Corpora delicti

Diese Graffiti zieren seit einiger Zeit (seit Monaten?!) eine ansonsten unscheinbare, um nicht zu sagen häßliche Betonwand an der Rückseite eines Parkplatzes mitten in Göttingen.
Hätte nicht das GT darüber berichtet, sie wären mir nie aufgefallen, weil man sie von der Straße aus nicht sieht. Da aber der Staatsschutz (!) hier ermittelt, erschienen nun schon mehrere Artikel im Lokalblatt zu diesem Vergehen im öffentlichen Raum.

Die Graffiti beziehen politisch Stellung zu Flüchtlingslagern, zu Sexismus und zu systematischer Gewalt.
Die Frage, ob das Kunst sei oder wegkönne, ist inzwischen so abgedroschen, dass sie schon peinlich rüberkommt, insbesondere angesichts solcher herausragenden Arbeiten, die alles andere als banal sind, deren Statements man aber eben auch nicht mit einem Achselzucken abtun kann. Womöglich nötigen sie der Betrachter*in den einen oder anderen Gedanken ab.
Aus meiner Sicht handelt es sich ganz klar um eine Aufforderung: Denk mal!

[Edit am 18.02.21]
Das Göttinger Tageblatt titelt (Verlinkung nur als Beleg – ohne Abo ist der Artikel leider nicht abrufbar), dass der OB seine Anzeige wegen Sachbeschädigung nicht zurückziehen wolle. Denn der Satz “Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Farbanschlag” sei möglicherweise ein Aufruf zur Gewalt.

Es sind solche Reaktionen und Verhaltensmuster, die in mir stets neu die Frage hochkommen lassen, ob Göttingen wirklich meine Stadt ist.

Am Ende einer Winterwoche

Eine gute Woche allerschönsten Winterwetters ist vorbei. Selten, möglicherweise nie zuvor habe ich Schnee und beißende Kälte so ausgiebig genossen wie in diesen Tagen. Dabei bin ich weder Schlitten noch Ski gefahren, sondern einfach nur mit offenen Augen durch‘s Dorf und über‘s Feld spaziert, jeden Tag gut 10 km.

Lauftagebuch

Liebes Tageblog, heute bin ich zum ersten Mal in diesem Jahr wieder gelaufen. Endlich! Trotz der langen Pause ging es ziemlich gut gar nicht mal so schlecht. 5 km mit nur 1 Gehpause und das in 32:30. Da war ich zufrieden mit.
Getraut habe ich mich ausgerechnet heute, weil es weder regnete, noch schneite, noch glatt war – und auch nicht stürmte.
Alles Ausreden, die ich früher nie hätte gelten lassen. Aber seit mein Knie begonnen hat Zicken zu machen bzw. mir das Laufen irgendwie übelzunehmen, indem es einfach mal wehtut, nehme ich auch gern Ausreden, die eigentlich, naja – Sie wissen schon.

Vor allem aber hatte ich heute Termin beim Orthopäden. Und ehe ich da nun hingekommen wäre mit “eigentlich habe ich ja Knie, nur heute gerade nicht – tja, Vorführeffekt, mh blöd, aber wie gesagt: sonst tut es immer weh…” – deswegen dachte ich, laufe ich mal lieber, dann wird es schon.

Es wurde auch. Der Orthopäde war zufrieden, attestierte meiner Beinmuskulatur “hohes Niveau” (ich wuchs unmittelbar mindestens 3 Zentimeter!) und empfahl mir eine Eigenblutbehandlung. Die aber eigentlich jetzt nicht nötig sei, weil ja eigentlich nichts schlimmes ist: Altersentsprechende Abnutzungserscheinung, eher weniger, als meinem Alter entsprechen würde. Dazu verständnisvolle Blicke, die keinesfalls meinten, ich solle mich mal nicht so anstellen.

Also wird es jetzt wieder deutlich schwieriger werden, Ausreden zu finden.

Corona-Tagebuch

Vielleicht klingt das völlig verrückt, doch statt mich so viel mit coronösen Dingen auseinanderzusetzen, wie uns die Nachrichten offenbar gern nötigen würden, verdränge ich lieber soviel davon wie möglich. Verdrängen heißt nicht Leugnen. Nur: mich nicht kirre machen lassen. Auch als Radfahrer begebe ich mich täglich in Lebensgefahr. Überhaupt im Straßenverkehr. Auch im Leben selbst.
Aber – ich will gar nicht tiefer in diese bodenlose Thematik.

Nur soviel: unsere Situation perpetuiert sich. Der scheinbar ewige Lockdown lässt das Gefühl für Zeit verloren gehen. Ich weiß das Datum nicht mehr. Nur noch manchmal den Wochentag. Mein Sohn, der seit Wochen bei uns wohnt, weil er an seinem Studienorte vereinsamt, ist nur noch melancholisch drauf. Meine Tochter, die vom großen Reisen nach dem Abitur (2020) geträumt hat, noch mehr. Wir Eltern werden immer stiller. Wir alle kommunizieren immer weniger, weil es auch immer weniger zu sagen gibt. Oder weil es irgendwie immer mehr schmerzt.
Die Verdrängung führt zu Verspannungen: Schultern, Kreuz, Knie. Chronisch. Der Besuch bei der Physiotherapeutin ist schon zu lange das Highlight der Woche.
Trockene Augen vom fast ununterbrochenen Starren auf Displays. Abends immer wieder Versuche, uns zu dritt oder viert auf einen Film oder eine Serie zu einigen, die wir alle irgendwie mögen könnten. Um etwas gemeinsam zu erleben. Während des TV-Konsums in kurzen Abständen auf dem kleinen persönlichen Display checken, ob es bei Instagram neue Likes gibt oder auf dem Messenger etwas, worauf man antworten kann / muss / darf.

Und dabei gehts uns ja gut. Ich darf echt nicht klagen.
Nur ein bisschen konstatieren und dabei lamentieren (ist das dann konsternieren?) muss gerade mal sein.

Was mir indes noch echt wichtig ist: wir haben alle dieses Problem. Worldwide. Ganz sicher in sehr unterschiedlicher Ausprägung und mit extrem unterschiedlichen Begleitumständen. Gerade deswegen sind mehr denn je Mitmenschlichkeit und Solidarität mit allen, denen es schlechter geht, eine ziemlich gute Idee.

last shopping for Xmas (and the year)

Schon der Lockdown light, den wir seit November erlebten, machte die Tage gleichförmiger. Die Zeit fühlte sich anders an: nicht langweiliger, aber schwieriger. So vieles ging bereits nicht. Außerdem nagte – neben allem Genervtsein durch Corona und die Maßnahmen zum Schutz dagegen – eine wachsende Unsicherheit an der Laune.
Die Tagesschau bringt seit Monaten jeden Tag aufs Neue bei 10 Meldungen 7 zu Corona und 3 zur Bundesliga. Meine persönlichen Prioritäten sind ganz klar komplett anders.

Gern wüsste ich viel regelmäßiger, ausführlicher und ehrlicher,
– was unsere Politiker unter dem Deckmantel der Pandemie verabreden und in die Wege leiten
– wie Europa sich intern und an seinen Außengrenzen weiterzuentwickeln gedenkt
– wie die US-Amerikaner mit dem Verhalten ihres Noch-Präsidenten umgehen – bzw. wie sie das ertragen (ich schlafe schon seit Wochen schlecht deswegen)
– was unsere Kultusminister und Schulbehörden eigentlich tun, um den Schulbetrieb für Lernend*innen und Lehrend*innen erträglich und sinnvoll zu ermöglichen
– und ich merke schon, das wäre jetzt ein eigener Artikel. Mindestens!

Nun steht uns erneut eine noch härtere Zeit bevor. Kein Shoppen mehr, noch weniger Kontaktmöglichkeiten. Vermutlich noch eindimensionalere Nachrichten als bisher.
Wie schön, dass die Lockdown-Ankündigung noch zwei Tage Vorbereitung ließ und also der letzte Shopping-Tag vor Weihnachten – und dieses Jahres! – noch mal ausgiebig begangen werden konnte.

Zwar durfte auch der Weihnachtsmarkt dieses Jahr nur in einer Art Lite-Version stattfinden, aber für anheimelnde Lichtstimmung war allemal gut gesorgt. Die Atmosphäre war gestern, am allerletzten Abend, erstaunlich entspannt. Ich hatte den Eindruck, alle Menschen genossen es ganz besonders.

Ich auch.

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Bemerkenswerte Ecken in Geismar

Eine kleine Samstagsrunde an die frische Luft fördert nicht nur schön bunte Herbstecken zum Vorschein, sondern legt auch Einblicke frei, gegen die man unwillkürlich nur anphotographieren möchte.

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Lost place in Göttingen

Sozusagen mitten in der Stadt, direkt neben einem Einkaufszentrum, befinden sich auf einem weitläufigen Grundstück mehrere große Gebäude, die seit Jahrzehnten leer stehen. Vielleicht auf Grund der langen Dauer dieses Zustands fällt dies offenbar niemandem mehr auf. In der lokalen Presse war es lange nicht Thema, auch sonst spricht “man” in der Stadt nicht darüber. Aber drauf angesprochen weiß eigentlich jeder Göttinger, was gemeint ist.

Natürlich ist das Gelände gut eingezäunt und an Schildern, die auf Video-Überwachung hinweisen, mangelt es auch nicht.

„Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ (Grundgesetz)
In diesem Zusammenhang stellen sich immer dieselben Fragen: inwiefern dienen solche Liegenschaften dem Allgemeinwohl angesichts nach wie vor akuten Wohnungsmangels? Warum verpflichtet Immobilieneigentum nicht auch zum Erhalt desselben und zu sinnvoller Nutzung?

In der Feldmark

Ich bin nicht Fontane. Insofern kann ich keine Wanderungen durch die Mark Brandenburg beschreiben. Dennoch wirkt allein dieser Titel seit jeher anziehend auf mich. Eines Tages möchte ich diesen Landstrich wenigstens einmal zu Gesicht kriegen.
Auch das Gedicht Meeresstrand von Theodor Storm kommt mir immer mal in den Sinn: Ans Haff nun fliegt die Möwe, und Dämmrung bricht herein.

Aus Göttingens Süden kann ich heute von einem Spaziergang zusammenreimen:

In die Feldmark nun feget der Hund
Wilde Wolken jagen hinterher
Duster rufen die Raben und Regen
Nieselt statt wogendem Meer

Klick aufs Bild vergrößert es und startet eine Diaschau.

das Apple-Event

Ich geb’s ja nur ungern zu. Aber ich habe da geradezu drauf gewartet, seit Monaten. Denn mein aktuelles iPhone schwächelt immer öfter. Nach 4 intensiven Nutzungsjahren verzeihlich, finde ich. Ausstattung und vor allem Kamera sind auch leicht outdated. Vor allem möchte ich ein Teleobjektiv und den Nightmode haben. Das Tele juckt mich schon, seit das iPhone X rausgekommen ist.

Am 12er reizt mich das nochmal “längere” Tele, die 128 GB schon in der kleinen Ausführung – und das wieder eckigere Design, das ich an meinem ersten iPhone 4 liebte und bis heute irgendwie vermisse. Auch das Pacific Blue sieht ziemlich nice aus.

Dass da nun kein Netzteil und keine Ohrstöpsel mitgeliefert werden und sie das als Dienst an der Umwelt verkaufen, ist vielleicht ein guter Marketing-Gag – aber eigentlich eine Frechheit. Ein Gerät für mehr als 1100 € – und man braucht noch Zusatzgerät, um es überhaupt benutzen zu können! Sowas kann nur Apple bringen.
Andererseits habe ich (und alle andern wahrscheinlich auch) reichlich Ladegeräte und brauche eigentlich nicht noch eins – und die Ohrstöpsel habe ich noch nie wirklich benutzt. Insofern ist mir das eigentlich egal. Es ist halt dieses Mega-Geprotze, das selbst die Verschlechterung noch als Superlativ verkaufen muss. Das finde ich eklig.

Und das Event? Mannmannmann. Eigentlich kann man nicht mehr dazu sagen. Die Marketingabteilung hat es zu sehr übertrieben, als dass man noch von guter Arbeit schreiben könnte. Ok, ich habe mich gefreut, dass ich das Amerikanisch problemlos verstehen konnte. Das geht mir sonst nicht so. Tim Cook fand ich lasch, da hatte ich mehr Charisma erwartet. Die anderen Gestalten habe ich schon wieder vergessen.
Die Technik immerhin, insbesondere der Ton, war herausragend und auf meinem iPad ein Ohrenschmaus. Das ist keine Aussage darüber, was zu hören war, sondern nur darüber, wie es sich anhörte.
Inhaltlich sind sie eigentlich nur auf Details rumgeritten, die mich nicht interessieren. Weder der Homepod noch 5G sind für mich ein Thema. Und das ganze Gelaber von den Superlativen: das erste und beste der Welt. Puh. Etwas Bescheidenheit und Understatement kämen so viel besser! Und wären schon allein angesichts der Weltsituation so viel angemessener.

Meine im Grunde schon im Vorfeld gefallene Kaufentscheidung wird lediglich durch den Preis gedämpft. Da hatte ich einfach eine Schippe weniger erhofft.
Also ein halb so teures China-Handy oder Pixel-Gerät kaufen und mich mit dem Android-Kram arrangieren? Das habe ich immer mal in Erwägung gezogen. Bei nährerer Betrachtung ist es jedoch keine Alternative. Trotz aller Macken, die es natürlich auch hat, ist IOS für mich das beste (Öko-)System.

Nächstes Mal reicht es mir aber wieder, den Bericht über das Event auf Heise zu lesen. Ein paar Stunden danach.

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Kran begrünt

Oh du Kran behängtes Säulengrün
Am Zebrahaken Sonn beschien
Stillst mit deinen schlanken Stengeln
Jed Lust auf eitles Herumquengeln
Du täuschst so filigran und schlicht
Ganz keck über dein eigentlich Gewicht