Laufsteg im Hainichen

Unser Sonntagsausflug führt unser Auto diesmal durch die blühenden Landschaften des nördlichen Thüringens, vorbei an den mir lieb gewordenen Orten Heiligenstadt, Dingelstädt, Mühlhausen bis fast nach Bad Langensalza. Kurz vorher biegt man rechts ab und findet sich alsbald im Walde wieder, wo man dann als erstes für nur einen Euro einen Parkplatz kricht.

Und dann geht’s auch gleich munter los. Durch eine quirlige Ansammlung wohlriechender Friß- oder Stirb-Etablissemangs voller Ausflügler, die an mangelndem Appetit ganz offenkundig nicht zu leiden haben. Hätten wir’s nur gewußt, hätten wir natürlich unsere ollen Stullen zuhause gelassen und uns voller Schunkelfreude mit auf die Holzbänke gesetzt, um eine ordentliche Thüringer Bratwurst mit Faßbrause zu Mittag zu schmausen. Doch leider –

Stattdessen schreiten wir wohlgemut und hurtig aus, nur um uns kurz darauf doch wieder stehend vorzufinden. Stehend und wartend auf Einlaß in die Attraktion, die uns hergelockt hat: den Baumkronenpfad im Hainichen. Das ist, wie sich dann so allmählich herausstellt, ein auf große Metallgestelle montierter Holzweg, der zunächst mitten zwischen den Bäumen durch auf etwa 10 Meter Höhe und zum Ende hin auf etwa 24 Meter Höhe vis à vis den Baumwipfeln durch den Wald geführt wird. Inclusive Aufstieg auf den Turm, der Start und Ziel zugleich ist und inclusive wohlwollendem Studium all der enorm interessanten Schautafeln, auf denen feinst säuberlich beschrieben steht, was so ein Wald denn wohl sei und was für ein gar besonderer ebensolcher der Hainichen, also man hat das in etwa 10 Minuten im Grunde lässig geschafft. Und kostet auch nur 16 Euro die Familienkarte.

Wenn da die Schlange nicht wäre, die dem ganzen etwas eigenartige Bedeutung verleiht, weil man nun allein schon für’s Warten etwa eine Stunde veranschlagen muß. Und darum verbleibt man dann auch oben länger, weil das ja irgendwie in einem Verhältnis stehen muß.
Aber nach einer Viertelstunde weiß man beim besten Willen nicht mehr, wohin man noch gucken könnte und steigt wieder hinab und blickt da hinein in all die erwartungsfrohen Gesichter derer, die es noch vor sich haben.
Und denkt sich, während man die Schlange nun so umgekehrt abschreitet: schade irgendwie. Schade, daß der Weg zum größten Teil eigentlich nur so mitten durch die Bäume führt und nicht oben drüber, wie man nach all den blumigen Beschreibungen so erwartet hatte. Aber – tja, Bäume wachsen eben. Schade natürlich auch, daß es so voll ist. Aber hey, es ist Sonntag.


Versöhnlich stimmt der rauchfreie macchiato in Bad Langensalza, danach. Ein Ort übrigens, den ich mir sofort auf die Merkliste gesetzt habe, weil voller Ost-Charme und mit spannenden Ecken, wenn man sich nur umguckt…

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