Bücher-Stöckchen

Marlen hat Stöckchen geworfen.

|1| Ein Buch, das mein Leben verändert hat:
Schwierig. Sehr schwierig. Ob Bücher wirklich Leben verändern? Aber John Irvings “Hotel New Hampshire” hat mich sicher sehr beeinflußt. Seit ich das (um 1987) zum ersten Mal gelesen habe, kann ich mir wieder vorstellen, daß Familie eine lebenswerte Einrichtung sein kann.

|2| Ein Buch, das ich mehr als einmal gelesen habe:
Da gibt es einige…, das nachhaltigst wirkende dürften aber die ersten drei Bände der Anhalter-Trilogie von Douglas Adams sein. Da lese ich immer wieder sehr gern drin.

|3| Ein Buch, das ich auf einer einsamen Insel gern bei mir hätte:
Einerseits bestimmt das “Handbuch der 1000 Tricks zum Überleben auf einsamen Inseln”, andererseits vielleicht am ehesten ein dickes Buch mit leeren Seiten und einem sehr angenehm schreibenden Stift. Und dann endlich mal die Zeit und die Ruhe haben…

|4| Ein Buch, das mich zum Lachen gebracht hat:
Zuletzt “Liegen lernen” von Frank Goosen. Ich fühlte mich oft so köstlich ertappt.

|5| Ein Buch, das mich zum Weinen gebracht hat:
“Nicht alle waren Mörder” von Michael Degen. Das hat mich schon sehr ergriffen.

|6| Ein Buch, das hätte geschrieben werden sollen:
Ein Tagebuch einer mir einst sehr nahestehenden Person, von der ich gern mehr gewußt hätte, in der Zeit, als ich sie noch hätte fragen können, aber nicht wirklich etwas herausgefunden habe.

|7| Ein Buch, das nie hätte geschrieben werden sollen:
Es gibt bestimmt unglaublich viele Bücher, die jedenfalls besser nicht hätten veröffentlicht werden sollen. Aber ich würde mir nicht anmaßen das zu entscheiden. Und selbst gelesen habe ich noch kein Buch, bei dem ich das so bereut hätte, daß ich zu so einer Meinung gekommen wäre. Im Gegenteil: man muß sich auch mit den Argumenten seiner Gegner auseinandersetzen. Und wenn es langweilig oder nichtssagend ist, lese ich eben nicht weiter.

|8| Ein Buch, das ich gerade lese:
“Generation Kill”, der Bericht eines embedded journalist im Irak-Krieg. Bei 2001 erhältlich. Sehr zu empfehlen.

|9| Ein Buch, das ich schon immer mal lesen wollte:
“Kindheitsmuster” von Christa Wolf. Oder eins der neueren Werke von John Irving, also so etwa alles, was er nach 1990 veröffentlicht hat…

|10| Ich lade diese fünf anderen Blogger ein, mitzumachen:
nickelartist, zett42, hildi, komma5 und MissXYZ

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Endlich Ohrlöcher!

Ich kann mich gar nicht genau erinnern, wie lange sie darauf gewartet hat. Erst hatten wir sie vertröstet, weil sie noch zu klein war. Dann ergab sich länger nicht die passende Gelegenheit. Schließlich waren wir bei einem Juwelier und dann wollte der nicht, weil es ihm entweder wirklich zu heikel war oder weil er die passende Ausrüstung einfach nicht hatte. Er verwies uns stattdessen auf den HNO-Arzt. Und da waren wir nun gestern. Endlich.
Im Nieselregen hole ich sie mit dem Fahrrad vom Ballett ab, wo sie mir inmitten der andern rosanen Ballettmäuse schon munter und in der ihr eigenen stillen Aufgeregtheit auf den Arm springt. Schnell, viel schneller als sonst, ist sie umgezogen und sitzt hinter mir auf dem Rad, mit dem wir in die Stadt gondeln. Bis zum Termin bei Frau Doktor ist noch Zeit. Ich will ihr ein Eis spendieren, sie schaut mich groß an und sagt mit deutlichem Bedauern: du, Papa, eigentlich habe ich jetzt gar keinen Hunger auf Eis. Erst als ich ihr verdeutliche, daß wir noch eine halbe Stunde warten müssen, kommt der normale Appetit allmählich zurück.
Und dann schlendern wir durch die Stadt, sie mit einer Kugel Waldmeister, ich mit Schokolade.

In der Praxis freundliche Begrüßung: ach Sie sind das. Mit den Ohrlöchern. Ja, wir haben telefoniert.
Und schon sitzt Li Si auf dem Stuhl, ganz die konzentrierte Ruhe, ernstes Gesicht, unglaublich diszipliniert. In solchen Momenten bin ich tief bewegt von der Eindeutigkeit ihres Wollens, der Kraft ihrer Persönlichkeit.
Die Arzthelferin markiert die Lochstellen an den Ohrläppchen mit einem Stift, kontrolliert die Symmetrie, läßt das Kind mit dem Spiegel ebenfalls prüfen, ob alles richtig sitzt, und selbst der Vater muß noch sein OK geben, bevor die Pistole endlich angesetzt wird und nach einem kleinen Pling das erste Loch sitzt. Und in ihm drin der erste türkis glitzernde Stecker, den wir zuvor aus einer viel zu großen Kiste sehr ähnlicher Stecker ausgewählt haben.
Wie weh es dann wohl doch getan hat, merkt man ihrem Gesicht nicht an. Nur, daß sie sich völlig unter Kontrolle hat.
Ich halte ihre Hände und bin sehr stolz und beeindruckt.

Sobald auch das zweite Loch sitzt, und zwar perfekt sitzt, bekommen wir noch ein kleines Fläschchen Desinfektionslösung und den Rat mit auf den Weg, nicht mit dreckigen Fingern an die Löcher zu gehen. Konsequent und diszipliniert zieht mich das Kind direkt auf die Toilette, wo sie sich gründlich wie nie mit Seife die Finger wäscht und abtrocknet, um dann vorsichtig und stolz und nur ein klein bißchen unsicher, dafür aber sehr glücklich mit ihren Händen fühlen zu können, daß sie nun Stecker in ihren Ohren hat, und also Löcher.
Endlich.
Was für ein großer Moment. Die Heimfahrt wird trotz Nieselregen und Müdigkeit zum Triumphzug.

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Nachrichten

Göttingen hat endlich einen neuen Oberbürgermeister.
Jetzt kann nur alles besser werden.

Aber: das Klima wird sich bis zum Ende des Jahrhunderts um 4 bis 6 Grad erwärmen. Dies bedeutet nicht nur eine Zunahme von Hitze- und Dürreperioden, sondern auch ein weiteres Abschmelzen der Eismassen in den Polargebieten, damit einen Anstieg des Meeresniveaus, ferner die Zunahme an Unwettern.
Da sich die Hauptklimakatastrophenverursacher (USA, China etc) wohl kaum in absehbarer Zeit zu durchschlagenden Maßnahmen werden durchringen können, wird die Klimaänderung unweigerlich eintreten. Und zwar bereits rückwirkend seit einiger Zeit.
Schließen wir also schon mal fleißig neue Versicherungen ab: gegen Hochwasser, Starkregen, Wassermangel und Unwetter aller Art. Solange es noch geht.
Vielleicht läßt sich ja auch das etwas in die Jahre gekommene Hobby des Bunkerbauens wieder beleben. Nun nicht mehr gegen Atombomben, sondern gegen Hitze, Sturm und Flutwellen, nicht zu vergessen: marodierende und plündernde Horden.

Notiz an mich selbst: unbedingt gleich mal wieder eine Datensicherung des Weblogs anfertigen und in den Tresor damit.

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BahnBlog

Die Galerie Kopfbahnhof, die früher unter der URL kopfbahnhof.net, in jüngerer Zeit nur noch unter bahn.grapf.de erreichbar war, ist jetzt seit ein paar Tagen offline, weil dort der Spam Einzug gehalten hat. Gepflegt habe ich sie ohnehin schon länger nicht mehr.
An ihrer Stelle gibt es im grapf.log jetzt eine neue Rubrik BahnBlog, unter der es hin und wieder Bahnbilder und kleine Geschichten zum Thema geben wird.

Am letzten Augustwochenende fuhren wir nach Dresden. Von Göttingen nach Erfurt mit dem Regionalexpress, der größtenteils nicht elektrifiziert und eingleisig fährt und dabei erstaunlich schnell ist. Mit ein wenig Glück kann man vorn hinter dem Fahrer stehen und nach vorn rausgucken. Wie das aussieht, zeigen die folgenden Bilder.

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IC nach Berlin

Mit einem Intercity, der nur aus unrenovierten Interregio-Abteilen besteht und einen direkt in die frühen Achtziger Jahre zurückkatapultiert, der nach Göttingen erst wieder in Wolfsburg hält, aber über Hannover fährt, wo er jedoch nicht den Hauptbahnhof berührt, sondern in großer Kurve von Waldheim direkt nach Kleefeld und Tiergarten abbiegt, wo er auf altertümlich ratternden Gleisen bis Lehrte ein gutes Stück neben der eigentlichen Strecke zunächst sehr betulich gen Osten zuckelt.
Der Zug ist voll, was die Enge der alten Abteile, die sogar noch Klappsitze im Gang bieten, unterstreicht. Am offenen Fenster wehen Reste eines Vorhangs, der Schaffner scheint einem Kuriositätenkabinett entsprungen, wenn auch gänzlich humorbefreit. War sie nicht so, die deutsche Bundesbahn, der man heimlich nachweint?

In der Hauptstadt wird der Zeitreise-Turbo eingelegt: über Jungfernheide geht es auf die frischen Gleise im Nordring und im Wedding durch die gerade neu eröffnete Kurve in den neuen Nord-Süd-Tunnel. Ankunft in Hauptbahnhof “tief”.
Gigantisch. Da. Alles. Zwei Wochen vor der Eröffnung hatte ich mir das ja alles schon von oben angeguckt. Jetzt unten auszusteigen ist allerdings ein paar Tacken härter. Der schlichte Wahnsinn, nach oben zu blicken und da kurz vorm Himmelszelt S-Bahnen entlang rauschen zu sehen. Eher surreal erscheint das hier, ein Gefühl wie weiland im Sony-Center am Potsdamer Platz. Staunen, eine ganze Zeitlang, wohlmeinend durchaus – dennoch nach wenigen Momenten wieder die Frage, wo hier der Sinn liegt? Warum für viele hundert Millionen Euro so ein Bahndenkmal in den Sand gesetzt wird, das eigentlich niemand braucht.
Angesichts des architektonischen Aberwitzes ist natürlich die charmante Zeitreise im IC schnell in den Hintergrund gerückt. Ein Grund mehr, sie hier festzuhalten.

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Moment des Glücks


Satt sein.
Im angenehm warmen Zimmer sitzen.
Nichts tut weh.
Die kleine isst Eis.
Der große liest Zeitung.
Die große spielt die Bach’sche Etüde auf dem Klavier.
Ja, genau die.
Der Papa sitzt einfach nur da, sinniert so angenehm ungestört vor sich hin.
Und ist plötzlich ganz gerührt.

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moon over Geizmar


Heute Abend sieht er wunderbar aus. Zum Dahinschmelzen. Morgen Abend wird er nicht nur voll sein, sondern auch noch teilweise verfinstert, gleich nach Aufgang. Doch wahrscheinlich wird man ihn gar nicht sehen, weil der Himmel dann schon wieder voller Wolken sein wird.
Also heute: carpe noctem!

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