Morgendämmerung


Heute Morgen war ich ganz erstaunt, daß der Tag schon um kurz vor sieben deutliche Konturen bekam.

Kai Piranja


Am frühen Sonntagmorgen sitzen die Mädchen zusammen und legen mit den zahmen Fischen und den Raubfischen wunderschöne Figuren. Eine Harmonie, die wie ein Labsal wirkt.

Schon wieder Hochwasser


Wenigstens etwas Gutes hat der Dauerregen der letzten Tage: die Leine ist wieder einmal über die Ufer getreten. Der Sandweg, eine von Göttingens wichtigsten Ost-West-Verbindungen, ist gesperrt. Schön ruhig ist es daher jetzt am Kiessee.
Die Autofahrer fluchen natürlich, weil sie nun morgens auf der Reinhäuser Landstraße im Stau stehen. Ich fahre mit dem Fahrrad dran vorbei und frage mich, ob es wohl doch irgendwann mal ein Umdenken in eine sinnvolle Richtung, eine nachhaltige Verkehrsgestaltung mit Straßenbahn und anderen hochwertigen öffentlichen Nahverkehrsmitteln, geben wird – oder ob immer und immer nur die Beton-und-Benzin-Fraktion das Sagen behalten wird.

No*Kia

Wenn sogar schon Herr Verheugen auf einmal gegen Subventionen ist, scheint tatsächlich eine Bewegung zu entstehen. Die Frage, welchen Sinn es hat, milliardenschwere Unternehmen mit Steuergeldern zu unterstützen, ist mithin nicht wirklich neu. Bei Kohle- und Stahlindustrie waren da ja schon ganz andere Summen in Bewegung. Oder auch bei der Atomkraft. Dagegen sind die paar Milliönchen für No*Kia doch Peanuts.
Aber wenn es Schule macht.
Und wenn es anders wird, anders als geplant?!

Vielleicht geht es auch ohne

Konsumverzicht ist eine Möglichkeit, die man sich einfach mal genau überlegen muß.
Ausgehend von der Überlegung, daß man einer Firma, mit deren Politik man nicht einverstanden ist, am ehesten schädigt, indem man ihre Produkte nicht kauft und auch allen erzählt, daß man das tut und warum, stellt sich als erstes die Frage nach der Alternative.
Wenn es die im Falle von Nokia in Form eines anderen Handy-Herstellers, der irgendwie ethischer wäre, ganz offensichtlich nicht gibt, dann könnte es vielleicht auch ganz ohne gehen.
Ohne neues Handy sowieso. Das alte geht nämlich immer noch.
Oder überhaupt ohne Handy. Wie das vor wenigen Jahren noch ganz selbstverständlich war. Wirklich brauchen tu ich es sowieso nicht. Reiner Luxus.

Schwarzer Dienstag

Oder wie soll man das sonst nennen, wenn an einem Tag meine bislang bevorzugte Handy-Firma ihr letztes Werk in Deutschland schließt, offenbar aus reiner Profitgier. Wenn außerdem Mehdorn zu einem groß angelegten Rachefeldzug gegen seine eigenen Leute, gegen seine Kunden und vermutlich auch noch gleich den Rest der Welt auszieht, nur weil ihm die Profite etwas geringer als geplant auszufallen drohen. Wenn dann auch noch der einzige Oberkatholik, dem ich Sympathie entgegenbringen konnte, Karl Lehmann, seinen wichtigen Posten abgibt.
Was nun? Mit Sony-Ericsson telefonieren? Wohl kaum. Dann eher einfach kein neues Handy kaufen. Die Telefonmafia soll sowieso so wenig wie irgendmöglich an mir verdienen.
Aber nicht mehr Bahn fahren? Das wäre in jeder Hinsicht das Gegenteil dessen, was ich will. Also gibt es nur 1 Möglichkeit: Mehdorn muß weg. Ganz weg. Ins Gefängnis. Nicht über Los. Keine Tantiemen mehr einstreichen, stattdessen dem Land und dem Volk zurückzahlen, was er ihm weggenommen hat. Alle Privatisierungspläne für die Bahn sofort stoppen.
Und Herrn Lehmann wünsche ich stabile Gesundheit und noch einige schöne und geruhsamere Jahre zum Genießen.

state of play

Im Fernsehen, genauer: auf arte.
Ein 6-Teiler aus England, der äußerst spannend ist, intelligent, sexy, gesellschaftskritisch, außerordentlich gut gespielt – und der zeigt, daß gespannt und begeistert sein von einem Film so gar nicht auf die angeblich notwendigen Action-Szenen oder Hollywod-Sets angewiesen ist. Ein Drehbuch, das intelligent aufgebaut auch den kleinsten Nebenrollen Eigenständigkeit und Entwicklungsraum läßt, und Tempo, das aus der Handlung entsteht und einen nicht mehr losläßt.
Beide Daumen hoch für Mord auf Seite eins!

Radtour um die Gleichen


Bei schönster Wintersonne, hart und kaum wärmend, auf teils nasser Straße, teils gefrorenen Wegen radeln wir bergauf, bergab und freuen uns des Lebens, mein Sohn und ich. Göttingen – Diemarden – Reinhausen – Appenrode – Gelliehausen – Benniehausen – Klein Lengden – Diemarden – Göttingen. Unbedingt zu empfehlen.

Bladerunner

Es muß um 1986 herum gewesen sein, als ich ihn zum ersten Mal sah. Ziemlich verstört kam ich danach aus dem Cinema, fand mich in einer neblig trüben Göttinger Nacht wieder und war mir nicht sicher, ob der Film nicht einfach in die Realität übergegangen war.
In den drauf folgenden Jahren ging ich noch oft ins Cinema. Und ich sah noch ungefähr zehn Mal allein in diesem Kino den Bladerunner. Davon ein Mal die amerikanische Originalfassung und nach 1992 einige Male den sogenannten director’s cut, mit dem ich mich erst nur sehr mühsam anfreunden konnte, weil mir Deckards Offline-Kommentar fehlte und weil ich die Synchronisation deutlich schlechter fand als die der ersten Fassung.

Später kaufte ich mir die Videokassette mit dem director’s cut und die CD mit der endzeitlich genialen Filmmusik von Vangelis.
Nun ist der Film 25 Jahre alt. Zum Jubiläum ist ein final director’s cut des Films in einer Ultimate Collectors Edition herausgegeben worden. Ich hatte schon vor mehr als einem Jahr davon gelesen und war deshalb auf der Hut. So gehörte ich zu den Vorbestellern bei Amazon, die die nett gemachte Steelbox zusammen mit ein paar Fan-Utensilien – oder sollte man sagen: Kultobjekte? ;-) – zum Nikolaustag 2007 geliefert bekamen. Direkt danach war sie ausverkauft und der Preis stieg in wenigen Tagen auf das doppelte.
Seit ich stolzer Besitzer dieses heiligen Gegenstandes bin, der u.a. aus 5 DVDs besteht, die nicht nur 5 verschiedene Fassungen des Films, sondern auch ein making of und natürlich die üblichen Interviews beinhalten, taste ich mich sehr behutsam an diese Highlights heran. Den final cut habe ich noch nicht angerührt.
Gestern gönnte ich mir den sehr liebevoll gemachten Zusammenschnitt nicht verwendeter bzw. alternativer Szenen. Das ist beinahe noch mal ein ganzer Spielfilm für sich. Und er ist sehr bewegend, weil er einerseits für einige Rätsel, die einem die Kinofassung aufgegeben hat, Lösungsangebote gibt, andererseits ein paar kurze Szenen eben anders ablaufen, als man sie kennt. Insbesondere die Liebesszene zwischen Deckard und Rachel geht hier einen Schritt weiter. Und schneidet damit noch etwas tiefer ins Fleisch und ins Herz.
Die Spannung auf den final cut ist ein Stück weiter gewachsen, hinzu gekommen ist die Vorfreude darauf, diese Alternativszenen ein nächstes Mal anzugucken – und etwas neues ist entstanden aus dem Eindruck, wie der Film hätte sein können und auch heute sein könnte, wenn er weniger den Profitinteressen seiner Produzenten und mehr der Intention Ridley Scotts und der literearischen Vorlage von Philip K. Dick hätte folgen dürfen.