Laschet lügt lächelnd

Finden Sie das nicht auch unerhört:
gerade die CDU versteckt sich hinter der Wahrheit – mehr oder weniger ungeschickt. Nicht genug, dass ihr Wahlprogramm keine klaren Äußerungen zu Klimaschutz, Verkehrspolitik oder Rente enthält. Laschet verstrickt sich auch noch in eklatante Widersprüche zu versprochenen Steuerentlastungen und stellt diese damit als Lügen bloß.

Lassen Sie sich nicht verschaukeln!

Während sich Frau Baerbock ungeschickt in ein paar Details (ihr Lebenslauf, ein Buch) verheddert hat, die im Wesentlichen aber nur sie selbst betreffen, klärt der Laschet schön verklausuliert, dass er weiterhin Politik nur für Reiche und Großunternehmen machen wird. Volk und Klima sind ihm reichlich egal.
Dazu beruft er sich ausgerechnet auch noch auf seinen katholischen Glauben.

In der besten aller möglichen Welten würde ein Laschet an eine Stelle gesetzt, wo er keinen Schaden anrichten kann. In dieser realen Welt jedoch macht sich Laschet als Ministerpräsident für die weitere Umverteilung von unten nach oben stark, darüber hinaus für die Beschleunigung des Klimawandels (Kohletagebau, Waldabholzungen, kein Tempolimit etc). Damit richtet damit er schon jetzt beträchtlichen Schaden an.
In der realen Welt gibt es gar zu finanzstarke Interessen, die uns einen Laschet unterjubeln wollen, damit sie weitermachen können wie bisher.

Wo soll das hin führen?

Höher – schneller – weiter. Auf Kosten ganz besonders der jungen Generation und aller künftigen. Und natürlich auf Kosten des Waldes, des Meeres und aller anderen Ökosysteme, die durch die Weiter-so-Politik zielstrebig zerstört werden.

Wenn die Klimakatastrophe erst vollends zuschlägt, sitzen die Täter von heute in ihren Archen oder Raketen auf dem Weg zu anderen Planeten (wie gerade Bezos oder Musk). Die überwältigende Mehrheit von Mensch und Natur hingegen wird ein grauenhaftes Ende finden.
Wie nahe diese Katastrophen uns schon sind, erlebt gerade die Eifel mit einer Hochwasserkatastrophe. Zuvor wurde schon der Osten Frankreichs geflutet. Letzte Woche war es eine nie gekannte Hitzewelle in Kanada und im Westen der USA. In Tschechien wütete ein Tornado.
Zur Veranschaulichung des Waldsterbens mitten in Deutschland empfehle ich eine Fahrt durch den Harz.

Von den verheerendsten Ereignissen sind fast ausschließlich arme Menschen betroffen, egal wo.
Extreme Unwetter nehmen auch in Deutschland seit Jahren an Häufigkeit und Intensität zu. Diese Tendenz ist bereits nicht mehr umkehrbar, bestenfalls noch ein bisschen zu bremsen. Und noch Schlimmeres kann verhindert werden. Wenn wir damit sofort beginnen, also jetzt gleich: unverzüglich!

Es kann nur eine Antwort geben

Die CDU wird weiterhin alle Maßnahmen zum Klimaschutz nur verzögern oder verhindern.
Darum ist eins glasklar: Laschet darf nicht Kanzler werden!

Gehen und Laufen

Vor gut zwei Monaten habe ich mir eine Lauf-Uhr gekauft nach dem Vorbild meiner Tochter, die sich mittels eines Fitness-Trackers selbst dazu motivierte täglich 10000 Schritte zu machen. Das hat mir imponiert und – das wollte ich auch.

Mit meiner Anschaffung hoffte ich auch das Laufen, das ich in den letzten zwei drei Jahren arg habe schleifen lassen, wieder neu beleben zu können.

Tja, was soll ich sagen? Hat geklappt. Hat weitaus besser funktioniert, als ich vorher für möglich gehalten hätte. Nicht nur, dass ich durch das Schrittezählen täglich neue Motivation bekomme, mich – draußen – zu bewegen. Sondern durch ein Coaching-Programm, das es kostenlos als Zugabe zur Laufuhr gibt, habe ich in den vergangenen 9 Wochen auf laufmäßig den Wiedereinstieg geschafft und es von anfänglichem Lauf-Gehen für 20 Minuten zu locker Durchlaufen über 70 Minuten geschafft. Mein “gebuchtes” Training sollte mich dazu bringen, dass ich 5 km in 30 Minuten laufen kann. Nix besonderes, schon klar. Vor paar Jahren bin ich 8 km in 43:30 gelaufen. Aber eben vor paar Jahren.
Und jetzt bin ich tatsächlich schon dreimal 10 km gelaufen. Durchgelaufen. Ohne Gehpause. Nicht schnell, aber kontinuierlich.
Und die Schritte? Ich habe jetzt 23 Tage lang täglich mehr als 12.000 Schritte zurückgelegt, inclusive Laufen natürlich. Aber es kamen noch reichlich Spaziergänge und ein paar Walk-Einheiten dazu.

Man merkt, dass ich stolz bin, nicht wahr? Ja, bin ich auch. Vor allem freue ich mich total darüber.

Um den Oderteich rum

Im Harz richtig schöne Wanderstrecken zu finden, schien mir lange eher schwierig. Weil schön meist auch überfüllt bedeutete. Oder abgegriffen. Oder überbreite Wander-Highways.

In den letzten Jahren nutze ich zur Ideenfindung keine Bücher mehr, die “mystische Pfade in Sagenharz” oder letzte geheime Goethe- oder Heinrich-Heine-Wege zu offenbaren versprechen. Mit diesen Werken habe ich eher selten gute Erfahrungen gemacht. Das liegt unter anderem an der aktuell rasend schnellen Entwicklung des Waldbestandes, aber auch an der wachsenden Beliebtheit des Harzes als Wanderziel, insbesondere für jüngere Menschen. Was mich anfangs ebenso erfreute wie in Erstaunen versetzte, war doch der Harz früher für uns der Inbegriff von Spießigkeit und deutscher Muffeligkeit. Es bedeutet heute halt auch, dass man die richtig schönen Wege und Orte selten für sich allein hat.

Den Oderteich habe ich in der Wander-App Komoot zuerst wahrgenommen. Dort schwärmten so viele Wanderfreundinnen davon, dass ich auch wollte. Mein erster Eindruck war allerdings gelinde gesagt schwierig:

So sah der Oderteich im Sommer 2018 aus.

Nach diesem Anblick brauchte ich anderthalb Jahre für meinen nächsten Anlauf, den ich im März 2020 unternahm, unmittelbar vor dem ersten Lockdown. Nach einem doch zeitweise feuchten Winter sah es dort nun ganz anders aus:

Vom Parkplatz aus die Runde auf der Westseite beginnend war ich sofort von einem sprudelnden Bacheinlauf fasziniert, der rotes Wasser in den Teich zu spülen scheint. Der Teichgrund wird davon fast dunkelrot, darüber das vom Himmel reflektierte Blau auf der Wasseroberfläche, ringsum das Grün der Fichtenreste – da kann man erstmal tief durchatmen.

Das Wasser des Oderteichs macht überall einen sehr frischen und guten Eindruck, der Weg ist abwechslungsreich: von weichem Waldboden über wildes Wurzelwerk, völlig durchweichte Schlammwüste bis zu Holzplankenweg mit Geländer wird alles geboten.

Die Vegetation ist stark geprägt von toten oder im Sterben befindlichen Fichten, die eine wild-romantische bis herb morbide Atmosphäre erzeugen. Dazwischen viel Moos und sumpfige Gräser.

Mich hat echt begeistert, wieviel unterschiedliche Eindrücke sich hier auf echt begrenztem Raum bieten. Die Umrundung des Sees sind gerade mal knapp 5 Kilometer, in anderthalb Stunden sehr gemütlich zu schaffen.

Man ist aber nicht allein dort. Insbesondere als wir Ende Dezember eine Teichrunde im Schnee drehten, befanden wir uns auf einmal fast in einem Volksfest, das allerdings entgegen manchem Rumgeunke durchaus Corona-konform ablief. Mindestabstände konnten problemlos eingehalten werden.

Bei Schnee und Eis sind weite Teile des Wegs echt glatt. Wir haben uns alle mehrmals langgelegt, was mit viel Gelächter verbunden war. Menschen, die nicht ganz trittsicher sind oder sich vor Verletzungen fürchten, sei davon definitiv abgeraten. Alle anderen werden ihren Spaß daran haben.

Der nicht eben kleine Parkplatz war im Dezember heillos überfüllt. Das sollte man einkalkulieren.

Wer im Harz wandert, wird eher früher als später auf Stempelstellen für die Harzer Wandernadel stoßen. Eine solche gibt es natürlich auch am Oderteich. Sie hat die Nummer 217.

Eine Harzreise

Als ich den vorigen Beitrag (über Tschernobyl) schrieb und das Titelbild dazu aussuchte, wollte ich einfach eins mit endzeitlicher Stimmung dazu haben und dachte gar nicht weiter darüber nach, wo das Motiv entstanden war.
Gestern fuhr ich zu meiner Erbauung mal wieder quer durch den Harz von Bad Lauterberg nach Wernigerode und bekam aber so intensiv endzeitliche Laune dabei, dass es die anschließende Wanderung verdammt schwer hatte, meine Grundeinstellung “Im Harz ist es schön!” wieder herzustellen.

Viele meiner Freund*innen mögen den Harz seit jeher nicht, weil er so düster sei. Was wiederum von den ehemals dichten, endlosen Fichtenwäldern herrührte, zwischen die nie viel Sonnenlicht hindurchkam.

Das Problem hat sich mittlerweile erledigt. Schon vor 3 Jahren, im Laufe des ersten viel zu trockenen Sommers, fanden wir eher lichte Fichtenwälder vor.

Doch da standen immerhin noch viele lichte Fichten in der Gegend rum.
Ja, sie sahen da auch schon etwas gruselig aus.
In den Medien sah, hörte und las man in der Folge viel über den gefräßigen Plapperkäfer von Traal Borkenkäfer vom Brocken, dem trockene Fichten ganz besonders gut schmecken.

Wenn wir also vor drei Jahren noch direkt am Abgrund standen, sind wir inzwischen doch einen guten Schritt weiter. Die Flächen mit den toten Fichten sind jetzt zu einem großen Teil abgeholzt. Übrig geblieben sind neben enormen Holzstapeln grob unordentliche Flächen, die wie mit einem Riesenpflug durchwühlt aussehen. Nach den Abholz-Orgien sind alle offenbar ganz schnell abgehauen und haben auch viele Wanderwege in unpassierbarem Zustand zurückgelassen.

Ja, Wanderwege. Es gibt nach wie vor eine Menge Menschen, die gern im Harz wandern wollen. Seit Corona mehr denn je.

In folgenden Beiträgen werde ich ein paar meiner Eindrücke von den magischen Gebirgswelten des Harzes vermitteln, die für mich der eine Grund sind, den Harz zu besuchen. Vielleicht verdeutlichen sie, was da durch unser Zutun gerade vernichtet wird.

Übrigens ist der April der erste seit werweißwieviel Monaten, der mal nicht der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen ist, sondern einer der kältesten. Es hat zwar auch viel zu wenig geregnet. Aber hey – wollen wir doch mal nicht kleinlich sein mit dem ollen Klima!
Wahrscheinlich ist doch alles gar nicht so schlimm, wie es aussieht. (Heftiges zynisches Räuspern!)

35 Jahre Tschernobyl

Vor ein paar Tagen sah ich mit einem Freund gemeinsam die Folge “Kennedys Kinder” aus der Serie “Die zweite Heimat” von Edgar Reitz. Eine der besten Serien und überhaupt Filmproduktionen aller Zeiten, finde ich. Im Nachklang überlegte ich, welche einschlägigen Ereignisse es in meinem Leben gibt, zu denen mir sofort einfällt, wo und unter welchen Umständen ich sie erlebt habe.

Da steht Tschernobyl an erster Stelle. Ein Ereignis, dass aufgrund seiner Einbettung in eine Weltgeschichte, der einfach nichts heilig ist außer der rücksichtslosen Ausbeutung der Natur und all ihrer Ressourcen, ebenso vorhersehbar wie unabwendbar war. Der 11. September 2001 hat mich auch ziemlich erschüttert, aber aus völlig anderen Gründen.

Über Tschernobyl habe ich zum 20. Jubiläum hier bereits einen Artikel geschrieben. Hat sich in den seither vergangenen 15 Jahren etwas verändert? Irgendwie habe ich so spontan das Gefühl, dass ja. Nur nicht zum Guten. Vor kurzem hatten wir gerade erst 10 Jahre Fukushima, das Tschernobyl 2.0 sozusagen, dessen Auswirkungen nicht nur die Japaner, sondern alle Menschen und erst recht die Meeresbewohner noch für sehr lange Zeit beschäftigen wird. Unter dem Eindruck der Ereignisse hat unsere CDU-Regierung unter Merkel den Atom-Ausstieg erneut beschlossen und in die Wege geleitet.

Uns ist heute präsenter als damals, dass wir mit rasender Geschwindigkeit auf die globale Klimakatastrophe zusteuern, gegen deren Auswirkungen die Atomreaktor-Havarien wie Peanuts erscheinen werden. Es gibt u.a. mit fridays for future eine globale Bewegung, die schon eine Menge an Veränderung hin zu einer klimaschonenderen Politik mobilisiert.

Leider stehen den positiven Ansätzen eher mehr negative gegenüber. Von ihnen lesen wir fast täglich in den Nachrichten. Ich möchte die hier nicht aufzählen. Nur soviel: Regierungsverantwortlichen, die in ihrem Land Wälder abholzen lassen, um Kohle zu fördern und zu verfeuern, können wir nicht die Zukunft unserer Erde anvertrauen. Sie haben dieses Vertrauen bereits verspielt.

Aber auch die Technologiegläubigen, die Atomkraft für eine geeignete Energieform gegen den Klimawandel sehen, sind durch Tschernobyl und Fukushima längst widerlegt. Wer möchte das noch ernsthaft diskutieren?

Die bislang entworfenen Rezepte und Maßnahmen, die den Temperaturanstieg unserer Welt bremsen sollen (aufhalten geht schon lange nicht mehr!), erscheinen auf den ersten Blick unbequem und komplex und bedürfen möglichst globaler Koordination. Sie bedeuten vor allem für jedeN Veränderung. Anders leben als bisher, anders wirtschaften, in neue Richtungen denken und handeln.

Es steht jeder und jedem frei, jeden Tag aufs Neue etwas anders, besser, der Zukunft im positiven Sinne zugewandter zu machen. Statt den Kopf ermattet in den Sand zu stecken und resigniert festzustellen, dass die Welt so oder so untergehen wird und wir bis dahin wenigstens noch etwas Party machen können (oder könnten, wenn jetzt nicht auch noch Corona wäre – also nich mal das! :-( ) – stattdessen könnte auch jedeR Verantwortung übernehmen, die grauen Zellen zum Denken und die Phantasie für neue Ideen mobilisieren. Am besten jetzt gleich!

Ich freue mich über jeden Vorschlag!

Alles dicht machen?

Ich heiße Ralph. Ich bin kein Schauspieler. Zumindest nicht von Beruf.
Ich habe bereits vorgestern den Schauspieler*innen gedankt, die sich getraut haben uns alle mit ihrer Aktion #allesdichtmachen aus der Reserve zu locken.
Denn ich finde es wichtig, Zweifel an herrschenden Meinungen und den eigenen kritischen Verstand gerade in schwieriger Lage nicht zugunsten von moralischen Glaubenssätzen aufzugeben. Selber denken hält fit. Das verstehen zu viele offenbar nicht.

Der Shitstorm, den die Schauspieler*innen auf Twitter, auf Youtube und in allen anderen möglichen Medien erfahren mussten, macht mich ehrlich gesagt fassungslos und traurig und wütend. Eine Menge Leute, denen ich bislang auf Twitter gefolgt bin und von denen ich eigentlich viel halte, haben sich dem Einprügeln auf die Akteur*innen der Aktion angeschlossen. Der Ton, in dem geschnauzt und gehetzt wird, ist unglaublich schnell völlig aus dem Ruder gelaufen.

Ja, man kann den Initiator*innen und Akteur*innen von #allesdichtmachen vorhalten, sie hätten nicht ausreichend Sorge dafür getragen, dass sie von den Rechten (Corona-Leugnern, Querdenkern etc) für ihre Aktion keinen Beifall bekommen. Aber worauf läuft das denn hinaus? Darf ich keine Kritik mehr äußern bzw ist nun jede Kritik verpönt, die auch von der falschen politischen Seite geäußert und damit vereinnahmt wird? Geht nur noch absolutes Schubladen-Denken?

Ich habe vielmehr den Eindruck, dass unsere politische Streitkultur an einem Tiefpunkt angekommen ist. Wir reden nirgends mehr miteinander, sondern nur noch übereinander. Und das am liebsten auf gehässigste Weise.

Ja, man kann den einen oder anderen Beitrag zu #allesdichtmachen unempathisch, zynisch oder süffisant nennen. Und? Ist das ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit? Darf man, weil durch Corona täglich Menschen sterben, weil um dies zu verhindern andere Menschen seit Monaten am Limit arbeiten und eigentlich nicht mehr können, weil andere Menschen an Einsamkeit oder Perspektivlosigkeit zugrunde gehen, weil Regierungen und Behörden auf allen Ebenen seit über einem Jahr sich zwar bemühen, aber leider zu oft erfolglos und zu oft stümpernd – und sich zu viele dabei nur selbst bereichern – darf man deswegen nur noch ununterbrochen mit betroffener Miene zu jeder neuen Regierungsentscheidung Ja und Amen sagen? Und Satire, Ironie, Sarkasmus, Zynismus ist verboten – bis es uns wieder besser geht?

Aus meiner Sicht ist die Aktion #allesdichtmachen ein voller Erfolg. Sie hilft nicht gegen Corona, ok. Sie hält uns stattdessen einen Spiegel vor und zeigt uns, dass wir an unserer Streitkultur, überhaupt an unserer Kommunikation arbeiten müssen, wenn wir uns nicht irgendwann wegen jeder Kleinigkeit nur noch anschreien wollen. Den Wutbürger als Phänomen hat nicht Corona hervorgebracht, aber er bekommt durch Politik und ‘die Wirtschaft’ ständig neue Gründe für sein Wütendsein geliefert. Gefundenes Fressen für alle Gruppen auf der rechten Seite, denen das Fischen nur immer leichter gemacht wird – dies jedoch durch die Politik, nicht durch die satirische Auseinandersetzung mit ihr.

Ich habe selbst einige Zeit überlegt, auf welche Seite ich mich in diesem Streit schlage. Die Videos finde ich nicht alle wirklich zielführend. Ich finde es aber auch nicht nötig, nicht einmal sinnvoll, hier Perfektion zu erwarten und einzuklagen. Kunst ist eine menschliche Fähigkeit und darf, ja muss auch ‘Fehler’ machen – dürfen. Aus ‘Fehlern’ lernen wir. Perfektion lässt uns letztlich kalt. Was mich ganz und gar nicht kalt lässt, ist die klar zu große Bereitschaft der moralischen Rechthaber*innen, gleich drauf los zu prügeln. Ich habe auf Twitter so viele hasserfüllte Kommentare gelesen, dass ich es nach kurzer Zeit nicht mehr ausgehalten habe. Eine Diskussion kann ich das nicht nennen. Davon kann ich mich nur abwenden und mich hier in meine Quasi-Privatsphäre zurückziehen. Wohl wissend, dass hier gerade das Private politisch ist.

Und ganz privat solidarisiere ich mich mit den Schauspieler*innen von #allesdichtmachen und hoffe sehr mit ihnen und für sie, dass sie die heftige Belastung dieses Shitstorms ertragen und keine bleibenden Schäden davontragen!

Wir müssen dringend eine kompetente Regierung wählen!

Es fing vor dreieinhalb Jahren ja schon damit an, dass die Gewählten nicht willens waren, sich zu einer regierungsfähigen Koalition zusammenzufinden.
Erinnern Sie sich? Die SPD wollte nicht mehr Groko sondern Opposition. Die FDP wollte nicht Jamaika. Und die Grünen oder gar die Linke fragte niemand. Nach einem halben Jahr rat- und mutlosem Hin- und Her beschlossen sie dann, so weiter zu machen wie bis dahin.

Und dann ging es weiter mit einer Aneinanderreihung von Unfähigkeitsmanifestationen jedeR einzelnen MinisterIn. Na gut, fast jedeR. Aber wer bei den Namen Seehofer, Altmaier, Scholz, Scheuer, Klöckner, Kramp-Karrenbauer oder Spahn keine Zuckungen bekommt und unwillkürlich ‘Oh Gott, bloß nicht!‘ denkt, die hat die letzten Jahre keine Nachrichten gesehen oder sie nicht verstanden.

Die einzelnen Skandale und missglückten Entscheidungen dieser MinisterInnen hier aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Artikels bei weitem sprengen – ich mag mir das auch nicht noch mal alles vor Augen führen. Und Ihnen erst recht nicht!

Die Entwicklung unseres Landes hinsichtlich Umweltpolitik, Klimaschutz, Hass-Kriminalität, allgemein Erstarken rechter Gruppen und des Rechtsextremismus, der immer offener zu Tage tretende Mangel an Bereitschaft, rechte Straftaten zu verfolgen, die ungebremst, ja seit Corona extrem beschleunigte Umverteilung von Vermögen nach oben, also zu den immer reicheren Superreichen hin, die fatale Vernachlässigung unserer Infrastruktur, die Unfähigkeit das Wort Digitalisierung überhaupt nur richtig zu denken (Neuland!) – und das sind ja nur ein paar nationale Themen! Die europäischen sind nicht minder dringend – auch eine Strategie, wie mit den Autokraten dieser Welt umzugehen ist, wird von Jahr zu Jahr unverzichtbarer. Schon Erdogan gegenüber hat diese Regierung seit jeher eine klare Linie verschlafen. Vor allem um der unsäglichen ‚Flüchtlingsproblematik‘ willen. Was ist das für ein entsetzlich schäbiges, grausames Armutszeugnis für eins der reichsten Länder der Welt, wenn es nicht nur meint, ein paar extrem hilfsbedürftige Menschen aus Kriegs- und Katastrophengebieten nicht aufnehmen zu können, sondern auch noch ausgerechnet Verbrecher am eigenen Volk (wie Erdogan) die Drecksarbeit machen lässt!

Und das Pandämie-Management? Man kann es ja schon lange nicht mehr hören! Lockdown, Notbremse, Kontaktbeschränkungen – die sich scheinbar unendlich perpetuierende Litanei nicht nur der Phantasielosigkeit sondern der Unfähigkeit, mal etwas weiter zu denken als von der Tagesschau bis zur Wetterkarte! Vor einem Jahr hörte diese Regierung noch auf ExpertInnen. Zumindest manchmal. Doch mit der trügerischen Beruhigung des Infektionsgeschehens im Sommer 2020 hörte das auf. Langsam aber sicher bekamen die Bedürfnisse der ‚Wirtschaft‘ wieder den Stellenwert, den ihnen diese Regierung zubilligt. Und selbst jetzt, wo uns die dritte Welle bereits voll ins Gesicht schwappt, gibt es außer Kompetenzgerangel und peinliche Wahlkampfallüren (die K-Frage!) weder erfolgversprechende Maßnahmen, noch auch nur den Ansatz einer Strategie.

All das muss endlich aufhören! Natürlich trägt Merkel daran die Hauptverantwortung, da sie nicht nur diese Ministerriege anführt, sondern auch die Richtlinienkompetenz für die Regierung innehat. Und hinter ihr die Partei mit dem C. Nicht für Corona, aber ganz sicher auch nicht für christlich, sondern wohl nur noch für corrupt.

Aber, das darf man ja nie vergessen: hinter dieser Regierung steht natürlich in erster Linie ‚die Wirtschaft‘, diese mit Grund namenlose ominöse Größe, die bei jeder Gelegenheit als Willenssouverän genannt wird und die ganz offenkundig umfassende Vorstellungen davon hat, wie es hierzulande, in Europa und in der Welt zu laufen hat. Wenn ‚die Wirtschaft’ die Testpflicht für Corona ablehnt, dann ist natürlich auch der Wirtschaftsminister dagegen. Und wenn die Chemieindustrie ihr Glyphosat noch ein paar Jahre weiter vermarkten möchte, dann stellt natürlich die Landwirtschaftsministerin seine Unbedenklichkeit fest. Der Verkehrsminister hat einen Universalfreibrief, Gelder der Wirtschaft direkt zu schenken. Ach ja, der Gesundheitsminister ja auch.

Und so weiter. Den Satz vom ‚ich kann gar nicht so viel fressen…‘ schenke ich mir mal, sonst wird mir noch schlechter.

In der nächsten Legislaturperiode müssen endlich so viele Missstände wenigstens angegangen werden (zu bewältigen können sie in 4 Jahren gar nicht sein!), dass es einer Regierung bedarf, die nicht nur aus verantwortungsvollen Menschen besteht, sondern auch aus solchen, die Ahnung haben von den Problemen, die es zu meistern gilt. Und die, wenn ihnen das nötige Detailwissen fehlt, nicht den Lobbyisten in die Arme laufen, sondern dem Rat kompetenter und unabhängiger Experten folgen.
Politikverdrossenheit ist zwar naheliegend, aber definitiv keine Option! Wir dürfen die Dinge nicht einfach laufen und ‚die da oben’ machen lassen! Veränderung muss sein – und ist möglich. Jetzt.
Also informieren wir uns beizeiten, wer für eine kompetente Regierung in Frage kommt, und wählen im September entsprechend!

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Der diskrete Charme des Cheltenhamparks

Frühling im Chelti. Nachmittags. Abends. Früh morgens. Immer!
Eine dieser Oasen in Göttingen, die ich seit Jahrzehnten zu jeder Jahres- und Tageszeit gern aufsuche. Oft fahre ich einfach nur mit dem Fahrrad durch, nie ohne am Geländer des Schwänchenteichs kurz anzuhalten und den Blick über die Mini-Fontaine hinüber zur alten Wall-Mauer schweifen zu lassen.

Oder ich spaziere genüsslich zwischen den alten Grabsteinen und -kreuzen umher, bestaune ihre Inschriften genauso wie ihre Patina.

Leider ist mein Lieblingspark in Göttingen durch ‚Aufwertung‘ bedroht. Neue Wege sollen angelegt und die ganze Anlage ‚aufgehübscht‘ werden.
Meine Meinung dazu ist klar und einfach: der Chelti sollte so bleiben, wie er ist. In seiner Unvollkommenheit und seinen sichtbaren Zeitspuren liegt sein unvergleichlicher Charme. Die vielen Menschen, die sich täglich gern darin aufhalten oder ihn durchqueren, sprechen eine deutliche Sprache.
Es gibt dort nichts zu optimieren!

Und der Murks, der an der Stadthalle und dem Albaniplatz fabriziert wird, sollte nicht durch Murks am Park verschlimmbessert werden.