Kein Blues

Nur eine Sinnfrage: warum fährt man in diesem Novemberwetter bei Regen, Wind und fast Null Sicht mit 150 Sachen auf der Autobahn?
Ich habe Angst als Mitfahrer und das nicht zu knapp.

Die Anderen

Der eine Lieblingsnachbar hat nach mehreren Tagen seltsamer Untätigkeit endlich wieder etwas gefunden, womit er sich bemerkbar machen kann: er zersägt seinen letzte Woche gefällten Obstbaum genüßlich mit seiner schicken Motorsäge.
Die andern Lieblingsnachbarn, zum Glück ein paar Häuschen weiter, haben endlich zu ihrem alten Expansionsdrang zurückgefunden und setzen wieder Zeichen in den Sand der Zeit. Einmal durch das Aufstellen eines für eine Großfamilie angemessen dimensionierten Fahrrad-Ports direkt am Weg, was es uns anderen Anliegern ermöglichen wird, stets aufs neue amüsierte Blicke auf einen Haufen Schrott eine liebevoll gepflegte Antiquitätensammlung von Fahrrädern zu werfen. Raumgreifender jedoch ihr riesiges Loch im Garten (so etwa 4 * 8 Meter), das dort seit mehr als einem Jahr einfach eben so war, jetzt aber mit einer ordentlichen Portion Beton angefüllt worden ist. Sieht aus wie eine Art Fundament, was da entsteht. Der Rest des Gartens steht seit gestern voll mit Paletten von Ziegelsteinen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Und: nein, wir reden nicht mehr miteinander.

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Das Bild vom November

Wieviel November braucht eigentlich so ein Jahr? Und wieviel verträgt es?
So richtig schön grau lädt er ein, die schönste Depression des Jahres in vollen Zügen zu inhalieren. Dazu wird, jedenfalls bei mir zuhause, lieblich fauliger Geruch nach verwesendem Obst, Laub und wer weiß was noch gegeben. Die Bäume sind, entgegen meiner vor einem Monat ausgesprochenen Unkerei, noch erstaunlich dicht belaubt, in feinsten Farben, fein grau bedämmert.
Überhaupt Dämmerung: morgens verläßt man in der Dämmerung das Haus, über Tag erlebt man sie in der Fabrik und abends hechelt man ihr hinterher, um noch vor ihrem Ende zuhause zu sein, damit man noch den Karniggelstall ausmisten kann.
Es dämmern die Sehnsüchte, wenn sie nicht gerade aufflackern, Erinnerungen an einst liebgehabtes aber endgültig vergangenes wabern durch den Erlebnishorizont und schwappen stetig über die Gefühlsschwelle hin und zurück.
Was aber wäre all das ohne eine ordentliche Portion Selbstzweifel, Hadern mit dem eigenen Sosein, dem gemeinhinen Tun und noch mehr dem Lassen. Dem Photographieren habe ich mich verschrieben und eifere nun und eifere, produziere blödsinnige Bilder- und also Datenmengen, deren Sichtung und sinnvolle Bewertung und Sortierung ich nicht mehr schaffe. Alles ist schon einmal photographiert worden, aber nicht von mir… Und als ob das noch nicht reichte, wiederhole ich eigenes, selbst schon geschossenes, vielleicht um es noch einmal besser zu machen, oft aber auch einfach nur, weil ich es kann.
Beim Durchpflügen der kaum noch überschaubaren Massenbebilderung des Internets immer wieder die Frage: wozu das eigentlich? Warum machen die das? Warum mache ich das? Wer hat etwas davon und was könnte es bewirken?
Bei gar zu vielen eigentlich gänzlich inhaltslosen Bildern, gegenständlich zwar vielleicht, aber bedeutungslos, technisch jedoch perfekt und mit scheinbar genialem Postprocessing so aufgepeppt, daß es knallig wirkt: Stills von Autos, Katzen, Fensterläden, Fassaden aller Art, Maschinen und natürlich Meer, Sonnenuntergang, Baum und Blume, immer und immer wieder neu und immer und immer wieder gleich.
Eben wegen der inzwischen absoluten Beliebigkeit fast all dieser Bilder muß man tief in die Trickkiste greifen, um überhaupt noch wahrgenommen und vielleicht wenigstens ein bißchen polarisieren zu können. HDR, DRI, Wahnsinnskontraste, übersättigte Farben, grelle Weitwinkel- oder Tele-Perspektiven, selektive und willkürliche Schärfeebenen und so weiter.
Man kennt das. Ich mache das auch so.
Aber warum? Nur weil ich es kann? Oder gern können würde?

Als Student vor vielen Jahren geriet ich in so manches zu Beginn heillos überfüllte Seminar. Da saß man mit 150 Leuten auf einem Haufen, kein Gedanke auch nur an den Ansatz einer sinnvollen Diskussion – und die Dozenten waren dann regelmäßig so frei zu sagen, es möge doch bitte die Hälfte der Leute einfach mal freiwillig wieder gehen. Man werde das Seminar im nächsten Semester genau so wieder anbieten…
(Nein, natürlich funktionierte das nicht!)

Ich will nicht aufhören, ich will auch nicht einfach rumlamentieren. Vielmehr versuche ich eine tragfähige Position zu finden, von der aus es weiter gehen kann. Eine wichtige Änderung wird sein müssen, mich zu beschränken: nicht mehr gnadenlos alles knipsen nur, weil ich es kann. Mich beschränken konzentrieren auf Bilder, die eine verständliche Aussage transportieren, die erkennbar von mir kommt. An dieser Stelle weiter denken.

Akut gefährdet: der Wendebachstausee

Die Politiker wollen sich wieder mal ihrer Verantwortung entziehen (tun sie je was anderes?) und die unwägbaren Risiken des Wendebachstausees los werden. Der staut den Wendebach (ja tatsächlich!) und beschützt den Ort Niedernjesa vor etwaigem Hochwasser. Der Wendebach mündet dann später in die Leine. Insofern schützt der Staudamm auch ein wenig die Stadt Göttingen.
Oder vielmehr: er würde das tun, wenn er nicht eigentlich brüchig wäre und geologisch instabil. Ich kenne mich mit den technischen Details nicht aus, die desinformierenden Artikel des Göttinger Tageblatts helfen da auch nicht wirklich weiter. Klar ist nur: der vom Land gebaute Damm soll aus Landesverantwortung raus, vor allem wollen die kein Geld mehr dafür bezahlen. Die anliegenden Gemeinden sollen (und wollen eigentlich auch gern) übernehmen – aber wer soll das bezahlen?!
Nun geht es beileibe nicht nur um Hochwasserschutz, sondern viel mehr noch um die in den letzten 30 Jahren gewachsene landschaftliche Idylle! Die zieht (keineswegs nur im Sommer zum Baden) tausende Erholung suchende Menschen aus beachtlich weitem Umkreis an. Das Gelände ringsum ist naturnah rekultiviert und ein ökologischer Lehrpfad ist angelegt worden. Es gibt Frösche und Fische und Wildgänse und Nacktbadende. Und reichlich Singvögel, u.a. ganze Schulen von Nachtigallen. Man kann grillen dort, sich sonnen (oder beides gleichzeitig), baden, ein paar Meter weiter nur bachaufwärts durch ein paradiesisches Tal wandern oder radeln und es sich einfach rundum gut gehen lassen.

Das Wendebachtal mitsamt dem Stausee sind eine der schönsten landschaftlichen Ecken, die ich kenne.
Und das muß unbedingt so bleiben.
U.N.B.E.D.I.N.G.T.

Goldener Oktober

Is ja asbach uralt, aber man wird ja auch selba nich jünger.
Dieser leckere Geruch am frühen Morgen draußen, dazu hoch im Südhimmel Orion und hell strahlend im Osten die Venus. Später scheint die Sonne so lange und intensiv, daß nicht nur all das nett gefärbte Laub so richtig grell am Leuchten is, sondern dasses einem auch so richtich voll warm wird.
Mir persönlich geht das dann so, daß ich, wenn ich es dann endlich mal raus geschafft hab (Trägheit der Masse), gar nich wieder rein will (weil sooo schön draußen).
Sonntach war ich morgens ne gute Stunde Laufen und nachmittags mit Frau und Kind und Kegel und Freunde und deren Kegel und Kind (aber ohne Kaninchen) fast 3 Stunden spazieren im Wald und auf dem Kerstlingeröder Feld. Daß da kein Kind sich beklagt hat, lag nicht nur an Brezeln und Bratwurst, die es hinterher am Kehr kredenzt gab. Das war eher ganz neu. Wenn auch irgendwie so gar nicht überraschend.
Also lieber Oktober: weiter so. Nich schwächeln jetzt. Vor allem nich nächste Woche, wenn Herbstferien sind und wir groß auf Tour wollen!

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Frühnebel, encore

Heute etwas früher, so im ganz Dunklen am nebligen Kiessee laufen. Dieses süße Gruseln, wie sich da so aus dem wabernden Nichts ein Fahrradscheinwerfer materialisiert und auf mich zu kommt. Und wie es sich anfühlt, nicht zu sehen, wo man hin tritt. Wie selbstverständlich ich es hinnehme und erwarte, daß die Wege aufgeräumt sind.
Kein Stolpern, kein Straucheln, nur angenehmstes Laufen. Besser geht’s nicht.

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Venus und Mond


Heute Morgen durchbrechen sie für einen kurzen Moment gemeinsam den Frühnebel. Ein erhebender Moment!

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Stadtwild

Heute Morgen um acht, so ungefähr in der Tilsiter Straße in Göttingen, mitten in der Südstadt also, überquert etwa 10 Meter vor mir ein Fuchs die Straße. Ich brauche ein paar Minuten, um zu begreifen, daß es keine Katze ist. Der Fuchs sieht mich kurz an, beschleunigt dann seinen Lauf, ich höre seine Krallen auf dem Asphalt, dann verschwindet er zwischen den Häusern des neuen Altenheims (auch so ein Ort, wo die Begriffe alt und neu seltsam verwischen, aber das ist ja ein ganz anderes Thema).
Der Fuchs als Stadtbewohner ist mir sehr neu. Ich habe überhaupt noch nicht viele von seiner Art gesehen. Der heute war ein Prachtexemplar mit wunderschönem buschigen Schwanz und ganz schön groß.

Leine Hochwasser in Göttingen


Nach fast einem ganzen Tag intensivem Dauerregen tritt die Leine mit einer Heftigkeit über die Ufer, wie sie es seit vielen Jahren nicht mehr getan hat.

Ausführliche Infos bei goest.de.

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