber vielleicht baut man eine Hochstraße quer drüber? Das hätte doch Charme!

Schließlich die Kurve kurz vorm Kiessee Richtung Göttinger Straße. Sehr elegante Linienführung, wie man schon ahnen kann. Auch gut, daß dieses ganze Gestrüpp, in dem bloß Nachtigallen und andere Singvögel nervten, endlich mal gesäubert und entfernt wird.
Der Kiessee bekommt eine zeitgemäße Verkehrsanbindung (schon fast rundum per PKW anfahrbar), eventuell könnte man den Fußgänger-Rundweg in einer späteren Ausbaustufe auch noch asphaltieren und für den Erholungsverkehr freigeben, selbstverständlich aber nur für Tempo 30.

So schön und vielfältig wie vielversprechend kann Zukunft sein.

Lünemann – danach

Nach dem vollständigen Abriß des ehemaligen Lünemann-Geländes an der Kurzen Geismar Straße bietet sich den Weihnachtseinkäufern nun ein beruhigend leerer Anblick. Der Schutt ist weitgehend abgeräumt, die Brache ödet still vor sich hin.

Nächste Abrißbirne im Anmarsch

Wie das Göttinger Tageblatt heute im allgemeinen Wirtschaftsteil auf Seite 7 berichtet, wird das Gebäude von Möbel Lützkendorf mit samt Hinterhof im kommenden Jahr abgerissen und an seiner Stelle ein Neubau errichtet. Millionen Euronen werden fließen, um ein weiteres Stück Göttinger Altstadt für immer zu vernichten.