Laternegehn


Gut eingewickelt in mein Radfahrer-Ganzkörperkondom schliddere ich durch den feinsten Nieselregen, den so ein gemeiner Novemberabend zu nässen imstande ist, zum Kindergarten. Da sind schon alle Muttis und einige Pappis und natürlich die vielen lieben Kleinen mit ihren bunten Laternen und scharren mit den Hufen.
Es sind so mit die ambivalentesten Gefühle überhaupt, die mich durchzucken, wenn ich aus überzeugten Muttikehlen die bekannten Laterne-Lieder geträllert bekomme, dazu die schrägen und grellen Zwischentöne der Kinder. Dazu diesmal ganz neu: auch manche Laternen selbst singen mit. Oder genauer gesagt: piepsen aus kleinen Soundchips, die in die LED-blinkenden Stiele eingebaut sind. Es ist dieser Punkt, wo aus einem Amüsiertsein über die Spielerein moderner Technik schlagartig blankes Entsetzen wird. Wenn die Kinder plötzlich keine Kerze mehr benutzen dürfen, kein offenes Feuer (Gefahr! Gefahr! Paulinchen ist allein zuhaus!), und wenn das vom Kerzenschein durch das Laternenpapier erzeugte bunte Licht nicht mehr ausreicht, sondern durch elektronisches Blinken ergänzt werden muß. Und dann auch noch das Gepiepse.
Das Gemeine daran ist, daß es den Kindern gefällt.
Das Schöne ist, daß die Kleine glücklich strahlend neben mir her läuft, in der einen Hand ihre Laterne mit Kerze schwenkt, in der anderen den Schirm balanciert, damit die Laterne nicht naß wird, und singt. Unbekümmert, unbeirrt, ungeheuer schön, wie nur das eigene Kind singen kann. (Ganz objektiv gehört.)
Danach sitzt man im Kindergarten gemütlich beisammen, mampft das mitgebrachte Buffet, die Kinder trinken Punsch und die Eltern dürfen Glühwein. Ach ja fein. Noch etwas mehr dürfte es sein. Da geht dann doch ganz schön was rein.

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Igelborste

    Es war zauberhafte, wunderschöne Zeit…

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