Verläßlicher Starrsinn

Ob aus rein konservativer Denke heraus oder wegen akutem Geldmangel: die niedersächsische CDU-Landesregierung unter Wulff und seiner Verrichtungsgehilfin Heister-Neumann halten ungeachtet klarer Eltern- und Lehrer-Voten am dreigliedrigen Schulsystem fest. Zwar wurde vor der letzten Landtagswahl das Verbot der Neugründung von Integrierten Gesamtschulen wieder aufgehoben, nun aber soll hintenrum das Turbo-Abitur (“G8”) auch für die IGS eingeführt und damit diese Schulform faktisch im Vollzug zerstört werden.
Denn wie soll eine Integration verschieden lernstarker und – schneller Schüler umsetzbar sein, wenn durch Verkürzung der Schulzeit der ohnehin stetig wachsende Druck noch massiv verschärft wird? Zugleich werden Lehrerstundenzahlen gekürzt bzw. den Lehrern wachsende Stundenzahlen aufgebürdet. So kann man eine in Jahrzehnten bewährte und und noch immer zunehmend erfolgreiche Schulform zielstrebig zerstören.
Allein im Landkreis Göttingen sind für das Schuljahr 2009/10 3 neue IGS beantragt. Nachdem administrative Hürden offenbar nicht ausreichen, den Elternwillen zu bremsen, nun also Politik mit der Brechstange.

[edit 5.3.: mittlerweile sind alle 3 Anträge auf neue Gesamtschulen von der Landesschulbehörde abgelehnt worden. Es sei nicht nachweisbar, daß diese auf absehbare Zeit auch genügend Schüler haben werden.]

Nationale und internationale Vergleichsuntersuchungen zeigen, dass das gegliederte allgemein bildende Schulwesen gegenüber einem Schulwesen mit längerem gemeinsamen Unterricht leistungsmäßig überlegen ist“, sagte Heister-Neumann.
Wie kommt eine Ministerin zu so einer steilen und völlig haltlosen Behauptung?!

Tatsächlich zeigen nationale und internationale Studien vor allem, daß die deutsche Abiturienten-Quote zu niedrig und die Anzahl der Studienabbrecher zu hoch ist. Deutschland hat in den letzten Jahren immer wieder betont schlechte Kritiken von der OECD für seine Schulpolitik bekommen, insbesondere auch für das dreigliedrige System, bei dem die Hauptschulen und ihre Absolventen einfach hinten runterfallen.

Kinder werden hierzulande bereits mit zehn Jahren auf unterschiedliche Bildungswege verteilt. Wer aus einer benachteiligten Familien kommt, wird dabei eher auf einen Bildungsweg geleitet, der eine geringere Leistung erwarten lässt“, kritisierte OECD-Generalsekretär Angel Gurría.

Doch Schützenhilfe kommt nun auch aus Berlin: die Bundesregierung stellt Abschlüsse nun gar für Sonderschüler in Aussicht. Die lang ersehnte Qualifikation zum Supermarktwagen-Zusammenschieber und Ein-Euro-Jobber? Oder wie üblich nur ein plumper Trick, um die Schulabbrecher-Statistik zu schönen?

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. tobyyy

    Danke für die prägnante Zusammenstellung des Wahnsinns. Da brauche ich meinen Versuch gar nicht weiterführen…
    Deine Sicht von etwas weiter draußen bringt es auf den Punkt.

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