Göttinger Altstadtlauf 2009

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Geniales Wetter und nach dem üblichen Stress zu Beginn löst sich beim Lauf alles in gute Laune auf. Nach unserem 5,4km-Lauf denken wir, daß wir auch gern noch weiter gelaufen wären. Gegen die Sonne durch die Groner Straße kommt enorm gut, die Rhythmen der Trommler im Papendieck und beim Carrée gehen unmittelbar in die Beine.
Die Stimmung ist einfach super, besonders an unserem Lieblingsplatz im Papendieck Ecke Johannisstraße, von wo wir die folgenden Läufe mit verfolgen.

Fast Mittsommerabend

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Geradezu unanständige Farben an einem wunderschönen Abend, der endlich das Prädikat Sommer verdient.
Als Soundtrack empfehlen wir Tori Amos mit Abnormally attracted to skin.

Es lebe die Freihei

Die Freiheit zu denken und zu sagen, was man denkt, und zu denken, was man sagt.
Gehört dazu nicht auch zwingend die Freiheit zu lesen, was man denken will, auch wenn man nur denkt, daß man das gern mal lesen würde oder vielleicht wenigstens lesen sollte?
Die Zeit ist nicht mehr nach Witzen. Auch mit der Demokratur, in der ich aufgewachsen bin, ist es nun womöglich zuende.
Die Integrität unseres Grundgesetzes anzutasten gehört seit einiger Zeit offenbar zu den Standards, die jede Regierung irgendwann bringen muß. Ob das die Aushebelung des Rechts auf Asyl ist oder das Verbot eines Angriffskrieges von deutschem Boden aus oder die Unverletzlichkeit von Wohnung, Post- oder Telefongeheimnis. Oder eben nun der Gewaltenteilung.
Aber was will man erwarten von einem Land, in dem jemand Außenminister sein darf, der einen Landsmann ohne Not jahrelanger unschuldiger Inhaftierung und Folter überlassen hat. Wo ein anderer, der wegen grob fahrlässiger Tötung zu Gefängnis verurteilt worden ist, bayrischer Staatsminister und Aufsichtsrat bei der DB-AG sein darf (to be continued…).
Die Sicherheit unserer höchsten (= teuersten) Güter wiegt allemal mehr als die Freiheit der Verbraucher. Abgesehen von den freien Parkplatzflächen, die zum Verbrauchen nötig sind.
Es geht voran.

Schlechte Nachrichten

Ziemlich finster alles zur Zeit: der niedersächsische Landtag hat das Turbo-Abi an Gesamtschulen sowie die Abschaffung der vollen Halbtagsschule durchgewunken. Der “Rat” der Stadt Göttingen hat sein OK zur Verschwendung eines größeren Betrags an Steuergeldern für die Planung der Südspange gegeben.
Einziger Lichtblick in der Woche: die große, bunte und angemessen laute Demo von Studenten und Schülern am Mittwoch (17.6.) im Rahmen des Bildungsstreiks. Allein in Göttingen waren an die 10.000 Menschen auf den Straßen, um ihren friedlichen, aber durchaus energischen Protest vorzutragen.

Tag des offenen Gartens

Die Idee verfängt: besondere und besonders verwunschene Gärten in der Südniedersächsischen Toskana zu öffnen, damit man sie sich angucken kann. Wir waren in Reckershausen und Löwenhagen. Der eine wildromantisch verwunschen, der andere ein riesiger hochherrschaftlicher Park. Man würde sich nicht entscheiden müssen wollen, welchen man lieber hätte.
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Bei der Gelegenheit knipse ich erstmals ernsthaft mit Lensbaby, einem Knetschobjektiv mit sehr kreativ handhabbarer Schärfe- bzw. eher Unschärfeführung. Vorsicht! Wie schon an anderer Stelle erwähnt, als die Dinger noch neu waren: Suchtgefahr.

it’s raining again

Morgens um halb sieben schon ein Regenbogen.
Später denkt man, könnte man mit dem Boot zur Arbeit fahren.
Stattdessen mit Regenjacke, -hose und Schirm (!) auf dem Rad. Die Schuhe werden natürlich trotzdem klitschnaß.

Nachmittags heulen ernste Sturmböen um die Häuser und beuteln die Bäume, daß man sich echte Sorgen macht. Tief “Martin” zieht einen riesigen Kreis über das Land.

SPD beschließt Südspange

Mit 33 gegen 28 Stimmen setzen sich auch in der SPD die Landschaftsplanierer durch. Sie beschließen den Bau der Südspange und die Schließung des Sandwegs (die eigenen Köpfe in den Sand mit inbegriffen!).

Der weitere Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs würde nicht funktionieren, behauptet Genosse Köhler, einfach mal so aus dem Bauch heraus. Denn woher will er das wissen, hat es in Göttingen schließlich noch niemand probiert. Viele namhafte andere Städte machen seit Jahrzehnten gute Erfahrungen mit dem ÖPNV.
Aber in Göttingen weiß man, daß nur gut ist, was immer schon so war. Denn deshalb muß es ja gut sein. Und darum soll es auch so bleiben.

Daß die Genossen nun endgültig gemeinsam umkippen und einmal mehr Verrat an ihren Wählern üben, das kann allerdings nur einmal mehr blankes Entsetzen auslösen. Selbst wenn, wie OB Meyer meint (oder hofft?), in den nächsten Jahren kein Geld für den Bau der sinnlosen Umgehungsstraße da sein wird, will er doch unbedingt das Planfeststellungsverfahren durchprügeln. Damit in ein paar Jahren, wenn mal wieder Kohle in der Kasse sein sollte, aber ohne Verzögerung sofort die letzten Landschaftsreste zubetoniert werden können.
Was für eine Denke mag dahinter stecken? Reicht sie weiter als von der Tapete bis zum Kleister?