Inszenierte Wirklichkeiten

Inszenierte Photos kennt man ja. Auf die Spitze treibt das zB Gregory Crewdson. So weit bin ich allein aus Budget-Gründen noch nie gegangen. Die Inszenierung von Bildern beginnt aber ja im Grunde schon, wenn man auf der Lauer liegt und erst bei Erreichen einer bestimmten Situation auf den Auslöser drückt: wenn die Sonne endlich tief genug steht und die richtigen Schatten wirft oder wenn das Photomodell endlich die richtige Pose und den gewünschten Blick gefunden hat.
Gehen wir noch einen Schritt weiter. Stellen wir uns vor, wir sind im Urlaub, suchen einen Ort auf, den wir bereits im letzten Jahr photographiert haben. Das wollen wir diesmal wieder tun. Wir wollen eine bestimmte Situation erneut ins Bild bringen. Und natürlich soll es diesmal besser werden.
Von hier an wird das spätestens, wenn alle beteiligten Kinder, Ehefrauen und vorbeilaufenden Schafe mitmachen, mehr als nur ein erneut inszeniertes Bild. Es ist das Erleben an sich und damit die Wirklichkeit, die gar nicht mehr sie selbst ist / sein darf. Es ist die Wirklichkeit, die wir selbst inszenieren, um ein Bild aus ihr zu machen. Später werden wir das Bild zeigen und sagen: “so war es da”.
Jetzt können wir sogar sagen: “So wollten wir, daß es da sei. Und siehe: es war wurde genau so.”
Ist das der Fortschritt Marke Wir machen es, weil wir es können? Oder haben wir hier schon umgeschaltet auf wahnsinnige Geschwindigkeit und bewegen uns auf den letzten Abgrund am Rande der Realität zu? Was wird dahinter sein?