HDR und DRI und so

Dies wird kein Tutorial, wie man das anwendet, keine Sorge. Schon allein deshalb nicht, weil ich trotz all der Artikel, die ich bislang darüber gelesen habe, nach wie vor selber nicht so ganz verstehe, wie man das macht, das HDR oder das DRI oder auch HDRI… – insbesondere welche Rolle die Spezialprogramme wie zB Photomatix dabei übernehmen.
Denn das, was man eigentlich möchte, den Kontrastumfang seines Photos erweitern, möglicherweise auch ganz dramatisch, das geht auch viel einfacher mit Bordmitteln von Photoshop selbst. Da gibt es im Bild-Anpassen-Menü den Punkt Tiefen/Lichter. Und damit kann man ganz einfach die zu dunklen Teile eines Bildes aufhellen und die zu hellen abdunkeln. Der große Vorteil dieses Werkzeugs ist, daß man dafür nicht mit komplizierten Auswahlen rumhantieren muß. Lediglich ein wenig Fingerspitzengefühl ist verlangt (wie sonst auch), damit die Effekte nicht völlig unnatürlich wirken. Obwohl es ja offensichtlich auch einige Bildermacher gibt, die die grelleren Effekte mögen.
Seit ich dieses Werkzeug in PS entdeckt habe, fällt es mir schwer es nicht zu benutzen. Gar zu verführerisch ist es, aus jedem Bild das letzte an Lichtinformation herauszuholen. Wie man liest, wird die nächste Generation der Profi-DSLRs die Fähigkeit der Kontrastumfangerweiterung schon quasi fest eingebaut mitbringen. Da wird es dann einen HDRI-Knopf geben oder so. Ich denke heute, daß ich den genauso wenig brauchen werde wie Motivprogramme oder die Sepia-Einstellung. Die Entscheidung, mit welchen Entwicklungseffekten ich meine Bilder aufpeppe, treffe ich lieber, wenn ich in Ruhe am Monitor sitze, als wenn es vor Ort meistens vor allem schnell gehen muß.

Dieser Beitrag hat 12 Kommentare

  1. 8mt

    Das eigentlich Interessante an der ganze HDR-Kiste ist, wie sich der Geschmack mit solchen Bildern ändert: Nicht nachträglich getunte Bilder werden wohl bald flau und fade wirken, irgendwie tot, nicht wie man sich ein richtiges Foto vorstellt. Ist irgendwie wie mit den künstlichen Fruchtaromen: Wer mit Geschmacksverstärkern aufgewachsen ist, wird sich darüber wundern, wie fade richtige Erdbeeren doch schmecken…

  2. grapf

    In diese Richtung gehen meine Befürchtungen auch. Natürlich wird es dann irgendwann eine Gegenbewegung geben, die das Ursprüngliche Photographische, Analoge am Bild wieder haben möchte, aber natürlich als spleenig und ewiggestrig abgetan werden wird…
    Aber das paßt ja auch.

  3. Sigurd

    Reine Neugier: Kann man das für die Zuschauer der angeschlossenen Blogs – zumindest grob – mal quantifizieren, wie groß ist eigentlich jetzt der Anteil der Nachbearbeitung am fertigen Bild?

  4. delacruz

    HDRs kann man übrigens auch mit PS (und Bridge) ganz leicht erstellen. Da braucht man kein Photomatix o.ä. Vorteil im Vergleich zu Tiefen/Lichter ist halt, dass man wirklich MEHR Bildinformationen zur Verfügung hat und die vorhandenen nicht künstlich erweitern muss. Nachteil – offensichtlich – dass man jeweils mindestens drei Bilder schießen und daher im Normalfall mit Stativ arbeiten muss.

  5. grapf

    @delacruz: Das mit dem Stativ ist für mich ja schon fast ein Killerargument, da ich in 97% aller Fälle ohne reise. Und daß sich das mit den Belichtungsreihen auch nur für statische Motive eignet, macht es nicht attraktiver.

    @Sigurd:
    Motivsuche: von Sekunden bis Stunden
    das Photo machen: Bruchteile von Sekunden
    Nachbearbeitung: zwischen 1 und 20 Minuten, normalerweise eher recht kurz.

  6. Krischan

    Natürlich wird es dann irgendwann eine Gegenbewegung
    geben, die das Ursprüngliche Photographische, Analoge am
    Bild wieder haben möchte

    Kann es sein, dass es bei der Dynamikerweiterung – abgesehen vom technik-spiel-faktor – tatsächlich genau darum geht? Analoge Aufnahmen sind doch dynamischer, als digitale, oder?

  7. Jens

    “Das eigentlich Interessante an der ganze HDR-Kiste ist, wie sich der Geschmack mit solchen Bildern ändert: Nicht nachträglich getunte Bilder werden wohl bald flau und fade wirken, irgendwie tot, nicht wie man sich ein richtiges Foto vorstellt. Ist irgendwie wie mit den künstlichen Fruchtaromen: Wer mit Geschmacksverstärkern aufgewachsen ist, wird sich darüber wundern, wie fade richtige Erdbeeren doch schmecken…”

    So eine wohl leider richtige Einsicht finde ich mehr als traurig, aber wohl auch nicht verhinderbar….
    Der ganze EBV Aufwand, der heute oft betrieben wird für in meinen Augen immer weiter von dem Weg was Fotografie in meinen Augen ausmacht: Ein Motiv sehen und umsetzen.
    Wenn man die “Szene” so beobachtet fällt mir zumindest auf, dass ein Grossteil der im Nachhinein manipulierten Bilder auf den Effekt reduziert sind. Was mich aber am meisten daran schockiert ist, dass es kaum einer mehr merkt…:(

  8. grapf

    “Profit ist das, was unser Handeln bestimmt. »Menschlicher als der Mensch« ist unser Motto” (aus Bladerunner)
    Oder eben: wirklicher als die Wirklichkeit! Wen interessiert da noch, ob der Geschmack echt ist oder synthetisch.
    Außerdem – machen wir es, weil wir es können.

    Es wird nichts helfen, an dieser Stelle in tiefe philosophische Verzweiflung zu verfallen. Der Effekt ist ja nicht schlecht, weil er ein Effekt ist. Es ist meines Erachtens nicht einmal schlimm, Effekte einfach um ihrer selbst willen einzusetzen.
    Tragisch finde ich allerdings, daß in der ungeheuren Masse effekthascherisch aufgepeppter und trotzdem inhaltsleerer Bilder (und Texte und Töne und Geschmäcker) wirkliche Inhalte untergehen, weil man sie einfach nicht mehr wahrnimmt. Weil jegliche Aufmerksamkeit wirksam und nachhaltig betäubt ist.

  9. Jens

    Na in Verzweiflung verfallen ist bestimmt nicht angesagt….und schon gar nicht wegen HDRI :)
    Den letzten Satz von Dir kann ich leider nicht widerlegen….was ich schade finde.

    Wirklicher als die Wirklichkeit? Die künstliche Realität funktioniert meiner Meinung nach in den seltensten Fällen. Auch zu ihr gehört tatsächlich Können….was die wenigsten besitzen.

  10. delacruz

    @grapf: Das mit den Killerargumenten sehe ich ähnlich. Abgesehen davon habe ich nichts gegen den Einsatz von HDR – wären da nur nicht die meist augensträubenden Resultate (so sich Augen sträuben können). Die Bilder wirken nach der exzessiven Bearbeitung meist einfach grauenvoll. Allerdings hat Krischan durchaus recht, dass man sich auf die Art und Weise letztlich nur Bildinfos “zurückholt”, die mit der Digifotografie verloren gingen – man sollte es halt (IMHO) nur nicht übertreiben…. Deiner Argumentation in (8) kann ich mich nur anschließen.

  11. hildi

    Die Sache mit den ewig gestrigen erinnert mich überigens wieder an meine gepullten Aufnahmen. Mit analog kann man auf jeden Fall reichlich Konstrastumfang raus holen. Mit DRI habe ich auch gespielt, es aber versucht, dezent einzusetzen. Mir persönlich bringt das nicht sonderlich viel. Ich arbeite da lieber klassische im Sinne von Nachbelichten und Abwedeln (nur digital) und vor allem vom RAW. Oder ich mache es hybrid und entwickle den Film entsprechend.

  12. blue sky

    HDR ist einer dieser technischen Effekte, deren Sinn sich mir nicht erschließen will. Weder kann ich der damit verbundenen Ästhetik viel abgewinnen (vor allem die Farben werden meist scheußlich artifiziell), noch verstehe ich die Philosophie hinter der Kontrastumfangerweiterung. Meist ist es doch gerade dessen Begrenzung (und damit Erhöhung des Kontrasts zwischen anderenfalls ähnlich hellen Bildbereichen), die die Bildaussage kräftigt.

    Für mich bleibt das eine Spielerei ähnlich einem Effektfilter, dessen Einsatz spätestens beim dritten Bild anfängt, zu langweilen.

    Was die Wirkung nicht nachträglich getunter Bilder generell angeht, bin ich übrigens nicht so pessimistisch. Es wird wie in der Musik immer genügend Menschen geben, die das, was ungeschönt, ungeglättet und unperfekt kommt, wesentlich reizvoller finden als das Geglättete und Getjuhnte.

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