Corona-Tagebuch

Vielleicht klingt das völlig verrückt, doch statt mich so viel mit coronösen Dingen auseinanderzusetzen, wie uns die Nachrichten offenbar gern nötigen würden, verdränge ich lieber soviel davon wie möglich. Verdrängen heißt nicht Leugnen. Nur: mich nicht kirre machen lassen. Auch als Radfahrer begebe ich mich täglich in Lebensgefahr. Überhaupt im Straßenverkehr. Auch im Leben selbst.
Aber – ich will gar nicht tiefer in diese bodenlose Thematik.

Nur soviel: unsere Situation perpetuiert sich. Der scheinbar ewige Lockdown lässt das Gefühl für Zeit verloren gehen. Ich weiß das Datum nicht mehr. Nur noch manchmal den Wochentag. Mein Sohn, der seit Wochen bei uns wohnt, weil er an seinem Studienorte vereinsamt, ist nur noch melancholisch drauf. Meine Tochter, die vom großen Reisen nach dem Abitur (2020) geträumt hat, noch mehr. Wir Eltern werden immer stiller. Wir alle kommunizieren immer weniger, weil es auch immer weniger zu sagen gibt. Oder weil es irgendwie immer mehr schmerzt.
Die Verdrängung führt zu Verspannungen: Schultern, Kreuz, Knie. Chronisch. Der Besuch bei der Physiotherapeutin ist schon zu lange das Highlight der Woche.
Trockene Augen vom fast ununterbrochenen Starren auf Displays. Abends immer wieder Versuche, uns zu dritt oder viert auf einen Film oder eine Serie zu einigen, die wir alle irgendwie mögen könnten. Um etwas gemeinsam zu erleben. Während des TV-Konsums in kurzen Abständen auf dem kleinen persönlichen Display checken, ob es bei Instagram neue Likes gibt oder auf dem Messenger etwas, worauf man antworten kann / muss / darf.

Und dabei gehts uns ja gut. Ich darf echt nicht klagen.
Nur ein bisschen konstatieren und dabei lamentieren (ist das dann konsternieren?) muss gerade mal sein.

Was mir indes noch echt wichtig ist: wir haben alle dieses Problem. Worldwide. Ganz sicher in sehr unterschiedlicher Ausprägung und mit extrem unterschiedlichen Begleitumständen. Gerade deswegen sind mehr denn je Mitmenschlichkeit und Solidarität mit allen, denen es schlechter geht, eine ziemlich gute Idee.

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